Myra Çakan:

"Downtown Blues"

D 2001
(257 Seiten, Taschenbuch, Argument Verlag Social Fantasies 2065, ISBN 3-88619-965-7, DM 19,90 / EUR 10,50)
- erschienen: Mai 2001 -

Zum Inhalt:
Donovan, Straßenratte, seit neuestem City Force-Agentin, wird DelMonico zugeteilt, der angeblich besten. Alles läuft gut, bis Stardust auftaucht - neue Droge, es gibt eine Reihe Tote. Und den Hinweis darauf, daß jemand aus Uptown dahintersteckt. Sie kriechen nach oben, von Downtown nach Uptown. Fremde Welt, doch Del kennt sich aus. Ist schließlich die Beste. Aber Del macht die Fliege, setzt sich nach einem Treffen ab und läßt Donovan allein, allein in Downtown. Schöne Partnerin...
Downtown, das sind Slums, Wasserrationierung, Ersatznahrung, Kiffer und Dreck - Abschaum. Donovan aber bleibt dran am Fall, ist heiß darauf, ihn aufzuklären. Doch Stardust, der Stoff aus Uptown, ist 'ne verdammt große Nummer...

Myra Çakan - nach ihrem preisgekrönten Erstling "When the Music's Over" legt sie mit "Downtown Blues" einen Nachfolger vor, der sich gewaschen hat. Ein erstklassiger Roman, der sich vor der englischsprachigen Konkurrenz sicherlich nicht verstecken muß, der dieser teilweise sogar noch einen Schritt voraus ist.
Knapp, präzise, geschliffen und eindringlich bringt Çakan ihre Geschichte unter's Volk und schafft dabei einen Cyberpunk-Thriller, der seinesgleichen sucht. Nun liegt mir Cyberpunk im Allgemeinen weniger - düstere, drogengeprägte Hoffnungslosigkeit der Allgemeinheit, gepaart mit dem Reichtum einiger weniger - das ist zwar vielleicht eine sehr realistische, nichtsdestotrotz jedoch auch deprimierende Vorstellung, über die ich im Normalfall nicht unbedingt lesen muß; hier reicht ein Blick aus dem Fenster durchaus auch aus. Und meistens sind diese Romane m.E. eher langweilig zu lesen, womit wir dann auch das Hauptproblem beim Namen genannt hätten, das ich mit Cyberpunk-Romanen habe. Doch Myra Çakan gelingt es, all die Hoffnungslosigkeit, die Düsternis in einen packenden Roman zu stecken, in eine Handlung zu verpacken, die den Leser kaum zur Ruhe kommen läßt.
Sie vermittelt dem Leser ihre Geschichte auf eine Art, die ihn an den Roman fesselt. Ihre kurze, prägnante Schreibweise läßt den Leser erst gar nicht zur Ruhe kommen, läßt ihm keine Chance, zwischendurch auf andere Gedanken zu kommen. Denn bei diesem Roman muß der Leser mitdenken, will er der Handlung wirklich folgen können. "Downtown Blues" ist sicherlich kein Roman einfach für Zwischendurch.
Dabei schreibt Çakan durchaus "amerikanisch" im positiven Sinn, verläßt so manche ausgetretenen Pfade deutscher Erzählkunst. Manchmal beschleicht den Leser der leise Verdacht, daß die deutsche Veröffentlichung dieses Romans eher ein willkommener Nebeneffekt als die Hauptabsicht darstellt. Immer wieder einmal entdeckt der Leser Formulierungen, die nach einer Übersetzung ins Englische noch einen zusätzlichen Wortwitz entfalten, auf den die Autorin hingearbeitet zu haben scheint.

Fazit:
"Downtown Blues" hat alles, was ein guter SF-Roman braucht: Er ist gut geschrieben und besitzt eine mitreißende, interessante und intelligente Handlung. Eine düstere Zukunftsperspektive, die den Leser so schnell nicht wieder losläßt. In dieser Form würde es schon fast an ein Wunder grenzen, wenn sich Çakan nicht ihren Platz in der Spitzengruppe der internationalen SF-Gemeinde sichern könnte.
15 Punkte.

Winfried Brand


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