Band 36: "Die Söhne des Himmels"

Autor: Michael J. Parrish

Nachdem Matt den vermeintlich echten David McKenzie getroffen hat, werden beide bald darauf zu Hymes gerufen. Dieser erläutert ihnen, daß der Weltrat schon seit langem die ISS im Auge hat - besser gesagt, man ist sich nicht sicher, ob die ISS noch existiert. Doch wenn sie noch da ist, wäre das ein wissenschaftlicher Vorteil. Schließlich hat die ISS all die Jahre lang die Veränderungen der Erde aufgezeichnet. Matt und David sollen nun zusammen mit Rorke, einem ehemaligen Soldaten, der jetzt General Crow dient, nach Florida aufbrechen. Ziel ist es, herauszufinden, ob die ISS noch existiert.
Matt läßt sich mit gemischten Gefühlen auf diese Mission ein, hat er doch das Gefühl, daß ihm einiges verschwiegen wird. Und ob Rorke wirklich loyal handeln wird, ist ebenfalls zweifelhaft.
Das Trio bricht also mit einem besonders ausgestatten LKW auf und gerät prompt in das Gebiet der Pales. Diese sehen es gar nicht gerne, wenn man ihr Gebiet unbefragt überquert, und greifen prompt an. Nachdem die Angriffswelle vorüber und das Nachtlager aufgeschlagen ist, nimmt der falsche Dave Kontakt mit den Pales auf. Schließlich war er ja mal einer von ihnen, bevor er sich den Running Men angeschlossen hat.
So kommt es, daß das Trio unbehelligt weiterziehen kann und die Sümpfe von Florida erreicht. Diese können nur zu Fuß durchquert werden - die Aussicht auf einen langen Fußmarsch, begleitet von riesigen Moskitos und Blutegeln, hebt Matts Stimmung nicht sonderlich. Aber es kommt noch ein schlimmer. Eine Schildkrötenmutation mit Tentakeln schnappt sich Rorke. Erst nach einem zähen Kampf gelingt es Matt und David, Rorke aus den Fängen der Kreatur zu befreien. Das Verhalten Davids gibt Matt dabei Rätsel auf. Er schiebt das jedoch auf die Ereignisse, die dieser in Euree erlebt hat.
Als sie schließlich mit einem Boot das ehemalige Cape Canaveral erreicht haben, erwartet sie noch eine weitere Überraschung: Die sogenannten "Söhne des Lichts", die die ISS als eine Art Gott verehren, greifen das Trio an. Rorke gerät in ihre Gewalt, und kurze Zeit später werden auch Matt und Dave aufgegriffen. Sie werden vor eine Prüfung gestellt: Aus drei Trinkgefäßen müssen sie das wählen, das dem Gott Eisas geweiht ist. Für Matt kein Problem: Er greift sich den Trinkbecher mit dem Symbol der NASA heraus. Nachdem auch die zweite Prüfung bestanden ist - der Name "Shuttle" war gefragt - werden die drei als Gesandte Eisas verehrt. Und so, wie es die Prophezeiung vorausgesagt hat, findet das Trio das Gefährt des Gottes. Tief im Innern der ehemaligen Forschungsanlagen befindet sich ein vakuumgeschütztes Gebäude, in dem sich der Prototyp eines neuen Shuttles befindet, das 2016 starten sollte. Doch nicht nur das: Als David die Kommandozentrale in Gang setzt, erhält er ein Bild von der ISS - ein aktuelles Bild. Nach rund 500 Jahren ist die Raumstation also noch in Betrieb. Man beschließt, Rorke zurückzulassen, während Matt und David nach Washington zurückkehren sollen.

Es gibt Folgen bei Akte X, die als "Monster-der-Woche"-Episoden bezeichnet werden. Irgendwie bin ich dafür, diesen Begriff für diesen Roman anzuwenden. Warum? Nun, Matt und David werden von Hymes auf eine Mission losgeschickt. Nach etlichen Irrungen und Wirrungen erreichen sie dann das gewünschte Ziel und kehren - vermutlich - mit einem Liedchen auf den Lippen heim. Bis auf die Tatsache, daß ein wahrscheinlich funktionierendes Shuttle gefunden wurde und die ISS tatsächlich noch in Betrieb ist, erfährt man hier doch nicht allzuviel Neues.
Zugegeben, die Pales sind eine nette Idee - von denen wird man bestimmt noch einiges hören, man kennt ja die Autoren ;-) - und auch die Sumpfviecher sind recht originell. Wobei ich mich frage, warum man in Sümpfen immer Biester mit Tentakeln findet. Braucht man die, um als ordentliches Ungeheuer im Wasser überleben zu können? ;-) Vermutlich bin ich der Einzige, der beim Lesen dieser Szene an Sindbad den Seefahrer gedacht hat. Da gibt's ja auch eine Insel, die sich nach dem Betreten als ein Ungeheuer herausstellt. Aber da bin ich bestimmt der Einzige. Bestimmt. ;-)
Da fällt dann das letzte Drittel des Romans doch etwas ab. Die Söhne des Himmels sind halt mal wieder ein exotisches Volk mit exotischen Riten. Hatten wir schon öfters in der Serie. Und die Verehrung von Überbleibseln der alten Zivilisation ist auch kein neues Element. Das ließe ich mir ja noch gefallen, wenn MJP hier in der Lage wäre, das Volk so richtig lebendig wirken zu lassen. Doch irgendwie sind mir die Überbleibsel der ehemaligen Canaveral-Crew zu farblos. A propos Charaktere: Auch Matt und David wirken in diesem Roman wieder wie lebendige Puppen. Sie agieren zwar, aber MJP gelingt es nicht, sich den Figuren zu nähern. Es bleibt alles an der Oberfläche.
Ich erinnere mich an eine Aussage, daß ab Band 50 mehr SF in die Serie einfließen soll. Nach diesem Band zu schließen, wird dabei die ISS wohl eine tragende Rolle spielen. Aber schaun mer ma.

Fazit:
Im Gegensatz zum letzten Zweiteiler ist dieser Roman etwas einfacher gestrickt. Was nicht unbedingt etwas Schlechtes heißen muß - wäre da nicht die farblose Darstellung von Matt und David. Die Handlung überrascht erst gegen Ende. Vorher ahnt man schon halbwegs, was auf einen zukommt. Ein solider Roman ohne sonderliche Höhen.
7 Punkte

Christian Spließ

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