GB 2001
(316 S., Hardcover, Doubleday, ISBN 0-385-60188-3, ca. 48,- DM)
- erschienen: April 2001 -
Als Enkelin
von TOD hat Susan Sto Helit etliche Talente, die den normalen
Sterblichen nicht zu eigen sind. Trotz all dieser Dinge hat Susan
einen Job gefunden, der ihr gefällt: Sie ist Grundschullehrerin
in Ankh-Morpork.
Dort bahnen sich bald Dinge an, deren Tragweite fast unabsehbar ist.
Die Auditoren, die jedes unorganisierte Leben, ja, das Leben an sich
hassen, haben ein Schlupfloch gefunden, um die Regeln zu umgehen. An
sich dürfen sich die Auditoren nicht einmischen - doch als sie
den Uhrenbauer Jeremy Clockson mit dem Bau einer perfekten Uhr
beauftragen, läuten sie damit die Apokalypse ein. Denn eine
perfekte Uhr bedeutet das Ende der Zeit.
TOD hat unterdessen andere Probleme - schließlich sollen die
fünf apokalyptischen Reiter ausreiten, wenn das Ende der Welt
gekommen ist. Ja, es sind tatsächlich fünf. Ronnie hat die
anderen verlassen, bevor sie richtig berühmt wurden. Dummerweise
sind die Verkörperungen der Reiter mittlerweile so menschlich
geworden, daß sie zum Ausreiten einfach keine Lust haben.
Ein anderes Problem haben jedoch die Monks of Time, die in den Bergen
der Scheibenwelt dafür sorgen, daß das Morgen
überhaupt erst zum Morgen wird. Lobsang Ludd hat nun für
etlichen Wirbel gesorgt - dieser junge Mönch scheint ein
Naturtalent in Sachen Zeit zu sein. Da die Lehrer nicht mit ihm
fertigwerden, schicken sie ihn zu Lu-Tze, einer lebenden Legende.
Doch Lobsang trifft statt auf den erwarteten Helden auf einen
einfachen Sweeper - einem Raumpfleger. ;-)
Und während die perfekte Uhr allmählich zu ihrer Vollendung
gelangt - und die vormalige Auditorin LeJean mit den Vor- und
Nachteilen ihres Köpers zu kämpfen hat - versucht Lu-Tze zu
verhindern, daß die Zeit von der Scheibenwelt
verschwindet...
"Thief of Time" ist der neueste Streich von Terry Pratchett. Nachdem
"The Truth" auf deutsch erschienen ist, haben die englischkundigen
Leser nun den Vorteil, schon den nächsten Scheibenwelt-Roman in
den Händen halten zu können.
Und - ja: Erneut kann Terry Pratchett mit einer temporeichen Handlung
aufwarten, mit Humor und Charme - und zudem hat er auch diesmal eine
Botschaft, die er dem Leser unaufdringlich vermittelt.
Wie schon in "The Truth" führt Pratchett auch hier neue Personen
ein. Nanny Ogg wird zwar ebenfalls gesichtet, aber mehr am Rande. Und
Susan Sto Helit ist in den letzten Romanen nur selten aufgetaucht.
Wobei ich jetzt nicht weiß, ob sie nicht tatsächlich zum
ersten Mal erwähnt wird. (* Oh neinneinnein, da gab es mal
einen Roman, der praktisch allein ihrer Geschichte gewidmet war! Den
hab ich aber auch nur auf Englisch gelesen, und das war noch letztes
Jahrtausend, so um 1995 rum - frag' mich also bitte nicht, wie das
Buch hieß... Heike) (Tja, würde jetzt Schweibenwelt.de
noch existieren, hätte man dort nachsehen können, aber
leider gibt's die Seite ja nicht mehr. Seufz.) Wie dem auch sei,
Pratchett variiert wieder virtuos mit den Handlungsebenen.
Und zudem stellt Terry hier die Frage, was eigentlich den Menschen
ausmacht. Es ist vergnüglich zu lesen, wie die Auditoren in
ihren menschlichen Körpern durch die Gegend irren und durch das
Bombardement von - aber ich möchte nicht zu viel verraten.
Anhand der Lady LeJean und auch durch die Personen der fünf
Reiter demonstriert Pratchett jedenfalls, wie delikat die Definiton
"menschlich" eigentlich ist. Und anhand von Lu-Tze lernt man mal
wieder den Unterschied zwischen Schein und Sein.
Fazit:
Ein sehr vergnüglicher Roman mit wunderbaren Charakteren und
einer Handlung mit Tiefgang - aber das ist man von Pratchett ja fast
schon gewohnt.
15 Punkte