Dirk van den Boom:

"Requiem"

(Rettungskreuzer Ikarus - Band 5)
D 2000
(86 Seiten, Paperback, books on demand, Arkham-Press, DM 12,90)
- erschienen: März 2001 -
www.rettungskreuzer-ikraus.de

Nachdem die Ikarus einen Rettungseinsatz mehr oder weniger erfolgreich abgeschlossen hat und sich in der Nähe der Koordinaten befindet, die Sentenza im letzten Band von den Außerirdischen erhalten hat, beschließt die Mannschaft, einen kurzen Abstecher zu diesen Koordinaten zu machen. Was an und für sich problematisch ist, da dies kein offizieller Auftrag des Raumcorps ist. Aber da sich die Ikarus dort nur umsehen will, reicht die Zeit eigentlich aus.
Die Welt, die die Ikarus anfliegt, zeichnet sich auf den ersten Blick durch keine Besonderheiten aus. Auf den zweiten Blick jedoch findet die Ikarus-Mannschaft ein abgestürztes Raumschiff und eine sehr perfekt geformte Welt. Irgendwie scheint das Schiff die Welt beeinflußt zu haben.
Während der Kapitän zusammen mit Chief DiMersi Anande das Wrack untersucht, erwacht in diesem eine Art Kollektivintelligenz zum Leben. Sie entlädt sämtliche Energie-Reserven des Teams, und als Sentenza neugierig seine Hand in eine Art Kontaktstelle hält, scannt diese Intelligenz den Kapitän. Sie kommt dabei zu dem Ergebnis, daß ein alter Feind von ihr wieder da ist, und leitet sofort Gegenmaßnahmen ein. Erst einmal setzt sie die Fauna des Planeten auf die Ikarus an, und dann benutzt sie die Bombe, die der Wenxi einst in der Ikarus angebracht hat. Sentenza kann die Intelligenz mit einem Schneidbrenner vernichten - doch fast gleichzeitig explodiert die Ikarus. Die Crew kann sich gerade rechtzeitig mit einem Shuttle retten. Kurze Zeit später wird die Crew gerettet. Ob es eine Ikarus II geben wird, ist noch unklar, aber für den Fall der Fälle hat Sentenza einen Klumpen der fremden Intelligenz gesichert. Die Ikarus II wird ein besonderes Raumschiff werden...

Schon auf dem Colonia-Con im letzten Jahr fielen einige Andeutungen, daß es in der Serie eine große Änderung geben wird. Mit diesem Band ist jetzt klar, was damit gemeint war: Die Explosion der Ikarus I.
Das ist nun wirklich im wahrsten Sinne des Wortes ein Knalleffekt. Und damit wird auch der rote Faden, der in den letzten Bänden doch sehr lose war, etwas angespannt. Der Rezensent findet es immer sehr angenehm, wenn es Rückverweise auf vergangene Ereignisse gibt. Das gibt einem doch das Gefühl, daß sich die Serie weiterentwickelt und daß ein Handlungsbogen hinter den ganzen Andeutungen steckt.
Ansonsten ist der eigentliche Plot nicht besonders neu oder originell - wir erinnern uns, im 2. Band, "Das weiße Raumschiff", hatten wir schon mal ein Wrack, das lebte. Auf diesen Band wird auch explizit verwiesen. Hier ist zwar nicht das ganze Schiff lebendig, aber die Kollektivintelligenz kommt dem doch schon nahe. Irgendwie scheinen lebendige Schiffe SF-Autoren zu faszinieren - man denke nur an die Minbari-Schiffe in Bab5 oder an die Lexx (und demnächst auch die Andromeda).
Man kann sich also im Großen und Ganzen ausrechnen, was passieren wird. Die Intelligenz entdeckt, daß den Ikarus-Crewmitgliedern der Hauch eines alten Feindes anhaftet; und irgendwie weiß man, wie der Roman ausgehen wird. Okay, die Explosion der Ikarus kommt dann doch überraschend. Und auch diese Feststellung der Kollektivintelligenz, daß in den Genen der Crew Material der Ushu steckt, ist höchst interessant. Die angekündigte Bedrohung scheint also näher und näher zu rücken. Ich bin mal gespannt, wann die Autoren Weiteres verraten werden. Das scheint noch eine Weile zu dauern.
Es tauchen in den Nebenhandlungen auch alte Bekannte wieder auf, Lear und die beiden Protagonisten aus der "Spielhölle". Das ist ganz nett gemacht und läßt noch einiges erwarten.

Fazit:
Eine nicht sehr neue Idee ist doch recht nett umgesetzt worden. Der Handlungsbogen ist mal wieder etwas näher in den Vordergrund gerückt, und man kann einiges für die Zukunft erwarten.
9 Punkte

Christian Spließ