Band 3: "Tag der Abrechnung"

Autor: Michael J. Parrish

Ein mittelalterliches Schlachtfeld in Frankreich. Nachdem die Überlebenden abgezogen sind, machen sich fünf Leichenfledderer an ihre Arbeit. An ihren Funden werden sie jedoch nicht allzulange ihre Freude haben. Urplötzlich bricht die Erde auf, und ein fürchterlicher Dämon entsteigt ihr, der prompt über die Leichenfledderer herfällt und sich dann auf die Suche nach Seelen macht.
Gegenwart: Isaac kann es nicht fassen. Er befindet sich in Fort Bragg, seinem Ausbildungszentrum. Hier also verstecken sich Mathrigo und seine Anhänger. Ohne lange darüber nachzudenken, braust Isaac mit einem Jeep in Richtung seines Hauses, um sein altes Ich zu warnen. Doch dieser Versuch ist, wie man weiß, sinnlos. So beschließt Torn, wenigstens Rebecca zu retten, die am nächsten Tag von den Grak'ul ermordet wird. Tatsächlich gelingt es ihm, einige dieser Dämonen zu vernichten, doch als deren Anführer, Morgo der Henker, auftaucht, gelingt es diesem beinahe, Torn zu vernichten. In letzter Sekunde wird er von Aeternos in den Raum zwischen den Dimensionen gebracht. Torn ist entschlossen, das Experiment zu unterbinden, und er bittet Aeternos, ihn wieder zurückzuschicken.
Währenddessen hat Mathrigo eine Störung im Gefüge wahrgenommen. Er weist seine Diener an, alles genau zu beobachten und ihm alle Vorkommnisse zu melden.
Derweil versucht Torn erneut, das Experiment zu stoppen. Diesmal wendet er sich direkt an Commander Malvil. Doch dieser glaubt ihm nicht - schließlich ist der gefesselte und geknebelte Calvin gefunden worden, in dessen Gestalt Torn immer noch unterwegs ist. Als Malvil die Wachen ruft, um Torn festnehmen zu lassen, verwandelt sich dieser in eine Kopie des Commanders und nutzt das Tohuwabohu, um zu entkommen. Dabei wird er jedoch von einer Horde Grak'ul aufgehalten - und Mathrigo weiß durch Malvils Bericht definitiv, daß das erste Experiment gelungen ist.
Torn hetzt eine Kompanie Soldaten auf die Dämonen und taucht in Malvils Gestalt vor seinem älteren Ich auf. Erneut versucht er, ihn zur Einsicht zu bringen - erneut vergeblich. Wachsoldaten feuern auf ihn, und er landet erneut im Raum zwischen den Dimensionen. Dort erklärt ihm Aeternos, daß es nur noch einen Weg gibt, das Experiment zu verhindern: Torn muß zeitgleich mit seinem älteren Ich den Vortex durchschreiten. Dadurch wird ein Paradoxon erzeugt, und somit werden die Geschehnisse aufgehoben.
Der Plan ist gar nicht so einfach auszuführen; schließlich ist Mathrigo Torn auf den Fersen. Wenige Sekunden, bevor Torns älteres Ich den Vortex durchschreitet, stehen sich Mathrigo und der Wanderer Torn gegenüber. Doch wenn Torn sich jetzt auf einen Kampf einließe, bliebe keine Zeit mehr. Da greift Aeternos in das Geschehen ein, und es gelingt Torn, rechtzeitig mit seinem älteren Ich den Vortex zu durchschreiten - und er landet erneut im Raum zwischen den Dimensionen.
Dort erwartet ihn Severos. Er teilt ihm mit, daß es Torn gelungen ist, das Experiment zu verhindern. Die Folge: Isaac Torn und Torn der Wanderer sind zu einer Person verschmolzen - es hat in der Gegenwart nie einen Major Torn gegeben. Und Aeternos hat beim Kampf mit Mathrigo seine Existenz aufgegeben, weil er sich eingemischt hat. Severos überträgt nun Torn die Aufgabe, auf die Menschheit aufzupassen. Denn Mathrigo und dessen Dämonen sind immer noch auf der Erde und werden nichts unversucht lassen, das Siegel beim nächsten Äonenwechsel zu brechen. Severos stattet Torn mit dem Schwert Lux und seinem Gardian - eine Art Wächter - aus, bei dem es sich um Aeternos in der Gestalt eines Capes handelt.
Vergangenheit: Auf dem mittelalterlichen Schlachtfeld wütet Morgo der Henker. Schließlich taucht Torn in der Gestalt eines Ritters auf. Morgo erkennt ihn erst, als Torn als Wanderer der Zeit auftritt. Um ihn zu reizen, erzählt Morgo ihm von seinem Kind, das Rebecca in sich trug. Torn ist regelrecht geschockt, und im folgenden Zweikampf unterliegt er beinahe dem Dämon. Doch in letzter Sekunde schlägt Torn Morgo den Kopf ab.

Nun ja - das erste Drittel des Romans kennt der Leser schon. Er erlebt noch einmal die Versuche Torns, sich selbst vor dem Experiment zu retten. Damit hätten wir dann einen Bogen zu den Ereignissen im ersten Heft geschlagen - interessant gemacht, aber irgendwie nicht ganz so spannend. Der Leser weiß halt, daß die Versuche Torns, sich selbst zu retten, nicht funktionieren werden.
Aeternos ist immer noch der gute alte Großvater, der sich am Ende sogar selbst opfert, um das Experiment zu unterbrechen. Und ganz so wie ein alter Großvater neigt Aeternos zum Schwafeln. Da ist Severos ja noch sympathischer, obwohl er gegen Torn eingestellt gewesen ist. Bei ihm merkt man wenigstens, dass die Lu'cen nicht von dieser Welt sind.
Ansonsten plätschert die Handlung so vor sich hin und gewinnt erst auf den letzten Seiten an Drive. Aber: Den Sense-of-Wonder vermißt der Rezensent. Die Handlung ist zwar nett, aber mehr auch nicht. Das ändert sich auch nicht, als MJP das Paradoxien-Problem umgeht und Torn und seine Geschichte einfach auf dem Zeitlauf ausradiert. Von Zeitschleifen à la PR bleibt der Leser also zum Glück verschont.
Mit diesem Band haben wir also die große Einstiegs-Trilogie hinter uns gelassen und starten nun in die "eigentliche" Serie. Im Rückblick fragt man sich, ob die drei Bände wirklich nötig gewesen sind. Gut, das Material läßt sich wegen seiner Fülle nicht in einen einzigen Roman quetschen, aber zwei Bände hätten es ja wohl auch getan. Man streiche die ersten Seiten des zweiten Bandes, raffe einige Szenen des dritten, und voila - dann hätte man auch einen passablen zweiten Band gehabt.

Fazit:
Der Abschluß der Einstiegs-Trilogie ist nett, aber mehr auch nicht.
5 Punkte

Christian Spließ

Torn zum Dritten, und wieder einmal gibt es keine wirklich interessante Story - um dies gleich vorwegzunehmen.
Mit diesem Band bringt Michael J. Parrish seinen Anfangsdreiteiler der Serie zu einem Abschluß und stellt auch gleich die Weichen für die folgenden Romane der Serie. Dabei umschifft er wenigstens die ganz große Falle namens "Zeitparadoxon" halbwegs annehmbar, so daß man sich mit der präsentierten Lösung zumindest abfinden kann. Doch wirklich gelungen ist das Ganze nicht. Torn wird also einfach als nichtexistent geführt - es gibt ihn nicht, hat ihn nie gegeben. Komisch - warum wandelt er dann noch durch die Gegend? Dieses Existieren neben der Zeit ist ziemlich gewagt, aber immerhin richtet sich diese Serie wohl eher an die Comic-Superhelden-Kultur, in der bekanntlich vieles möglich ist. Wie gesagt: Hiermit kann man durchaus leben, auch wenn es nicht besonders toll ist.
Schwerwiegender wirkt jedoch, wenn der Autor die selbstentwickelte serieninterne Logik gleich beim ersten Anwenden außer Acht läßt. Da erwähnt er im Roman noch extra, daß die Rüstung keine technischen Gegenstände nachbilden kann, sondern sich rein auf die sichtbaren Bereiche bezieht, und kurz darauf repliziert sie offenbar gleich zwei ID-Cards - wohlgemerkt inklusive dem Magnetstreifen, der auf jeden Fall vorhanden sein wird, mitsamt den Informationen, die hierauf gespeichert sind. Ein wenig peinlich, möchte man meinen...
Daß sich Torn in Malvil verwandelt, beim Angriff von Soldaten das Aussehen eines der Angreifer annimmt, um zu entkommen, und danach einfach so wieder als Malvil durch die Gänge rennt, könnte man ja noch mit einer erneuten Verwandlung erklären. Allerdings... Einerseits dürfte er für die Verwandlung keine Zeit gehabt haben. Zum anderen fällt auch das Argument weg, daß der Autor diese einfach nicht beschrieben hat, denn die Schmerzen, die Torn bei jeder Verwandlung verspürt, wären eine Erwähnung sicherlich wert gewesen.
Der gröbste Klops unterläuft dem Autor jedoch am Ende des Romans - und schiebt die Serie damit auch gleich auf's Abstellgleis.
Im Jahr 1346 trifft Torn wieder auf den Dämonen Morgo, der schon seine Freundin auf dem Gewissen hat - und sich interessanterweise auch daran erinnern kann. Daraus folgt dann wohl, daß auch die Dämonen die Zeitreise beherrschen. Ähm... Wie bitte?!?
Da drängeln sich die Fragen geradezu, gestellt zu werden.
1) Warum hüpfen die Dämels nicht einfach zurück zum Zeitpunkt ihrer Niederlage, um diese abzuwenden?
2) Wenn dies schon nicht geht, warum hüpfen sie nach ihrem gescheiterten Versuch, das Tor zu öffnen, nicht nach vorne, um zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu gelangen und es dort zu versuchen?
3) Ziehen diese Veränderungen der Vergangenheit denn keine Zeitparadoxa nach sich? Und wenn nein: Warum nicht???
Ich muß leider sagen: Mir reicht es so langsam. Ob ich den nächsten Roman noch rezensieren werde, steht in den Sternen - ebenso wie die Antwort auf die Frage, ob ich ihn überhaupt noch lese. Gegen ein gewisses Maß an Unlogik kann man sicherlich nichts einwenden, doch wenn der Autor schon serienintern nicht darauf achtet, kann man durchaus ins Grübeln kommen...
Ansonsten gilt auch für diesen Roman wieder das altbekannte Ferienreise-Motto: Kaufen, lesen, wegwerfen, vergessen. Zu mehr als der Verkürzung einer längeren Bahnfahrt ist dieser Roman jedenfalls wieder einmal nicht zu gebrauchen. Die Sammler wird's freuen...

Fazit:
Ein Comic in Heftromanform - mal wieder. Die serieninternen Logikfehler häufen sich, und insgesamt kommt die Serie über das Niveau einer durchschnittlichen Liebes-/Berg-/Arzt-/Mutti-Heftromanserie kaum hinaus. "Fast Food" nennt man sowas - "Literatur" wohl nicht mehr. Unterhaltsam, aber nichts dahinter. Sollte die Gesellschaft wirklich auf sowas gewartet haben?!?
3 Punkte.

Winfried Brand

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