Steven Erikson:

"Das Reich der Sieben Städte"

(Das Spiel der Götter 2)
OT: Deadhouse Gates - A Tale of the Malazan Books of the Fallen
Ü: Tim Straetmann

USA 2000
(511 Seiten, Blanvalet 24941, ISBN 3-442-24941-4, DM 24,- / EUR 12,-)
- erschienen: 2001 -

Das Reich der Sieben Städte steht kurz vor der offenen Rebellion gegen die Unterdrückung durch das malazanische Imperium. In der Wüste versammelt die heilige Seherin Shai'ik die Unzufriedenen, um den Wirbelsturm zu entfachen, der die Eindringlinge vernichten soll. Imperatrix Laseen hat mit der Faust Coltaine einen Heerführer vor Ort, den nicht einfach so eine kleine Rebellenarmee besiegen kann; und mit den mystischen Kräften seiner Heimat kann er sogar noch ein bißchen mehr.
Inmitten dieser Ereignisse versuchen die Brückenverbrenner Kalam und Fiedler gemeinsam mit dem jungen Pärchen Apsalar und Crokus das Herz des Imperiums zu erreichen, was aber heißt, daß sie inmitten der blutigsten Kämpfe auftauchen, die diese Rebellion zu bieten hat.
Davon scheinbar losgelöst finden die beiden Wanderer Icarium und Mappo Hinweise auf eine sehr, sehr unruhige Zeit.
Eine Zeit, die andernorts schon lange angebrochen ist...

Zugegeben - es geht mal wieder um das übliche: Die armen Rebellen erheben sich gegen das böse Imperium und überziehen es mit einem Krieg, der blutiger als alles ist, was das Imperium bisher zustandegebracht hat.
Allerdings mit dem Unterschied, daß Steven Erikson hier nicht einfach so die Geschichte eines Krieges erzählt, sondern die tragischen und verzwickten Schicksale seiner Protagonisten schildert. Das wird schon allein dadurch deutlich, daß zwei der manchmal vier Handlungsebenen mit jenem Krieg gar nichts zu tun haben. Es handelt sich lediglich um die Rahmenhandlung, mit der sich die Handlungsträger zurechtfinden müssen.
Allerdings muß ich hier klar zugeben, daß es sich bei der Welt des malazanischen Imperiums um eine sehr düstere und gewalttätige Welt handelt. Wer also eher auf eine leichte oder fröhliche Geschichte hofft, dem sei hier ganz deutlich abgeraten.
Die Charaktere waten durch eine Welt von Verrat, Krieg, Ungerechtigkeit und Blut, doch das hat mal wieder nix mit der simplen, eindimensionalen Gewalt eines R. A. Salvatore zu tun, sondern gehört nun mal zur Dunkelheit dieser Welt.
Und diejenigen, die sich mit dieser Art der Fantasy (hin und wieder auch Dark Fantasy genannt) angefreundet haben, die werden auch an diesem Band ihre Freude haben.
Die Geschichte ist stimmig, die Charaktere eindrucksvoll. Zudem macht der Autor nicht den Fehler, zuviel in seine Handlung zu pressen, sondern konzentriert sich lieber darauf, das, was er macht, ausführlich und vor allem gut zu machen. Langeweile ist also fehl am Platz.
Was dann aber doch nicht ganz paßt, ist, daß so ein wenig der Übergang von Band eins fehlt. Die Handlung setzt auf einmal ein und hört dann auch irgendwann recht unvermittelt auf. Zwar sind alle Handlungsstränge an einem vorläufigen Punkt angekommen, wo man den einen Roman beenden und den nächsten beginnen konnte, aber als Leser fühlt man sich doch noch etwas im Stich gelassen.
Zwar gehe ich davon aus, daß der Autor im nächsten Roman genau an dieser Stelle ansetzen wird (soweit ich es erkennen konnte, handelt es nicht um einen geteilten Roman), aber wenn nicht, dann tut das der Geschichte gar nicht gut.

Fazit:
Ein faszinierendes Leseerlebnis der düsteren Art. Dunkel - tragisch - herrlich!
12 Punkte

Alexander Haas


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