Band 31: "Weltfeind Nr. 1"

Autor: Ronald M. Hahn

Mr. Black und Mr. White, Mitglieder der Running Men und damit Gegner des Weltrats, kehren von einem mehr oder weniger erfolgreichem Außeneinsatz in ihre Zentrale zurück. Schon seit langer Zeit planen sie, gegen den Weltrat vorzugehen, und die erste Phase dieses Plans, bei dem ein Fishmantacan und ein gewisser Mac eine Rolle spielen, ist bereits eingeleitet. Diese beiden liegen in einer Art Kryogentank. Zudem versuchen sie, Matt in ihre Zentrale zu bekommen. Diesmal leibhaftig und nicht nur virtuell.
Matt fällt im Pentagon die Decke auf den Kopf, und so beschließt er, Waashton allein zu erkunden. Entgegen seinen Erwartungen läßt Crow ihn auch ziehen - Matt ahnt nicht, daß er einen Peilsender unter der Haut trägt, mit dem man ihn jederzeit aufspüren kann.
Kurz nachdem Matt an der Oberfläche ist, beobachtet er zwei Mitglieder des Weltrats, die offenbar auf der Suche nach jemandem sind. Matt läßt sie ziehen und trifft kurze Zeit später auf Yellow Kid - ein ehemaliger Bewacher von Lagerhäusern. Er und Matt freunden sich an. Am nächsten Morgen unterstützt Matt mehrere Fischer, die etwas Großes, Echsenartiges an Land ziehen. Dadurch erhält er Zugang zur Bande von Pancake Kid. Jugendbanden wie die von Pancake beherrschen die Außenbezirke Washingtons. Als die Gang kurze Zeit später unerwartet von einer feindlichen Bande überfallen wird, tauchen wie aus dem nichts die Technos auf und metzeln alle Kids nieder. Matt ist entsetzt über diese Roheit.
Zurück im Pentagon erklärt ihm Hymes, daß diese Roheit notwendig war. Endlich erzählt er Matt von den Running Men - und davon, wie zwei Klone eines Tages Amok liefen, General Crows Tochter vergewaltigten und seitdem die Leiter der Running Men sind.
Diese versuchen unterdessen fieberhaft, Matt in die Finger zu bekommen. Und nachdem Matt eine heiße Liebesnacht mit Dayna verbracht hat, begibt er sich erneut an die Oberfläche, um Kontakt zu den Widerständlern aufzunehmen. Diesmal allerdings auf eigene Faust - glaubt er zumindest. Erneut trifft er auf eine Gang. Auf die Frage nach Mr. Black reagiert der Anführer - und bald darauf taucht Mr. Black auch auf. Allerdings ist der Anführer der Gang ein Agent des Weltrats. Im Kugelhagel wird sein Partner, Mr. White, getötet. Matt selbst wird, durch einen Schlag auf den Kopf blind, zu den Running Men geführt.
Rückblick: Mr. Black und Mr. White bekommen den Auftrag, die Tochter von General Crow zurückzubringen. Das Serum, das den Technos das Überleben an der Oberfläche ermöglicht, ist noch in der Testphase. Da die Kandidaten allerdings nicht ins Pentagon zurückkommen - und Crows Tochter gehört zu den Kandidaten - weiß man noch nicht so recht, ob das Serum wirkt. Mr. Black und Mr. White stoßen bald darauf auf Crows Tochter, die sich mit einem Gang-Anführer eingelassen hat. Dummerweise will sie gar nicht zurück. Halbnackt bringen Black und White sie in die Nähe des Pentagon. Die Umstände sprechen gegen sie - und da Black und White schon vorher Zweifel am System des Weltrats gehabt haben, verschwinden sie im Untergrund.
Matts Kontaktaufnahme mißlingt erneut - wieder funkt der Weltrat dazwischen. Mr. Black, in dem Matt Arnold Schwarzenegger erkennt (verständlich, da die Zellen für den Klon vom ehemaligen Präsidenten stammen), wird festgenommen, und Matt landet mal wieder im Pentagon. Er hat jetzt endgültig die Nase voll. Nachdem der Peilsender entfernt worden ist, kehrt er dem Weltrat endgültig den Rücken.

Erstaunlich - dieser Roman ist von Ronald M. Hahn, und wenn man jetzt nicht auf die Rota-Seite blicken würde, würde man es gar nicht glauben. Nun gut, es gibt einige Stellen, die den Band als Hahn-Roman kennzeichnen, aber das sind wirklich nur wenige. Aber dazu später mehr.
Den Stellenwert dieses Romans für die Serie wird man wohl erst feststellen können, wenn die Handlung wieder nach Washington zurückkehrt. Daß sie das tun wird, verrät der sehr offene Schluß des Romans. Und offen bleiben auch die Ziele, die der Weltrat verfolgt. Man kann anhand der Organisation und der Taten nur schlußfolgern, daß diese Ziele nicht so hehr sind, wie sie in Band 29 dargestellt wurden. Auch bleibt unklar, was die Running Men eigentlich vorhaben - man erinnere sich an die Tanks. Aber da werden die nächsten Bände wohl Licht ins Dunkel bringen.
Ansonsten hat man bisweilen das Gefühl, daß die losen Handlungsabschnitte zu lose sind. Die Szenen an sich sind ja nicht schlecht und gefallen - die Diskussionen zwischen Black und White zum Beispiel sind überaus amüsant - doch beschleicht einen hin und wieder das Gefühl, daß der große Handlungsbogen ab und an leicht durchhängt.
Ein Kritikpunkt des Rezensenten ist die Stelle, an der Hymes das Land der Deutschen als "das Land der Dichter und Henker" bezeichnet. Das ist ein echter Mißgriff - nicht, daß sich der Rezensent hier in die überflüssige Diskussion, ob man als Deutscher auf sein Land stolz sein darf, einmischen will, aber man hätte es doch anders formulieren können. Vielleicht ist der Rezensent nicht Zyniker genug, um diese Stelle würdigen zu können.
Ansonsten hat sich Ronald hier sehr zurückgehalten; Kapriolen wie im "Zürich"-Band fehlen gänzlich. Nett sind die Szenen, in denen White und Black ihre genetischen Erinnerungen verarbeiten, und amüsant ist auch, daß ein gewisser Gott "Gangsta" erwähnt wird. Ab und an blitzt also doch der Hahn-typische Humor auf.

Fazit:
Im Grunde erfährt der Leser dieses Romans nicht viel Neues - man könnte ihn als Füllroman bezeichnen. Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich umgesetzt, bisweilen aber hängt sie etwas durch. Auch der Hahn-typische Humor kommt hier etwas zu kurz - leider.
9 Punkte

Christian Spließ