Band 38: "In den Fängen des Weltrats"

Autorin: Claudia Kern

Zusammen mit Rulfan ist Aruula in Meeraka angekommen. Ihre erste Station ist die Stadt New York - und dort machen sie die Bekanntschaft mit dem Volk, das mittlerweile die ganze Stadt übernommen hat. Glücklicherweise können die beiden unbeschadet entkommen.
Währenddessen sind Pieroo, Yuli und der Rest der Ballonbesatzung - man erinnere sich an die letzten New-York-Bände - bei einem wandernden Stamm gelandet. Pieroo hat eine Frau kennengelernt, und auch dem Rest gefällt es sehr gut. Das überraschende Auftauchen von Aruula und Rulfan ändert an dieser Tatsache nichts. Doch wenigstens wissen die beiden jetzt, daß Matt tatsächlich noch lebt und in Washington zu finden ist.
Kurze Zeit später fahren Aruula und Rulfan mit lautem Getöse in Washington ein - und verhindern damit eine Aktion von Lieutenant Garrett. Der Weltrat reagiert auf die Ankunft der beiden jedoch anders, als sie es geplant haben - die Technos schwärmen aus und schnappen sich Aruula. Rulfan und Wolf können fliehen.
Diese Szene war auf dem Video, das Matt dazu bewog, den Hydriten freien Abzug zu verschaffen und mit den Running Men gemeinsame Sache zu machen. Der Plan, den Phillip Hollyday ausgetüftelt hat, hat zwar für Matt zu viele Schwachstellen, aber einen besseren hat er auch nicht. Zudem ist unter den Mitgliedern des Weltrats ein Maulwurf, der von den Running Men umgepolt wurde. Matt bleibt nichts anderes übrig, als Phillip zu folgen.
Rulfan hat in der Zwischenzeit die unterirdischen Kanäle des Weltrats erforscht und macht sich auf eigene Faust auf, um Aruula zu befreien. Was er nicht ahnt - Matt und Aruula haben sich schon längst getroffen. Denn nachdem die Running Men einen Scheinangriff auf Matt und Phillip gestartet haben, sind die beiden wieder im Hauptquartier. Nachdem Hymes dem verblüfften Matt Aruula präsentiert hat, muß Phillip seinen Plan ändern. Aruula kann nicht lauschen - dies verhindert das Implantat. Offensichtlich scheint Crowe irgendetwas zu planen. Um herauszufinden, was ihm da genau vorschwebt, muß Aruula ihre Fähigkeit wiedererlangen - dazu aber muß das Implantat entfernt werden. Matt macht sich auf den Weg zu Dayna, die als einzige dazu in der Lage wäre. Natürlich erzählt er ihr nichts von der geplanten Befreiung von Mr. Black. Als Aruula wieder lauschen kann, offenbart sie, daß Crowe einen Nordmann bei sich im Quartier hat. Kurzentschlossen marschieren Matt und seine Gefährten los, um Crowe darüber auszufragen - beziehungsweise, um ihn zu kriegen. Aber zuerst steht die Befreiung von Mr. Black an. Diese kann Dayna nicht billigen - sie wehrt sich. Phillip kann sie jedoch mit einem Codewort ausschalten. Dayna ist der Maulwurf der Running Men.
Währenddessen stiftet Rulfan mehr und mehr Unruhe unter den Männern des WCA. Kurze Zeit später stößt Rulfan zu Matt und seinen Mannen - und gemeinsam können sie Crowe überwältigen sowie Mr. Black aus der VR befreien. Dummerweise hat dieser den Männern des WCA schon längst verraten, wo das Hauptquartier der Running Men zu finden ist. Während einer aufregenden Hetzjagd, bei der das Luftkissenboot beinahe von der Subway I gerammt worden wäre, gelingt es Mr. Black, das Hauptquartier zu warnen - gegen den Widerstand von Matt. Vorher haben sie Crowe unter der Bewachung von Dayna zurückgelassen; auch Phillip blieb auf der Strecke zurück.
Mr. Black jagt das Hauptquartier in die Luft. Rulfan und der echte David McKenzie werden nach Europa zurückkehren, während Matt und Aruula in Richtung Riverside ziehen werden. Denn die Mission, die die Community in London Matt auferlegt hatte, ist nun beendet.

Wie schafft Claudia Kern das nur immer wieder? Wie schafft sie es, die Personen des Romans lebendig und interessant zu schildern, wie schafft sie es bloß, die Atmosphäre einer Stadt perfekt einzufangen - wie ihr dies in der Anfangsszene in New York gelingt?
Aus dem Stoff, der in diesem Maddrax-Band verarbeitet wird, hätte man leicht einen Zweiteiler machen können. Gut, die Szene in New York hätte man streichen können - aber andererseits entdeckt der Leser jetzt, daß das Volk tatsächlich die ganze Stadt erobert hat. Auch das Wiedersehen mit Pieroo und Yuli - und mit Fiigo, der die Fangemeinde immer noch spaltet ;-) - macht Spaß, da man jetzt weiß, daß das Volk die Ballonfahrer doch nicht bekommen hat.
Der Rest der Handlung präsentiert sich sehr kompakt. Das hätte durchaus Stoff für einen Zweiteiler geben können. Wenn man beim Lesen nicht die Orientierung verlieren will, muß man sich schon stark konzentrieren. Aber diese Anstrengung lohnt sich, bekommt man doch dafür einen sehr actionorientierten und dabei doch sehr atmosphärisch dichten Roman. Zu diesen dichten Szenen zählen, wie schon erwähnt, die New York-Sequenz, aber auch die Handlungsabschnitte um Rulfan.
Etwas schade finde ich, daß der Zündstoff, der sich zwischen Matt und Aruula aufgebaut hat - wir erinnern uns, beide haben zwischendurch fegaashaat - so rasch und problemlos beiseite geschafft wird. Da kratzt Claudia leider nur an der Oberfläche - durchaus dramatisch, aber da hätte man mehr draus machen können. Vielleicht kommt aber in den nächsten Banden noch etwas nach. Hoffe ich wenigstens.
Mit diesem Band wird also der "Waashton-Zyklus" beendet. Doch es bleiben noch etliche Fragen offen. Nicht nur, wie die weitere Entwicklung der beiden Gruppierungen in der Stadt weitergehen wird - geschickter Schachzug übrigens, daß man sich mit keiner der beiden so richtig identifizieren kann. Auch, was Crowe mit dem Nordmann vorhat und wie dieser überhaupt nach Meeraka kommt, bleibt erstmal ungeklärt. Wobei es bemerkenswert ist, daß Crowe die Sprache der Nordmänner spricht. Wo er die wohl gelernt hat?
Abschließend kann man zum Zyklus sagen, daß die Mischung zwischen relativ losen Einzelromanen und Zweiteilern gut gelungen ist. Ab und an jedoch war Washington als Handlungsort doch etwas zu eng. Vielleicht hätte man noch einige Bände wie den Parrish einschieben sollen, in denen Matt die Umgebung erkundet. Zu Maddrax gehört nun einmal das Motiv der Reise. Das ist in diesen zehn Bänden naturgemäß etwas zu kurz gekommen.

Fazit:
Claudia Kerns Roman ist ein würdiger Abschluß des "Waashton-Zyklus". Der Roman bietet neben hervorragend dargestellten Charakteren Spannung und Atmosphäre.
13 Punkte

Christian Spließ

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