1527,
Südamerika: Cupachu, der oberste Arzt und Priester von Pisac,
sinniert über den Zustand des Inka-Reiches. Mit dem steht es
nicht zum Besten, da der göttliche Herrscher im Sterben liegt
und seine beiden Söhne einander nicht besonders gut leiden
können. Unerwartet öffnet sich die Erde, und Morgo taucht
auf - vielmehr der Schädel des Dämons. Das Malum, das
Ur-Element des Bösen, hat ihn zwar zwei Jahrhunderte in sich
behalten, doch Morgos Rachdurst war zu stark. Morgo bietet Cupachu
einen Pakt an - als sein Diener wird Cupachu Pisac beherrschen. Morgo
selbst hofft, daß sein Eingreifen in die Zeit Torn herbeirufen
wird.
Tatsächlich schicken die Lu'cen Torn in die Inkastadt. Torn
schlüpft in die Rolle eines Boten, und es gelingt ihm, 1528
Pisac zu betreten. Cupachu hat in der Zwischenzeit eine
Schreckensherrschaft errichtet - er bringt die Kinder der Bewohner
als Opfer dar, um den Sonnengott zu besänftigen. Denn die
Söhne des alten Inkaherrschers führen einen erbitterten
Krieg um die Macht.
Torn selbst spürt bald, daß das Böse vom Wohnsitz
Cupachus ausgeht. Er nimmt Kontakt mit dem noch existierenden
Ältestenrat auf, der einen Widerstand gegen Cupachu organisiert
hat. Vorsorglich hat er einige der Kinder versteckt. Es dauert eine
Weile, bis die Mitglieder des Rates Zutrauen zu Torn fassen.
Überraschenderweise scheint der Leiter des Ältestenrates
Torn als den Kämpfer zu erkennen, der er in Wirklichkeit
ist.
Torn macht sich entgegen der Warnungen des Rates zur Pyramide auf. Es
gelingt ihm zwar, dort einzudringen, aber als er zum Test eine
Substanz trinken muß, die das Malum selbst enthält, wird
Torn empfindlich geschwächt. Der anschließende Kampf gegen
Cupachu und Morgo selbst - an den sich Torn nicht mehr erinnert -
geht zu Ungunsten des Wanderers aus. Schwer verwundet schleppt er
sich in die Festung der Ewigkeit. Dort beschließen die Lu'cen,
Torn von Morgo zu erzählen - allerdings nicht viel.
In der Zwischenzeit ist das Versteck der Kinder entdeckt und von
Cupachus Truppen eingenommen worden. Als Torn zurückkehrt,
bekommt er gerade noch mit, wie der Ältestenrat gefangengenommen
wird. Es gelingt ihm nochmals, in die Pyramide einzudringen. Doch
Morgo hat ihm eine Falle gestellt: Entweder die Mitglieder des
Ältestenrates werden zu Grak'ul - diese entstehen, wenn man
Menschen in das Malum wirft - oder die Kinder werden von den Truppen
Morgos, der den Köper Cupachus in Besitz genommen hat,
niedergemetzelt. Die verzwickte Lage löst sich auf unerwartete
Weise: Mathrigo selbst greift in das Geschehen ein - diesmal
zugunsten des Wanderers. Er vernichtet Morgo endgültig.
Allerdings nur, weil Morgo die Landung Pizarros gefährdet
hätte. Diese wurde von Mathrigo an einem Wendepunkt der
menschlichen Geschichte eingefädelt.
Zwar sind die Kinder und der Rest der Bewohner gerettet, aber Torn
weiß nur zu gut, wie Pizarro und die Konquistadoren wüten
werden.
Man mag mich pedantisch nennen, aber ich möchte jetzt doch
endlich mal das Zeitreisekonzept verstehen, das hinter dieser Serie
steckt. Vielleicht würde Michael J. Parrish gut daran tun, sein
Konzept auf der LKS vorzustellen. Man findet zwar einen Text im
Internet - und derjenige, der das Flash liest, wird in der Regel
einen Internetanschluß haben - aber es gibt immer noch Leute
ohne Internetanschluß. Wirklich! ;-)
Gut, widmen wir uns den Roman selber. Zugegeben, von der Idee, Morgo
noch mal wiederzubeleben, war ich nicht gerade begeistert. Und ich
bin es nach dem Lesen des Romans immer noch nicht. Die
Erklärung, daß Morgos unbändiger Haß und sein
Wunsch nach Rache ihn entkommen ließ, öffnet Tür und
Tor für die Wiederbelebung alter Gegner - sofern sie denn ins
Malum geworfen werden. Nun, wir werden sehen - nicht jeder Grah'tak
wird sofort im Urquell alles Bösen enden. Die meisten werden
eher geluxt. (Erfinder des Verbs: Nilusys. ;-))
Nun denn, bevor ich noch länger abschweife - gegenüber dem
letzten Roman ist dieser annehmbare, sehr routiniert geschriebene
Lektüre. Man merkt, Michael J. Parish hat recherchiert - die
Atmosphäre des Inka-Dorfes kommt gut rüber. Das ist
eindeutig ein Pluspunkt für diesen Roman.
Was bleibt sonst noch zu sagen? Gut ist das Ende des Romans - endlich
werden die Dämonen mal nicht in Grund und Boden gestampft.
Mathrigo als Deus ex machina ist auf Dauer natürlich auch nicht
die Lösung - aber dieses Ende des Romans ist erfrischend.
Auf Seite 28 des Romans steht eine Stelle, die ich dem Leser dieser
Rezension nicht vorenthalten möchte: "Noch immer begehrte er
Macona, verzehrte sich nach ihr, wenn er Nacht für Nacht alleine
auf seiner Decke lag und mit schweißtreibender Handarbeit
selbst tun mußte, wozu die Frau in seinen Augen geschaffen
worden war." Hmmm... Entweder habe ich einen sehr merkwürdigen
Sinn für Humor, oder diese Stelle ist unfreiwillig komisch. ;-)
(* Anscheinend ist die Frau - oder vielleicht ganz speziell diese
Frau? - nur dazu geschaffen, um dem Mann (bzw. speziell diesem
'Pracht'exemplar...) die Handarbeit abzunehmen - büschen wenig,
möchte man meinen. Oder sollte etwa auch ich einen
merkwürdigen Sinn für Humor haben? ;-) Heike)
Fazit:
Ein sehr solide geschriebener Roman - nichts Besonderes, aber einer
der besseren Romane von Parrish. Hervorzuheben ist das originelle
Ende.
8 Punkte