Die Welt
versinkt im Schnee. Das hindert die Menschen jedoch nicht daran,
weiterhin an ihrem Schicksal zu arbeiten und sich weiterhin
schön zu bekriegen.
Während sich in Caemlyn die Herrschaftsverhältnisse
geändert haben und die Aes Sedai Elayne versucht, ihre Macht zu
festigen, muß sich Perrin im Schnee mit dem unheimlichen
Propheten des Drachens herumschlagen.
Als dann noch seine Frau von Aiel-Kriegern geraubt wird, in der
Umgebung seltsame Morde geschehen und der Prophet in die Nähe
der Seanchaner rückt, scheint es, als ob die Lage Perrin ein
wenig über den Kopf wächst...
So, nach etwas längerer Atempause geht das Rad der Zeit in eine
weitere Drehung, und es scheint, daß Robert Jordan im Vergleich
zur Vergangenheit ein wenig mehr Luft geschnappt hätte. So liest
sich der Roman zunächst doch ganz anständig an.
Die Handlung beschränkt sich auf zwei größere Ebenen
und läßt dem Leser die Möglichkeit, der doch
mittlerweile recht komplexen Handlung ziemlich gut zu folgen. Zwar
bleibt vieles zunächst einmal außen vor, aber gerade in
den letzten Bänden hatte ich für meinen Teil doch so das
Gefühl, daß der Autor sich hier und da etwas verzettelt.
Im "Herz des Winters" bringt er erst einmal eine etwas klarere Linie
in seine Geschichte. Das gelingt im großen und ganzen auch ganz
gut. Schade nur, daß sich alles recht unspektakulär liest.
Auf der einen Seite ärgert sich Elayne mit ihrem Thron herum -
fertig - und auf der anderen Seite jagt Perrin seiner Frau hinterher
- auch fertig. Das einzige atmosphärische Element, das hier zu
finden ist, ist der ganze Schnee, der überall rumliegt.
Schade eigentlich, bzw. langweilig.
Aber woran liegt das?
Nun, zum einen wird es vermutlich einfach Zeit, die Handlung mal in
etwas größeren Schritten weiterzubringen, weil Robert
Jordan derzeit die große erzählerische Klasse fehlt. Zum
anderen wird das, was dann doch da ist, gnadenlos von
äußeren Einflüssen zerstört. So ist der wirklich
sehr, sehr lange Prolog nur solange seltsam, bis man sich klargemacht
hat, daß hier der deutsche Verleger aus einem englischen Roman
drei (!!) deutsche gemacht hat. Das ist diesmal gleich aus
verschiedenen Gründen schade: Zum einen wird einmal mehr tief in
die Struktur der Geschichte eingegriffen und dadurch viel Spannung
und Faszination herausgenommen; zum anderen gibt es diesmal gleich
zwei Handlungsebenen, die sich nur eines kleinen Zwischenspiels
erfreuen dürfen: Die Geschichte aus dem Prolog wird bestimmt
noch einmal wichtig, und auch der Hauptdarsteller der ganzen
Geschichte, Rand al'Thor, darf sich einmal für ein paar Seiten
zu Wort melden. Ich finde es schon ungewöhnlich, wenn der
Hauptakteur nur den Part eines Randcharakters spielen darf. Aber das
wäre vermutlich nicht passiert, wenn man uns den ganzen Roman
auf einmal in die Hand gegeben hätte.
Fazit:
Einmal mehr zeigt sich, daß sich Büchersplitting für
den eigentlichen Roman als tödlich erweist - und einmal mehr
muß das Rad der Zeit darunter leiden.
Doch auf anderen Seite muß der Autor darauf achten, daß
seine Geschichte nicht den Weg vieler guter Serien nimmt, die nach
einem genialen Start irgendwann ins Mittefeld abdriften.
Aber immerhin nehme ich die deutliche Leistungssteigerung zu den
letzten Romanen durchaus zur Kenntnis.
8 Punkte
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