D 1998
(398 Seiten, Taschenbuch, Heyne 01/13385, ISBN 3-453-18711-3, DM
15,55, / EUR 7,95)
- erstmals erschienen: 1998 unter dem Pseudonym Alexander Nix -
- erschienen: August 2001 -
Zum
Inhalt:
Eigentlich sollte es eine ganz normale Jagd sein, doch entdeckt die
junge Ailis, daß in Wirklichkeit ein kleines Mädchen
gehetzt und eingefangen wurde, das in einem Brunnen auf dem
Lurlinberg eingesperrt wird, der mit einem stabilen, mit
unzähligen Dornen besetzten Gitter verdeckt wird. Der Graf weist
sie eindringlich an, dieses Erlebnis zu vergessen, doch verfolgt es
sie weiterhin in ihren Träumen. Als schließlich der Lange
Jammrich, ein Spielmann, die Burg Rheinfels besucht, entdeckt Ailis,
daß sie über ein besonderes Gehör verfügt: Sie
kann die Musik hinter der Musik hören. Doch als sie Jammrich
darauf anspricht, antwortet dieser ihr nur ausweichend.
Als Ailis schließlich verbotenerweise zum Brunnen auf dem
Lurlinberg zurückkehrt, findet sie immer noch das kleine
Mädchen darin vor. Und es bezaubert sie mit seinem Gesang. Sie
verfällt dem Mädchen, das aus seinem Gefängnis befreit
werden möchte, immer mehr. Doch Ailis hat Bedenken...
Wieder einmal beweist Kai Meyer, daß ihm in Hinsicht auf
historische Phantastik in Deutschland so leicht keiner das Wasser
reichen kann. Obwohl dieser Roman bereits 1998 unter seinem Pseudonym
"Alexander Nix" erschienen ist, bietet er doch höchsten
Lesegenuß pur für den Phantastik-Fan, der mit dieser
Richtung des Genres etwas anzufangen weiß.
Wie immer hat Kai seine Geschichte hervorragend recherchiert, und mit
Erstaunen konnte der Rezensent am Ende lesen, daß der bekannte
Loreley-Mythos gerade mal 200 Jahre alt ist, sich um den Felsen
jedoch noch wesentlich mehr Geschichten ranken. So verwundert es
nicht, daß in Kai Meyers Roman von einer haarkämmenden,
singenden und Seeleute betörenden Schönheit nichts zu
bemerken ist. Vielmehr geht der Autor hier auf die älteren
Legenden ein, webt seine Geschichte um Feen und andere Fabelwesen,
wobei ihm dies so geschickt gelingt, daß ich den Roman in einem
Zug durchgelesen habe.
Dabei fällt vor allem auf, daß die phantastischen Elemente
in diesem Roman fast schon ungewöhnlich stark zutage treten.
Nicht nur das Auftreten von Feen und anderen Fabelwesen trägt
hier das phantastische Element, auch die geheimen Wege der Spielleute
und die Macht der Musik tragen hierzu ihren Teil bei.
Wobei gerade die skurrile Gruppe der Spielleute einen weiteren
Geniestreich Kai Meyers darstellt. Wohl selten hat man von einer
seltsameren und faszinierenderen Gruppe von Menschen in einem
historisch-phantastischen Roman gelesen. Kai Meyer hat ja
erwiesenermaßen ein Faible für skurrile Charaktere, doch
hier setzt er dem Ganzen noch einen drauf.
Ich glaube, ich muß hier wohl nicht mehr extra erwähnen,
daß dem Autor die Charakterisierung seiner Protagonisten ebenso
gut gelungen ist wie die Entwicklung seiner Geschichte. Dies ist bei
ihm inzwischen wohl ziemlich selbstverständlich, und mit diesem
Roman beweist Kai Meyer nun schon zum was-weiß-ich-wievielten
Mal, daß er zu Recht in der Spitzengruppe der deutschen
Phantastik-Autoren zu finden ist.
Fazit:
Und wieder ein Roman vom Meister des phantastischen
Mittelalter-Romans. Wobei bei "Loreley" die phantastischen Elemente
stärker zutage treten als bei manch anderem seiner Werke. Hier
muß ich eine dringe Empfehlung für jeden aussprechen, der
mit mittelalterlichen Phantastik-Romanen etwas anfangen kann. Aber
auch der Rest der Fantasy-Leser sollte zumindest mal im Buchladen
einen Blick in den Roman werfen.
14 Punkte.