Band 2078: "Die Pforten von ZENTAPHER"

Autor: Ernst Vlcek

Die Haupt-Rezension wird mit der nächsten Ausgabe des Flash nachgereicht.

Hans-Joachim Kleimann

ZENTAPHER - dieses Gebilde wird auf der Dommrath-Ebene wohl das zentrale Element werden. Zumindest wenn man diesen Roman als Maßstab nimmt.
Ernst Vlcek und die Expo-Factory geben dem Leser mit diesem Roman einiges zu denken, aber keinerlei Hinweise, in welche Richtung diese Gedanken denn gehen sollten.
Denn ZENTAPHER erweist sich als absolut unbegreiflich. (Zumindest ich habe z.Zt. noch keinerlei Ahnung, um was es sich bei diesem Gebilde nun wirklich handeln könnte.) Und Ernst Vlcek gelingt es sehr gut, den Leser weiter im Dunkeln tappen zu lassen, denn die Hinweise, die er ihm hier vorlegt, sind mehr als nur vage.
Aus diesen vagen Hinweisen, diesen (noch) unverständlichen Geschehnissen, bastelt Vlcek einen durchaus interessanten Roman. Wobei das Interesse des Leser hauptsächlich durch die Frage geweckt wird, worum es sich bei ZENTAPHER denn nun handelt - und Vlcek gibt noch keine Auskunft darüber. Dies ist äußerst geschickt gemacht und läßt den Leser endlich einmal wieder rätseln, ohne daß eine praktisch schon auf der Hand liegende Lösung zu sehen ist.
Dabei ist zumindest sicher, daß es sich bei ZENTAPHER um ein wirklich kosmisches Objekt handelt, sieht man sich die Bibliothek, die Aufzeichnungen Kintradim Crux', des Architekten von ZENTAPHER, einmal an. Diese Bibliothek kratzt an der Dritten Frage, einer Frage, deren Beantwortung offensichtlich auf Kintradim Crux zustrebt. Dabei stellt sich die Frage, um was für eine Wesenheit es sich bei diesem "Architekten" denn nun handelt. Denn immerhin ist er seit rund 15 Jahren nicht mehr gesehen worden - seit der Katastrophe, die ZENTAPHER heimgesucht hat.
Da fällt allerdings auch einmal mehr die Zeitspanne ins Auge. Im Großen und Ganzen liegen die Zeitspannen in der Serie derzeit alle irgendwie in etwa um den Zeitpunkt herum, in der ES und die anderen SIs ihr THOREGON gegründet haben. Doch was soll uns dies nun sagen
ZENTAPHER jedenfalls stellt wohl einen recht "kosmischen" Ort dar, einen Ort, der zwischen den Dimensionen liegt - anders ist wohl die Unstimmigkeit zwischen äußerer und innerer Größe nicht zu erklären, und auch, daß zwischen den einzelnen Teilen ZENTAPHERs eine Art "Strangeness-Effekt" zutage tritt.
Und Kintradim Crux ist der "Architekt" ZENTAPHERs. Soll dies bedeuten, daß er dieses Gebilde erschaffen hat, daß es auf seiner geistigen Leistung beruht? Dann könnte er wohl auch als Erbauer der "Brücke in die Unendlichkeit" in Frage kommen, die schließlich ein ähnlich "interdimensionales" Objekt darstellt - wobei dann natürlich auch der Gedanke aufkommen könnte, daß es sich bei ZENTAPHER um die Steuerzentrale der Brücke handeln könnte. Ist diese nicht vielleicht in etwa dem gleichen Zeitrahmen zusammengefallen, in dem die Katastrophe auf ZENTAPHER niederging?!? Hier könnte sich etwas andeuten...
Dies sind dann viele allgemeine Betrachtungen und einige Spekulationen - und kaum ein Wort zum eigentlichen Roman. Allerdings ist dies auch das, was dieser Roman bietet: Spekulationsgrundstoff, Fragen zum Handlungsverlauf...
Und genau diese Spekulationsgrundlage wird von Ernst Vlcek hervorragend ausgelegt. Dabei wäre es hier wohl recht egal, welche Handlung Vlcek hier darunterlegt - denn diese bleibt gegenüber den größeren Zusammenhängen auf jeden Fall im Hintergrund.
So schreibt Ernst Vlcek eine recht interessante, insgesamt jedoch nicht besonders originelle Geschichte um das Eindringen in ZENTAPHER, die Bibliothek und die Entdeckungen. Das alles ist nett geschildert, bezieht seine Spannung jedoch eindeutig aus der großen Handlungsebene, nicht aus diesem einzelnen Roman. Dieser ist zwar wirklich gut gelungen (Ernst hat sich nach dem letzten Roman eindeutig steil gesteigert), verblaßt aber ein wenig im "kosmischen Zusammenhang".
Dabei ist die von ihm geschilderte Story durchaus positiv zu bewerten. Endlich wieder einmal ein PR-Roman aus der Feder Vlceks, der durchgehend Spaß macht. Bezüglich der Vorgabe, ZENTAPHER möglichst fremdartig und ungreifbar zu schildern, hat Ernst Vlcek jedenfalls Hervorragendes geleistet. Ein wirklich guter Roman, der vor allem neugierig auf seine Nachfolger macht.

Fazit:
Sie sind drin! In ZENTAPHER... Der Zweck dieser Örtlichkeit ist noch unerkennbar - doch Ernst Vlcek gelingt es, dieses undurchschaubare Etwas ansprechend zu schildern. Das hat was - und schärft die Spannung auf den nächsten Roman der Serie.
10 Punkte.

Winfried Brand

Schon seit dem Auftauchen des Begriffes ZENTAPHER war das Rätselraten im Gange. Ist ZENTAPHER eine SI? Oder gar ein Kosmonukleotid?
Selbst nach dem Lesen des Romans ist sich der Rezensent nicht so ganz sicher, was denn nun ZENTAPHER eigentlich ist. Gut, man weiß, es gibt drei Städte, es gibt die Bibliothek und die Gondeln - aber ob ZENTAPHER nun mit der Dunklen Null gleichzusetzen oder weit mehr als nur das ist, was auf Clurmertakh gezeigt wird - das bleibt im Dunkeln.
Interessant ist die Andeutung, daß der Architekt offenbar eine Umwandlung erlebt hat, um hinter die Geheimnisse der Kosmokraten zu kommen. Aber was bedeutet das im Endeffekt für die Handlung? Der Hinweis auf DORIFER und die Offenbarung, daß die Bibliothek - übrigens sehr einfühlsam geschildert, das kann der angehende Bibliothekar ja durchaus beurteilen ;-) - haufenweise Informationen über Kosmonukleotide besitzt, scheint anzudeuten, daß wir in der nächsten Zeit mal wieder in höhere Sphären aufsteigen werden. Ich weiß noch nicht, ob ich das begrüßen oder verurteilen soll.
Doch im Endeffekt ist man am Ende des Romans so schlau wie zuvor - und seien wir mal ehrlich, so unglaubwürdig habe ich die ZA-Träger und ihre Begleiter selten erlebt. Atlan wirkt merkwürdig steif, und Trim Marath und Startac Schroeder waren selten so blaß und ausdruckslos. Irgendwie scheinen die ZA-Träger nur so durch die Handlung zu stolpern. Nicht gerade ohne Ziel und Verstand, weil sie ja selber nur wenig über ZENTAPHER wissen, aber dennoch... Über weite Strecken hin ist dieser Roman schlicht und einfach langatmig und manchmal auch sehr langweilig.
Gefallen haben mir die Bibliothekare - man merkt, daß die aktuelle Debatte um die Genetik auch bei den Autoren ihr Echo hinterlassen hat, wenn Grim die Vor- und Nachteile eines Klons gegenüber dem eines normal Geborenen für sich erörtert. Das ist durchaus begrüßenswert.

Fazit:
Stärken des Romans sind die Bibliothekare und der geheimnisumwitterte Architekt - die Schwächen: blaß und lustlos wirkende Protagonisten und zudem eine gewisse Langatmigkeit.
5 Punkte

Christian Spließ

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