Ulrich Kiesow:

"Dämmerung"

(Das zerbrochene Rad - Teil 1)
(Das Schwarze Auge - Band 56)
D 1997
(508 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/6056, ISBN 3-453-18805-5, DM 15,55 / EUR 7,95)
- erschienen: Juni 2001 -

Im Norden von Aventurien geraten einige Dinge in Bewegung. Während Maraskan gerade unter die Vorherrschaft der dunklen Horden Borbarads fällt, schickt sich im Bornland der finstere Graf Uriel an, einen Bund aus Fürsten zusammenzuschmieden, mit deren Hilfe er einen starken Zuwachs an Macht plant. Ihm zur Seite steht der finstere Mengbilar, ein düsterer Magier - gesandt von Borbarad.
Doch nicht alle wollen den grausamen Herzog unterstützen, was die liebliche Tsaiane schnell mit dem Leben bezahlen muß. Aber die Gräfin von Ilmenstein traut sich mutig allein in die Höhle des Löwen und muß voll Schrecken feststellen, wie weit die Vorbereitungen für einen Bürgerkrieg schon gediehen sind und in welche Gefahr sie sich dabei begibt.
Unterdessen geraten aber noch andere Schicksale in Bewegung, die aus ihrer vertrauten Umgebung herausgerissen werden und auf einmal in einer Welt um ihr Überleben kämpfen müssen, die eben noch so friedlich und schön ausgesehen hat - und nicht alles hat (scheinbar) mit dem finsteren Dämonenmeister zu tun....

Da kommt er nun, der große Klassiker des DSA-Universums: Ulrich Kiesows "Das zerbrochene Rad" - in einer aufgeteilten Taschenbuchausgabe. Da aber beide Teile fast 500 Seiten umfassen, sei dies vom Rezensenten gnädigerweise gestattet. (Heyne hat ja schon gezeigt, daß man dünnere Originale viel grausamer verstümmeln kann - siehe dazu auch die Rezension zum "Rad der Zeit" in dieser Ausgabe.)
Längst hat dieser Roman den Status, das beste zu sein, was jemals nach Aventurien gebracht worden ist. Spöttisch möchte man vielleicht sagen, im Vergleich zu dem, was da so in der letzten Zeit erschienen ist, ist das auch gar nicht so schwer; aber diejenigen, die sich an diesen Roman heranwagen, werden wohl nur in den wenigsten Fällen enttäuscht sein. Gut, ich muß zugeben, daß es kein Roman für jedermann ist, aber faire Kritiker sollten einräumen können, daß er wirklich gut in Szene gesetzt wurde. Es mag nicht jedermanns Sache sein, wenn einer der Hauptcharaktere über zwei Seiten einen philosophischen Monolog mit einem Baum hält, aber das kommt zum einen nicht ständig vor, und zum anderen ist es ein Zeichen für die Detailverliebtheit des Autoren. Diese schlägt zwar manchmal ein wenig auf die Handlung, aber Kiesow hat sich beim Schreiben einfach viel Zeit und vor allem Raum genommen. Stilistisch wird es daher auch nie langweilig, weil viel Abwechslung vorhanden ist und der Autor auf diese Weise ein wahres Feuerwerk dessen abbrennt, wie man einen Roman schreiben kann. Dabei scheint ihm aber vor allen Dingen die Stimmigkeit der Atmosphäre und der Geschichte wichtig gewesen zu sein, und so paßt alles gut zusammen.
Zu einer seiner wenigen Schwächen gehört, daß nach der Lektüre des Romans immer noch nicht klar ist, wohin jetzt die Reise gehen soll und welche Charaktere hier welche Rolle spielen. Ich bin sehr gespannt, wie sich das in der zweiten Hälfte auflösen wird. Das Potential ist da, kann aber auch leider sehr stark nach hinten losgehen. Allerdings erscheint mir das Risiko nicht groß - dazu ist der Ruf der Hardcover-Ausgabe einfach zu gut.

Fazit:
Die Mutter des DSA-Romans - wer ihn nicht mag, hat in Aventurien vermutlich nicht viel verloren. Auf der anderen Seite ist es der Maßstab für alle anderen DSA-Autoren, an dem sich leider nicht jeder orientiert.
13 Punkte

Alexander Haas


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