Ronald M. Hahn / Horst Pukallus:

"Imperium Rhodanum"

D 1968/2001
(167 Seiten, Paperback, Verlag Nummer Eins, Books on Demand, ISBN 3-8311-0992-3, DM 24,90)
- erschienen: April 2001 -

Im Jahr 1968 stellten sich zwei junge SF-Fans die Frage, was den Perry Rhodan-Leser damals dazu brachte, einen PR-Club zu gründen - stand doch die Serie damals bei den "ernsthaften" SF-Fans unter dem Ruf, durchaus ein wenig faschistisches Gedankengut zu verbreiten. Diese beiden SF-Fans verschickten also unter der Angabe, sie gehörten ebenfalls zu der Gruppe der PR-Fans, einen Fragebogen an die bekannten PR-Clubs und veröffentlichten die Ergebnisse später in einem Fanzine namens "Imperium Rhodanum", das seinerzeit für ein ziemliches Aufsehen sorgte. Danach war dieses umpfgedruckte Fanzine lange Zeit Legende, denn angesichts der geringen Auflage von 200 Stück (die für den Umdruck verwendeten Matrizen eignen sich nicht für höhere Auflagen als max. 250 Exemplare) und der Tatsache, daß man bereits nach vier Wochen ausverkauft war, können nur recht wenige Fans von sich behaupten, dieses "Machwerk" einmal in den Händen gehalten oder gar gelesen zu haben.
Der Rezensent hatte bereits Mitte der 80er Jahre das Vergnügen, es sich einmal ausleihen zu können - dementsprechend groß war seine Vorfreude, als er von den Plänen einer Wiederveröffentlichung erfuhr. "Vergnügen" ist nämlich genau das richtige Wort, wenn man das Lesegefühl beschreiben will, das dieser Roman hervorruft. Denn auch wenn das Werk (immerhin der erste Sekundärtext zur "größten SF-Serie der Welt") zum Zeitpunkt des Erscheinens ernst gemeint war, kann es heute wohl am ehesten als beißende Satire durchgehen. Und in dieser Hinsicht hat das Buch einiges zu bieten. Denn womit sich mancher PR-Club Ende der 60er Jahre so beschäftigte, das ist geeignet, dem heutigen Leser glatt die Schuhe auszuziehen. Da findet sich die noch harmlosere "Verbreitung des rhodanschen Gedankengutes" ebenso wieder wie komplette Pläne, die Welt zu vereinen - selbstverständlich unter Alleinherrschaft des "Großadministrators", womit natürlich der auf Lebenszeit bestimmte Vorsitzende des jeweiligen PR-Clubs gemeint ist, der sich solches auf die Fahne geschrieben hat. Auch wirre Verschwörungen, deren Ziel die beiden Autoren waren, werden hier aufgeführt und mittels Briefen im Originallaut geschildert. Manches, was hier geschrieben steht, kann man nur noch als haarsträubend bezeichnen.
Dabei bietet das Buch aber auch einen interessanten Blick auf das Ende der 60er Jahre, sowohl in Hinsicht auf die Fandom- als auch auf die Zeitgeschichte. Der ursprüngliche Text wurde leicht überarbeitet und mit diversen Fußnoten ergänzt, die dem heutigen Leser den Zeitgeist von damals näherbringen. Manchmal schießen die Autoren dabei zwar ein wenig über das Ziel hinaus (m.E. sollte auch der heutige Jungfan noch wissen, wer z.B. John F. Kennedy war - und wenn auch nur aus Oliver Stones Film JFK...), bieten im Großen und Ganzen jedoch eine solide Basis für den Fan, der die Zeit nicht selbst miterlebt hat.
Sicherlich kann man auch den Autoren eine gewisse "Mitschuld" an manchen Eskalationen vorwerfen, wenn sie z.B. unter falschem Namen den einen oder anderen Club-"Besitzer" zu Drohbriefen anregen; alles in allem bietet sich aber eine recht haarsträubende Lektüre, die vor allem als Zeitzeuge sehr interessant ist. Da muß man auch durchaus einmal bereit sein, dies als Produkt seiner Zeit zu sehen und das Lesen auch unter dem Gesichtspunkt der Satire/des Sarkasmus anzugehen. Unter diesen Voraussetzungen ist das Buch dann allerdings eine absolute Kaufempfehlung für jeden, der sich mit dieser Materie auseinandersetzen möchte - ein unbedingtes Muß für den Erwerb eines Kultobjekts in Fandomkreisen. Die Lektüre lohnt sich in diesem Fall eindeutig. Sie macht nicht nur ziemlichen Spaß, sondern regt auch zum Nachdenken an und informiert über ein Stück Fandom- und Zeitgeschichte. Eine ziemlich ideale Kombination, wenn sie in einem dermaßen lesenswerten Buch daherkommt.

Fazit:
Mit "Imperium Rhodanum" ist ein humoristisches Stück Fandomgeschichte endlich wieder erhältlich. Eine unbedingte Empfehlung für alle, die sich etwas näher mit dem Fandom der 60er Jahre befassen möchten. Allerdings sollte der Leser einen Sinn für Humor mitbringen und das Ganze nicht zu bierernst sehen, dann lohnt die Lektüre dieses Bandes allemal.
15 Punkte.

Winfried Brand

Die erste Veröffentlichung des Verlages Nummer Eins - als BoD erschienen und in gewohnter Qualität - ist ein Reprint des 1968 mit Umdruck hergestellten Buches "Imperium Rhodanum". Und diese Wiederveröffentlichung ist nur zu begrüßen.
Ronald M. Hahn und Horst Pukallus waren wohl die Ersten, die die damals noch recht junge SF-Serie "Perry Rhodan" kritisch unter die Lupe nahmen. Dazu schickten sie an die damals 384 existierenden PR-Clubs einen Fragebogen - und die teilweise haarsträubenden Ergebnisse veröffentlichten sie dann in zwei Bänden.
Nur sechs von den 384 PR-Clubs wurden von den Autoren damals für echte SF-Clubs gehalten, weshalb sie diese in den ersten Kapiteln des Buches auch hervorhoben. Wobei die Meldung, daß ein Club ein Tonbandgerät besitzt und dieses für eine Art Zirkel benutzt, im Zeitalter von Internet und e-Mail ein leicht amüsiertes Lächeln hervorruft. Aber es waren halt andere Zeiten.
Der Rest des Buches widmet sich den Antworten, die etliche Clubs auf den Fragebogen gegeben haben. Wobei der Streit, ob die Formulierung "als aufgelöst betrachtet" wirklich "aufgelöst" heißt, aus heutiger Sicht etwas merkwürdig anmutet. Kann sein, daß der Berufsstatistiker mit diesem Fachbegriff mehr anfangen kann als der Rezensent. ;-)
Weitere Kapitel des Buches widmen sich dann einer gewissen Eva König, deren abstruse Ansichten wirklich amüsant zu lesen sind, einem Obercommander, der seine Briefe auf die Rückseiten von Kalendern und Schulheften schreibt, sowie allerlei anderen Merkwürdigkeiten aus dem Jahr 1968. Besonders erwähnenswert ist dabei die Ballade eines Rhodan-Fans, die immerhin an die 30 Strophen umfaßt und derart schlecht ist, daß man sich nur mit Grausen davon abwenden kann. Zumal dieser Mensch auch noch selbst eine SF-Serie geplant hatte... Gut, daß diese nie erschienen ist.
Die beiden Autoren gehen mit spitzer Feder zu Werke. Teilweise bleibt einem bei diesen Beiträgen der PR-Clubs wohl nichts anderes übrig; andererseits hat man manchmal den Eindruck, daß sie derbe mit dem Holzhammer draufhauen. Aber da die Autoren damals 19 Jahre alt waren und zudem eher aus dem Bereich der anglo-amerikanischen SF kamen, sei es ihnen nachgesehen. Zudem schreiben sie ja selbst im Vorwort, daß diese Schreibweise auch auf die Tatsache aufmerksam machen wollte, daß einseitige Lektüre zu einem einseitigen Weltbild führen kann. Da haben sie recht.
Natürlich kann man die PR-Serie der damaligen Zeit, der nicht zu Unrecht faschistische Tendenzen vorgeworfen wurden, nicht mit dem Produkt vergleichen, das heute Woche für Woche an den Kiosken liegt. Die Autoren haben sich geändert, und der Zeitgeist wandelte sich ebenfalls. Dennoch - wenn man sich im Fandom umsieht, wird man feststellen, daß es auch heute Menschen gibt, die den im Buch geschilderten Fällen erschreckend ähnlich sind... (* Das muß teilweise am Konsum äthanol- oder auch THC-haltiger (oder gar noch heftigerer...) Produkte liegen bzw. gelegen haben. (Koffein/Tein und Theobromin können nach neuesten Forschungen ausgeschlossen werden, während sich die Gelehrten bezüglich des Nikotins noch nicht ganz sicher sind.) Neuerdings aber wird hauptsächlich die Neue Deutsche Schlechtschreibung (NDS) daran schuld sein. Heike)
Im Anhang finden sich dann Reaktionen auf die beiden Bände vom "Imperium Rhodanum", die die breite Palette von damaligen Meinungen wiedergeben und zuweilen nochmals recht belustigend sind.

Fazit:
Dieses Buch ist eine vergnügliche, belustigende und manchmal auch nachdenklich machende Zeitreise in die Anfangsjahre des PR-Fandoms. Zudem wohl das erste Sachbuch überhaupt, das sich mit der Serie beschäftigte. Mein Rat: Kaufen! Auch wenn man nicht viel mit PR am Hut hat, bietet der Band interessante Einblicke in die damalige Zeit.
15 Punkte

Christian Spließ


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