Fly Creek,
Maine.
Nach einem gemeinsamen Bar-Besuch hören die Freunde Chris Osway
und Lester Billing auf dem Heimweg die Hilfeschreie eines
Mädchens, die von der anderen (von der Bevölkerung in den
letzten Jahrzehnten aufgegebenen) Seite des namensgebenden Baches der
Ortschaft herüberwehen.
An der alten Kirche jenseits des Baches findet Osway die Leiche des
Mädchens.
Sein Freund Lester verschwindet spurlos.
Der Fall findet auch Beachtung im Chateau Montagne; der Bericht
über das Auffinden der Mädchenleiche, die wie das
Rotkäppchen aus dem Märchen gekleidet war und wie von einem
Wolf oder Bär zerfetzt aussieht, läßt Zamorra und
Nicole eingreifen.
Als sie in Fly Creek eintreffen, hat es ein weiteres Opfer gegeben.
Carl Parmalees, ein Ziegenzüchter, wurde ähnlich
zugerichtet aufgefunden wie 'Rotkäppchen'.
Zamorra bittet den Sheriff des Ortes darum, die Leiche sehen zu
dürfen; er gibt an, das Mädchen vielleicht identifizieren
zu können. Als er die Leiche mit dem Amulett berührt,
zerfällt diese. Die Schuld daran kann der Sheriff nicht Zamorra
zuschieben, da parallel Nicole das Amulett zu sich ruft, die im Stall
einen ähnlichen Stoff findet wie der, der von dem Mädchen
übriglieb: eine Art Pappmaché.
Von Miss Lucinda, der Besitzerin des Motels, in dem sie untergekommen
sind, erfahren sie, daß es in dem nahen Wald schon immer
gespukt hat, Menschen sich scheinbar grundlos das Leben nahmen und
andere spurlos verschwanden.
Einer der ältesten Bewohner des Ortes, Amory Staggs, ahnt die
Gründe der Geschehnisse der letzten Tage. Mitte der 20er Jahre
versuchte er, als Autor Fuß zu fassen, bekam von dem
Herausgeber des Pulp-Magazins "Weird Tales" jedoch eine Absage, da
seine Geschichte nicht in das Konzept des Heftes paßte. Da er
kein Rückporto beigelegt hatte, war die Story jedoch
verloren.
Für sich selbst fertigte er dann eine Einzelausgabe von "Weird
Tales" an, mit Geschichten, die auf Märchen basierten, die er
jedoch einen Tick härter schrieb als die Originalausgaben. Diese
Ausgabe illustrierte er sogar selber, so zum Beispiel mit einem
großen, bösen Wolf - der ihn kurz nach der Fertigstellung
aus dem Bild heraus angriff und im Gesicht verletzte.
Sich der Gefahr bewußt, wollte Staggs das Magazin vor dem
Zugriff anderer Menschen schützen. Sein Freund Bertie Snodgrass
aber wußte, wo es zu finden war, und nahm es mit nach Hause.
Dort fand Staggs ihn später, die Kehle zerfetzt wie von einem
Wolf. Im Keller der Kirche versteckte er das Magazin dann, wo es
jahrzehntelang sicher war.
Das gemeinsame Abendessen von Miss Lucinda, Nicole und Zamorra wird
gestört von Lester Billing, der wie aus großer Höhe
aus dem Nichts erscheint und den Eßtisch des Motels
zertrümmert. Nur Augenblicke später taucht der Wolf auf.
Lester hatte es in der Nähe der Kirche in eine andere Welt
verschlagen, eine Welt mit Figuren aus ihm bekannten Märchen,
die genauso aussah, wie er es sich immer vorgestellt hatte. Inklusive
des Wolfes, der auftauchte, als er an ihn dachte - und der sofort die
Jagd auf ihn eröffnete.
Nach einem kurzen Kampf, in dem Zamorra zu unterliegen droht, kann
Nicole den Wolf mit MERLINS STERN vernichten.
Bei Amory Staggs klopft derweil Schneewittchen an die Tür. Das
Kind ist auf der Flucht vor den sieben Zwergen, denen Staggs vor
vielen Jahrzehnten andere Charaktere verpaßt hatte als die
bekannten.
Auf Amory Staggs kommen auch fast zeitgleich Nicole und Zamorra. In
der Wohnung von Miss Lucinda findet der Meister des
Übersinnlichen ein Portrait von Rotkäppchen - der jungen
Miss Lucinda. Bei ihr handelt es sich um die jüngere Schwester
von Bertie Snodgrass, auf die Staggs damals ein Auge geworfen hatte.
Da Staggs in den 50ern Romane aus dem phantastischen Bereich
publizierte, beschließt Zamorra, den Mann aufzusuchen.
Dieser wurde von den sieben Zwergen abgestochen und liegt in seinem
eigenen Blut.
Gemeinsam begeben sich Nicole, Zamorra und Amory zur alten
Kirche.
Dort steht der Keller noch immer unter Wasser. In den vorangegangenen
Woche hatte es ununterbrochen geregnet. Was zur Folge hatte,
daß das Papier in dem Versteck freigelegt wurde, wodurch die
Zeichnungen sich lösten und so gewissermaßen ein
Eigenleben entwickelten.
Mit Hilfe des Amuletts kann Zamorra nichts ausrichten.
Also fertigt Staggs ein Portrait von Zamorra an, das man in das
Wasser im Keller legt. Der Plan funktioniert: Zamorra findet sich in
der Märchenwelt wieder.
In einem Turmzimmer kommt es zu einem Kampf mit der bösen Fee
aus dem Märchen "Dornröschen", bei dem sich die Hexe selbst
mit der Spindel sticht und ebenso wie die restliche Bevölkerung
in einen hundertjährigen Schlaf fällt.
Zamorra rettet sich mit der Kraft seiner Phantasie in eine
künstlich erschaffene Welt, die den Katakomben unter Chateau
Montagne gleicht. Dort pfählt er die sichergestellten,
restlichen Zeichnungen von Amory Staggs mit der verwunschenen Spindel
in den Boden.
In seine Welt kehrt Zamorra zurück, indem Nicole ihren Prinzen
wachküßt.
Die Ereignisse lassen sich den Indizien nach darauf
zurückführen, daß das Papier, auf dem die Geschichten
und Zeichnungen standen, von Bäumen aus dem verwunschenen Wald
stammt.
Amory Staggs, sich seiner Schuld bewußt, zeichnet von sich
selbst ein Portrait als Ritter in strahlender Rüstung. Bevor der
Riß zwischen den Welten sich wieder ganz schließen kann,
geht er hinüber, um das Reich zu beschützen.
Vielleicht liest sich die Kritik stellenweise etwas lustig. (* Ich
persönlich habe zwar bei den ersten märchenbezüglichen
Worten noch etwas geschmunzelt, später dann aber auch nicht
mehr. Heike)
Beim Lesen selbst tauchte - bei mir zumindest - der Effekt nicht auf;
ich konnte nicht einmal über die Szenen schmunzeln, dafür
waren sie zu ernst geschrieben. (* Ja, das merkt man sogar Deiner
Rezi schon an. Ich glaube, diesen Roman muß ich doch auch mal
lesen. Heike)
Mit Timothy Stahl gibt ein Autor seinen Einstand in der Serie, der
diese dann auch wirklich kennt, sie über viele Jahre
verfolgte.
Nicht nur also, daß eine sehr gute Idee Verwendung fand und
optimal umgesetzt wurde, die Geschichte paßt sich zudem
hervorragend in den PZ-Kosmos ein.
Mit einer Punktevergabe habe ich immer so meine Probleme.
Grundsätzlich bekommt jeder Roman/Autor 15 Punkte, von denen bei
schlechter Leistung entsprechend Punkte abgezogen werden.
In diesem Fall taucht dann das Problem auf, daß es absolut
nichts daran zu bemängeln gibt.
Sehr gute Idee, spannend geschrieben (keine Rücksicht auf
"härtere" Szenen, bei den Szenen, wo der Wolf zubeißt),
keine Logikfehler, die Beschreibung der Charaktere wie gewohnt - was
will man mehr?
Mehr von Timothy Stahl.
15 Punkte.