(Das Rad der Zeit 25 )
OT: Winter's Heart - Teil 2
Ü: Andreas Decker
USA 2000
(348 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/9302, ISBN 3-453-17903-X, DM
15,55/ EUR 7,95)
- erschienen: Juli 2001 -
Elayne ist
immer noch dabei, ihren Thron zu festigen. Nachdem sie bereits
beinahe einem heimtückischen Giftattentat zum Opfer gefallen
wäre, kann sich die Aes Sedai Brigitte mit ihren Forderungen
nach einer Leibwache durchsetzen. Das macht die Situation für
Elayne nicht angenehmer - bis eines Tages auf einmal Rand al'Thor
höchstpersönlich vor ihr steht.
Unterdessen kämpft der totgeglaubte Mat Cauthon um sein
Überleben. Nachdem seine schlimmsten Wunden verheilt sind,
muß er sich den Liebesattacken von Tylin ergeben und steht nun
im Begriff, seine Freiheit vollständig zu verlieren. Zudem
befindet er sich im Herrschaftsgebiet der Seanchaner und erlebt am
eigenen Leibe, wie sie ihre Territorien sichern und die Bewohner
gefügig zu machen. Alles das sorgt dafür, daß in ihm
ein gesunder Wille erhalten bleibt, der ihn weiter an einer Flucht
arbeiten läßt. Alles wäre jedoch viel einfacher, wenn
sich nicht immer mehr Menschen ansammeln würden, die er dabei
mitnehmen soll...
So, das Rad der Zeit geht also mit fleißigen Schritten auf die
30 zu (also Nr. 30 - obwohl es mir manchmal schon wie 30 Jahre
vorkommt), wobei wir uns nach dem nächsten Roman wohl erst
einmal wieder auf eine Pause freuen dürfen, denn die
nächste englische Ausgabe ist noch gar nicht
veröffentlicht... Wenn ich sage, daß man sich auf eine
Pause freuen darf, so klingt das nicht gerade positiv für diesen
Roman. In der Tat sind die alten Probleme auch die aktuellen. Einmal
mehr haben wir die Zerrissenheit, die davon kommt, daß Heyne
die Räder der Zeit in viele kleine Rädchen
verstümmelt, die nur noch seltsam vor sich hin kugeln
können, anstatt schön und gleichmäßig zu
rollen.
Auf der anderen Seite setzt sich wenigstens die Tendenz fort,
daß sich der Autor im Gegensatz zu den vorherigen Bänden
mächtig gesteigert hat und die Teil-Romane nun wenigstens mal
wieder anständig lesbar sind. So ist in der Geschichte nun ein
bißchen mehr Zusammenhang drin, und die willkürlichen
Sprünge sind auch nicht mehr so schlimm. Schade ist bloß,
daß der große Rahmen immer noch nicht weiterkommt - ganz
im Gegenteil. Die Geschichte entwickelt sich auf dieser Ebene gar
nicht mehr weiter, sondern der Autor beschäftigt sich lieber mit
kleinen Episoden seiner Hauptcharaktere. Das ist zwar auf der einen
Seite alles ganz nett, aber leider halt nicht mehr.
Dramatischer wirkt sich dann noch aus, daß man durch den
großen Rahmen, der hier ausgespannt wird, und die Zerteilung
der Bände mehr den Eindruck hat, einen Kurzgeschichten-Band zu
lesen als einen Roman. Es gibt eine große Ebene um Mat Cauthon
und um Rand al'Thor. Bezüge zum Vorgänger gibt es herzlich
wenig, und so fragt man sich am Ende des Romans, was denn jetzt mit
all jenen geschehen ist, von denen man im letzten Roman gelesen
hatte. Aber das sind halt die Probleme, von denen man sich als "Rad
der Zeit"-Leser vermutlich nicht mehr beeindrucken läßt,
da sie zu einer traurigen Gewohnheit geworden sind.
Fazit:
Nett - zerstückelt, aber nett. Leider auch nicht mehr.
8 Punkte