Im Jahr
1968 stellten sich zwei junge SF-Fans die Frage, was den Perry
Rhodan-Leser damals dazu brachte, einen PR-Club zu gründen -
stand doch die Serie damals bei den "ernsthaften" SF-Fans unter dem
Ruf, durchaus ein wenig faschistisches Gedankengut zu verbreiten.
Diese beiden SF-Fans verschickten also unter der Angabe, sie
gehörten ebenfalls zu der Gruppe der PR-Fans, einen Fragebogen
an die bekannten PR-Clubs und veröffentlichten die Ergebnisse
später in einem Fanzine namens "Imperium Rhodanum", das
seinerzeit für ein ziemliches Aufsehen sorgte. Danach war dieses
umpfgedruckte Fanzine lange Zeit Legende, denn angesichts der
geringen Auflage von 200 Stück (die für den Umdruck
verwendeten Matrizen eignen sich nicht für höhere Auflagen
als max. 250 Exemplare) und der Tatsache, daß man bereits nach
vier Wochen ausverkauft war, können nur recht wenige Fans von
sich behaupten, dieses "Machwerk" einmal in den Händen gehalten
oder gar gelesen zu haben.
Der Rezensent hatte bereits Mitte der 80er Jahre das Vergnügen,
es sich einmal ausleihen zu können - dementsprechend groß
war seine Vorfreude, als er von den Plänen einer
Wiederveröffentlichung erfuhr. "Vergnügen" ist nämlich
genau das richtige Wort, wenn man das Lesegefühl beschreiben
will, das dieser Roman hervorruft. Denn auch wenn das Werk (immerhin
der erste Sekundärtext zur "größten SF-Serie der
Welt") zum Zeitpunkt des Erscheinens ernst gemeint war, kann es heute
wohl am ehesten als beißende Satire durchgehen. Und in dieser
Hinsicht hat das Buch einiges zu bieten. Denn womit sich mancher
PR-Club Ende der 60er Jahre so beschäftigte, das ist geeignet,
dem heutigen Leser glatt die Schuhe auszuziehen. Da findet sich die
noch harmlosere "Verbreitung des rhodanschen Gedankengutes" ebenso
wieder wie komplette Pläne, die Welt zu vereinen -
selbstverständlich unter Alleinherrschaft des
"Großadministrators", womit natürlich der auf Lebenszeit
bestimmte Vorsitzende des jeweiligen PR-Clubs gemeint ist, der sich
solches auf die Fahne geschrieben hat. Auch wirre
Verschwörungen, deren Ziel die beiden Autoren waren, werden hier
aufgeführt und mittels Briefen im Originallaut geschildert.
Manches, was hier geschrieben steht, kann man nur noch als
haarsträubend bezeichnen.
Dabei bietet das Buch aber auch einen interessanten Blick auf das
Ende der 60er Jahre, sowohl in Hinsicht auf die Fandom- als auch auf
die Zeitgeschichte. Der ursprüngliche Text wurde leicht
überarbeitet und mit diversen Fußnoten ergänzt, die
dem heutigen Leser den Zeitgeist von damals näherbringen.
Manchmal schießen die Autoren dabei zwar ein wenig über
das Ziel hinaus (m.E. sollte auch der heutige Jungfan noch wissen,
wer z.B. John F. Kennedy war - und wenn auch nur aus Oliver Stones
Film JFK...), bieten im Großen und Ganzen jedoch eine solide
Basis für den Fan, der die Zeit nicht selbst miterlebt hat.
Sicherlich kann man auch den Autoren eine gewisse "Mitschuld" an
manchen Eskalationen vorwerfen, wenn sie z.B. unter falschem Namen
den einen oder anderen Club-"Besitzer" zu Drohbriefen anregen; alles
in allem bietet sich aber eine recht haarsträubende
Lektüre, die vor allem als Zeitzeuge sehr interessant ist. Da
muß man auch durchaus einmal bereit sein, dies als Produkt
seiner Zeit zu sehen und das Lesen auch unter dem Gesichtspunkt der
Satire/des Sarkasmus anzugehen. Unter diesen Voraussetzungen ist das
Buch dann allerdings eine absolute Kaufempfehlung für jeden, der
sich mit dieser Materie auseinandersetzen möchte - ein
unbedingtes Muß für den Erwerb eines Kultobjekts in
Fandomkreisen. Die Lektüre lohnt sich in diesem Fall eindeutig.
Sie macht nicht nur ziemlichen Spaß, sondern regt auch zum
Nachdenken an und informiert über ein Stück Fandom- und
Zeitgeschichte. Eine ziemlich ideale Kombination, wenn sie in einem
dermaßen lesenswerten Buch daherkommt.
Fazit:
Mit "Imperium Rhodanum" ist ein humoristisches Stück
Fandomgeschichte endlich wieder erhältlich. Eine unbedingte
Empfehlung für alle, die sich etwas näher mit dem Fandom
der 60er Jahre befassen möchten. Allerdings sollte der Leser
einen Sinn für Humor mitbringen und das Ganze nicht zu bierernst
sehen, dann lohnt die Lektüre dieses Bandes allemal.
15 Punkte.
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Die erste Veröffentlichung des Verlages Nummer Eins
- als BoD erschienen und in gewohnter Qualität - ist
ein Reprint des 1968 mit Umdruck hergestellten Buches
"Imperium Rhodanum". Und diese Wiederveröffentlichung
ist nur zu begrüßen. |