C. A. Smith:

"Necropolis"

(H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens - Band 5)
(254 Seiten, Hardcover, Festa Verlag 2605, ISBN 3-934822-03-0, 34,80 DM)
- erschienen: Juni 2001 -

Nachdem die Bibliothek des Schreckens zuerst auf die Vorbilder von Lovecraft und dann auf die einzelnen Storyzyklen um die Mythos-Geschichten eingegangen ist, widmet sich Frank Festa jetzt zum ersten Mal einem einzelnen Autor: Clark Ashton Smith.
Bisher ist dieser Autor in Deutschland recht unbekannt - es gab wohl vor Zeiten einmal mehrere Bände mit seinen Kurzgeschichten, aber im Gegensatz zu den anderen Freunden Lovecrafts, wie Howard und Bloch, ist Smith für viele noch ein Unbekannter. Und das zu Unrecht, denn Smiths Stories gehören wahrlich zu den Meisterwerken der Dark Fantasy.
Frank Festa hat für diesen Band sechs Stories aus dem "Zothique"-Zyklus ausgesucht und ferner noch etliche eigenständige Horrorwerke. Ich persönlich hätte mir noch etliche Stories aus den anderen Zyklen gewünscht. Aber man kann ja nicht alles haben. ;-)
Eingeleitet wird der Band von einem kurzen Lebenslauf Smiths, und die zwei Abteilungen des Bandes führen einmal in das Universum von Zothique ein und erläutern darüber hinaus die Hintergründe der einzelnen Storys.

Necropolis - Das Reich der Toten
OT: The Empire of the Necromancers
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales 1932
Mmatmuor und Sodosma erschaffen sich jenseits der bewohnten Welt ein Reich aus lebenden Toten. Eines Tages jedoch erinnert sich einer der Toten an seine vorherige Existenz und nimmt an den beiden Necromanten furchtbare Rache.

Eine düster-makabre Atmosphäre und zudem eine sehr - nun ja, nicht gerade blutige, aber doch gewaltreiche Rachegeschichte, von Smith kongenial erzählt.
13 Punkte

Der Leichengott
OT: The Charnel God
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales, 1934
Ein junges Pärchen kehrt in der Stadt Zhul-Ba-Sair ein. Alaith, die junge Frau, fällt in eine todesähnliche Starre, die sie schon öfters erlitten hat und aus der sie stets gesund erwachte. Doch da die Ärzte in der Stadt ihren Tod diagnostiziert haben, wird der vermeintliche Leichnam in den Tempel des Gottes Mordiggian gebracht, der die Leichname frißt. Verzweifelt versucht der junge Mann, seine Geliebte zu retten.

Untypisch für Smith endet die Geschichte mit einem Happy-End. Mit gewohnter Fabulierkunst kann der Autor das Grauen der Stadt und des furchtbaren Gottes selbst deutlichmachen. Zwar hat die Geschichte einige Längen, aber der Stil von Smith nimmt einen doch gefangen.
12 Punkte

Ilalothas Tod
OT: The Death of Ilalotha
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales, 1938
Die Hofdame Ilalotha ist verstorben, und ihr einstiger Geliebter kehrt aus diesem Anlaß an den Hof zurück. Jetzt ist er mit der Kaiserin liiert - und diese bestellt ihn prompt um Mitternacht zu einem Rendezvous. Doch die Liebe geht manchmal über das Grab hinaus.

Typisch für die Zothique-Geschichten, zu denen diese und die nächsten drei gehören, sind eine starke Prise Gewalt und Horror. In diesem Fall gibt es am Ende der Story eine sehr unappetitliche Szene.
11 Punkte

Der schwarze Abt von Puthuum
OT: The Black Abbot of Puthuum
Ü: Andreas Diesel
Weird Tales 1936
Zobal und Cushara sollen eine Jungfrau in den Harem ihres Königs überführen. Ihre Reise führt sie durch eine seltsame Gegend, und schließlich kommen sie in der Abtei von Puthuum unter. Dort regiert der schwarze Abt - und der ist an der Jungfrau sehr interessiert...

Erwähnte ich, daß Smith zuweilen etwas arg geschwätzig wird? Dies ist auch hier der Fall. Denn obwohl die Geschichte sehr interessant ist, gibt es ab und an Stellen, die man gerne überlesen möchte - und es doch wegen Smiths Stil einfach nicht kann.
12 Punkte

Xeethra
OT: Xeethra
Ü: Andreas Diesel
Weird Tales 1934
Xeethra, ein junger Hirte, führt seine Herde in ein seltsames Tal. Dort genießt er von einer Frucht und hält sich fortan für den König eines fernen Landes - dies erreicht er schließlich nach einer langen Irrfahrt. Doch sein Reich ist zerfallen. Ein Pakt mit einem Dämon verhilft ihm zu seiner alten Größe. Diese ist aber nicht von Dauer.

Dämonen spielen mit dem Leben eines Hirtenjungen ihr ruchloses und verderbtes Spiel. Ein Happy-End ist hier nicht in Sicht. Sprich: Grauen pur.
14 Punkte

Morthylla
OT:Morthylla
Ü: Frank Festa
Weird Tales 1953
Valzain trifft auf dem Friedhof eine mysteriöse junge Frau, die er für die Lamie Morthylla hält. Sofort ist er ihr verfallen, und fortan treffen sich die beiden Nacht für Nacht. Doch Morthylla ist nicht ganz das, was sie zu sein scheint.

Schein und Sein spielen in dieser Story eine große Rolle. Den Erwartungen des Lesers wird nicht entsprochen, und deswegen verrate ich hier nichts weiter.
13 Punkte

Die Seereise des Königs Euvoran
OT: The Voyage of King Euvoran
Ü: Andreas Diesel
The Double Shadow and other Fantasies, 1953
Ein Nekromant schafft das Unglaubliche: Der ausgestopfte Vogel, der die Krone des Königs Euvoran in seinen Krallen hält, wird lebendig und fliegt auf und davon - mit der Krone. Euvorian bleibt daher nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach der Krone und dem Vogel zu machen. Doch der günstige Orakelspruch war nicht so gemeint, wie der König dachte.

Eindeutig die langatmigste Geschichte innerhalb der Storysammlung. Man merkt, daß Smith sich hier an Sindbads Abenteuern orientiert hat. Die episodenhafte Handlung zieht sich öfters in die Länge. Nur das Ende vermag dafür etwas zu entschädigen.
10 Punkte

Genius Loci
OT: Genius Loci
Ü:Heiko Langhans
Weird Tales 1953
Der Künstler Amberville lernt einen ungewöhnlichen Ort kennen - und dieser schlägt ihn bald darauf in seinen Bann...

Morbide Erzählung, die aufgrund ihrer Atmosphäre den Leser in ihren Bann schlägt - wie der Ort den Künstler Amberville.
15 Punkte

Das Gorgonenhaupt
OT: The Gorgon
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales 1932
Inmitten von London trifft der Erzähler auf einen Menschen, der behauptet, das Haupt der Gorgone in seinem Besitz zu haben. Und tatsächlich kann der Erzähler, wie Jason mit einem Spiegel bewaffnet, einen Blick auf die Gorgone werfen. Doch dies ist noch nicht alles.

Eine meiner Lieblinge unter den Storys dieses Bandes. Zum einen deswegen, weil Smith zu Beginn die nebelhafte Atmosphäre Londons perfekt einfängt (* ...und in welchem Jahrhundert warst Du in London? Sagte man damals vielleicht noch Londinium? >;-))) Heike) und zum anderen, weil das Ende der Geschichte alles andere als normal ist. ;-)
15 Punkte

Die Rückkehr des Hexers
OT: The Return of the Sorcerer
Ü: Heiko Langhans
Strange Tales of Mystery and Horror, 1931
Mister Carnaby sucht einen neuen Diener - und dieser zieht prompt bei dem etwas sonderbaren Menschen ein. Während des Nachts merkwürdige Geräusche ertönen, scheint Carnaby vor irgendetwas furchtbare Angst zu haben.

Wenn das Necronomicon auftaucht, dann ist HP in der Regel nicht mehr weit - und ganz in dessen Manier zaubert Smith ein sehr eigenwilliges und eindruckstarkes Horror-Stück hervor.
13 Punkte

Die Venus von Azombeii
OT: The Venus of Azombeii
Ü: Martin Eisele
Weird Tales 1931
Marsden, ein Afrika-Forscher, entdeckt ein bisher unbekanntes Eingeborenenvolk. Er verliebt sich in dessen Königin - doch er hat einen sehr mächtigen Rivalen.

Farbenprächtige Exotik verbindet sich hier mit einem Schuß Horror. Und die Mischung mundet vorzüglich. ;-)
13 Punkte

Die Wurzel von Ampoi
OT: The Root of Ampoi
Ü: Martin Eisele
The Arkham Sampler, 1949
Einen jungen Seemann treibt die Aussicht auf Rubine und riesenhafte Amazonen tief in den dunklen Kontinent. Er begegnet den Amazonen tatsächlich und verliebt sich in deren Königin - und um mit ihr mithalten zu können, ißt er von der Ampoi-Wurzel. Diese verleiht ihm eine riesenhafte Gestalt. Leider ahnt er nicht, daß er damit sein Glück zerstört.

Nun ja - noch eine Afrika-Geschichte mit noch einem unbekanntem Volk. Nach der ersten Geschichte nicht mehr besonders aufregend, aber immer noch gut zu lesen.
12 Punkte

Die unentdeckte Insel
OT: The Uncharted Isle
Ü: Martin Eisele
Out of Space and Time, 1942
An die Gestade einer Insel gespült, die eigentlich gar nicht existieren dürfte, stellt der Seemann verblüfft fest, daß die Inselbewohner ihn überhaupt nicht wahrnehmen. Stattdessen starren diese immer wieder in den Himmel und führen irgendwelche Berechnungen durch. Der Grund für dieses Verhalten wird dem Seemann erst sehr viel später klar.

Erneut spielt Smith mit dem Topos des unbekannten Volkes - aber in dieser Geschichte ist alles etwas anders als in den vorherigen. Angenehm zu lesen und hervorragend fabuliert.
13 Punkte

Mutter Kröte
OT: Mother of Toads
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales, 1932
Die Hexe Antoinette hat ein Auge auf den jungen Lehrling des Dorfapothekers geworfen. Antoinette ist jedoch ausnehmend häßlich - und nur mittels eines Tricks gelingt es ihr, den Lehrling in ihr Bett zu kriegen. Als dieser am Morgen darauf fliehen will, ahnt er nicht, daß er in sein Verderben laufen wird.

Schwüle Erotik gepaart mit Horror - man merkt, Smith war kein Kostverächter. ;-)
13 Punkte

Die Ankunft des weißen Wurms
OT: The Coming of the White Worm
Ü: Andreas Diesel
Stirring Stories, 1941
Der Seher Evagh wird eines Tages von der Ankunft eines riesigen weißen Wurms überrascht. Dieser wandelt ihn derart um, daß er in der eiskalten Luft des Gletschers, der das Zuhause des Wurms ist, zusammen mit anderen Umgewandelten überleben kann. Doch wie so oft steckt hinter dem Wurm mehr, als man vermutet.

Gletscher, Kälte und ewiges Eis - eine etwas unübliche Horrorgeschichte, aber dennoch sehr eindrucksvoll und beeindruckend.
12 Punkte

Fazit:
Wer Smith noch nicht kennt, sollte ihn unbedingt kennenlernen. Wer düstere und morbide Dark-Fantasy-Stories mag, kann unbesorgt zugreifen.
Auch diejenigen, die bisher nichts mit dieser Art von Geschichten anfangen konnten, sollten einen Blick in den Band werfen. Denn die Art, wie Smith seine Geschichten erzählt, ist einfach einzigartig.
14 Punkte

Christian Spließ


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