Antje Ippensen:

"Der 24. Buchstabe"

D 2001
(311 Seiten, Taschenbuch, Basilisk-Verlag, ISBN 3-935706-01-4, DM 24,80)
- erschienen: Juni 2001 -

Zum Inhalt:
Das AMT herrscht über die Augenwelt, ein monströser Stadt-Komplex, in dem sich auch Black Currant herumtreibt. Doch B.C. wird vom AMT gejagt, und in der Metropole breitet sich eine rätselhafte Taubheit unter ihren Bewohnern aus. So trifft sie auf verschiedene Personen, deren Geschichte mit der ihren verwoben ist, und macht sich auf zum Kampf gegen die Silbernen Weisen, die ihre Gegenspieler darstellen. Und irgendwo ist da noch eine Katze - und ein Zug - und ihre rätselhaften empathischen Fähigkeiten - und eine Frau aus einem Computerspiel (oder einer anderen Welt?) - und die Frage nach dem 24. Buchstaben...

Hm? Hat jemand etwas von dem Obenstehenden verstanden? Nein?! Macht nichts...
Auf dem Klappentext zu diesem Roman von Antje Ippensen steht: "Mystischer Surrealismus mit Cyberpunk-Elementen" - eine Beschreibung, die man sicherlich nicht besser hätte treffen können.
Antje Ippensen legt hier einen Roman vor, der den Leser recht heftig fordert - teilweise zu sehr, als daß er die Lektüre wirklich noch genießen könnte. Wird hier doch gerade dieses "mystisch-surrealistische" Element mehr als nur großgeschrieben, so daß ein Verständnis der Handlung nur sehr schwer möglich ist.
So entwickelt sich die Lektüre des Buches mit fortschreitender Seitenzahl dann auch mehr zu einem Kampf mit dem Buch als zu einer entspannten Lesestunde. Dieser Roman mag anspruchsvoll sein, hat jedoch leider die schmale Grenze zwischen Anspruch und Unlesbarkeit m.E. teilweise ein wenig überschritten.
Dabei entwickelt sich im Lauf der Lektüre ein recht interessantes Verhältnis zwischen dem Leser und dem Roman. Denn einerseits "kämpft" sich der Leser förmlich durch die Seiten, andererseits versteht es die Autorin, ihre Geschichte derart darzubringen, daß der Leser diesen "Kampf" auch aufnimmt, bzw. den Roman auch zu Ende lesen will, wenn er ihn schon einmal angefangen hat. Der Leser entwickelt auf diese Weise eine Art von Haßliebe zu der Geschichte, die schwer erklärbar ist und deren Erklärung wohl auch im "mystischen Surrealismus" versinken würde, würde ich versuchen, sie an dieser Stelle zu Papier zu bringen...
Lassen wir es an dieser Stelle dann doch lieber dabei bleiben, daß mich bisher noch kein Roman gleichzeitig dermaßen gelangweilt wie fasziniert hat, wie es auch ebenfalls noch keinem Roman gelungen ist, am Ende einen Stoßseufzer der Erleichterung und des Bedauerns gleichzeitig hervorzurufen.

Fazit:
Ein Roman der Gegensätze - faszinierende Langeweile, abstoßende Spannung, erklärendes Unverständnis. Dies sind die Gefühle, die im Rezensenten nach der Lektüre des Romans vorherrschen. "Mystischer Surrealismus" - treffender als der Klappentext kann ich diesen Roman auch nicht beschreiben. Hier ist ein Hineinschnuppern jedenfalls hochgradig empfohlen, bevor man sich diesen Roman zulegt. Denn er ist sicherlich nicht für jedermann geeignet.
9 Punkte.

Winfried Brand

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