Werner A. Wilbert:

"Imperium Omega"

(Imperium Omega -Band 1)
D 2001
(184 Seiten, Paperback, Verlag Wilbert, DM 19,80 (zzgl. DM 6,- P&V))
Bezugsinformationen: www.johncoan.de/Seite_7x.htm
- erschienen: Juli 2001 -

Zum Inhalt:
Im Jahr 11855 herrscht auf der Erde ein gnadenloser Imperator, der alles daransetzt, jeglichen aufkeimenden Widerstand im großen menschlichen Sternenreich sofortigst und brutalst niederzuschlagen und nebenbei dieses Reich auch gleich noch durch Okkupation weiterer Sonnensysteme zu erweitern.
Doch auf Hells Gate, einem Strafplaneten des Imperiums, gelingt es den Gefangenen, unter der Führung von Doran-Kor zu fliehen. Sie überwältigen die Wachen und können mit einem Raumschiff entkommen. Ein paar tausend Lichtjahre vom Einflußbereich der Erde entfernt lassen sie sich auf einem Planeten nieder und gründen die PAX GALAXI - eine Widerstandsorganisation gegen das Imperium. Was ihnen jedoch noch fehlt, sind weitere Mitglieder und Raumschiffe. Aber es existieren tollkühne Pläne, um diesen Mangel zu beheben...

Mit "Imperium Omega" liegt nun nicht nur der erste Band der gleichnamigen Serie vor, sondern auch die erste Veröffentlichung des Verlags Wilbert, der in den einschlägigen Newslettern vor allem durch die Serie "John Coan" bekannt ist, die - zunächst als wöchentlicher Heftroman geplant - nun als monatliches Paperback erscheinen soll.
Nun, neue Serien brauchen sicherlich ihre Zeit, bis sie ihr Potential voll ausschöpfen können, doch bleibt beim Rezensenten nach der Lektüre dieses ersten Romans der Eindruck zurück, daß diese Zeit hier durchaus einige Jahre dauern könnte.
Das fängt schon damit an, daß der Autor die Handlungszeit in den absurd fernen Bereich des 12. Jahrtausends gelegt hat, von der technischen Entwicklung der Menschheit her jedoch z.B. bereits hinter jedem einzelnen Perry Rhodan-Roman zurückhängt. Selbst das Beiboot der Arkoniden aus Band 1 hatte bessere Transitionstriebwerke und konnte zumindest weitere Einzelsprünge vollziehen...
Doch kommen wir später zum technischen Bereich, wenden wir uns erst einmal den Charakterisierungen zu, die so gut wie nicht vorhanden sind. Das Imperium der Erde ist offensichtlich faschistisch bis in die Knochen, was in teilweise abstrusen Schilderungen ausufert. Da werden Planetensysteme übernommen - hauptsächlich dadurch, daß man den Planeten, auf dem die ursprünglichen Bewohner leben, einfach in die Luft sprengt. Ha! Geniale Strategie - wirklich! Jetzt hat man also ein System erobert... nur... was will man noch damit? Der Planet, der optimale Lebensbedingungen für Siedler geboten hätte, ist zerstört, das gesamte Sonnensystem infolge der Veränderungen der Schwerkraftverhältnisse in Aufruhr. Nur ein Lebensmüder würde sich hier aufhalten wollen. Und warum hat man es jetzt erobert?!? Klare Antwort: Der Imperator wollte dies so! Offensichtlich hat er einen Weitblick wie ein Maulwurf... (* Da ein Maulwurf zwar gar nicht erst die Möglichkeit, aber ebenso kein wie auch immer geartetes Interesse daran hat, guten Lebensraum zu zerstören, unterstelle ich diesem recht nützlichen Tier einfach mal eher mehr Weitblick als diesem Imperator... Heike) (* Ähm, ich möchte darum bitten, meinen Ausdruck wörtlich zu nehmen, denn für ihre scharfen Augen sind Malwürfe nun ja nicht gerade berühmt, oder? Winy)
Wirklich witzig wird es jedoch, wenn man sich die Flotte des Imperators ansieht. Hier gibt es Schiffe und ganze Verbände, in denen so ca. einmal wöchentlich einfach irgendein Mannschaftsangehöriger ohne Raumanzug aus der Schleuse geworfen wird, um die Disziplin zu wahren. Jau, das hat doch was. Und es soll wohl auch bereits seit Jahrtausenden so funktionieren - wo dann der Punkt erreicht ist, an dem ich leise Zweifel anmerken möchte. Hier ist es praktisch schon vorprogrammiert, daß die eine oder andere Mannschaft gemeutert und sich abgesetzt haben wird...
Werner A. Wilbert ergeht sich dann im Lauf des Romans immer wieder in Zwischenszenen, die mit der eigentlichen Handlung überhaupt nichts zu tun haben, die einfach nur schildern, wie mal wieder ein Planet zerblastert wird oder wie stolz doch der eine oder andere Kommandant auf seine Grausamkeit ist. Mit der Zeit nervt das...
Aber auch die "Guten" sind nicht unbedingt dazu geeignet, den Rezensenten in Jubelstürme ausbrechen zu lassen. Was diese in kürzester Zeit so auf die Beine stellen, ist mehr als nur unglaubwürdig.
So entwickelt ein genialer Wissenschaftler mal so eben einen neuen Antrieb, einen neuen Schutzschirm, neue Waffensysteme... Alles nebenbei aus der Hand geschüttelt - und natürlich genau in dem Augenblick, in dem man es brauchen kann. Wenn er wirklich so genial ist und die Vorarbeiten hierzu bereits vor seiner Inhaftierung geleistet hat, stellt sich doch wieder einmal die Frage nach der Weitsicht des Imperators, der offensichtlich seinen besten Wissenschaftler auf einen Strafplaneten geschickt hat, obwohl er Kenntnis davon hatte, daß dieser die Erkenntnisse der letzten 8.000 Jahre mal eben komplett erneuert. Ich frage mich, wo hier die Glaubhaftigkeit bleibt...
Absolut unglaubhaft ist es jedoch, daß man Entwicklungen wie einen neuen Antrieb unter einer Gruppe von 3.000 (oder so) Leuten einfach geheimhalten kann. Noch dazu, wenn man diesen Antrieb in das einzige verfügbare Raumschiff einbaut. Daß die Besatzung dann beim nächsten Start aber nichts davon weiß, daß es sich um einen ersten Praxistestflug handelt, schlägt dem Faß allerdings den Boden aus.
All dies sind eigentlich nur beispielhafte Bemerkungen, doch können wir anhand dieser feststellen: Die Handlung hat noch einige Macken, die sich so schnell wohl auch nicht ausmerzen lassen. Problematisch ist hier vor allem, daß diese Probleme der Handlung tief in das gesamte Gerüst der Serie eingreifen.
Aber ich glaube, ich wollte noch kurz auf die physikalischen Grundlagen zurückkommen. Kurz gesagt: Sie existieren nicht. Was Werner A. Wilbert dringendst benötigt, ist ein Berater in Sachen (Astro-)Physik. Hierzu möchte ich nur drei Sätze aus der oberen Hälfte von Seite 50 zitieren (die Absätze sind übrigens aus dem Roman beibehalten - doch hierzu später weiteres...):
"Zwei Monde umkreisten den Planeten im Abstand von zweihundertfünfzigtausend Kilometern.
Sie flogen auf der gleichen Umlaufbahn, was zur Folge hatte, daß sich ihre Anziehungskräfte gegenseitig aufhoben und die Meere keine Ebbe und Flut kannten.
Der erste Mond hatte einen Durchmesser von zweitausendsiebenhundert, der zweite von eintausenddreihundert Kilometern."
Ich glaube, hierzu brauche ich wohl keine weiteren Kommentare abzugeben.
All das könnte man vielleicht verschmerzen, wenn dabei ein interessanter Roman herausgekommen wäre. Wie sich jedoch bereits aus dem kurzen Zitat erahnen läßt, weist dieses Buch auch ziemliche stilistische Schwächen auf. So gelingt es dem Autor nur in den seltensten Fällen, zwei oder mehr Sätze zu einem Absatz zusammenzufügen. Hierdurch wirkt der Roman in sich zerrissen; ein wirklicher Lesefluß wird bereits im Ansatz zerstört.
Das Ganze wirkt auf den Leser wie eine Fanpublikation, deren Autor noch einiges an Übung vor sich hat, bis er einen ansprechenden Text zu Papier zu bringen in der Lage ist. Über die Anfänge ist Wilbert immerhin hinaus. Vernünftige Sätze kann er bereits schreiben - es hapert jetzt noch daran, diese auch miteinander zu verknüpfen, so daß sie einen flüssigen Text ergeben. Ein guter, wirklich guter Lektor ist hier sicherlich nicht die schlechteste Wahl...
Dieser könnte dann auch gleich noch mit dem Setzer zusammenarbeiten, der hier ebenfalls schmerzlich vermißt wird. Einmal ganz davon abgesehen, daß das Schriftbild eines billigen Tintenstrahl-Druckers im Druck nicht besonders toll kommt (ich tippe mal auf 360 dpi - wobei man teilweise den Ausfall von einzelnen Düsen bemerken kann), ist der Satz des Paperbacks ziemlich daneben. Weiterhin abgesehen davon, daß die Beachtung der Schusterjungen-/Hurenkinder-Regelung zu einem sehr unruhigen Satzspiegel führt - vor allem, wenn die Absätze selten länger als drei Zeilen sind - fallen mit zunehmender Seitenzahl weitere Satzfehler ins Gewicht, die den (vielleicht noch vorhandenen) Lesefluß extrem stören. So häufen sich in der zweiten Hälfte des Paperbacks die Fehler beim Seitenwechsel. Hier gilt zum Ende hin zu fast 50% die Regel, daß beim Wechsel von einer geraden auf eine ungerade Seite ein bis zwei (Ab-)Sätze wiederholt werden, beim Wechsel von einer ungeraden zu einer geraden Seite jedoch ein (Ab-)Satz mittendrin abgeschnitten wird. Letzteres kommt zwar glücklicherweise seltener vor, beides jedoch stört bei der Lektüre ungemein.
Es tut allerdings weh, einem jungen, aufstrebenden Verlag eine solch vernichtende Rezension zu liefern, das muß ich eindeutig zugeben. Vor allem, da ich trotz der genannten Kritikpunkte durchaus auf die Fortsetzung der Serie gespannt bin. Ein gewisses Interesse an der (zwar nicht originellen, jedoch durchaus tragbaren) Handlung kann ich sicherlich nicht abstreiten. So mancher Einsatz der PAX GALAXI erinnert durchaus an die Husarenstücke der frühen Perry Rhodan-Zeit und würden durchaus Spaß machen, wenn der ganze Hintergrund durchdachter wäre.
Ich möchte dem Verlag Wilbert eigentlich alles Gute wünschen - auch wenn dies wohl mehr Eigeninteresse ist, denn vor allem auf die Fortführung der Star Gate-Serie bin ich ziemlich gespannt, war dies doch ein ziemlich guter Ansatz, den Heftroman-Markt ein wenig zu beleben. Der Entscheidung des Blitz-Verlags, sie nicht weiter fortzusetzen, habe ich schon hinterhergetrauert. (* Nicht nur du, ich fand die auch gut - aus mehreren Gründen... Heike) Und auch ansonsten ist eine Vielfalt am Markt natürlich wünschenswert - allerdings wäre es auch wünschenswert, wenn diese Vielfalt eine gewisse Qualitätsschranke nicht unterschreiten würde. Trotz dieser Rezension möchte ich jedoch dem Verlag Wilbert viel Glück und Erfolg bei seinen Veröffentlichungen wünschen.
Ein Gag jedoch noch am Rande: Auf dem Buchrücken ist eine interne Numerierung mit "IO-001" angegeben - man rechnet also mit einer dreistelligen Romanzahl, diese Serie betreffend. Könnte es sein, daß dies dann vielleicht doch ein wenig hoch hinausgegriffen ist?!?
Der Bezug der Serie läuft übrigens fast ausschließlich über den Verlag. Eine Anfrage an die bekannten Versandhändler (u.a. vor allem auch Joachim Ottos Romantruhe) sollte man jedoch erst einmal starten, da diese eventuell eine günstigere Pauschale für Porto und Verpackung anbieten könnten als die, die der Verlag selber verlangt und die mit derzeit 6 DMchen ziemlich heftig ist. Leider (oder auch nicht?!?) verfügen die Produkte des Verlags Wilbert nicht über eine ISBN, mit der man die Bücher bei jedem Buchhändler bestellen könnte.

Fazit:
Physiker, Lektor und Schriftsetzer - dies sind (in dieser Reihenfolge) die drei Posten, die der Verlag Wilbert noch besetzen muß, um interessante Romane herauszugeben. Der erste Band der Serie "Imperium Omega" strotzt jedenfalls von physikalischen Fehleinschätzungen des Autors, ist stilistisch eher schwach geschrieben, und die Fehler im Satz sind eigentlich nur noch peinlich. Eine gewisse rührige Hartnäckigkeit ist dem Autor jedoch nicht abzusprechen, und seltsamerweise verspürt der Rezensent ein gewisses Interesse am nächsten Band der Serie, das er sich selber nicht erklären kann. Irgendwo scheint dieser Roman doch irgendetwas Interessantes an sich zu haben, das nicht näher erklärt werden kann. Dafür gibt's dann wenigstens noch
1 Punkt. (* Mann, was bist Du heute wieder großzügig!!! (Mann, was bin ich heute wieder gehässig!!!) Heike)

Winfried Brand

Hiermit liegt nun das erste Buch aus dem Wilbert Verlag vor, der sich, für einen kleinen Verlag, recht hochgesteckte Ziele gesetzt hat: So soll nicht nur diese Serie im relativ kurzen Abstand von zwei Monaten erscheinen, sondern auch noch eine weitere SF-Serie namens John Coan (gerüchteweise so etwas wie Perry Rhodan zur Zeit der ersten 300 Bände) - diese sogar monatlich. Und die Serie Stargate, vom Blitz-Verlag abgewandert, soll hier ebenfalls in zweimonatlichem Abstand erscheinen. Wohlgemerkt: Alle drei Serien sind als Endlosserien konzipiert! Ob sich diese Ziele erreichen lassen, bleibt abzuwarten, dieser Band zumindest hatte schon einmal einen Monat Verspätung.

Die Handlung von Imperium Omega (so heißt der Band und wohl auch die Serie, obwohl sich der Serienname auf den angekündigten Folgebänden nicht findet) läßt sich wie folgt kurz zusammenfassen:

Im Jahre 11855 haben die Menschen große Teile der Galaxis erobert, und das alles andere als auf friedfertige Weise. Ein Imperator regiert mit eiserner Hand; abtrünnige Sonnensysteme werden von den imperialen Kampfflotten ohne Rücksicht restlos vernichtet. Auf einem Strafplaneten gelingt es einer Gruppe unter ihrem Anführer Doran-Kor, auszubrechen, zu fliehen und auf einem verlassenen Planeten einen Rebellenstützpunkt aufzubauen. Mit Hilfe neuartiger Waffen- und Antriebssysteme, die die Rebellen dem brillanten Wissenschaftler Lebon-Hal verdanken, nehmen sie den Kampf gegen den Imperator auf...

Schon diese Kurzzusammenfassung läßt erahnen, daß hier kein Vertreter der sozialrelevanten SF vorliegt und auch, daß Innovation eher kleingeschrieben wurde.
Bei diesem Band ist aber zunächst einmal (leider) auf die Äußerlichkeiten einzugehen: Das Titelbild ist verwaschen, die Druckschrift im Roman leider auch. Diese ist pixelig und dünn, gerade über der Schwelle, wo es augenfeindlich wird. Fernerhin wurde wohl aus Geldgründen auf einen Lektor verzichtet, denn es finden sich leider eine Vielzahl von Fehlern, die einer Computerrechtschreibungsprüfung immer entgehen, als da wären Kommafehler, Wortauslassungsfehler und, wohl bedingt durch Satzumstellungen, falsch gebildete Fälle. Bei einigen "Fremdworten" versagte dann auch noch die Rechtschreibprüfung; so steht zum Beispiel statt "Ein Gros" im Buch zu lesen "Ein Gro". Bereits hier kann man sich entscheiden, das Buch in die Ecke zu pfeffern oder aber im Zweifel für den Angeklagten das Werk als noch nicht vollständig professionelle Publikation einzuordnen und eine etwas großzügigere Toleranzschwelle gelten zu lassen.
Nicht mehr tolerierbar ist aber, was einen in der zweiten Hälfte des Buches heimsucht. Ich kann nur hoffen, daß mein Exemplar einen Fehldruck darstellt und nicht die ganze Auflage betroffen ist: Auf den Seiten 102-157 werden fast immer die letzten Zeilen von links unten rechts oben wiederholt! Und zum Ausgleich werden die letzten Zeilen rechts unten dann verschluckt! Teilweise werden auch die Zeilen links unten verschluckt, aber diese kann man ja dann in der Wiederholung rechts oben nachlesen. Toll. Ich hoffe, daß es sich hier um einen Einzelfall handelt. Das darf schlicht nicht passieren, zumindest, wenn man Geld für ein Buch verlangt. Hat denn niemand bei Wilbert mal ein fertig gedrucktes Buch korrekturgelesen?!?

Nun zum Inhalt. Wie schon gesagt, bahnbrechend Neues wird nicht gerade geboten. Es ist mal wieder der alte Kampf der tapferen und aufrechten Rebellen gegen einen blutrünstigen Imperator. Den Schandtaten des Imperators räumt der Autor dann auch breiten Raum ein und schildert mehrmals, wie eine Imperiumsflotte ganze Planeten vernichtet und deren Bevölkerung ermordet. Leider wird dieses zu oft wiederholt, immer nach dem Schema: Imperiumsflotte fliegt in das System ein, viel zu schwache, abtrünnige Kolonie wehrt sich, die schwache Flotte der Kolonie wird zerstrahlt und danach der Planet/Mond zum Bersten gebracht, wobei die ganze Bevölkerung getötet wird. Spätestens beim dritten Mal kennt man dieses Schema. Man sieht, zimperlich ist der Autor gerade nicht und läßt in den knapp über 180 Seiten geschätzte 500 Millionen Menschen über die Klinge springen. Dies atmet deutlich den Geist der 50iger und 60iger Jahre, ebenso wie die Charakterisierungen: Der Rebellenanfüher ist natürlich heroisch, der Wissenschaftler natürlich genial, und Frauen kommen in zwei Arten vor: Liebesdienerinnen und mutige Kämpferinnen, natürlich immer bildschön und leicht bekleidet. Hier fühlt man sich deutlich an alte Serials wie "Flash Gordon" aus den 30igern erinnert, genau wie in der Gut-Böse-Zeichnung. Graustufen gibt es im Imperium Omega nicht; die Bösen sind abgrundtief böse, und die Guten sind heldenhaft und gut. Politisch korrekte Zeitgenossen und Genießer anspruchsvoller SF wenden sich wohl spätestens hier mit Grausen ab; wer von SF aber auch einfach nur mal unterhalten werden möchte, darf weiterlesen.

Alle FLASH-Leser, die immer erst die Note vor der Rezension lesen, werden sich langsam fragen, ob der Rezensent schizophren oder vom Wilbert-Verlag für die Note bezahlt worden ist, denn wie kann man nach solchen Zeilen am Ende noch eine gute Note vergeben?
Nun, eines habe ich bisher noch nicht erwähnt: Das Buch ist verdammt unterhaltsam und liest sich "wie von selbst". Man merkt dem Buch deutlich an, daß der Autor Spaß beim Schreiben hatte und von der Angst beseelt war, seine Leserschaft zu langweilen, und deswegen legt er ein schon geradezu halsbrecherisches Tempo vor. Ruhephasen kommen praktisch nicht vor; von der ersten Seite an wird das Gaspedal voll durchgetreten und ohne große Unterbrechungen eine Action-Szene nach der anderen aufgereiht. Auch dieses könnte schnell langweilig werden, aber der Autor schafft es, das Interesse konstant wach zu halten. Die Handlungsträger sind nun wirklich nicht sonderlich charakterisiert, aber wie bei jedem guten Action-Stoff mit gerade so vielen Pinselstrichen gezeichnet, daß man mit ihnen mitfühlen kann und vor allem wissen möchte, was ihnen als nächstes passiert. Was bei SYNDIC versprochen wurde - "hier wird gehobelt, daß die Späne nur so fliegen" - hier wird es eingehalten: Action satt, in den Gewaltszenen an der Obergrenze, was man z.B. in einem Heftroman durchgehen lassen würde, und sogar eine (ganz leichte) Prise Erotik, immer noch recht selten in der SF.
Noch kurz zu Sprache und Stil: Diese sind immerhin eines Buches würdig. Zwar nicht herausragend und eher zweckmäßig, aber immerhin über dem Niveau der meisten Heftserien. Verräterische Anzeichen wie die immer noch nicht ausgestorbene, fatale Fehleinschätzung, daß viele Ausrufezeichen viel Spannung erzeugen (Zamorra, Maddrax, Ren Dhark-Buchausgabe) und fürchterliche Verbneuschöpfungen ("um die Kurve brettern") sucht man Gott sei Dank vergeblich. (* Und dabei ist "brettern" noch relativ harmlos... jedenfalls, solange es ums Skilaufen geht... ;-) Hi und willkommen übrigens! Heike)
Dieses Buch ist ein großes Vergnügen für alle Leser (so wie mich), die die Story von der aufrechten Rebellentruppe gegen die bösen Schergen des Imperiums immer noch hören können und für Geschichten mit nostalgischem Charme etwas übrig haben. Sicherlich Geschmackssache; wer sich nicht zu dieser Gruppe zählt, sollte das Buch gar nicht erst versuchen. Allen anderen kann man den Band und danach ein Abo nur empfehlen.
Die recht gute Note rechtfertigt sich schlicht und einfach damit, daß ich mich so gut unterhalten habe, daß ich über die ganzen technischen Widrigkeiten und die eigentlich sehr altbackene, schematische Handlung mehr als hinwegsehen konnte. Das Tempo ist schlicht so hoch, daß man gar nicht groß zum Nachdenken kommt. Eigentlich kein gutes Zeichen für ein Buch - seine Funktion als Fluchtlektüre, und mehr will der Band nicht sein, erfüllt er damit aber hervorragend. Wer nachdenkliche Kost möchte, dem seien andere Bücher empfohlen, ich mag beide Arten von Literatur und kann mich deswegen auch hiermit gut anfreunden. Wer also keine Probleme damit hat und es nicht als Sakrileg empfindet, neben Dick und Bradbury auch solche Lektüre im Bücherregal stehen zu haben, darf etwas Platz dort freischaufeln. Um nicht falsch verstanden zu werden: Werner A. Wilbert ist nun wirklich kein Dick oder Bradbury, aber unterhaltsam schreiben, das kann er auch, und mehr will er auch nicht. Für solche Bücher gibt es einen wunderbaren amerikanischen Ausdruck: "Guilty pleasure." (* Frei übersetzt: "Reuiger Genuß"? Es muß nicht immer Englisch sein... ;-) Heike)
Habe ich mich über das Buch geärgert? Ja, teilweise ordentlich.
Wird man von dem Buch gut unterhalten? Oh ja, das wird man. Und wenn man gut unterhalten wird, kann ich nicht weniger als eine Note 2 geben.
Werde ich die nächsten Bände auch lesen? Ganz sicher.
Aber, lieber Werner Wilbert: Auch wenn ich mir auch die nächsten Bände der Reihe zulegen werde, möchte ich doch dringend darum bitten, die technischen Unzulänglichkeiten einzudämmen oder abzustellen.

Fazit:
Von vielen technischen Kinderkrankheiten gezeichneter, erster Band einer liebevoll-altmodischen SF-Serie, die mit viel Action, hohem Tempo und nostalgischen Charme bestens unterhält und über fast alle, leider nicht wenige Widrigkeiten hinwegsehen läßt.
10 Punkte.

Oliver Naujoks

Nachtrag:
Laut Verlagsangabe ist die zweite Hälfte des Romans in der kompletten Auflage verdruckt. Ab Mitte Dezember soll für die Käufer die Möglichkeit bestehen, ein korrekt gedrucktes Exemplar im Austausch gegen den Fehldruck zu bekommen. Wollen wir es einmal abwarten...

Winy

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