Guy Gavriel Kay:

"Das Mosaik"

OT: Sailing to Sarantium, 2. Teil
Ü: Irene Holicki
USA 1998
(320 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9142, ISBN 3-453-18811-X, DM 15,55 / EUR 7,95)
- erscheinen: August 2001 -

Zum Inhalt:
Endlich in Sarantium angekommen, wird der Mosaikmeister Crispin am kaiserlichen Hof eingeführt. Eigentlich hatte man ja seinen Partner Martinius erwartet, doch gesteht Crispin gleich zu Anfang, unter falschem Namen gereist zu sein, und verwunderlicherweise wird ihm vergeben. Doch all dies nützt ihm nichts, als die Intrigen des Hofes über ihm zusammenzuschlagen drohen. Dabei will er doch eigentlich nur sein Meisterwerk an der Kuppel des neuen Gotteshauses schaffen...

Zuerst einmal möchte ich die Rezension zum ersten Teil dieses Romans insoweit korrigieren, daß es sich im Original nicht - wie angenommen - um einen einzigen Roman handelt, sondern der deutsche Vierteiler dort aus zwei Romanen besteht. Die Grundaussage der Rezension kann dies jedoch nicht weiter beeinflussen, ist doch auch die Halbierung eines 600-Seiten-Romans nur schwer verständlich, wenn gleichzeitig Taschenbücher im gleichen Verlag erscheinen, die einen noch weitaus höheren Umfang aufweisen. Der Geschichte selber wird mit solchen Aktionen sowieso nur geschadet...
Mit dem zweiten Teil wird die "Reise nach Sarantium" dann aber endlich wirklich gut, werden die Versprechen eingelöst, die die erste Hälfte des Buches gegeben hatte, aufgrund der Halbierung jedoch nicht halten konnte.
Das Intrigenspiel, daß Kay hier spinnt, sucht sicherlich seinesgleichen. Dabei verpackt er historische Fakten dermaßen gekonnt in seine fiktive Handlung, daß es eine Lust ist, ihm dabei zuzusehen. Überhaupt erzählt Guy Gavriel Kay seine Geschichte in einem sehr angenehmen Stil und Erzähltempo. Dabei ist letzteres zwar teilweise recht ausschweifend, wirkt aber eher interessant als langatmig (ganz im Gegensatz zu z.B. dem "Herrn der Ringe"). Kay schafft hier das, was wenigen Autoren wirklich gelingt: den Leser an sein Buch zu fesseln, so daß er mit dem Lesen am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte und es bedauert, wenn der Roman zu seinem Ende gelangt ist.
Natürlich muß man ein Faible für gut geschriebene Intrigengeschichten haben, um mit diesem Roman klarzukommen. Wer reine Action-Fantasy à la Conan sucht, ist hier eindeutig fehl am Platz und sollte lieber zu einer anderen Lektüre greifen. Für die anderen bietet Guy Gavriel Kays Erzählkunst jedoch einen literarischen Leckerbissen. Man darf gespannt sein, was die nächsten zwei Buchhälften des Zweiteilers noch zu bieten haben.

Fazit:
Wohl kaum einer kann die "Brot und Spiele"-Gesellschaft mit ihren Intrigen besser beschreiben als Guy Gavriel Kay. Eine eindeutige Empfehlung für jeden, der die eher ruhige, faszinierend geschriebene Seite der "historischen" Fantasy mag.
14 Punkte.

Winfried Brand


Interesse? Hier kannst Du dieses Buch direkt bei amazon.de bestellen, und das Flash damit auch ein wenig finanziell unterstützen.


home...