Band 2077: "Die Dunkle Null"

Autor: Rainer Castor

Die Besatzung der SOL macht sich daran, das Rätsel um den Planeten Clurmertakh zu lösen, auf dem der Ritter Mohodeh Kascha seit mehr als dreizehn Jahren verschollen ist. Von Kascha erhofft sich Atlan weitere Auskünfte über Thoregon.
In der Kruste Clurmertakhs steckt eine etwa 36 Kilometer durchmessende Kugel, von der rund zwei Drittel in die Oberfläche eingebettet sind. Sämtliche Daten dieses Gebildes weisen die Charakteristika eines anderen Universums auf. Die Kugel scheint der Ursprung der hyperphysikalischen Phänomene zu sein, die den ganzen Raumsektor heimsuchen. Rund 180 Kilometer von der "Dunklen Null", wie das Gebilde von den Dommrathern genannt wird, haben die Ritter von Dommrath eine Forschungsstation eingerichtet. Doch die Dunkle Null entzieht sich allen Versuchen, ihre Natur zu ergründen.
Ein Leichter Kreuzer der SOL landet in der Nähe der Forschungsstation. Während des Fluges gerät das Schiff in erhebliche Schwierigkeiten, denn je mehr man sich der Dunklen Null nähert, desto häufiger fallen die auf Hyperbasis arbeitenden Aggregate aus. Daher ist es auch nicht möglich, die Null direkt anzufliegen. Gespräche mit der Besatzung der Forschungsstation bringen keine neuen Erkenntnisse.
Atlan, Dao-LinH'ay, Myles Kantor, Icho Tolot, Mondra Diamond und die beiden Monochrom-Mutanten Startac Schroeder und Trim Marath machen sich in speziell angefertigten Überlebens-Anzügen auf den Weg zur Dunklen Null. Ihr erstes Ziel ist die ATHA'KIMB, das Schiff Mohodeh Kaschas, dem es seinerzeit gelungen war, sich dem seltsamen Gebilde auf etwa zwanzig Kilometer anzunähern. Icho Tolot schleppt zusätzliche Ausrüstung.
Im Lauf ihres Marsches zeigt sich bei den Expeditionsteilnehmern immer stärkere Desorientierung, von der selbst der Haluter nicht verschont bleibt. Sandstürme machen Atlan und seinen Begleitern zusätzlich schwer zu schaffen. Zunächst kommt man mit Hilfe der Anzug-Flugaggregate noch rasch vorwärts, doch diese fallen immer häufiger aus, so daß man schließlich zu Fuß marschieren muß.
Es gelingt Trim Marath, Kontakt zu seltsamen Lebewesen aufzunehmen, die in der Umgebung der Null zu leben scheinen. Eines dieser Wesen, die von den Dommrathern "Favvintas" genannt werden, weist dem Mutanten den Weg zum Ritterschiff.
Dort sind alle Aggregate ausgefallen. Die Besatzung wartet unerschütterlich auf Mohodeh Kaschas Rückkehr. Der Ritter verfolgte seit Irismeet offenbar einen Unbekannten. Die Besatzung der ATHA'KIMB glaubt, daß sich beide in die Dunkle Null begeben haben.
Während des weiteren Marsches verstärkt sich die Desorientierung der Expeditionsteilnehmer und macht bald ein gezieltes Vorwärtskommen unmöglich. Es gelingt Trim Marath erneut, mit einem der Favvintas in Kontakt zu kommen, indem er das Wesen mit einem Multivitamin-Riegel anlockt. Die Favvintas erweisen sich als intelligent. Sie sind in der Lage, zwischen verschiedenen Dimensionen zu wechseln und somit die von der Null ausgehenden Störfronten weitgehend zu neutralisieren. Im Austausch gegen eine größere Zahl von Multivitamin-Riegel bringen sie Atlan und seine Gruppe an den Rand der Dunklen Null.
Ein Eindringen in das Innere erweist sich zunächst als unmöglich. Dafür kann sich die Gruppe von den Strapazen erholen, denn in unmittelbarer Nähe der Kugelwand treten keinerlei Fremdeinflüsse mehr auf.
Startac Schroeder fehlt. Trim Marath vermutet, daß er in das Innere der Null teleportiert ist.

Rainer Castor hat einen großen Teil dieses Romans aus der Sicht des Wissenschaftlers Myles Kantor geschrieben. Der Autor versicherte auf dem PR-Con in Garching, daß er nur schwer der Versuchung widerstanden habe, aus diesem Band einen Atlan-Roman zu machen, obwohl sich das förmlich angeboten habe.
Rainer Castor hat sich die Wahl der Hauptperson demnach gut überlegt, und das macht einen großen Teil der Klasse des Romans aus. Wie oft wurde in der Vergangenheit kritisiert, Kantor sei blaß und ohne Format. "Myles Kantor ist ja so zurückhaltend und fällt nicht auf. Er ist blaß" (Seite 5). Dieser Roman ist eine Art Antwort auf die Leserkritiken, und sie ist gut gelungen. Rainer Castor ist bei vielen Lesern wegen seiner Technik-Einschübe beliebt, bei anderen eben deshalb berüchtigt. Die Schilderung der Ereignisse aus der Sicht eines Wissenschaftlers ist ein guter Kniff: Da fallen diese Technik-Einschübe nicht negativ auf - die Kritiker haben nichts zu meckern (und dem Rezensenten hat es ebenfalls gefallen). So lassen sich auch ausgedehnte Theoretisierungen über die fiktiven Grundlagen terranischer Hypertechnik problemlos unterbringen, ohne daß man sie als fehl am Platz ansieht. Außerdem stellt der Autor dankenswerterweise wieder einmal einen der kaum beachteten Zellaktivatorträger in den Mittelpunkt.
Erwähnenswert ist auch die exakte Überleitung zwischen dem Vorgängerband und diesem Roman. Gespräche werden im Wortlaut aus anderer Perspektive widergegeben. Dem Internet sei Dank; derartige Abstimmungen klappen wohl nur per E-Mail so präzise.
Zudem bereichert der Autor den Roman durch eine Parade vieler präzise gezeichneter Haupt- und Nebenpersonen mit ihren Marotten: Tonko Kerzner, Ertruser und zuständig für den Bereich Außenoperationen, gleichzeitig Süßigkeitenliebhaber, taucht ebenso in einer Passage auf wie der faule und träge Steph Nieland. Derartige Abschnitte kommen bei anderen Autoren oft zu kurz. Hier sieht man, daß die Serie trotz umfangreicher werdender Exposés noch genug Raum für kurze Auftritte von Nebenfiguren bietet, und ein Roman wirkt oft dadurch erst lebendig.
Rainer Castor greift aber noch andere Dinge auf, die oft angesprochen wurden, so z. B. "Die Schiffsführung nutzt das Potential der Beiboote viel zu wenig" (Seite 10), oder auch die eher negative Einschätzung der Mondra Diamond: "Die Verkannte, die Hysterische, die Nervensäge - ich zeig's euch allen! Ihr werdet mich noch kennenlernen!" (Seite 30).
Die Story als solche kann sich ebenfalls sehen lassen. Da hat man mit der SOL ein riesiges Raumschiff, aber letztlich bleibt Atlan nichts anderes übrig, als einen kleinen Trupp zu Fuß loszuschicken. Derartige Unternehmungen waren oft das Salz in der Suppe. Die technischen Probleme in der Umgebung der Dunklen Null werden sehr schön beschrieben.
Auch wenn man nicht viel über die Dunkle Null erfährt und der Roman keine wirklich "große" Story bietet - das Ergebnis kann sich sehen lassen. Und was ist die Dunkle Null wirklich? Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

Fazit:
Ein guter Roman mit viel Detailreichtum und schönen Charakteren.
12 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Die "Dunkle Null" - ab nächster Woche wohl auch unter dem Namen "ZENTAPHER" bekannt - gibt dem Leser reichlich Rätsel auf, die Rainer Castor in seinem Roman natürlich nicht zu lösen bereit ist. Statt dessen kämpft man sich in bester Einsatzteam-Manier zum Mittelpunkt des Unbekannten vor und nimmt dabei die Hilfe seltsamer Wesen in Anspruch, die diesen Weg mittels Sprüngen durch diverse Universen ermöglichen.
Rainer Castor entwickelt dabei ein recht interessantes Konzept, das aber auch ein wenig schwammig daherkommt. Da ist man nicht in der Lage, die Kugel zu erreichen, und schon kommen, angelockt durch schlichte Multivitamin-Riegel, irgendwelche Wesen daher, die einen bis fast zum Ziel bringen können. Etwas abgehoben ist dies dann ja schon, nur: Wer anders als Castor hätte dies dem Leser halbwegs verdeutlichen können? Die Autorenwahl ist hier eindeutig gelungen...
Dabei hält sich Rainer mit seinen Technikbeschreibungen diesmal so ziemlich zurück - fast schon eine Wohltat gegenüber seinen letzten Romanen (oder gewöhne ich mich so langsam daran?!?) - und konzentriert sich mehr auf die Handlung des Romans, was ihm dann auch recht gut gelingt.
Das Kommandounternehmen in Richtung "Dunkle Null" ist jedenfalls kurzweilig zu lesen und bietet einen guten "Vorbrenner" zu den zu erwartenden zwei "Enthüllungs"-Romanen, die jetzt wohl folgen werden. Ich muß ja nun gestehen, daß ich zur Zeit noch keinerlei Vorstellung habe, um was es sich bei "ZENTAPHER" handeln könnte. Von daher bahnt sich hier zumindest einmal endlich wieder eine für mich nicht vorhersehbare Handlung an, die auch noch Sinn macht - etwas, auf das ich inzwischen schon lange gewartet habe. Ich hoffe doch, daß es sinnvoller wird als das Superintelligenzen-Kochrezept, aus dem SEELENQUELL entstanden ist...
Ansonsten bleibt nach diesem Roman nur wenig zu sagen: Man wandelt auf den Spuren des letzten Kimbaners und steht nun vor einer seltsamen Sphäre, die wohl nicht so ganz in dieses Universum eingebettet ist. Rainer Castor hat hier einen gelungenen Hinführungsroman auf die kommenden Bände abgeliefert. Der Leser harrt der Ereignisse, die da noch kommen mögen...

Fazit:
Gelungen, einfach nur gelungen. Atlan und Co. als Einsatzteam auf dem Weg zum nächsten Meilenstein der Handlungsebene. Rainer Castor gelingt es, die seltsamen Verhältnisse um die "Dunkle Null" herum stimmig zu schildern. Auch wenn es insgesamt nur wenig vorwärtsgeht, ist dies doch ein Roman, der den Leser gut zu unterhalten weiß.
11 Punkte.

Winfried Brand

Dieser Roman zeichnet sich eindeutig durch eine gute und eine schlechte Seite aus: Einmal ist da Myles Kantor; zum anderen ist da die mehr oder wenige sinnlose Rumspringerei gegen Ende.
Auf den ersten Seiten schafft es Castor, Myles Kantor, der in der letzten Zeit arg vernachlässigt wurde, wieder Profil zu geben. Geschickt bezieht er dabei die Vergangenheit des Wissenschaftlers ein und weckt damit bei den Neulesern den Anreiz, sich noch mal mit den alten Romanen zu beschäftigen. Hier ist die Verknüpfung zwischen neuer und alter Handlung nahezu perfekt. Im Gegensatz zum letzten Castor-Roman stört hierbei auch nicht die fast allgegenwärtige Präsenz der Technik. Vielmehr wirkt es nahezu natürlich, weil Myles Kantor Wissenschaftler ist und seine Gedankengänge sich eben mit technischen, wissenschaftlichen Themen beschäftigen. Das ist plausibel und gut gemacht. Schön ist auch, daß Mondra Diamond wieder mehr in den Vordergrund tritt. Wobei das irgendwie etwas zu aufgesetzt wirkt. Mag sein, daß Mondra mittlerweile etwas gefaßter ist, aber dennoch...
Kommen wir zur letzten Hälfte des Romans. Die Dunkle Null verzerrt die Realität. Gut. Das kann man natürlich schwierig in der Sprache abbilden. Aber aneinandergereihte Sprichwörter und durcheinandergewirbelte Sprachfetzen sind auf die Dauer sehr ermüdend und langweilig. Als Stilmittel beim ersten Mal wirkt es noch recht nett, aber sinnlose Absätze in einen Roman einzubauen... Hmmm.
Und dann springt man munter von Pararealität zu Pararealität. Mag sein, daß ich das jetzt nicht ganz verstanden habe, aber wie war das mit dem Strangeness-Schock? Müßte man den beim ersten Springen nicht sehr heftig spüren? Wie gesagt, ich kann mich irren... Dennoch hätte man diesen Teil wirklich kürzer fassen können. Offenbar scheint hier das Expo nicht ganz ausgereicht zu haben, und Castor brauchte Füllmaterial.
Und seien wir ehrlich: So richtig wichtig für die Handlung ist dieser Roman nun nicht. Die Handlung plätschert zwar angenehm dahin und ist wenigstens in der ersten Hälfte nicht langweilig, aber noch ein Roman dieser Sorte...
Wie sagte Robert Hector sinngemäß doch so treffend: Es sei momentan lohnender, den aktuellen Zyklus zu diskutieren als ihn zu lesen. So allmählich neige ich dazu, ihm Recht zu geben.

Fazit:
Erfreulich ist, Myles Kantor mal wieder als richtigen Charakter zu erleben und ihn überhaupt mal wieder agieren zu sehen. Etwas unerfreulich ist die eher planlose Herumspringerei zwischen den Pararealitäten - und der sinnlose Versuch, etwas sprachlich abzubilden, was nicht beschreibbar ist.
8 Punkte

Christian Spließ

Co-Rezensenten zu den PR-Romanen gesucht

Da Alexander Haas nur noch vereinzelte Rezensionen zu den Perry Rhodan-Romanen schreiben wird, sind wir wieder auf der Suche nach Verstärkung für das Rezensententeam. Wenn Du dich also dazu berufen fühlst, die laufende Handlung zu kommentieren, schreib einfach eine E-Mail an Winy.

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