Band 2: "Das jüngste Gericht"

Autor: Michael J. Parrish

Nachdem Isaac Torn den Vortex durchschritten hat, landet er etwas unsanft in der Nähe seines Hauses. Er hat nur einen Gedanken: Wenn er wirklich durch die Zeit gereist ist, könnte Rebecca noch am Leben sein.
Als er ihr gemeinsames Haus betritt, erwartet ihn eine sichtlich gealterte Rebecca. Sie beschuldigt ihn des Verrats und verwandelt sich schließlich in einen Dämon. Torn flüchtet vollkommen verwirrt. Er stolpert über die Leiche des Deputys Joe Cunnings, die sich urplötzlich gegen ihn wendet. Erneut kann Torn entkommen.
In Summerset herrscht der Ausnahmezustand. Soldaten schießen auf Zivilisten, und in Torns Stammkneipe versucht sein Freund Tony, ihn zu ermorden. Torn wehrt sich erfolgreich.
In den Ruinen der Stadt trifft er auf eine verängstigte Frau, die sich ihm förmlich an den Hals wirft. Auf dem Weg zu ihrem Versteck werden beide von einer Krake angegriffen, die merkwürdigerweise Torns Begleiterin verschont. Den Grund dafür erfährt Torn wenig später: Denn seine Begleiterin ist ein Spinnendämon, der Männer zu sich lockt, um sie anschließend zu verspeisen. Es gelingt Isaac, der Spinne zu entkommen.
In der Straße begegnet Torn einem Kind, das ihn anspricht und sich plötzlich in einen älteren Mann mit Bart verwandelt. Wenige Sekunden später befindet er sich in einer fremden Dimension und wird von den Lu'cen angeklagt, mit den Dämonen gemeinsame Sache gemacht zu haben. Die Lu'cen, eine hochentwickelte Rasse, die einst dem Menschen ähnlich war, kämpfen seit Äonen gegen die Grah'tak - und die Zeitmaschine, die Torn betreten hat, war ein Dimensionsportal. Mit seiner Hilfe sind die Dämonen auf die Erde gekommen. Nach einer Prüfung sprechen die Lu'cen Torn schuldig - außer Aeternos, der schon seit Beginn auf Torns Seite stand. Er schlägt vor, daß Torn in die Rüstung des letzten Wanderers der Zeit schlüpft und als Buße das Experiment verhindert. Die Rüstung besteht aus reiner Energie und kann Personen exakt kopieren. Damit müßte es Torn eigentlich möglich sein, in die Vergangenheit einzugreifen. Und tatsächlich schickt ihn Aeternos zurück in die Zeit - Torn hat jetzt das Aussehen des Adjutanten Calvin angenommen. Ungehindert dringt er bis zum Dämonen Mathrigo vor, dem Mörder seiner Freundin.

Nun ja - nachdem der erste Band das Fundament gelegt hat, baut der zweite Roman nun auf diesem auf. Man erfährt etliche Details, und so langsam setzt sich das Puzzle zusammen. Nun gut, sonderlich originell ist das, was man bisher erfährt, ja nicht gerade. Wir haben auf der einen Seiten eine hochentwickelte Rasse, auf der anderen ihre Gegner, und sie bekämpfen sich schon seit Äonen. Dieses Konzept dürfte den Altlesern der SF nicht unbekannt sein. Und auch die Horror-Fans werden dieses zur Genüge kennen.
Der erste Teil des Romans besteht überwiegend aus sehr drastischen Schlachtszenen - der Weltuntergang muß wohl immer mit diesen Bildern geschildert werden. Zu Anfang macht das ja auch noch Spaß, aber allmählich sehnt man sich dann doch nach etwas Abwechslung. Die kommt dann auch prompt mit den Lu'cen. Wobei ich mich frage, ob diese rätselhaften Wesen nicht doch etwas rätselhafter gestaltet sein könnten. Irgendwie erinnert mich Aeternos an einen niedlichen und gönnerhaften Großvater. Man nehme es mir jetzt nicht übel, wenn ich da an eine bestimmte Werbung mit Bonbons denke... *g* (* "...ja, jetzt bin ich der Großvater. Und da es bessere Karamelbonbons ja nicht gibt, gebe ich meinem Enkel die gleichen, mit denen schon mein Opa meine Zähne zerstört hat... >;-))) Heike) Wobei mich der Name Lu'cen an den hebräischen Begriff für Lichtträger erinnert - genau, Luzifer. Da scheint MJP ja wohl von der Bibel inspiriert gewesen zu sein.
Nun ja, der Rest der Handlung schleicht dann so dahin. Torn bekommt die Plasma-Rüstung - scheint ja ein nettes Teil zu sein ;-) - und wird von Aeternos in die Vergangenheit geschickt. Und Ende und aus. Geben wir es zu, so richtig spannend ist dieser Roman nicht. Die Handlung zieht sich über weite Strecken und hat ihre Längen. Da war der erste Roman ja noch um Klassen besser.

Fazit:
Der zweite Band bringt zwar mehr Hintergrundwissen, vermag aber nicht durch eine spannende Handlung zu überzeugen.
3 Punkte

Christian Spließ

Und weiter geht's mit Spawn - ähm, sorry, "Torn" meinte ich natürlich...
Der Held der Serie kämpft sich durch eine seltsame Zukunft, bis er schließlich auf ebenso seltsame Wesen trifft, die sich Lu'cen nennen. Von denen erfährt er, daß er ein Tor zu der dunklen Dimension der Grah'tak geöffnet hat, die der Feind allen Lebens sind. Dann wird er mit einer Rüstung bewaffnet zurückgeschickt, um die Öffnung des Tores zu verhindern...
Hm, so langsam beginne ich mich zu fragen, welchen Nährwert diese Serie eigentlich hat - außer natürlich, daß sie gut geeignet ist, Bahnfahrten zu verkürzen. Der Autor schreibt einen Fast Food-Stil, der zwar gefällig, jedoch keineswegs wirklich mitreißend ist. Und die Handlung ist auch nicht gerade dazu angetan, längere Zeit im Gedächtnis zu verweilen. Mir ging es jedenfalls so, daß der Inhalt des Romans bereits nach zwei Tagen wieder aus dem Gedächtnis verschwunden war, so daß ich ihn vor dem Schreiben dieser Rezension noch einmal neu lesen mußte. Nun ja, vielleicht ist diese Serie einfach nicht mein Ding - doch scheint es mir fast, als ob hiermit die Leserschicht eines Jerry Cotton oder ähnlicher Romane angesprochen werden soll: die Fast Food-Leser - Kaufen, Lesen, Wegwerfen, Vergessen. Immerhin: Dies gibt Perspektiven für Sammler, die die Romane nach dem Lesen nicht gleich entsorgen...
Und die Handlung im Serienzusammenhang? Naja, zu Spekulationen verführt diese Serie nun wirklich nicht. Berieselung pur ist hier das Motto - Gehirn einschalten eher unerwünscht... Dafür aber hervorragend zum Abschalten geeignet, wenn man eben nicht weiter über die Handlung nachdenken, sondern sich einfach nur unterhalten will. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Fazit:
Gefällige Lektüre für den Fast Food-Leser. Mehr als Berieselung hat man hier kaum zu erwarten. Empfehlenswert für denjenigen, der den Fernseher als Hintergrundberieselung bei Bahnfahrten vermißt. Lesen und Vergessen - Tiefergehendes läßt schon der Schnellschreibstil des Autors nicht zu.
4 Punkte.

Winfried Brand