Band 34: "Der Weg nach Westen"

Autor: Jo Zybell

Seit rund hundert Tagen hat man David McKenzie in ein Verlies gesperrt. Dave, der ein Kollege von Matthew Drax ist, wurde nach seiner Landung von den Menen Berlins einkassiert. Die Gründe dafür weiß David selbst nicht, der Leser jedoch ahnt sie schon: David ist mitten in die Auseinandersetzung zwischen den Frawen und den Menen in Berlin geraten.
Unerwarteterweise wird David freigelassen - der Krieg ist dank Maddrax vorbei. Der Wissenschaftler in David nimmt zum ersten Mal überhaupt die Veränderung der Landschaft und der Stadt wahr. Bisher dachte er, er hätte nur rund fünf Monate verpaßt. Nachdem er den Angriff eines Eluus überstanden hat und Jenny Jensen gegenübersteht, weiß er, daß er rund fünfhundert Jahre übersprungen hat. Er erfährt zudem, daß Matt vor kurzem da war und daß dieser auf den Weg nach London ist.
Nachdem sich David allmählich an das Leben in Berlin gewöhnt hat, wächst in ihm das Verlangen, Matt zu suchen. Dazu braucht er natürlich eine Maschine, die ihn über den Kanal bringt.
Schon bei seiner Ankunft sind ihm die Überbleibsel von ehemaligen Flugzeugen begegnet. Zusammen mit einer Abordnung, zu der die attraktive Daanah gehört, macht er sich mit Feuereifer daran, aus den Fragmenten und brauchbaren Teilen ein Flugzeug zusammenzubauen.
Während David bei der Arbeit ist, häufen sich merkwürdige Vorkommnisse in der Nähe von Berlin. Der Trupp, der auf die Jagd geht, findet tote Wisaaun mit merkwürdigen Wunden. Dann, nach einigen Tagen, begegnet ihnen Smythe mit seinen Nosfera. Dieser metzelt einige Teilnehmer des Trupps nieder, und die Überlebenden unterrichten Jenny von den Vorkommnissen. Kurze Zeit später ist Smythe in persona da. Er fordert von Jenny im Austausch gegen eine Geisel Benzin und das Wissen um den Aufenthaltsort von Maddrax. Widerwillig muß Jenny ihm seine Wünsche erfüllen - und hofft, daß ihre Warnung David noch rechtzeitig erreicht.
Dieser teilt sein Bett mittlerweile mit Daanah und hat bald ein zusammengeflicktes, aber funktionierendes Flugzeug gebaut. Als er Jennys Warnung erhält, beschließt er, sich mit allen Mitteln zu verteidigen. Doch dazu kommt es gar nicht - denn die Eluus greifen Smythe und dessen Untergebene an und schlagen sie in die Flucht. Nachdem Jenny und David den letzten Gruß Smythes - eine Bombe - entsorgt haben, ist der Tag gekommen, an dem David zusammen mit Daanah nach London fliegen will. Doch erneut greifen die Eluus an, und Daanah stirbt im Kampf gegen sie. David braucht eine Weile, um Daanahs Tod zu verarbeiten; dann jedoch macht er sich auf den Weg. Aber erneut kreuzt ein Eluu seinen Weg - diesmal, als er in der Nähe von Köln ist. Der Eluu beschädigt sein Flugzeug, und David stürzt in den Rhein.

Nachdem der letzte Roman mit der Gegenüberstellung von Maddrax und David geendet hat, erfahren wir nun in diesen und dem nächsten Roman, was David widerfahren ist. Wobei, wenn man die letzten Absätze in 33 aufmerksam liest, Maddrax erfreuter darüber ist, David zu sehen, als umgekehrt. Nun ja, wer weiß, wie lange der Weltrat den Wissenschaftler in seinen Klauen hatte...
Dieser Roman spielt ca. ein halbes Jahr nach den Ereignissen in Band 16 - wobei David schon etliche Monate vorher in Berlin angekommen sein muß, da er Matts Eingreifen wegen der Kerkerhaft verpaßt. Der Leser erfährt nicht nur etliches über die Fortschritte Jennys - das Zusammenleben der Frawen und Menen gestaltet sich natürlich nicht so einfach, wie sie und Matt sich das vorgestellt haben - sondern weiß jetzt auch, wie Smythe auf Matts Spur gestoßen ist. Man weiß ja, wie das geendet hat.
Jo Zybell ist ein sehr routinierter und in gewohnter Weise spannender Roman gelungen, der an manchen Stellen vielleicht etwas zu langatmig geraten ist. Langatmig deshalb, weil ich nicht so sehr jedes Detail über einzelnen Flugzeugtypen erfahren möchte und auch nicht unbedingt in allen Einzelheiten mitbekommen will, wie David nun sein Flugzeug zusammenschraubt.
Die Beschreibungen von Berlin sind jedenfalls sehr dicht und geben die Atmosphäre der verfallenen Stadt wieder. Gut geschildert ist auch Davids Biographie. Vor allem ist es sehr angenehm, daß die Serie wieder auf sich selbst zurückgreift und man endlich erfährt, wie es in Berlin weitergegangen ist. Die Eluus als Leitmotiv im Roman zu verwenden, spricht ebenfalls für Jos Geschick.
Warum Daanah allerdings gegen Ende des Romans sterben muß, ist nicht so ganz einleuchtend. Mußte das sein? David als Figur ist dermaßen gut charakterisiert, daß es eigentlich nicht notwendig war, ihm nochmals eine vertiefende Komponente mitzugeben. Und von der Handlung her war es auch nicht notwendig.
Interessantes Detail am Rande: Jenny ist schwanger. Hmmm - von wem, wissen wir ja, siehe Band 16. Ich bin mal gespannt, wie Matt reagiert, wenn er eines fernen Tages zurück in Europa ist...

Fazit:
Wie gewohnt liefert Jo Zybell einen qualitativ hochwertigen Roman ab. An manchen Stellen ist er etwas langatmig, im Großen und Ganzen jedoch spannend und informativ. Schön, daß die Serie auch auf Nebenfiguren eingeht und auf sich selbst zurückgreift.
10 Punkte

Christian Spließ

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