Nachdem die
Ikarus einen Rettungseinsatz mehr oder weniger erfolgreich
abgeschlossen hat und sich in der Nähe der Koordinaten befindet,
die Sentenza im letzten Band von den Außerirdischen erhalten
hat, beschließt die Mannschaft, einen kurzen Abstecher zu
diesen Koordinaten zu machen. Was an und für sich problematisch
ist, da dies kein offizieller Auftrag des Raumcorps ist. Aber da sich
die Ikarus dort nur umsehen will, reicht die Zeit eigentlich aus.
Die Welt, die die Ikarus anfliegt, zeichnet sich auf den ersten Blick
durch keine Besonderheiten aus. Auf den zweiten Blick jedoch findet
die Ikarus-Mannschaft ein abgestürztes Raumschiff und eine sehr
perfekt geformte Welt. Irgendwie scheint das Schiff die Welt
beeinflußt zu haben.
Während der Kapitän zusammen mit Chief DiMersi Anande das
Wrack untersucht, erwacht in diesem eine Art Kollektivintelligenz zum
Leben. Sie entlädt sämtliche Energie-Reserven des Teams,
und als Sentenza neugierig seine Hand in eine Art Kontaktstelle
hält, scannt diese Intelligenz den Kapitän. Sie kommt dabei
zu dem Ergebnis, daß ein alter Feind von ihr wieder da ist, und
leitet sofort Gegenmaßnahmen ein. Erst einmal setzt sie die
Fauna des Planeten auf die Ikarus an, und dann benutzt sie die Bombe,
die der Wenxi einst in der Ikarus angebracht hat. Sentenza kann die
Intelligenz mit einem Schneidbrenner vernichten - doch fast
gleichzeitig explodiert die Ikarus. Die Crew kann sich gerade
rechtzeitig mit einem Shuttle retten. Kurze Zeit später wird die
Crew gerettet. Ob es eine Ikarus II geben wird, ist noch unklar, aber
für den Fall der Fälle hat Sentenza einen Klumpen der
fremden Intelligenz gesichert. Die Ikarus II wird ein besonderes
Raumschiff werden...
Schon auf dem Colonia-Con im letzten Jahr fielen einige Andeutungen,
daß es in der Serie eine große Änderung geben wird.
Mit diesem Band ist jetzt klar, was damit gemeint war: Die Explosion
der Ikarus I.
Das ist nun wirklich im wahrsten Sinne des Wortes ein Knalleffekt.
Und damit wird auch der rote Faden, der in den letzten Bänden
doch sehr lose war, etwas angespannt. Der Rezensent findet es immer
sehr angenehm, wenn es Rückverweise auf vergangene Ereignisse
gibt. Das gibt einem doch das Gefühl, daß sich die Serie
weiterentwickelt und daß ein Handlungsbogen hinter den ganzen
Andeutungen steckt.
Ansonsten ist der eigentliche Plot nicht besonders neu oder originell
- wir erinnern uns, im 2. Band, "Das weiße Raumschiff", hatten
wir schon mal ein Wrack, das lebte. Auf diesen Band wird auch
explizit verwiesen. Hier ist zwar nicht das ganze Schiff lebendig,
aber die Kollektivintelligenz kommt dem doch schon nahe. Irgendwie
scheinen lebendige Schiffe SF-Autoren zu faszinieren - man denke nur
an die Minbari-Schiffe in Bab5 oder an die Lexx (und demnächst
auch die Andromeda).
Man kann sich also im Großen und Ganzen ausrechnen, was
passieren wird. Die Intelligenz entdeckt, daß den
Ikarus-Crewmitgliedern der Hauch eines alten Feindes anhaftet; und
irgendwie weiß man, wie der Roman ausgehen wird. Okay, die
Explosion der Ikarus kommt dann doch überraschend. Und auch
diese Feststellung der Kollektivintelligenz, daß in den Genen
der Crew Material der Ushu steckt, ist höchst interessant. Die
angekündigte Bedrohung scheint also näher und näher zu
rücken. Ich bin mal gespannt, wann die Autoren Weiteres verraten
werden. Das scheint noch eine Weile zu dauern.
Es tauchen in den Nebenhandlungen auch alte Bekannte wieder auf, Lear
und die beiden Protagonisten aus der "Spielhölle". Das ist ganz
nett gemacht und läßt noch einiges erwarten.
Fazit:
Eine nicht sehr neue Idee ist doch recht nett umgesetzt worden. Der
Handlungsbogen ist mal wieder etwas näher in den Vordergrund
gerückt, und man kann einiges für die Zukunft erwarten.
9 Punkte