Band 5: "Wenn der Totengott erwacht"

Autor: Michael J. Parrish

1885: Durch die Hitze Ägyptens stapft ein Regiment britischer Dragoner. Deren Anführer, Major Barrington, haßt Ägypten aus ganzem Herzen und will lieber heute als morgen aus dem Land weg. Als einer seiner Männer in eine Höhle fällt, sieht Barrington seine Chance. Denn die Höhle erweist sich als eine antike Kultstätte - und für Major Barrington ist das die Chance, nach England zurückzukehren. Nachdem jedoch einer jener Männer, die den Leichnam des ersten Mannes bergen sollten, verschollen bleibt, macht sich der Major selbst auf den Weg.
Numquam: Torn sinnt über seine Vergangenheit nach. Doch der Auftrag von Severus reißt ihn aus seinen Zweifeln. Torn soll in einer sehr fernen Vergangenheit ein Kind retten. Wo genau, erkennt er erst, als er aus dem Vortex heraustritt. Er befindet sich in Ägypten, 2018 vor Christus.
Mube und Ayala, Nubier, versuchen sich vor den Horden der Ägypter zu verstecken, die die Nubier als billige Sklaven importieren. Doch weder Mube noch Ayala gelingt es. Während Mube jedoch wie seine Stammesgenossen in die Sklaverei verschleppt wird, erfährt die schwangere Ayala eine Sonderbehandlung. Amphotep, der Diener des dunklen Gottes Anubis, nimmt sie in seine Obhut. Denn Anubis hat etwas besonderes mit Ayalas Kind vor.
Torn folgt dem Sklavenzug und trifft dabei auf die Leiche von Mubes bestem Freund Gabu. Er nimmt dessen Gestalt an und trifft kurze Zeit später auf Mube selbst. Dieser findet jedoch schnell heraus, daß dieser Gabu nicht der von den Wächtern ermordete Freund sein kann. So bleibt Torn nichts anderes übrig, als sich Mube zu offenbaren. Was er jedoch wirklich ist, kann er ihm nicht sagen. Er erfährt von Mube, daß sich Ayala in den Händen Amphoteps befindet.
Nachdem Torn einen Aufstand angezettelt hat, bei dem Mube stirbt, eilt er so schnell er kann in die Totenstadt - nach Nekropolis, wohin Amphotep Ayala entführt hat. Die Geburt des Kindes steht kurz bevor, und Torn hat nicht mehr viel Zeit. Doch er kommt beinahe zu spät: Kurz nachdem Ayala niedergekommen ist, bietet Amphotep Anubis das Kind als Opfer dar. Anubis' Geist soll in den Körper des Kindes schlüpfen, und damit würde Anubis - der natürlich in Wahrheit ein Grah'tak ist - Nekropolis verlassen können. Torn kann die Diener des Amphotep außer Gefecht setzen und wird auch mit den Mumien, die auf Befehl des Dämons erscheinen, mühelos fertig. Doch der Kampf gegen den Grah'tak in seiner wahren Gestalt ist sehr schwer. Torn gelingt es, das Kind und Ayala aus der Gefahrenzone zu bringen. Der Dämon, der immer noch in der Akropolis gebannt ist, kann ihnen nicht folgen. Einstürzende Felsen verschütten die unterirdische Totenstadt.
1885: Major Barrington hat eine Begegnung mit Anubis. Dieser befiehlt ihm, ein angebliches Rebellendorf zu überfallen. In Wirklichkeit geht es dem Dämon aber um den Nachkommen von Ayalas Kind, der in dem Dorf lebt. Torn taucht kurz vor dem Angriff der Dragoner auf und stellt sich zwischen die Soldaten und die Dorfbewohner. Da erscheint Anubis, der Barringtons Körper benutzt. Es gelingt Torn zwar, Anubis mit dem Lux zu vernichten, doch vorher kann der Dämon sein eigentliches Ziel töten.
Torn ist der Meinung, versagt zu haben. Doch als er ins Numquam zurückkehrt...

Laut Impressum gibt es bei dieser Serie einen Lektor. So steht es jedenfalls da, und ich bin ja auch geneigt, zu glauben, was da steht - aber so ganz kann ich es dann doch nicht. Mag sein, daß sich der Gute noch etwas einarbeiten muß; allerdings sollten Fehler wie "das Empore" - gemeint ist hier das Britische Empire - oder fehlende Buchstaben, falsche Jahresangaben etc. doch wohl in den Griff zu kriegen sein. Eine derartige Häufung von Fehlern trübt das Lesevergnügen. Hoffen wir, daß sich das bessert.
Kommen wir aber zum Roman selbst, der mich diesmal sehr positiv überrascht hat. Wir haben zwar keine übermäßig originelle Handlung, aber sie ist ansprechend und spannend umgesetzt. Erstmals wirkt Torn wirklich in sich zerrissen; man nimmt ihn die quälenden Selbstzweifel ab.
Zudem haben wir hier lebendig gezeichnete Charaktere - Major Barrington ist ein egozentrischer Narziß, dem es nur um seine eigene Haut geht und dem es ganz egal ist, ob das, was er tut, seinen Leuten schadet. Mube hingegen ist jemand, der unerwartet in widrige Umstände gerät und eigentlich keine Hoffnung mehr hat, sie durch Torn jedoch wiederfindet.
Nun gut, als die Mumien in die Handlung eingreifen und vor allem Barringtons Ende lassen dann ein wenig "Die Mumie" anklingen - derjenige, der den Film gesehen hat, wird wissen, was ich meine. Und zugegeben, die Schilderung von Torns Kampfstil reißt einen auch nicht gerade vom Hocker - wenn wir schon bei Filmen sind, Torn wirbelt wie Jackie Chan durch die Gegend, was an sich ganz witzig ist - aber das vergißt man im Lauf der Handlung.
Womit wir bei der Frage der Zeitparadoxa wären. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, wie man den Satz "Die Geschichte korrigiert sich selbst" aufzufassen hat. In einem früheren Roman wird die Zeit als Fluß geschildert, den die Lu'cen durchschreiten können - und wenn ich mich recht erinnere, hieß es auch, die Vergangenheit könne geändert werden, wenn das Universum sich nicht an sie erinnere. Das Universum ist also ein lebendiges Wesen? Hmmm. Nun gut, auf diese Weise braucht man sich um Paradoxa und dadurch entstehende Zeitverwirbelungen nicht zu kümmern, aber ich kann nicht behaupten, daß ich das Prinzip verstanden hätte.
Dem normalen Leser wird das wohl nicht so wichtig sein - wichtig ist für ihn gute Unterhaltung. Und die hat Michael J. Parrish mit diesem Roman abgeliefert. Vielleicht kann Michael mit dieser Art von Romanen mehr anfangen.

Fazit:
Gegenüber den ersten Bänden bietet dieser Roman solide gestaltete, gut gemachte Unterhaltung. Die Handlung ist recht anständig und gut in Szene gesetzt.
Allerdings wäre es begrüßenswert, wenn die Rechtschreibfehler zurückgehen würden.
9 Punkte

Christian Spließ

Startseite