Patrick J. Grieser:

"Der Hüter des Taermons"

(Die Taermon-Trilogie)
D 2001
(611 Seiten, Hardcover, Basilisk-Verlag, ISBN 3-935706-00-6, DM 39,80)
www.basilisk-verlag.de
- erschienen: Mai 2001 -

1. Buch
Gefährliche Pfade
Terence tel'Ana, ein einfacher Dekadept, bewacht eines Morgens das Weltensiegel in der Nähe seiner Heimatstadt Palinor. Audria, die Welt, in der Terence lebt, war vor Urzeiten durch den Äther über die Weltensiegel mit anderen Welten verbunden. Einst hat der Kadept Banesh Karrek dieses Welten bereist und dem Gott Graecel das Taermon entwendet - ein goldener Stirnreif mit unbegrenzter Macht. Doch Banesh Karrek ist schon seit Urzeiten verschwunden.
An diesem Morgen, als Terence zusammen mit anderen Dekadepten das Weltensiegel bewacht, bricht das Siegel zusammen, und selbst der Zauberspruch, den die Kadepten den Dekadepten gelehrt haben, kann nicht verhindern, daß das Siegel zerbricht. Damit können die Chaosgötter nach Audria gelangen.
Zu allem Übel hat sich auch noch das Oberhaupt des Ordens der Dekadepten, Chugg'ard, den Chaosgöttern gewidmet. Und er besitzt das Taermon. Audria scheint verloren. Jetzt bleibt nur noch eine Möglichkeit - Crispin, ein Magier, spricht einen mächtigen Zeitzauber aus. Nur Crispin selbst soll sich dann an die Geschehene erinnern und verhindern, daß Chugg'ard das Taermon findet. Das funktioniert aber nicht - stattdessen ist es Terence, der sich an die Ereignisse erinnert. Zusammen mit dem Elfen Aaron, dem Hauptmann Ryan, dem Zauberer Crispin und dem Zwerg Brolin macht er sich auf den Weg, um das Taermon vor Chugg'ard in die Hände zu bekommen...

2. Buch
Das Orakel der Könige
Fast wäre es den Gefährten gelungen, das Taermon in ihre Hände zu bekommen, doch Sulemann vom Handelshaus der Goldenen Sule, der dem Prinzen Xeldek unterstellt ist, war schneller. Den Gefährten bleibt nun eine Reise in die Grenzländer nicht erspart. Zusammen mit dem ehemaligen Gastwirt Ludger wird Terence von seinen Gefährten getrennt - und während die anderen in eine Falle Sulemanns tappen, können Terence und Ludger unerkannt an Bord von Sulemanns lebendigem Luftschiff gelangen. Das Ziel der Fahrt ist das Orakel der Könige. Der Ort, an dem sich alles entscheiden wird...

3. Buch
Der Stein der Weissagung
Terence, der mittlerweile zum Hüter des Taermons ernannt worden ist, hat Audria zwar vor Chugg'ard und Sulemann gerettet, doch der Chaosgott selbst tritt auf den Plan. Er versetzt Palindor in eine andere Realität, und selbst Terence kann mit dem Taermon nichts gegen den Chaosgott ausrichten. Erst Banesh Karrek vermag Terence einen Tip zu geben: Der Erlkönig, ein Gott, der sich von den Völkern zurückgezogen hat, vermag als Einziger zu helfen. Terence macht sich zusammen mit Aaron auf den Weg. Doch der Preis, den der Erlkönig fordert, ist hart: Terence soll einen Teil seiner Seele aufgeben, um in den Besitz der Blutperle zu gelangen. Zusammen mit dem Taermon macht sich Terence in die letzte Schlacht auf...

Warum diese Rezension gleich drei Inhaltsangaben besitzt? Nun, ganz einfach: Wie der Untertitel schon sagt, sind in diesem Roman gleich drei Bücher zu einem Band zusammengefaßt. (* Woran der Herausgeber des Flash auch nicht ganz unschuldig ist, hat er sich doch breitestens im Circle of Fantasy-Forum darüber ausgelassen, was er von Buchteilungen hält - und diese Alternative zu drei einzelnen Romanen finde ich immer noch wesentlich besser und für den Leser angenehmer (wenn ich mir dagegen die aktuelle Veröffentlichungspolitik Heynes in Sachen Guy Gavriel Kay ansehe, graust es mir schon wieder...) Winy)
Patrick J. Grieser hat in seiner Taermon-Trilogie versucht, sich der epischen High-Fantasy zu nähern. Mehr als eine Annäherung ist ihm leider auch nicht gelungen.
Das Konzept des Äthers und der Weltensiegel ist schon ungewöhnlich, und der Ansatz der Geschichte verspricht dem Leser auch Spannung und Abenteuer. Auch das Ende entspricht nicht den Lesererwartungen; schließlich ist Audria gerettet, aber Terence selbst - nun, der Rezensent möchte an dieser Stelle nicht zuviel verraten.
Ansonsten setzt Grieser dem Fantasy-Leser sehr gewöhnliche Kost vor: Wir haben mal wieder eine Gefährtengruppe - bestehend aus den üblichen Rassen, die der Leser ja allmählich zur Genüge kennt. Ein mächtiges Artefakt muß gefunden werden, und natürlich fehlt auch der allgegenwärtige Bösewicht nicht. Seien wir ehrlich: Das ist nicht besonders originell.
Vor allem den Personen, die die Geschichte tragen sollen, fehlt es einfach an Persönlichkeit. Wir haben hier den typischen Zwerg, den typischen Elfen und den typischen Zauberer - sie entsprechen ganz genau den üblichen Vorstellungen und zeichnen sich in keiner Weise irgendwie aus. Selbst Terence, dem unfreiwilligen Helden, gelingt es nicht, den Leser irgendwie anzusprechen.
Dazu kommt noch der Stil des Autors. Nach wenigen Seiten befällt einen unfreiwillig ein Gähnen, und man hofft, der Autor komme endlich mal zum Punkt. Es fehlt einfach die Atmosphäre. Nicht jedermann vermag die Wüstenatmosphäre eines Herbert darzustellen, das ist klar, aber mehr als die übliche Darstellung einer sandigen Fläche sollte es doch schon sein.
Die graphische Gestaltung des Romans jedoch verdient eine Anerkennung. Man findet natürlich die üblichen Karten, aber schon beim Betrachten der Landschaften merkt man, daß hier ein exzellenter Künstler am Werk war. Und die Innenillustrationen, meist die Protagonisten, sind wirklich wunderschön. Vor allem Morgresh, der Drache, ist exzellent dargestellt.
Was den Rezensenten jedoch verwundert, sind die vielen Absätze auf einer Seite. Es kommt vor, daß nach vier, fünf Sätzen ein Absatz erfolgt, wo eigentlich keiner erforderlich ist. Den zusätzlichen Platz hätte man gar nicht gebraucht, so hätte man vielleicht knapp 500 Seiten anstatt von 611 gebraucht. Nun ja - vielleicht ist das ein Stilmittel des Autors. Dennoch, merkwürdig ist es schon.

Fazit:
Griesers Erstlingswerk vermag nicht so ganz zu überzeugen. Der Ansatz der Geschichte ist interessant, die Ausführung jedoch läßt zu wünschen übrig.
Erwähnenswert ist die Ausstattung des Romans - die Innenillustrationen und die fantasyüblichen Karten sind eine wahre Augenweide.
3 Punkte

Christian Spließ


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