Band 2069: "Die Ritter von Dommrath"

Autor: Uwe Anton

Atlan begegnet auf der INT-CROZEIRO Tayrobo, einem Ritter von Dommrath, und erfährt den ersten Teil der Geschichte der Ritter.
Vor 2,8 Millionen Jahren unternahmen die Kosmokraten den Versuch, die Galaxis Kohagen-Pasmereix zu einem zentralen Sitz der Ritter der Tiefe zu machen. Auf dem Planeten Dommrathi entstand der Dom Dommrath. Die Mächte des Chaos ließen dies jedoch nicht zu, und so kam es zu einer verheerenden Schlacht gegen die Helfer der Kosmokraten, die mit der Vernichtung dieser Galaxis endete.
Die extrem langlebigen Kimbaner sind zu dieser Zeit das beherrschende Volk im untergehenden Kohagen-Pasmereix. Sie warten darauf, daß die Kosmokraten eingreifen und ihre Galaxis retten. Zyn Kascha, einer der führenden Wissenschaftler seines Volkes, will seinem Volk Zeit verschaffen. Er begibt sich zu einem verlassenen Planeten der ausgestorbenen Chhatt, die das technologisch führende Volk von Kohagen-Pasmereix waren. Mit Hilfe von Temporalgeneratoren werden hundert Sonnensysteme in "Zeitblasen" gehüllt, in denen die Zeit wesentlich langsamer verläuft als außerhalb. Doch die "Hohen Mächte" lassen keinerlei Aktivität erkennen. Sie haben Kohagen-Pasmereix einfach vergessen.
Nach 500 Jahren geht dem Temporalgenerator die Energie aus. Das Gerät versagt den Dienst, die Zeitblase bricht zusammen. Alle anderen ebenfalls mit Zeitblasen umgebenen Sonnensysteme existieren nicht mehr. Da die Kimbaner die Technik der Chhatt nicht enträtseln können, bleibt ihnen keine Wahl: Sie müssen Kohagen-Pasmereix verlassen. Außerhalb der Zeitblase sind inzwischen 1,7 Millionen Jahre verstrichen. 200 Raumschiffe machen sich auf den Weg in die Nachbargalaxis Pooryga, doch nur 80 erreichen ihr Ziel. Auf dem Planeten Rinxxa wird eine neue Kolonie gegründet.
In Pooryga toben heftige Kriege zwischen den dort beheimateten Völkern. Im Verlauf dieses Krieges wird auch die neue Heimat der Kimbaner vernichtet; es gibt nur wenige Überlebende. Diese siedeln sich schließlich im System der ausgestorbenen Crozeiren (vgl. PR 1987, 1988) an, das von einem undurchdringlichen Energieschirm vor jedem Feind geschützt ist.
Die 4.000 noch lebenden Kimbaner erkennen, daß ihr Volk keine Zukunft mehr hat, doch sie wollen dem Universum ihr Wissen und ihre moralisch hochstehenden Erkenntnisse hinterlassen. Sie wollen u. a. die Ideen des Doms Dommrathi und des Ritterordens neu beleben.
So benennen sie die Galaxis Pooryga in "Dommrath" um. Außerdem wollen sie den Kontakt zu den Kosmokraten und ihren Beauftragten wiederherstellen. Zyn Kascha wird als Bote in die Galaxis Erranternohre geschickt, in der sich die Aktivitäten der Kosmokraten konzentrieren. Dort erfährt der Kimbaner jedoch, daß sein Volk in den Plänen der Kosmokraten keine Rolle mehr spielt.
Die neue Heimat der Kimbaner soll auch ohne die Kosmokraten zu einer Keimzelle des Friedens werden. Die Kimbaner gründen daher einen eigenen Ritterorden, die Ritter von Dommrath. Die ersten Versuche zur Befriedung der Galaxis Pooryga/Dommrath werden gestartet. Nach dem Tod Zyn Kaschas tritt dessen Tochter Yie Kascha'de an seine Stelle.
Die technisch überlegenen Kimbaner nehmen Kontakt zu anderen Völkern auf. Es kommt zu einer Begegnung mit den Zamfochen, die den Kimbanern eine Kooperation anbieten. So entsteht der Plan, ganz Dommrath mit einem Transmitter-Netz auszustatten.
Ein Asteroid, der Kohagen-Pasmereix vor der Apokalypse verlassen haben muß, wird geortet. Yie Kascha'de findet in seinem Inneren 22 schwarze Obelisken, die keinen Schatten werfen. Sie bewachen ein kugelförmiges Objekt, bei dem es sich um die Überreste der Superintelligenz PULCIA DIE HEILERIN handelt. Diese hat ihre Galaxis vor dem Untergang an Bord des Asteroiden verlassen. PULCIA droht sich auf seltsame Weise zum Negativen hin zu verändern. Die Superintelligenz weiß, daß sie dadurch zu einer Gefahr wird, und bittet Yie Kascha'de, sie zu töten. Diese erschießt die Überreste der Entität.
In den nächsten Jahrtausenden dehnen die Kimbaner ihren Einfluß über Dommrath langsam, aber stetig aus. Sie befrieden Teile der Galaxis. Die Ritter von Dommrath werden zu einem Mythos; sie treten selbst so gut wie nie in Erscheinung. Das Transmitter-Netz wird ausgebaut.
Im Orbit um die Riesensonne Mattane wird ein gigantisches, pilzähnliches Artefakt entdeckt. Forschungsstationen werden gebaut, um das Artefakt zu enträtseln. Auf der Westside Dommraths begegnet die Ritterin Rissa Kascha'de einem gigantischen, zylinderförmigen Raumschiff, von dem aus ebenfalls ein Teil Dommraths befriedet wurde. Es handelt sich um Paumyr, die Inzaila-Onda aus Segafrendo.

Uwe Anton erzählt die Geschichte der Ritter von Dommrath in einem Doppelband. Da der Rezensent derzeit den zweiten Teil der Story noch nicht kennt, ist es naturgemäß schwierig, einer "halben" Chronik eine angemessene Wertung zukommen zu lassen.
Die Fortsetzung zu den Heften 1987 ("Der Mörderprinz") und 1988 ("Die Diener der Materie") vermag zu gefallen, wenngleich sie nicht der ganz große Wurf ist. Es ist wieder einmal einer dieser mit einer Unmenge Stoff angefüllten Hintergrundbände, mit denen kosmische Geschehnisse in einen Zusammenhang gerückt werden. Diese Aufgabe hat der Autor mit Bravour gelöst.
Mußte der Rezensent bei manchen Ideen der Expo-Factory in der letzten Zeit schon den einen oder anderen "Aussetzer" unterstellen (genannt seien hier nur die Entstehungsgeschichte der Superintelligenz ES, PR 2046, und der arkonidische "Robot-Imperator", PR 2066), so wird man hier doch äußerst angenehm überrascht. Mit dem vorliegenden Heft werden riesige Zeiträume und Handlungsbögen zu einer stimmigen Hintergrundgeschichte verwoben. Das ganze Thoregon-Konzept, das (mit Ausnahme der SOL) in der letzten Zeit weitgehend in den Hintergrund gerückt ist, wird wieder aufgegriffen und über Dommrath unter neuen Aspekten in die Serie eingebracht.
Vieles bleibt nach wie vor mysteriös, und so weiß auch der langjährige Leser nicht, was man weiter von Thoregon erwarten kann/darf. Die Spannung auf zukünftige Entwicklungen ist mit diesem Band aber eher gestiegen, und das ist schon recht beachtlich.
Nahtlos werden die Schauplätze der Handlung um die "Diener der Materie" aufgegriffen, und sogar die 18 Millionen Jahre alten Geschehnisse in der Galaxis Segafrendo haben noch Auswirkungen... Wer den "kosmischen Touch" bei PR bevorzugt, kommt mit diesem Roman auf seine Kosten. Auch die Einschübe, in denen Uwe Anton schlaglichtartig Ereignisse aus der Vergangenheit der Serie beleuchtet, tragen zu einer Stimmungsdichte bei, wie sie für einen derartigen Band erforderlich ist, wenn er beim Leser "ankommen" soll.
So findet auch der Archivplanet der Crozeiren, Mthiesen III, als "ein sagenumwobenes Zentrum des Wissens, [...] Lieferant galaktischer Daten, Fakten und Querverbindungen" würdige Erwähnung (PR-Fan Michael Thiesen, der für die unvergleichlichen "Zeitraffer" verantwortlich zeichnet), und die Einschübe in Form der Chroniken dürften wohl auf das Datengerüst von Heiko Langhans ("Die Jahrmillionen-Chronik" - für ernsthafte Fans, aber auch gerade für die Autoren mittlerweile ebenfalls unentbehrlich) zurückgehen.
Durch die Stoffmenge gelingt es Uwe Anton jedoch nicht, seinen Figuren eine besondere Tiefe zu verleihen. Die Protagonisten bleiben blaß; der eigentliche Schwerpunkt ist die Geschichte. Die zu beschreibende Zeitspanne ist immens, und selbst bei den langlebigen Kimbanern reicht es da nicht zu einer Hauptperson. So wird dieser erste Teil des Doppelbandes quasi als eine Art "Familiengeschichte" über mehrere Generationen geschildert. Nun ja, das sei den "Machern" der Serie zugestanden. Irgendwie hatte ich erwartet, diese Ritter seien unsterblich - aber es müssen ja nicht immer Zellaktivatorträger o ä. her. Die gewählte Lösung geht in Ordnung, ist allerdings nicht mit Romanen wie "BARDIOC" (PR 850) oder "Laire" (PR 900) auf eine Stufe zu stellen.
Dann reicht der Stoff noch für einen (allerdings lauten) Lacher. Die Superintelligenz PULCIA DIE HEILERIN wird erschossen, richtig mit einem Strahler. Ist das schon der Vorgriff auf die Lösung des SEELENQUELL-Problems? Ich glaube nicht daran.

Fazit:
Ein schöner Roman, der die Erwartungshaltung für den zweiten Teil noch steigert. Die (mutmaßliche) Vorgeschichte zu Enthüllungen, die man im folgenden Heft serviert kriegen dürfte.
12 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

So langsam scheint man im PR-Team dazu überzugehen, die wirklich handlungsrelevanten, die Schlüsselromane Uwe Anton zu geben - eine Vorgehensweise, der ich nur vorbehaltlos zustimmen kann.
Und so ist auch "Die Ritter von Dommrath" einer dieser Schlüsselromane, die man tunlichst gelesen haben sollte. Jedoch bleiben die Spekulationsmöglichkeiten hier noch eher am Rande - da sollte man wohl eher den zweiten Teil des Doppelbandes abwarten.
Uwe Anton bleibt in diesem Roman jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück - gezwungenermaßen, denn immerhin hat einer eine Geschichte zu beschreiben, die über Jahrmillionen reicht. Da bleibt für die Entwicklung von Charakteren einfach keine Zeit mehr.
So entpuppen sich "Die Ritter von Dommrath" dann auch erwartungsgemäß vor allem als "Geschichtsroman", der die Hintergründe beleuchtet, die Figuren der Handlung jedoch eher außen vor läßt - auch wenn sich Uwe Anton hier redlich Mühe gibt. Selbst langlebige Charaktere wie die Kimbaner können sich in der Kürze der Seiten nicht wirklich entwickeln.
So bezieht der Roman seine Daseinsberechtigung auch fast ausschließlich aus der Hintergrundgeschichte, erweist sich also als "Lexikon-Roman". Dies wiederum ist Uwe Anton recht gut gelungen. Und wie unter diesen Voraussetzungen nicht anders zu erwarten, gibt es reichlich Informationen für den Leser.
Man kann wohl davon ausgehen, daß von den ursprünglichen Rittern, bzw. deren Volk niemand mehr am Leben ist - ob vielleicht ein fehlgeschlagenes Thoregon ihren Untergang noch ein wenig beschleunigt hat, auf diese Frage wird wohl der nächste Roman eine Antwort geben.
Interessant ist jedenfalls auch, daß die Seuche in Dommrath bereits bei der Ankunft der Kimbaner existierte. Ihr dermaßen sporadisches und nicht nachvollziehbares Auftauchen deutet jedoch weiterhin darauf hin, daß sie irgendwie gesteuert wird. Doch wer, wenn nicht die Ritter, hat in Dommrath Einfluß auf die Seuche? Gibt es vielleicht noch eine Macht hinter den Rittern? Eine Macht, die diese steuert - oder die vielleicht gar nicht von ihnen wahrgenommen wird? Diese Frage bleibt vorerst unbeantwortet.
Etwas seltsam wirkt es jedoch schon, daß man eine Superintelligenz so einfach zerstrahlen kann - auch wenn diese es wünscht und praktisch am Ende ist. (* Wenn eine SI ihren Tod schon WÜNSCHT, sollte es wohl nicht mehr nötig sein, sie überhaupt erst noch zu zerstrahlen... Heike) Aber immerhin: Da deuten sich Perspektiven für die Milchstraßenhandlung an. Allerdings mutet die Vorstellung eines Perry, der SEELENQUELL mit dem Blaster in der Hand entgegentritt, um die SI zu vernichten, doch eher seltsam an...
Interessant dürfte jedenfalls noch der Zusammenhang zwischen Torr Samaho und der jetzigen Handlung werden. Man kann zumindest wohl getrost davon ausgehen, daß es einen solchen gibt. Nicht umsonst nimmt Crozeiro eine tragende Rolle in der Jetztzeit ein. (Einmal abgesehen davon, daß ich immer noch nicht vom Tod des Samaho überzeugt bin - m. E. dürfte diese Figur noch einmal in der Handlung auftauchen...)
Für weitere Erörterungen sollte man jedoch wohl eher den nachfolgenden Roman abwarten. Zu viel wird hier angedeutet, als daß man darauf sinnvolle Spekulationen stützen könnte. Aber dafür ist dies ja auch ein Doppelband.

Fazit:
Ein "Geschichts-Roman", der es in sich hat. Zwar gelingt es Uwe Anton nur in Ansätzen, sinnvolle Charaktere zu entwickeln, doch kann man anderes bei Romanen dieser Art auch nicht erwarten. Uwe Anton löst diese Aufgabe jedenfalls sehr gut und bietet dem Leser einen wirklich lesenswerten Roman mit reichlich Hintergrundinformationen.
11 Punkte.

Winfried Brand

Dieser Roman klärt einige Fragen, die den Leser schon seit einiger Zeit bewegt haben. Die Vermutung, daß die Ritter der Tiefe mit jenen von Dommrath identisch seien, hat sich nicht bestätigt. Nun, etwas haben die Ritter von Dommrath durchaus mit den Rittern der Tiefe gemein: Sie besitzen wie diese eine Aura.
Uwe Anton zeichnet die Entwicklung, die innerhalb Dommraths vonstatten geht, sehr detailreich und sehr genau nach. Zwischen den einzelnen Schicksalen von Zyn Kascha und seinen Nachfahren schiebt er immer einen geschichtlichen Überblick sowie die Gedanken eines namenlosen Chronisten ein, der nicht mehr weiß, wer er eigentlich ist. Diese Konzeption funktioniert, sie trägt den Roman hervorragend.
Wobei ich bei den geschichtlichen Rückblicken fast erschlagen worden wäre; soviel an Detailwissen wird da vorausgesetzt, daß ich stellenweise richtig nachdenken mußte, was denn da jetzt im Einzelnen passiert. Das wird wohl manchem Leser so gegangen sein, der erst mit 2000 in die Serie eingestiegen ist.
Ein zentrales Thema durchzieht den Roman: das des fortwährenden Neubeginns. Zyn Kascha kämpft zuerst gegen das Chaos, das der Kampf zwischen den Chaotendern und den Fabriken verursacht; dann kämpft er um neuen Lebensraum für sein Volk. Seine Nachfahren lassen sich durch die Rückschläge nicht entmutigen, sondern stehen immer wieder auf und wehren sich gegen das Schicksal. Diese Botschaft ist brillant erzählt.
Was mich ein wenig stört, ist die Tatsache, daß man eine Superintelligenz einfach so töten kann. Und überhaupt: Seit wann können die eigentlich sterben? Wenn, dann hätte ich mir das nicht so einfach vorgestellt. Hmm - wir ziehen eine Waffe, drücken ab, und peng, sie ist tot. Nein, das scheint mir doch etwas zu einfach zu sein. Auch wenn die SI dafür die Voraussetzungen schaffen mag. Wobei sich hier noch eine andere Frage stellt: Welche SI beherrscht Dommrath nun eigentlich? Falls die Galaxis zum Bereich von PULCIA DER HEILERIN gehörte, dann hat sie momentan - zur Zeit der Handlung des Romans - ein Vakuum. Hmmm.
Sind die Ritter an die Stelle der SI getreten? Möglich ist bekanntlich alles.
Interessant ist auf alle Fälle das Auftauchen von Paumyr am Ende des Romans, von der die Ritter von der Existenz der SOL wissen. Weiß da die Inzaila mehr als wir Leser?
Auf alle Fälle macht dieser Roman endlich mal wieder Spaß. Und der zweite Teil verspricht ja noch einiges.

Fazit:
Ein großer geschichtlicher Bogen, der die Geschichte und die Hintergründe um die Ritter von Dommrath vor den Augen des Leser aufblättert und der brillant erzählt wird. So macht die Serie Spaß.
13 Punkte

Christian Spließ

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Da Alexander Haas nur noch vereinzelte Rezensionen zu den Perry Rhodan-Romanen schreiben wird, sind wir wieder auf der Suche nach Verstärkung für das Rezensententeam. Wenn Du dich also dazu berufen fühlst, die laufende Handlung zu kommentieren, schreib einfach eine E-Mail an Winy.

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