Professor Zamorra

Band 709: "Märchenfluch"

Autor: Timothy Stahl

Fly Creek, Maine.
Nach einem gemeinsamen Bar-Besuch hören die Freunde Chris Osway und Lester Billing auf dem Heimweg die Hilfeschreie eines Mädchens, die von der anderen (von der Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten aufgegebenen) Seite des namensgebenden Baches der Ortschaft herüberwehen.
An der alten Kirche jenseits des Baches findet Osway die Leiche des Mädchens.
Sein Freund Lester verschwindet spurlos.
Der Fall findet auch Beachtung im Chateau Montagne; der Bericht über das Auffinden der Mädchenleiche, die wie das Rotkäppchen aus dem Märchen gekleidet war und wie von einem Wolf oder Bär zerfetzt aussieht, läßt Zamorra und Nicole eingreifen.
Als sie in Fly Creek eintreffen, hat es ein weiteres Opfer gegeben. Carl Parmalees, ein Ziegenzüchter, wurde ähnlich zugerichtet aufgefunden wie 'Rotkäppchen'.
Zamorra bittet den Sheriff des Ortes darum, die Leiche sehen zu dürfen; er gibt an, das Mädchen vielleicht identifizieren zu können. Als er die Leiche mit dem Amulett berührt, zerfällt diese. Die Schuld daran kann der Sheriff nicht Zamorra zuschieben, da parallel Nicole das Amulett zu sich ruft, die im Stall einen ähnlichen Stoff findet wie der, der von dem Mädchen übriglieb: eine Art Pappmaché.
Von Miss Lucinda, der Besitzerin des Motels, in dem sie untergekommen sind, erfahren sie, daß es in dem nahen Wald schon immer gespukt hat, Menschen sich scheinbar grundlos das Leben nahmen und andere spurlos verschwanden.
Einer der ältesten Bewohner des Ortes, Amory Staggs, ahnt die Gründe der Geschehnisse der letzten Tage. Mitte der 20er Jahre versuchte er, als Autor Fuß zu fassen, bekam von dem Herausgeber des Pulp-Magazins "Weird Tales" jedoch eine Absage, da seine Geschichte nicht in das Konzept des Heftes paßte. Da er kein Rückporto beigelegt hatte, war die Story jedoch verloren.
Für sich selbst fertigte er dann eine Einzelausgabe von "Weird Tales" an, mit Geschichten, die auf Märchen basierten, die er jedoch einen Tick härter schrieb als die Originalausgaben. Diese Ausgabe illustrierte er sogar selber, so zum Beispiel mit einem großen, bösen Wolf - der ihn kurz nach der Fertigstellung aus dem Bild heraus angriff und im Gesicht verletzte.
Sich der Gefahr bewußt, wollte Staggs das Magazin vor dem Zugriff anderer Menschen schützen. Sein Freund Bertie Snodgrass aber wußte, wo es zu finden war, und nahm es mit nach Hause. Dort fand Staggs ihn später, die Kehle zerfetzt wie von einem Wolf. Im Keller der Kirche versteckte er das Magazin dann, wo es jahrzehntelang sicher war.
Das gemeinsame Abendessen von Miss Lucinda, Nicole und Zamorra wird gestört von Lester Billing, der wie aus großer Höhe aus dem Nichts erscheint und den Eßtisch des Motels zertrümmert. Nur Augenblicke später taucht der Wolf auf. Lester hatte es in der Nähe der Kirche in eine andere Welt verschlagen, eine Welt mit Figuren aus ihm bekannten Märchen, die genauso aussah, wie er es sich immer vorgestellt hatte. Inklusive des Wolfes, der auftauchte, als er an ihn dachte - und der sofort die Jagd auf ihn eröffnete.
Nach einem kurzen Kampf, in dem Zamorra zu unterliegen droht, kann Nicole den Wolf mit MERLINS STERN vernichten.
Bei Amory Staggs klopft derweil Schneewittchen an die Tür. Das Kind ist auf der Flucht vor den sieben Zwergen, denen Staggs vor vielen Jahrzehnten andere Charaktere verpaßt hatte als die bekannten.
Auf Amory Staggs kommen auch fast zeitgleich Nicole und Zamorra. In der Wohnung von Miss Lucinda findet der Meister des Übersinnlichen ein Portrait von Rotkäppchen - der jungen Miss Lucinda. Bei ihr handelt es sich um die jüngere Schwester von Bertie Snodgrass, auf die Staggs damals ein Auge geworfen hatte. Da Staggs in den 50ern Romane aus dem phantastischen Bereich publizierte, beschließt Zamorra, den Mann aufzusuchen.
Dieser wurde von den sieben Zwergen abgestochen und liegt in seinem eigenen Blut.
Gemeinsam begeben sich Nicole, Zamorra und Amory zur alten Kirche.
Dort steht der Keller noch immer unter Wasser. In den vorangegangenen Woche hatte es ununterbrochen geregnet. Was zur Folge hatte, daß das Papier in dem Versteck freigelegt wurde, wodurch die Zeichnungen sich lösten und so gewissermaßen ein Eigenleben entwickelten.
Mit Hilfe des Amuletts kann Zamorra nichts ausrichten.
Also fertigt Staggs ein Portrait von Zamorra an, das man in das Wasser im Keller legt. Der Plan funktioniert: Zamorra findet sich in der Märchenwelt wieder.
In einem Turmzimmer kommt es zu einem Kampf mit der bösen Fee aus dem Märchen "Dornröschen", bei dem sich die Hexe selbst mit der Spindel sticht und ebenso wie die restliche Bevölkerung in einen hundertjährigen Schlaf fällt.
Zamorra rettet sich mit der Kraft seiner Phantasie in eine künstlich erschaffene Welt, die den Katakomben unter Chateau Montagne gleicht. Dort pfählt er die sichergestellten, restlichen Zeichnungen von Amory Staggs mit der verwunschenen Spindel in den Boden.
In seine Welt kehrt Zamorra zurück, indem Nicole ihren Prinzen wachküßt.
Die Ereignisse lassen sich den Indizien nach darauf zurückführen, daß das Papier, auf dem die Geschichten und Zeichnungen standen, von Bäumen aus dem verwunschenen Wald stammt.
Amory Staggs, sich seiner Schuld bewußt, zeichnet von sich selbst ein Portrait als Ritter in strahlender Rüstung. Bevor der Riß zwischen den Welten sich wieder ganz schließen kann, geht er hinüber, um das Reich zu beschützen.

Vielleicht liest sich die Kritik stellenweise etwas lustig. (* Ich persönlich habe zwar bei den ersten märchenbezüglichen Worten noch etwas geschmunzelt, später dann aber auch nicht mehr. Heike)
Beim Lesen selbst tauchte - bei mir zumindest - der Effekt nicht auf; ich konnte nicht einmal über die Szenen schmunzeln, dafür waren sie zu ernst geschrieben. (* Ja, das merkt man sogar Deiner Rezi schon an. Ich glaube, diesen Roman muß ich doch auch mal lesen. Heike)
Mit Timothy Stahl gibt ein Autor seinen Einstand in der Serie, der diese dann auch wirklich kennt, sie über viele Jahre verfolgte.
Nicht nur also, daß eine sehr gute Idee Verwendung fand und optimal umgesetzt wurde, die Geschichte paßt sich zudem hervorragend in den PZ-Kosmos ein.
Mit einer Punktevergabe habe ich immer so meine Probleme. Grundsätzlich bekommt jeder Roman/Autor 15 Punkte, von denen bei schlechter Leistung entsprechend Punkte abgezogen werden.
In diesem Fall taucht dann das Problem auf, daß es absolut nichts daran zu bemängeln gibt.
Sehr gute Idee, spannend geschrieben (keine Rücksicht auf "härtere" Szenen, bei den Szenen, wo der Wolf zubeißt), keine Logikfehler, die Beschreibung der Charaktere wie gewohnt - was will man mehr?
Mehr von Timothy Stahl.
15 Punkte.

Guido Latz

home...