Zum
Inhalt:
Donovan, Straßenratte, seit neuestem City Force-Agentin, wird
DelMonico zugeteilt, der angeblich besten. Alles läuft gut, bis
Stardust auftaucht - neue Droge, es gibt eine Reihe Tote. Und den
Hinweis darauf, daß jemand aus Uptown dahintersteckt. Sie
kriechen nach oben, von Downtown nach Uptown. Fremde Welt, doch Del
kennt sich aus. Ist schließlich die Beste. Aber Del macht die
Fliege, setzt sich nach einem Treffen ab und läßt Donovan
allein, allein in Downtown. Schöne Partnerin...
Downtown, das sind Slums, Wasserrationierung, Ersatznahrung, Kiffer
und Dreck - Abschaum. Donovan aber bleibt dran am Fall, ist
heiß darauf, ihn aufzuklären. Doch Stardust, der Stoff aus
Uptown, ist 'ne verdammt große Nummer...
Myra Çakan - nach ihrem preisgekrönten Erstling "When the
Music's Over" legt sie mit "Downtown Blues" einen Nachfolger vor, der
sich gewaschen hat. Ein erstklassiger Roman, der sich vor der
englischsprachigen Konkurrenz sicherlich nicht verstecken muß,
der dieser teilweise sogar noch einen Schritt voraus ist.
Knapp, präzise, geschliffen und eindringlich bringt Çakan
ihre Geschichte unter's Volk und schafft dabei einen
Cyberpunk-Thriller, der seinesgleichen sucht. Nun liegt mir Cyberpunk
im Allgemeinen weniger - düstere, drogengeprägte
Hoffnungslosigkeit der Allgemeinheit, gepaart mit dem Reichtum
einiger weniger - das ist zwar vielleicht eine sehr realistische,
nichtsdestotrotz jedoch auch deprimierende Vorstellung, über die
ich im Normalfall nicht unbedingt lesen muß; hier reicht ein
Blick aus dem Fenster durchaus auch aus. Und meistens sind diese
Romane m.E. eher langweilig zu lesen, womit wir dann auch das
Hauptproblem beim Namen genannt hätten, das ich mit
Cyberpunk-Romanen habe. Doch Myra Çakan gelingt es, all die
Hoffnungslosigkeit, die Düsternis in einen packenden Roman zu
stecken, in eine Handlung zu verpacken, die den Leser kaum zur Ruhe
kommen läßt.
Sie vermittelt dem Leser ihre Geschichte auf eine Art, die ihn an den
Roman fesselt. Ihre kurze, prägnante Schreibweise
läßt den Leser erst gar nicht zur Ruhe kommen,
läßt ihm keine Chance, zwischendurch auf andere Gedanken
zu kommen. Denn bei diesem Roman muß der Leser mitdenken, will
er der Handlung wirklich folgen können. "Downtown Blues" ist
sicherlich kein Roman einfach für Zwischendurch.
Dabei schreibt Çakan durchaus "amerikanisch" im positiven
Sinn, verläßt so manche ausgetretenen Pfade deutscher
Erzählkunst. Manchmal beschleicht den Leser der leise Verdacht,
daß die deutsche Veröffentlichung dieses Romans eher ein
willkommener Nebeneffekt als die Hauptabsicht darstellt. Immer wieder
einmal entdeckt der Leser Formulierungen, die nach einer
Übersetzung ins Englische noch einen zusätzlichen Wortwitz
entfalten, auf den die Autorin hingearbeitet zu haben scheint.
Fazit:
"Downtown Blues" hat alles, was ein guter SF-Roman braucht: Er ist
gut geschrieben und besitzt eine mitreißende, interessante und
intelligente Handlung. Eine düstere Zukunftsperspektive, die den
Leser so schnell nicht wieder losläßt. In dieser Form
würde es schon fast an ein Wunder grenzen, wenn sich
Çakan nicht ihren Platz in der Spitzengruppe der
internationalen SF-Gemeinde sichern könnte.
15 Punkte.
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