Brian Lumley:

"Necroscope - Untot"

(Necroscope - Band 4)
OT: Necroscope 2: Wamphyri!
Ü: Hans Gerwien
GB 1988
(173 Seiten, Paperback, Blitz-Verlag 2804, ISBN 3-89840-023-9, DM 19,80)
- erschienen: Februar 2001 -

Im September 1977 findet in Genua ein für diese Zeit - und bestimmt auch zu anderen Zeiten - höchst seltenes Treffen statt. Die PSI-Dezernate der Sowjetunion und Großbritanniens entschließen sich (nach den schrecklichen Vorfällen um Schloß Bronnitsy, wobei ein Großteil des russischen Dezernats starb, und nach den düsteren Vorwarnungen Harry Keoghs an Alec Kyle) zur Zusammenarbeit. Dazu müssen sich Alec Kyle, der Leiter des englischen PSI-Dezernats, und Felix Krakovic, der neue Leiter des russischen E-Dezernates, erst mal den Blicken ihrer Beobachter, besonders des KGB, entziehen. Obwohl Felix Krakovic vom großen Vorsitzenden ein unüberwachtes Gespräch mit dem Westen zugesagt wurde, kocht Andropovs KGB wieder sein eigenes Süppchen. Doch mit Hilfe westlicher Agenten gelingt es, den KGB abzuschütteln und sich nach Rumänien zu begeben, um dort das Grab eines Vampirs ausfindig zu machen. Es handelt sich hierbei um das Grab von Thibor Ferency, das nun auch die Überreste von Boris Dragosani und Max Batu enthält, dem Mann, der zu Lebzeiten den "Bösen Blick" hatte.
Doch auch Harry Keogh zieht es zum Grab des Vampirs. Harrys Geist lebt nun im mittlerweile fünf Wochen alten Körper seines Sohnes. Im Wachzustand des Kindes wird Harrys Wesen fast komplett von Harry Junior vereinnahmt. Nur wenn das Kind schläft, kann Harrys Geist den Körper verlassen und durch das Möbius-Kontinuum Raum und Zeit durchstreifen. So sucht Harry denn auch Thibor Ferency auf, um weiter dessen Lebensgeschichte zu hören und vielleicht mehr über die Möglichkeiten zu erfahren, wie man Vampire töten kann.
In England spitzt sich die Situation ebenfalls zu. Yulian Boescu, dem schon im Leib seiner Mutter ein Ableger Thibor Ferencys eingepflanzt wurde, was ihn zu einer Art Halbvampir machte, wird sich immer mehr seiner dunklen Seite bewußt. Er beginnt, mit seinen Kräften zu experimentieren, und er probiert an seinem inzwischen untoten Onkel George aus, wie ein Vampir zu töten wäre. Seine Tante und seine Cousine tragen seine Ableger in sich und sind somit zu seinen Sklaven geworden. Doch dann fällt Yulian auf, daß er beobachtet wird; der Agent kann nur mit Müh und Not Yulians monströsem Hund entkommen. Das englische PSI-Dezernat hat die Observierung von Yulians Haus übernommen; und langsam beginnen die PSI-Spezialisten der Engländer, sich auf den Sturm des Hauses vorzubereiten.

Der vierte Necroscope-Band von Brian Lumley bringt die aktuelle Handlung nicht großartig voran. Eher wird weiterhin die Vorgeschichte ausführlich aufbereitet, insbesondere die Lebensgeschichte der Vampire Thibor und Faethor Ferency. Im englischen Original würden wir uns ja jetzt im zweiten Band befinden, aber der Abschluß der deutschen Ausgabe klingt nicht unbedingt so, als ob damit auch der 2. Originalband beendet wäre. Diese ganze Aufteilerei bringt doch einiges durcheinander.
Jedenfalls ist mir stark aufgefallen, daß die Figur von Harry Keogh doch ziemlich blaß bleibt. Der Umgang mit dem körperlosen Protagonisten und seinen unglaublichen Fähigkeiten scheint Brian Lumley noch einige Probleme zu bereiten. Mit den Hauptdarstellern der Gegenseite hat Lumley diese Probleme nicht. Hier gelingt ihm eine viel bessere, differenziertere Darstellung. Die Vampire können halt schön böse sein, ohne jede Art von Moral und Hemmung, und das ist wohl einfacher zu schildern als die Gefühlsregungen eines Geistes oder besser körperlosen Menschen (wie auch immer).
10 Punkte

Bernd Krosta


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