Conrad Shepherd:

"S.Y.N.D.I.C. - Geheimprojekt Exodus"

(173 Seiten, Paperback, HJB-Verlag, Druck: Blitz-Verlag, ISBN 3-930515-12-1, DM 19,80, EUR 10,50)
Homepage des Buches: www.syndic.de
- erschienen: April 01 -

Der HJB-Verlag legt sein erstes Paperback vor und verspricht: "Keine Kompromisse!" Dazu später.
Neben Ren Dhark startet der HJB-Verlag hiermit seine zweite SF-Serie, die nach einer Idee von HJB himself den Flair von heute nostalgischen SF-Agenten-Serien wie ZBV von K.H. Scheer wieder aufleben lassen soll. Da das Risiko eines Hardcovers für eine nicht eingeführte Serie wohl als zu hoch eingeschätzt wurde, stellte man zunächst das gesamte Buch in Folgen kostenlos ins Internet und veröffentlichte es schließlich in Zusammenarbeit mit dem Blitz-Verlag als Paperback.

Am Ende des 21. Jahrhunderts ist die Erde dem Kollaps nahe - und in drei Machtgefüge aufgeteilt, die sich Free States of America, Europäischer Commonwealth und Pan-Pazifischer Block nennen. Hauptperson ist der Ex-Sträfling Morton Conroy, der von einer Geheimorganisation rekrutiert und auf gefährliche Einsätze geschickt wird...

Um es gleich vorwegzunehmen: Nicht gerade ein Meisterwerk. Der Autor schafft es leider nicht, durch eine interessante und rasante Handlung zu verbergen, daß es sich hier nur um eine sattsam bekannte Geschichte handelt, die leider auch sehr schematisch und vorhersehbar ist.
Was insbesondere gegen das Buch einnimmt, ist, daß es an seinen selbstgesteckten zwei Prämissen scheitert:

 - Der aufgebaute Hintergrund findet hauptsächlich im Klappentext und im Vorwort statt. Das muß ja nicht unbedingt schlecht sein, aber ich habe bei den zahlreichen Prügeleien des Bandes teilweise schlicht aus den Augen verloren, daß es sich hier eigentlich um einen SF-Roman handelt, der in der Zukunft spielt. Anders ausgedrückt: Ich wurde weniger an ZBV und Konsorten, sondern eher an Kommissar X und Jerry Cotton erinnert.
- Wieso "Keine Kompromisse?" Also, von Kompromißlosigkeit ist der Band (leider) weit entfernt. Ich hatte mir eigentlich eine "deftige" Lektüre versprochen, aber weder in den zwar zahlreichen, aber recht zahmen Gewaltszenen noch in den nicht vorhandenen Erotiksezenen findet sich irgend etwas, was man z.B. einer jüngeren Leserschaft vorenthalten müßte. Um nicht falsch verstanden zu werden: Sex und Gewalt sind keine Elemente, die zwangsläufig einen guten Roman ausmachen, teilweise ist das Gegenteil der Fall, aber wer "keine Kompromisse" verspricht, sollte dann auch der aufgebauten Erwartungshaltung entsprechen.

Was wird aber jetzt konkret geboten? Nun, leider nur eine Aneinanderreihung von Standardsituationen aus Agentenromanen wie z.B. die Rekrutierungsszene, exotische Schauplätze, die nicht sonderlich ausgearbeitet wurden, und viele, viele Prügeleien.

Der Unterhaltungswert wird einem hauptsächlich dadurch verleidet, daß man viel zu schnell merkt, worauf der Autor hinauswill - und leider noch viel früher, daß er keine Kaninchen bereithält, die er aus dem Hut zaubert. Nichts gegen Unterhaltungsstandardware, aber diese sollte zumindest geschickt verbergen, daß sie solche ist. Genau das ist die Kunst, denn alle Geschichten in diesem Bereich sind bereits erzählt. Leider passiert dies in SYNDIC nicht. Und so liest man sich nur äußerst gelinde unterhalten durch diesen Band, der dann, wenn der eigentliche Einsatz starten soll, auch noch unvermittelt abbricht. Der Held erreicht sein Einsatzziel - und statt dann den Einsatz zu erleben, liest man das Wort ENDE.
Ich bin auch gerade deswegen enttäuscht, weil ich die Bücher aus dem HJB-Verlag eigentlich immer gerne lese (Ren Dhark-Serien, PR HJB Edition, etc.), auch eigentlich Conrad Shepherd durchaus schätze und mir deswegen aus dieser Kollaboration mehr versprochen habe.
Man kann es aber nicht oft genug erwähnen, wie fair HJB bei der Einführung dieser Serie war. Man konnte bereits den gesamten Roman kostenlos im Internet vorab lesen und sich so einen Eindruck verschaffen, was ich sicherlich bei der Fortsetzung auch erst einmal vorsichtshalber tun werde.
Um noch etwas Positives zu sagen: Das Coverdesign ist sehr gelungen, zumindest das Vorwort enthusiastisch, und völlig ohne Unterhaltungswert ist der Band nicht.

Fazit:
Mißlungener Auftakt zu einer neuen SF-Agentenserie, die dem Flair von Scheers ZBV nacheifert, aber mit zuwenig Elan und Tempo ihre schematische und vorhersehbare Handlung leider nicht verbergen kann und deswegen nur bedingt unterhält. Kein Ärgernis, lädt aber nur bedingt zum Kauf weiterer Bände ein.
5 Punkte. 

Oliver Naujoks


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