Konrad Rudzik:

"Auf Zeitmaschinen gibts kein Patent"

(Edition X - Band 4)
D 1998
(198 Seiten, Hardcover, Verlag71, ISBN 3-928905-13-9, DM 16,80)
- erschienen: 1998 -

Zum Inhalt:
Noki und Reddy sind Zeitpolizisten auf Strafpatrouille. Beaufsichtigt werden sie dabei von einem körperlosen Wesen namens Planer, und unter anderem gehört es zu ihrem Job, die Galaxis Spiral 174 zu inspizieren, deren hervorstechendstes Merkmal es ist, daß sie das alleinige Spielzeug des Leiters des positiven Universums ist.
Dummerweise ist dem Planungsamt jedoch ein kleiner Fehler unterlaufen, und statt Spiral 174 wurde die danebenliegende Galaxis Wolke 123 zum Sperrgebiet erklärt. Nun müssen die beiden Zeitpolizisten und ihr körperloser Begleiter also auch noch eine Galaxis aufräumen und alles aus ihr hinauswerfen, was nicht ursprünglich in sie hineingehörte.
Auf der Erde hat jedoch Seidamont eine Zeitmaschine erfunden, um mit ihrer Hilfe aus dem Jahr 1996 ins Jahr 1966 zurückzuspringen und dort eine UFO-Sichtung mitzubekommen - und nebenbei noch durch Wettgewinne und Erfindungen sowohl Ruhm wie auch Reichtum zu erlangen.
Und nebenbei gibt es auch noch Alfred, seines Zeichens Gruppenleiter der Straßenmeisterei und Anfang Mai 1996 im Urlaub, da er im Winter Urlaubssperre hat...

"Aller Anfang ist schwer" - wie wir alle ja nun zur Genüge wissen. Dem Rezensenten jedoch offenbart sich inzwischen eine vollkommen neue Bedeutung dieses Ausspruchs: Angesichts dieses Romans fehlen ihm einfach die Worte.
Dies liegt nun weniger daran, daß "Auf Zeitmaschinen gibts kein Patent" nicht besonders gut - wenn auch erst recht nicht besonders schlecht - wäre. Vor allem anderen ist dieser Roman erst einmal besonders seltsam.
Sicher - zunächst einmal ist er ziemlich vergnüglich, doch wenn man direkt nach Erreichen der letzten Seite wieder zum Anfang zurückblättern muß, wenn man einen kurzen Handlungsanriß zu Tastatur bringen möchte, dann gibt dies zu denken...
Vergnüglich - ja, genau das ist dieser Roman. Andererseits jedoch auch im eher naiv zu nennenden Stil des Autoren sehr oberflächlich und platt in der Handlung. Angesichts des Fehlens jeglicher Spannung, dafür aber mit eher platt karikierenden Beschreibungen menschlicher Gewohnheiten und des Ursprungs menschlichen Lebens sowie einer mehr als nur schrägen Auffassung der biblischen Schöpfungsgeschichte, verbunden mit einer in ihre kleinsten Logikteile zerlegbaren Handlung, sollte man eigentlich erwarten, daß dieser Roman eher in den untersten Schichten der Wertungsskala zu finden sein sollte.
Doch dem ist dann beileibe nicht so. Denn dieser Roman hat trotz aller Unzulänglichkeiten einen großen Pluspunkt aufzuweisen: Ihn zu lesen, macht einfach Spaß! Auch wenn man nach dem Zuklappen des Buchdeckels kaum noch etwas von der Handlung in Erinnerung behält, weiß der Leser eins: Dem Autor hat das Schreiben dieses Romans Spaß gemacht - und dieser Spaß überträgt sich auf den Leser. Die Fragen nach dem Sinn des Romans rücken angesichts der guten Unterhaltung in den Hintergrund.
Sicherlich bleiben auch andere Fragen im Gedächtnis des Lesers haften. So z.B.: "Gibt es einen Grund für den christlichen Hintergrund?" Oder auch: "Warum wurde Jesus erwähnt, nach seinem Verbleib gesucht und am Ende noch nicht mal mit einem Wort auf ihn eingegangen?" Nicht unerwähnt soll bleiben: "Warum wird dieser Urlaubssäufer am Anfang eingeführt, im Mittelteil schlicht unterschlagen und am Ende dann halbwegs wichtig?" Und vielleicht die wichtigste Frage von allen: "Welchen Sinn hat eigentlich die Handlung dieses Romans?" Bei all diesen offenen Fragen bleibt eins jedoch sicher: Der Leser hat sich gut unterhalten - bei aller Naivi- und Trivialität der Handlung, bei allen nicht vorhandenen Charakterbeschreibungen, bei allem Unverständnis bezüglich der verwendeten Technik, bei allem wissenschaftlichen Unsinn bleibt dem Leser vor allem eins im Gedächtnis: Er hat sich gut unterhalten, er hat mit diesem Roman Spaß gehabt. Und dies ist am Ende das wichtigste. Denn Spaß ohne Sinn kann durchaus unterhaltsam sein - Sinn ohne Spaß eben nicht. Von daher hat "Auf Zeitmaschinen gibts kein Patent" das Soll mehr als erfüllt.
Und auch das rein "technische" Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier. Knapp 200 Seiten im Taschenbuchformat im kartonierten Hardcover aus einem Kleinverlag sind zu diesem Preis durchaus als ziemlich günstig anzusehen. (Dies nur als Randbemerkung.)

Fazit:
Wer bereit ist, einfach nur Spaß am Lesen zu haben, wird hier sicherlich nicht enttäuscht. Im Gegensatz zu so mancher Wegwerf-Literatur vermag Konrad Rudziks Roman selbst in seinem nicht vorhandenen logischen Unterbau gut zu unterhalten. Das ist dann durchaus befriedigend.
8 Punkte.

Winfried Brand


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