Robert Jordan:

"Die Herrschaft der Seanchaner"

(Das Rad der Zeit 25 )
OT: Winter's Heart - Teil 2
Ü: Andreas Decker
USA 2000
(348 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9302, ISBN 3-453-17903-X, DM 15,55/ EUR 7,95)
- erschienen: Juli 2001 -

Elayne ist immer noch dabei, ihren Thron zu festigen. Nachdem sie bereits beinahe einem heimtückischen Giftattentat zum Opfer gefallen wäre, kann sich die Aes Sedai Brigitte mit ihren Forderungen nach einer Leibwache durchsetzen. Das macht die Situation für Elayne nicht angenehmer - bis eines Tages auf einmal Rand al'Thor höchstpersönlich vor ihr steht.
Unterdessen kämpft der totgeglaubte Mat Cauthon um sein Überleben. Nachdem seine schlimmsten Wunden verheilt sind, muß er sich den Liebesattacken von Tylin ergeben und steht nun im Begriff, seine Freiheit vollständig zu verlieren. Zudem befindet er sich im Herrschaftsgebiet der Seanchaner und erlebt am eigenen Leibe, wie sie ihre Territorien sichern und die Bewohner gefügig zu machen. Alles das sorgt dafür, daß in ihm ein gesunder Wille erhalten bleibt, der ihn weiter an einer Flucht arbeiten läßt. Alles wäre jedoch viel einfacher, wenn sich nicht immer mehr Menschen ansammeln würden, die er dabei mitnehmen soll...

So, das Rad der Zeit geht also mit fleißigen Schritten auf die 30 zu (also Nr. 30 - obwohl es mir manchmal schon wie 30 Jahre vorkommt), wobei wir uns nach dem nächsten Roman wohl erst einmal wieder auf eine Pause freuen dürfen, denn die nächste englische Ausgabe ist noch gar nicht veröffentlicht... Wenn ich sage, daß man sich auf eine Pause freuen darf, so klingt das nicht gerade positiv für diesen Roman. In der Tat sind die alten Probleme auch die aktuellen. Einmal mehr haben wir die Zerrissenheit, die davon kommt, daß Heyne die Räder der Zeit in viele kleine Rädchen verstümmelt, die nur noch seltsam vor sich hin kugeln können, anstatt schön und gleichmäßig zu rollen.
Auf der anderen Seite setzt sich wenigstens die Tendenz fort, daß sich der Autor im Gegensatz zu den vorherigen Bänden mächtig gesteigert hat und die Teil-Romane nun wenigstens mal wieder anständig lesbar sind. So ist in der Geschichte nun ein bißchen mehr Zusammenhang drin, und die willkürlichen Sprünge sind auch nicht mehr so schlimm. Schade ist bloß, daß der große Rahmen immer noch nicht weiterkommt - ganz im Gegenteil. Die Geschichte entwickelt sich auf dieser Ebene gar nicht mehr weiter, sondern der Autor beschäftigt sich lieber mit kleinen Episoden seiner Hauptcharaktere. Das ist zwar auf der einen Seite alles ganz nett, aber leider halt nicht mehr.
Dramatischer wirkt sich dann noch aus, daß man durch den großen Rahmen, der hier ausgespannt wird, und die Zerteilung der Bände mehr den Eindruck hat, einen Kurzgeschichten-Band zu lesen als einen Roman. Es gibt eine große Ebene um Mat Cauthon und um Rand al'Thor. Bezüge zum Vorgänger gibt es herzlich wenig, und so fragt man sich am Ende des Romans, was denn jetzt mit all jenen geschehen ist, von denen man im letzten Roman gelesen hatte. Aber das sind halt die Probleme, von denen man sich als "Rad der Zeit"-Leser vermutlich nicht mehr beeindrucken läßt, da sie zu einer traurigen Gewohnheit geworden sind.

Fazit:
Nett - zerstückelt, aber nett. Leider auch nicht mehr.
8 Punkte

Alexander Haas


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