Im
September 1977 findet in Genua ein für diese Zeit - und bestimmt
auch zu anderen Zeiten - höchst seltenes Treffen statt. Die
PSI-Dezernate der Sowjetunion und Großbritanniens
entschließen sich (nach den schrecklichen Vorfällen um
Schloß Bronnitsy, wobei ein Großteil des russischen
Dezernats starb, und nach den düsteren Vorwarnungen Harry Keoghs
an Alec Kyle) zur Zusammenarbeit. Dazu müssen sich Alec Kyle,
der Leiter des englischen PSI-Dezernats, und Felix Krakovic, der neue
Leiter des russischen E-Dezernates, erst mal den Blicken ihrer
Beobachter, besonders des KGB, entziehen. Obwohl Felix Krakovic vom
großen Vorsitzenden ein unüberwachtes Gespräch mit
dem Westen zugesagt wurde, kocht Andropovs KGB wieder sein eigenes
Süppchen. Doch mit Hilfe westlicher Agenten gelingt es, den KGB
abzuschütteln und sich nach Rumänien zu begeben, um dort
das Grab eines Vampirs ausfindig zu machen. Es handelt sich hierbei
um das Grab von Thibor Ferency, das nun auch die Überreste von
Boris Dragosani und Max Batu enthält, dem Mann, der zu Lebzeiten
den "Bösen Blick" hatte.
Doch auch Harry Keogh zieht es zum Grab des Vampirs. Harrys Geist
lebt nun im mittlerweile fünf Wochen alten Körper seines
Sohnes. Im Wachzustand des Kindes wird Harrys Wesen fast komplett von
Harry Junior vereinnahmt. Nur wenn das Kind schläft, kann Harrys
Geist den Körper verlassen und durch das Möbius-Kontinuum
Raum und Zeit durchstreifen. So sucht Harry denn auch Thibor Ferency
auf, um weiter dessen Lebensgeschichte zu hören und vielleicht
mehr über die Möglichkeiten zu erfahren, wie man Vampire
töten kann.
In England spitzt sich die Situation ebenfalls zu. Yulian Boescu, dem
schon im Leib seiner Mutter ein Ableger Thibor Ferencys eingepflanzt
wurde, was ihn zu einer Art Halbvampir machte, wird sich immer mehr
seiner dunklen Seite bewußt. Er beginnt, mit seinen
Kräften zu experimentieren, und er probiert an seinem inzwischen
untoten Onkel George aus, wie ein Vampir zu töten wäre.
Seine Tante und seine Cousine tragen seine Ableger in sich und sind
somit zu seinen Sklaven geworden. Doch dann fällt Yulian auf,
daß er beobachtet wird; der Agent kann nur mit Müh und Not
Yulians monströsem Hund entkommen. Das englische PSI-Dezernat
hat die Observierung von Yulians Haus übernommen; und langsam
beginnen die PSI-Spezialisten der Engländer, sich auf den Sturm
des Hauses vorzubereiten.
Der vierte Necroscope-Band von Brian Lumley bringt die aktuelle
Handlung nicht großartig voran. Eher wird weiterhin die
Vorgeschichte ausführlich aufbereitet, insbesondere die
Lebensgeschichte der Vampire Thibor und Faethor Ferency. Im
englischen Original würden wir uns ja jetzt im zweiten Band
befinden, aber der Abschluß der deutschen Ausgabe klingt nicht
unbedingt so, als ob damit auch der 2. Originalband beendet
wäre. Diese ganze Aufteilerei bringt doch einiges
durcheinander.
Jedenfalls ist mir stark aufgefallen, daß die Figur von Harry
Keogh doch ziemlich blaß bleibt. Der Umgang mit dem
körperlosen Protagonisten und seinen unglaublichen
Fähigkeiten scheint Brian Lumley noch einige Probleme zu
bereiten. Mit den Hauptdarstellern der Gegenseite hat Lumley diese
Probleme nicht. Hier gelingt ihm eine viel bessere, differenziertere
Darstellung. Die Vampire können halt schön böse sein,
ohne jede Art von Moral und Hemmung, und das ist wohl einfacher zu
schildern als die Gefühlsregungen eines Geistes oder besser
körperlosen Menschen (wie auch immer).
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