OT: Playing God
Ü: Ingrid Herrmann-Nytko
USA 1998
(557 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/6363, ISBN 3-453-17947-1, DM 17,50
/ EUR 8,95)
- erschienen: August 2001 -
Zum
Inhalt:
Die Dedelphi sind eine außerirdische Rasse, die sich in
verschiedene Große Familien aufteilt. Je weiter diese Familien
genetisch voneinander entfernt sind, desto aggressiver sind sie
gegeneinander eingestellt. Nachdem dieser uralte, immerwährende
Krieg in den letzten zwei Jahrhunderten eskaliert ist, sind nun Teile
des Planeten verstrahlt, und eine Seuche droht die Dedelphi
auszulöschen. In dieser Situation beschließen die
Oberhäupter der Familien ein Zweckbündnis und rufen die
Menschen zu Hilfe, die ihren Planeten wieder aufpäppeln sollen.
Bioverse plant ein großangelegtes Projekt, um zuerst die
Dedelphi auf City-Schiffe zu evakuieren und dann den Planeten
umzukrempeln, damit wieder Leben auf ihm möglich ist. Doch nicht
alle Dedelphi ziehen in dieser Hinsicht an einem Strang. Und so
schraubt sich die Spirale der Gewalt langsam nach oben - bis es so
scheint, daß auch die Menschen zwangsweise in sie hineingezogen
werden sollten...
Sarah Zettels "Das Gottesspiel" erweist sich als interessanter, aber
auch ein wenig schwergängiger Roman.
Interessant ist er vor allem aufgrund der sehr gut herausgearbeiteten
Gesellschaftsstruktur der Dedelphi. Die Hingabe in ihren Familien,
aber auch die Aggressionen gegenüber anderen Großen
Familien ergeben insgesamt ein stimmiges Bild einer interessanten,
fremden, faszinierenden Kultur. Allerdings muß sich der Leser
dieses stimmige Bild so ziemlich selbst erarbeiten, denn die Autorin
spart innerhalb des Romans manchmal doch ein wenig arg mit Hinweisen
oder Erklärungen. Dies führt dann dazu, daß sich das
Bild dieser Kultur, die Beweggründe und weiteres erst in ihrem
Nachwort wirklich abrundet, in dem sie sich über die Entstehung
von Gewalt ausläßt. Zu Anfang des Romans wird der Leser
jedoch erst einmal im Regen stehengelassen und muß sich
zunächst mit vielem einfach zufriedengeben, das vielleicht
später im Roman einmal verständlicher wird. Der Rezensent
jedenfalls hat das Nachwort zuerst gelesen (ich weiß -
schlechte Angewohnheit) und dies nicht bereut, denn hierdurch gewinnt
die Handlung von Anfang an mehr Tiefgang und ist klarer
verständlich.
Die Handlung selber ist zu Beginn jedenfalls noch eher leidlich
spannend, doch gewinnt das Buch im Lauf der Seiten unglaublich an
Fahrt, bis man es zum Ende hin kaum noch aus der Hand legen kann.
Interessant ist hier vor allem, wie gekonnt Sarah Zettel ihre Spirale
der Gewalt nach oben schraubt. Während sie sich zu Beginn noch
recht langsam steigert, explodiert sie zum Ende des Romans hin
förmlich. Dabei traut ihr der Leser nach spätestens zwei
Dritteln des Romans problemlos zu, daß sie den Planeten der
Dedelphi am Ende durchaus auch in die Luft fliegen lassen kann, statt
eines der eher gewohnten Happy Ends vorzulegen. Welche der beiden
Varianten die Autorin nun gewählt hat, möchte ich hier
natürlich nicht verraten...
Allerdings seien sanftere Gemüter vor diesem Roman durchaus
gewarnt. Denn Sarah Zettel beschreibt ihre Szenen minutiös, und
das kann dann in einzelnen Szenen schon einmal ein wenig
unappetitlich werden.
Fazit:
Eine interessante Studie über die Entstehung von Gewalt, das
gegenseitige Hochschaukeln der Mittel und den Versuch, Streitigkeiten
zu schlichten, ohne selbst in die Spirale hineingezogen zu
werden.
Zumindest recht originell ist auch, daß die
Außerirdischen hier den Menschen freundschaftlich
gegenübertreten, den eigenen Leuten aber am liebsten die
Köpfe einschlagen würden. (* Ich stimme Dir da voll zu,
für einen ROMAN ist es in der Tat originell - aber aus der Luft
gegriffen ist diese Situation nun ganz und gar nicht, finde ich.
Warten nicht auch viele von uns auf den Besuch wohlwollender
Außerirdischer, während sie im gleichen Atemzug am
liebsten ihre Nachbarn erwürgen würden? Heike)
10 Punkte.