(De Joco Suae Moechae - Band 1)
D 2001
(185 Seiten, Paperback, Eine Produktion des Schattenwelt-Verlages
erschienen im Minotaurus-Verlag, ein Imprint des Blitz-Verlages,
Minotaurus 4101, ISBN 3-89840-251-7, DM 22, 80)
Homepage des Buches: http://www.blitz-verlag.de/minotaurus/moechae/kriecher.htm
Homepage des Autors: http://www.spectre-dragon-archiv.de/
- erschienen: Juni 2001 -
"Persönlichkeitsverlust,
Leere, kaum mehr als ein Ding, das
sich erinnert ... an eine Liebe, an einen Verrat und an den
Tod. Doch das Leben ist hartnäckiger ...
... ein Folterknecht der grausamsten Art, der das Ding
ruhelos durch die Straßen großer Städte, durch Auen
und
Wälder treibt, der ihm nur den Wahnsinn und das Töten
ermöglicht, der ihm nur die Qual lässt, sich zu erinnern
...
... an die Suche nach Absolution ..."
Ein derart mystischer und gleichzeitig nichtssagender Klappentext und
das doch recht ungewöhnliche Cover (zu bewundern auf o.g.
Homepage) machen erstmal neugierig auf dieses Buch, in welchem
fünf Kurzgeschichten und eine Rahmenhandlung aus dem sogenannten
Spectre-Dragon-Zyklus enthalten sind. Informationen über den
Autor sind nur spärlich zu erhalten; auf seiner Homepage ist zu
lesen, daß er Musiker in einer Band ist, viel "okkultes
Fachwissen"(?!) besitzt und seit über 15 Jahren Geschichten aus
diesem Zyklus schreibt, wovon jetzt die ersten hier vorliegend in
Buchform veröffentlicht wurden.
Ungewöhnlich ist auch die titelgebende Hauptperson des Bandes,
eine Mischung aus Mensch und Tier, bestehend aus Pech; ein
Mörder, gegen seinen Willen gerettet von einer bösen
Göttin, zeitlebens unter dem Verlust seiner großen Liebe
leidend, die er selbst umgebracht hat; nach Erlösung suchend,
aber nur den Fluch der Unsterblichkeit findend.
Mehr möchte ich aus gewissen Gründen zu der Handlung gar
nicht sagen, da die Entwicklung, die der Held (Held im technischen
Sinne) der Geschichten in ihnen vollzieht, sich der geneigten
Leserschaft ruhig selbst erschließen soll und ich hier keine
Überraschungen vorwegnehmen möchte. Nur noch dieses: Schon
die Titel der Geschichten machen neugierig, tragen sie doch recht
ungewöhnliche Namen wie: "Nahrung des Daseins", "Kummerstrang"
sowie "Und aus Engeln baut Straßen".
All dies stachelt stark die Neugier auf diesen Band an, und so komme
ich nun zum Inhalt selbst.
Gleich nach den ersten Seiten stellt man zwei Dinge fest:
1. So ungewöhnlich und radikal ist der Band nicht; es handelt
sich um einen Vertreter, wie der Verlag auch selber etikettiert, der
Dark Fantasy, immerhin in deutscher Sprache nicht so häufig
anzutreffen. Ich kann mich nur darüber freuen, daß gerade
durch die phantastischen (in zweifacher Hinsicht!) Kleinverlage immer
mehr deutschsprachige Autoren eine Chance auf eine
Veröffentlichung bekommen und dadurch die Vielfalt des Angebotes
fast täglich steigt. Und so kommt neben der High- und der Heroic
Fantasy (Grieser, Evers, Wallon, die DSA-Reihe) nun auch die Dark
Fantasy zum Zuge.
2. Noch wichtiger: Der Autor kann erzählen! Dies sollte
eigentlich eine Grundvoraussetzung sein, ist es aber leider oft
nicht. Aber so folgt man diesem Band über die gesamte Länge
mit großem Interesse.
Zunächst einmal zum Stil: Der Autor befleißigt sich, wie
viele seiner Zunft, einer altertümlichen und mystischen Sprache;
ein Unterfangen, das oft zum Scheitern verurteilt ist, hier aber sehr
gut funktioniert. Die Sprache gleitet nur ganz selten ins
gekünstelte oder lächerliche ab und erzeugt
tatsächlich eine eigentümliche, magische, sehr einnehmende
Atmosphäre. Dafür ist erstmal ein großes Lob zu
zollen.
Fernerhin gehören auch Charakterisierungen zu den Stärken
des Autors; das Schicksal der handelnden Personen berührt, und
auch die vom Autor angestrebte, tragische Dimension
überträgt sich auf den Leser. Insbesondere die depressive
Grundstimmung der Rahmenhandlung, die in der Geschichte INTERLUDIUM
IV kumuliert, ist von beeindruckender Tragik und, ich wiederhole es
noch einmal, berührt.
Die von Depressionen, Selbstzweifeln und Selbstekel geschlagene und
abgrundtief häßliche Hauptfigur, die darüber hinaus
noch ein hinterhältiger Mörder ist, ist nicht gerade ein
leichtes Identifikationsangebot für den Leser, aber selbst hier
gelingt es dem Autor, daß der Leser dessen Geschichte(n)
höchst interessiert folgt.
Man merkt schon, keine leichte Kost, aber auch nicht so radikal,
daß man es nicht dem Mainstream zuordnen könnte, trotz
einiger heftiger Gewaltausbrüche, aber auch die sind in der Dark
Fantasy nicht eben selten anzutreffen.
Warum kann man trotzdem nicht die Höchstnote vergeben? Nun,
einige kleine Längen sind leider schon feststellbar, und in
einigen Szenen bricht sich das Gewöhnliche zu sehr seine Bahn.
Und Elemente wie Elfen- und Trollarmeen, verwunschene Städte und
heimelige Tavernen sind einfach zu sattsam bekannt.
Nichtsdestotrotz kann ich den Band nur wärmstens empfehlen und
ihm Erfolg wünschen, auch aus eigennützigen Gründen,
denn eine Fortsetzung namens "Adulator" ist bereits für Ende des
Jahres angekündigt (und ein dritter Band für den Sommer
nächsten Jahres), und die würde ich schon sehr gerne
lesen.
Auch wenn ich mit äußerst wenig "okkultem Fachwissen"
gesegnet bin, habe ich trotzdem die Lektüre des Bandes sehr
genossen. (* Du solltest mal im Usenet 'de.alt.ufo' oder/und
'de.alt.paranormal' lesen, dann hast Du jede Menge okkultes
Fachwissen... höhö... 'alt.binaries.paranormal' hat
häufig hübsche Bildchen :-))) - und in
'de.alt.naturheilkunde' lernt man neben esoterischem Grundwissen auch
noch Umgangsformen... >;-))) Heike)
Fazit:
Sehr interessanter, fesselnder, gut und mit sicherem Stil
erzählter Vertreter der Dark Fantasy, der mit seiner tragischen
Handlung und dichter Atmosphäre ausgesprochen gut
unterhält.
12 Punkte.