Band 2080: "Nach Karthagos Fall"

Autor: Arndt Ellmer

Während sich der Verband der Neuen USO, der an der Seite der LFT-Flotte das Solsystem verteidigt hat, vor den angreifenden Arkoniden in Sicherheit bringt, verläßt Roi Danton sein Flaggschiff, die LOVELY BOSCYK, an Bord eines Ein-Mann-Raumjägers. Sein Ziel ist Terra.
Der Jäger wird von mehreren Fragmentraumern der Posbis abgefangen: Die Posbi-Schiffe eröffnen das Feuer, und in dem Moment, als er eine Überlichtflugetappe einleitet, erhält der Jäger einen schweren Treffer. Danton bringt das Kleinraumschiff nur mühsam unter Kontrolle, doch er muß schließlich in der Antarktis notlanden. Es gelingt dem ehemaligen Freihändler, einer anfliegenden arkonidischen Patrouille zu entkommen; dabei muß er jedoch seinen Raum/Kampfanzug opfern. Er findet in einer Meßstation der Klimakontrolle einen alten Thermoanzug, der sich jedoch schon bald als völlig unzureichend gegen die Kälte erweist. Nur mit Mühe und Not gelingt es Danton, sich zu einer alten, früher von ihm benutzten Station der ehemaligen Solaren Abwehr durchzuschlagen. Von dort aus erreicht er schließlich per Transmitter das neue Hauptquartier des LFT-Geheimdienstes TLD, Alpha Karthago.
Während der ganzen Zeit wird Roi Danton von Wahnvorstellungen aus seiner Torric-Vergangenheit auf Curayo gequält; er hat Halluzinationen und findet mehrfach nur schwer in die Realität zurück.
Derweil führt der TLD unter Noviel Residor auf Luna die "Operation Abschied" durch. Der Liga-Tower wird aufgegeben, der K-Damm um das Mondgehirn NATHAN gesprengt, und die Agenten des TLD verteilen sich auf insgesamt 480 Verstecke im gesamten Solsystem. Alle wichtigen Daten, von denen zwischenzeitlich Kopien ausgelagert wurden - so z. B. über die Aagenfelt-Barriere - werden vernichtet, damit sie den Arkoniden nicht in die Hände fallen.
Die arkonidischen Invasoren landen Bodentruppen auf Luna und nehmen den Liga-Tower in Besitz. Sie finden den zerstörten K-Damm und stoßen in einer Werft auf die Reste von vierzehn Raumern der ENTDECKER-Klasse, die von den Terranern gesprengt wurden. Die Werftanlagen wurden ebenfalls unbrauchbar gemacht.
Mascant Kraschyn, der Kommandeur der Invasionsflotte, stellt NATHAN ein Ultimatum: Falls sich das Mondgehirn nicht zur bedingungslosen Zusammenarbeit mit den Arkoniden bereit erklärt, droht er mit der Vernichtung terranischer Großstädte. NATHAN kapituliert, da seine Basis-Programmierung ihm keine Alternative läßt.
Die Arkoniden landen auch auf Terra massive Truppenaufgebote und nehmen den Planeten in Besitz. Das Kriegsrecht wird ausgerufen. Widerstand regt sich nicht.
Das Duo Julian Tifflor/Morkhero Seelenquell ist ebenfalls auf Terra eingetroffen. Die Superintelligenz SEELENQUELL hat mit Terra offenbar weitergehende Pläne, doch Tifflor/Morkhero läßt lediglich einige düstere Andeutungen über die Zukunft Terras fallen. Das "Doppelwesen" sucht eine Residenz und findet sie in der von den Monochrom-Mutanten verlassenen Stadt Para-City.

Der Roman besteht aus zwei Handlungssträngen. Zum einen haben wir den TLD, dessen Agenten in der Versenkung verschwinden, und Mascant Kraschyn und seine Invasionstruppen, die das soeben eroberte Solsystem nun auch in Besitz nehmen. Deren Vorgehen wird anschaulich geschildert, und hier merkt auch der Leser, daß die Arkoniden sich die Sache trotz ihrer gewaltigen Militärmacht nicht ganz so einfach machen. Der Respekt vor den Terranern bleibt, auch wenn Kraschyn sie nicht wirklich ernst nimmt. Trotzdem vermutet er gerade auf Luna noch etliche Fallen. Doch wenn man NATHAN zur Kollaboration zwingen kann, ist (fast) alles gewonnen; die Syntronik steuert immerhin die gesamte solare Wirtschaft. Aber Druckmittel gibt es genug. Zwar sind die Arkoniden wieder einmal nicht gerade einfallsreich, doch das brauchen sie auch nicht zu sein. Schließlich wenden sie erprobte Taktiken an. Das geht in Ordnung. Sehr schön ist auch, daß Arndt Ellmer immer wieder das eigentliche Ziel der Invasoren in Nebensätzen durchklingen läßt: Der Feind, d. h. die LFT, ist ausgeschaltet, und die Arkoniden wollen eine funktionierende Wirtschaft. Das Solsystem soll nicht am Tropf des "Göttlichen Imperiums" hängen, sondern die Eroberer brauchen es jetzt als eines der Zentren ihrer eigenen Ökonomie für ihre weitere Expansion bzw. zur Konsolidierung ihrer bisherigen.
Der TLD taucht in der Zwischenzeit gar nicht so überhastet ab und bereitet sich auf einen Kampf im Untergrund gegen die Besatzer vor. Stoff genug für einen Roman, sollte man also meinen.
Doch das war nur die eine Hälfte - und zwar die bessere.
Ja, die Leser haben immer wieder gefordert, die Zellaktivatorträger mehr in den Vordergrund zu stellen. Doch was geschieht hier? Julian Tifflor wird nur kurz in zwei Sequenzen gezeigt. Die haben es zwar in sich, denn dort bekommt man eine Reihe von düsteren Prophezeiungen für die Zukunft Terras und der Menschheit zu hören, aber man merkt hier deutlich, daß dieses Thema erst mit Band 2083 ("Brennpunkt Para-City") abgehandelt werden soll. Okay - hierzu darf der Autor dann noch nichts schreiben, da ansonsten die Gefahr besteht, daß etwas Wichtiges vorweggenommen wird. Das kann man durchaus akzeptieren, wenngleich ich mir von Tifflor ab der "Übernahme" durch Morkhero Seelenquell einige etwas ausgedehntere Auftritte gewünscht hätte. Derzeit macht er nur das "Reittier" (hüüüh, brrrr) für den Seelenquell, und dazu ist er eigentlich zu schade.
Doch der eigentliche Schwachpunkt des Romans ist die viel zu ausgedehnte Handlung um Roi Danton, der ein halbes Heft benötigt, um seinen angeschlagenen Raumjäger auf Terra notzulanden und sich zu seinem Ziel durchzuschlagen. Da werde ich automatisch an den unseligen PR-Roman 2054 ("Die Höhlen von Ertrus") erinnert. Einerseits ist es wirklich eine Leistung, diese "Nichthandlung" durch einen halben Roman zu schleppen, doch andererseits merkt man gerade dieses Bestreben auch allzu deutlich. Und die Aktionen, die Roi Danton im Ewigen Eis der Antarktis bringt, sind dann leider nur noch konfus. Bei 35 Grad unter Null entledigt sich der Mann seines Raum/Kampfanzuges, nur um eine arkonidische Suchpatrouille zu täuschen. Nicht nur, daß er bis zur nächsten Wetterstation mehr als zehn Kilometer vor sich hat: Da wird es ziemlich kalt, und selbst die Unterwäsche des 14. Jahrhunderts NGZ dürfte das nicht mitmachen. Nein, Danton hofft auch noch darauf, daß die Arkoniden nur nach den Energie-Impulsen seines Anzuges suchen, dabei aber gleichzeitig ihre Infrarot- und Individualorter ausgeschaltet lassen ...
Da kann man nur den Kopf schütteln - denn als Danton diese Sache austüftelt, hat er wohl keine Hallus. Und dann marschiert er noch mit einem alten Thermoanzug, dessen Gebrauchsanweisung lautet: "Nicht länger als vier Stunden im Freien benutzen", mehr als vierzig Kilometer durch Kältestürme der Extraklasse - während sich seine Wäsche auch noch auflöst. Unterwegs wird er noch mehrfach von Hallus heimgesucht, sein Armband-Kompaß versagt auch noch verschiedentlich den Dienst, aber auf wundersame Weise erreicht er sein Ziel. Dieser Held kann was - er hat mindestens Schwarnold Arzeneggers Hollywood-Klasse.
Künstlerische Freiheit hin und her, aber das wirkt dann doch zu aufgebauscht.

Fazit:
Ein Roman wie das derzeitige Sommerwetter in Deutschland - durchwachsen (äh, habe ich "Sommer" geschrieben??? Das war ein Versehen). (* DAS Wetter nennst Du 'durchwachsen'? Das könnte als 'Untertreibung des Jahres' durchgehen... Heike)
6 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Wir sind zurück im Solsystem, das frisch von den Arkoniden eingenommen wurde. Während Mascant Kraschyn versucht, die Situation endgültig unter Kontrolle zu bringen, macht sich Roi Danton zur Erde auf und landet dort in Alpha Karthago, dem neuen Sitz des TLD.
Arndt Ellmer schildert die Ereignisse nach dem Fall des Solsystems sehr ansprechend und interessant. Vor allem Roi Danton ist in der Charakterisierung sehr gelungen, wobei die stärksten Szenen hier in den Rückerinnerungen/Halluzinationen zum Thema Torric zu finden sind.
Ansonsten leistet Arndt Ellmer hier in der Hauptsache Vorarbeit für die nachfolgenden Romane, legt die Grundsteine der Handlung im Solsystem neu.
Hierbei kann einem der TLD ja fast schon leidtun - innerhalb von wenigen Jahren zwei Hauptquartiere zu verlieren... Doch der Verlust in diesem Roman hatte eindeutig Stil. Die Räumaktion, die Noviel Residor und seine TLD-Agenten hier vollzogen haben, ist durchweg "realistisch" geschildert und zeigt das Bild eines gut durchorganisierten Geheimdienstes, wie man es von einer Organisation wie dem TLD erwarten kann.
Man macht es den Arkoniden wirklich nicht leicht, zu NATHAN vorzudringen - und als sie es dann endlich schaffen, ist NATHANS Reaktion nur konsequent. Daß er zumindest vordergründig mit ihnen zusammenarbeitet, ihren Befehlen gehorcht, ist nicht nur Selbstschutz, sondern auch Schutz der Zivilbevölkerung. Und mit dieser hat ja wohl eher Roi Danton noch etwas vor.
Was dies sein soll, verrät auch gleich der Blick auf den Titel des nächsten Bandes. Die "Gruppe Sanfter Rebell" darf sich wohl als eine Neuauflage der "Aktion Guter Nachbar" betrachten. Nun, immerhin hat Danton in solchen Sachen schon seine Erfahrungen gesammelt, sollte also die Kompetenz für diese Aktion besitzen. Kraschyn wird wohl noch das eine oder andere Blaue Wunder erleben.
Ein wenig im Dunkeln liegt noch die Frage, was Morkhero auf Terra wirklich will. Sicher - die Unterwerfung der Terraner. Doch das "wie" scheint hier noch nicht geklärt zu sein. Er wählt Para-City zu seiner Residenz, und dies sicherlich nicht nur aus den Gründen, die er Tifflor hierfür genannt hat. Wir behalten im Hinterkopf: Da ist ja immer noch der Zeitbrunnen in der Nähe der Stadt...

Fazit:
"Nach Karthagos Fall" geht es im Solsystem so langsam erst richtig los. Die Anfänge des Widerstands schildert Arndt Ellmer sehr plastisch. Die Charaktere sind gelungen, wobei Roi Danton aus ihnen noch einmal hervorsticht. Aber auch den Handlungsverlauf kann man nur als interessant und spannend bezeichnen. So kann es jetzt ruhig erstmal weitergehen.
10 Punkte.

Winfried Brand

Nachdem die Arkoniden Terra besetzt haben, sind die Besatzer natürlich daran interessiert, den TLD-Tower und NATHAN in die Hände zu bekommen. Durchaus verständlich - unter anderem sind die Aagenfelt-Barriere und der K-Damm natürlich von höchstem Interesse für die Arkoniden.
Währenddessen versucht Michael Rhodan, sich allein durch die Antarktis zu schlagen. Es ist schon von vornherein klar, daß Michael es am Ende schaffen wird - von daher können die Passagen um Michael nur von ihrer Atmosphäre her überzeugen. So richtig überzeugend ist die Nebenhandlung nicht - aber die Antarktis und die Stimmung, in der sich Michael Rhodan befindet, sind exzellent ausgearbeitet.
Allzu spannend sind die Versuche der Arkoniden, sich die Geheimnisse des TLD-Towers unter den Nagel zu reißen, allerdings nun auch nicht. Im Endeffekt haben wir einige Arkoniden, die die Reste dessen durchwühlen, was Residor dagelassen hat. Und auch die Handlung um NATHAN vermag nicht zu überzeugen - etwas sinnlos arbeitet man sich also durch die Gänge der Syntronik, nur um am Ende zu erfahren, daß NATHAN überhaupt nichts gegen die Zusammenarbeit mit den Arkoniden einzuwenden hat. Fragt sich, ob NATHAN die Arkoniden hier nur in Sicherheit wiegen will. Vermutlich wird sich Perry auch in dieser Hinsicht irgendwie abgesichert haben - wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

Fazit:
Im Endeffekt haben wir nicht viel Neues erfahren. Alpha Karthago ist, wie so oft in der PR-Geschichte, eine geheime Kommandozentrale, von der keiner weiß, wo sie liegt. NATHAN arbeitet mit den Arkoniden zusammen, und Michael ist auf Terra.
Pluspunkte bei diesem Roman sind die Darstellung der Antarktis und die Innenansichten von Michaels Seele.
9 Punkte

Christian Spließ

Co-Rezensenten zu den PR-Romanen gesucht

Da Alexander Haas nur noch vereinzelte Rezensionen zu den Perry Rhodan-Romanen schreiben wird, sind wir wieder auf der Suche nach Verstärkung für das Rezensententeam. Wenn Du dich also dazu berufen fühlst, die laufende Handlung zu kommentieren, schreib einfach eine E-Mail an Winy.

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