(Ein Dragon-Roman)
(Reihe Moewig Fantastic)
D 2001
(224 Seiten, Hardcover, Moewig, ISBN 3-8118-7510-8, DM 16,80)
- erschienen: Juni 2001 -
Zum
Inhalt:
Durch ein Weltentor erreicht Dragomar das, was von Atlantis
übriggeblieben ist. Doch der Sohn, den Dragon nie zu Gesicht
bekommen hat, kommt nicht allein, sondern als Anführer einer
32.000köpfigen Kriegerschar, und er hat nur eines im Sinn:
Dragon zu finden und zu vernichten. Helfen soll ihm bei diesem Ziel
nicht nur der Späher (ein seltsames Wesen, das er aus seinem
Körper formen kann), sondern auch sein Gefangener: der
"Namenlose" mit Namen Assadlion.
Ein Hilferuf Assadlions erreicht Dragon, der sich daraufhin in die
Welt des Namenlosen aufmacht, wo er auf eine seltsame Schar trifft,
die in der gleichen Sache unterwegs ist...
Eines zumindest kann man sicher sagen: Hugh Walker hat mit "Krieger
des Namenlosen" einen ziemlich seltsamen Roman abgeliefert. Es ist
zwar schon eine Weile her, daß ich die Dragon-Hefte gelesen
habe (so gute 15 Jahre...), doch meine ich mich zu erinnern,
daß der Anteil der SF-Elemente in der Handlung nach den ersten
drei Heften doch drastisch zurückgeschraubt wurde. Hugh Walker
hingegen schwelgt hier nur so in technischen Artefakten und
läßt den Leser nebenbei auch gleich noch den
Überblick darüber verlieren, in welcher Welt die Handlung
denn nun wieder spielt. Nun ja, all dies mag mit dem neugeschriebenen
Ende der Serie im Einklang liegen. Entgegengesetzt zur Behauptung im
Vorwort, man könne diesen Roman problemlos verstehen, auch wenn
man die Neuausgabe nicht kennt, möchte ich jedoch anmerken,
daß die Handlung ohne die Kenntnis der Serie auf den Leser eher
einen recht kruden Eindruck macht - vor allem, wenn die Rede auf
Dragon selber kommt.
Letzteres ist jedoch erstaunlich selten der Fall - ebenso entpuppt
sich das Klappentext-Gerede vom "in den Kampf ziehenden" Dragon eher
als Seifenblase. Denn bis Dragon in den Haupthandlungszweig
eingreift, sind rund 90% des Buches bereits vorbei - und zu
behaupten, der Showdown auf den letzten 20 Seiten würde einen
"Kampf" bieten, würde einer glatten Lüge gleichkommen.
Immerhin: Eine "Kampfszene" hat Dragon tatsächlich zu bestehen.
In ihr zückt er mal kurz seine Strahlenwaffe, ballert
irgendwelchen Angreifern vor die Füße - und damit hat sich
die ganze Sache und löst sich schließlich in Wohlgefallen
auf (womit sich diese Szene konsequent in die Gesamthandlung
einfügt, die sich im Großen und Ganzen ebenfalls in
Richtung "Eierkuchen-Lösung"entwickelt und dabei insgesamt
für den Leser unbefriedigend bleibt).
Sicherlich hat das Buch auch einiges an Action-Szenen zu bieten, doch
bleiben diese eher ein wenig außen vor und können sich
nicht so ganz in das Gesamtkonzept des Romans einfügen. Zu
groß ist hier der Bruch zwischen der Haupthandlung und der
Handlungsebene um Dragon selber. Letztere nimmt im Roman den
geringsten Platz ein, stellt erstere dafür aber komplett auf den
Kopf und bestimmt die Auflösung. Das ist für den Leser dann
eine alles andere als befriedigende Lösung.
Was an sich schade ist, denn stellenweise entwickelt sich der Roman
wirklich spannend, doch wird diese Spannung meist recht schnell
wieder zerstört, wenn ein weiterer kruder Einfall des Autors
auftaucht und einfach mal so wieder alles umdreht. Dieser Mix aus SF
und Fantasy mag ja insgesamt ganz nett sein, wirkt in diesem Roman
jedoch zu verworren, als daß er sein Potential entfalten
könnte.
Fazit:
In diesem Roman steckt viel verschenktes Potential. Es wäre wohl
besser gewesen, den Namensgeber der Serie erst gar nicht erwähnt
zu haben, dann hätte der Roman ein in sich geschlosseneres Bild
ergeben. Allerdings hätte Hugh Walker sich dann auch um ein
stimmiges Ende bemühen müssen, das sinnvoller daherkommt
als das jetzt gewählte...
3 Punkte.