OT: The Road to Mars
Ü: Tamara Willmann
USA 1999
(400 Seiten, Paperback, List 68005, ISBN 3-548-68005-4, DM 24,- / ab
1.1.02: EUR 12,-)
- erschienen: 2001 -
Zum
Inhalt:
Carlton ist ein Androide (genauer: ein Bowie 4.5) und als solcher
nicht zu Gefühlen fähig. Doch er reist mit zwei Komikern an
den Grenzen des Sonnensystems herum und beginnt, sich für das
Wesen des Humors sowie für die Frage zu interessieren, ob dieser
spezifisch menschlich ist oder auch von Androiden erlernt werden
kann. So beginnt er eine Doktorarbeit, doch wird er bei seinen
Forschungen immer wieder unterbrochen, denn gar Seltsames geschieht
mit ihm und den beiden Komikern Alex und Lewis.
So gelingt es ihnen, ein Engagement auf dem Kreuzfahrtschiff Princess
Diana zu erlangen, an Bord lauter KADs (Kleine Alte Damen), die nach
der Pensionierung einmal eine (dreijährige) Reise durch das
Sonnensystem machen möchten. Doch obwohl sie einen
vielbeachteten Kurzauftritt auf die Bühne bringen, werden sie im
Anschluß gefeuert. Und nicht nur das, ihre weiteren Engagements
werden ebenfalls abgesagt.
So machen sich die beiden Komiker und der Androide zum Mars auf, dem
Zentrum des Showbusiness im Sonnensystem, und müssen auf dieser
Reise feststellen, daß hier etwas Größeres vor sich
geht...
Eric Idle ist wohl am bekanntesten für seine
"Mittäterschaft" an einer Fernsehserie und diversen Filmen einer
britischen Komikertruppe namens "Monty Python" - dies nur für
den (wohl eher unwahrscheinlichen) Fall, daß einem der Leser
dieser Name nichts sagen sollte. "Die Reise zum Mars" ist Idles
erster Roman, nachdem er bereits mehrere Kinderbücher
veröffentlicht hat.
Allein schon der Name des Autors weckt also eine gewisse
Erwartungshaltung beim Leser, was den Inhalt des Romans betrifft. Um
es vorwegzunehmen: Wer anarchistischen Humor à la Monty Python
erwartet, wird von diesem Roman wohl eher enttäuscht werden.
Statt dessen liefert Idle einen amüsanten und intelligenten
Comedy-Thriller ab, der zufälligerweise im 24. Jahrhundert
spielt und so auch dem Genre der SF zugeordnet werden kann.
Haupt-Handlungsteil dieses Romans ist die Geschichte des Androiden
Carlton und seiner Suche nach dem Wesen des Humors. Hier gelingt es
Idle, das Unverständnis des Androiden hervorragend zu schildern,
so daß diese Suche einige wirklich köstlich-amüsante
Momente enthält. Hier spart er dann auch nicht mit kleineren
Seitenhieben auf aktuelle Komiker der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts - wobei natürlich auch eine seltsame Truppe mit dem
Namen "Monty Python" ihr literarisches Fett abbekommt. Hier zeigt
sich Eric Idle von einer intelligent-komischen Seite, die
äußerst interessant zu lesen ist und die - vor allem -
ziemlich viel Spaß macht.
Eingebettet hierin ist dann die Handlung um die zwei Komiker, als
deren Assistent Carlton arbeitet (wohlgemerkt: natürlich nicht
auf der Bühne). Hier entwickelt sich dann eine spannende
Thriller-Handlung, die zwar nicht gänzlich humorlos ist (wie
denn auch, haben wir es hier doch mit einem Komiker-Duo zu tun),
jedoch deutlich mehr Gewicht auf den Aspekt der Spannung legt.
Und immer wieder meldet sich eine Stimme aus einer 80 Jahre danach
spielenden Handlung zu Wort, die einem Professor für
Mikropaläontologie gehört, der zufällig auf die
fertige (und abgelehnte) Doktorarbeit Carltons aufmerksam wurde und
sie nun veröffentlichen möchte. Hier vollzieht sich ein
schleichender Wandel vom schlichten Herausgeber des Werkes, der ein
Vorwort dazu beisteuert, bis hin zum Plagiator, der das Werk als sein
eigenes beansprucht und für den Nobelpreis einreicht. Diese
Wandlung ist von Idle gekonnt-subtil in Szene gesetzt und wirkt
höchst amüsant.
Dieser Mix ergibt einen Roman, den man jedem, der ein wenig
Gefühl dafür hat, was Humor ist, eigentlich nur empfehlen
kann. Und auch der humorlose Androide Carlton selber hätte
hieran vielleicht ein wenig mehr über das Wesen des Humors
lernen können.
Fazit:
Eric Idles "Die Reise zum Mars" entpuppt sich als
komisch-amüsanter Roman über das Wesen des Humors im
Allgemeinen und die Gefährlichkeit von Terroristen im
Besonderen. Idle schafft einen lesenswerten humoristischen Roman, der
praktisch ohne Holzhammer- und Gürtellinien-Humor auskommt und
statt dessen auf intelligente Weise unterhält - und eine
spannende Geschichte erzählt. Nett sind auch die Seitenhiebe auf
seine damaligen Kollegen. Verblüffend ist allerdings die
Genauigkeit der Ergebnisse, zu denen der Androide Carlton bei seiner
Erforschung des Wesens des Humors kommt.
Ein Muß für die Freunde intelligent-humoristischer und
spannender Unterhaltung.
13 Punkte.