Robert Jordan:

"Das Herz des Winters"

(Das Rad der Zeit - Band 24)
OT: Winter's Heart - 1. Teil
Ü: Andreas Decker
USA 2000
(351 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9201, ISBN 3-453-17889-0, DM 16,90 / EUR 8,50)
- erschienen: April 2001 -

Die Welt versinkt im Schnee. Das hindert die Menschen jedoch nicht daran, weiterhin an ihrem Schicksal zu arbeiten und sich weiterhin schön zu bekriegen.
Während sich in Caemlyn die Herrschaftsverhältnisse geändert haben und die Aes Sedai Elayne versucht, ihre Macht zu festigen, muß sich Perrin im Schnee mit dem unheimlichen Propheten des Drachens herumschlagen.
Als dann noch seine Frau von Aiel-Kriegern geraubt wird, in der Umgebung seltsame Morde geschehen und der Prophet in die Nähe der Seanchaner rückt, scheint es, als ob die Lage Perrin ein wenig über den Kopf wächst...

So, nach etwas längerer Atempause geht das Rad der Zeit in eine weitere Drehung, und es scheint, daß Robert Jordan im Vergleich zur Vergangenheit ein wenig mehr Luft geschnappt hätte. So liest sich der Roman zunächst doch ganz anständig an.
Die Handlung beschränkt sich auf zwei größere Ebenen und läßt dem Leser die Möglichkeit, der doch mittlerweile recht komplexen Handlung ziemlich gut zu folgen. Zwar bleibt vieles zunächst einmal außen vor, aber gerade in den letzten Bänden hatte ich für meinen Teil doch so das Gefühl, daß der Autor sich hier und da etwas verzettelt. Im "Herz des Winters" bringt er erst einmal eine etwas klarere Linie in seine Geschichte. Das gelingt im großen und ganzen auch ganz gut. Schade nur, daß sich alles recht unspektakulär liest. Auf der einen Seite ärgert sich Elayne mit ihrem Thron herum - fertig - und auf der anderen Seite jagt Perrin seiner Frau hinterher - auch fertig. Das einzige atmosphärische Element, das hier zu finden ist, ist der ganze Schnee, der überall rumliegt.
Schade eigentlich, bzw. langweilig.
Aber woran liegt das?
Nun, zum einen wird es vermutlich einfach Zeit, die Handlung mal in etwas größeren Schritten weiterzubringen, weil Robert Jordan derzeit die große erzählerische Klasse fehlt. Zum anderen wird das, was dann doch da ist, gnadenlos von äußeren Einflüssen zerstört. So ist der wirklich sehr, sehr lange Prolog nur solange seltsam, bis man sich klargemacht hat, daß hier der deutsche Verleger aus einem englischen Roman drei (!!) deutsche gemacht hat. Das ist diesmal gleich aus verschiedenen Gründen schade: Zum einen wird einmal mehr tief in die Struktur der Geschichte eingegriffen und dadurch viel Spannung und Faszination herausgenommen; zum anderen gibt es diesmal gleich zwei Handlungsebenen, die sich nur eines kleinen Zwischenspiels erfreuen dürfen: Die Geschichte aus dem Prolog wird bestimmt noch einmal wichtig, und auch der Hauptdarsteller der ganzen Geschichte, Rand al'Thor, darf sich einmal für ein paar Seiten zu Wort melden. Ich finde es schon ungewöhnlich, wenn der Hauptakteur nur den Part eines Randcharakters spielen darf. Aber das wäre vermutlich nicht passiert, wenn man uns den ganzen Roman auf einmal in die Hand gegeben hätte.

Fazit:
Einmal mehr zeigt sich, daß sich Büchersplitting für den eigentlichen Roman als tödlich erweist - und einmal mehr muß das Rad der Zeit darunter leiden.
Doch auf anderen Seite muß der Autor darauf achten, daß seine Geschichte nicht den Weg vieler guter Serien nimmt, die nach einem genialen Start irgendwann ins Mittefeld abdriften.
Aber immerhin nehme ich die deutliche Leistungssteigerung zu den letzten Romanen durchaus zur Kenntnis.
8 Punkte

Alexander Haas


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