Band 9: "Morgos Rache"

Autor: Michael J. Parrish

1527, Südamerika: Cupachu, der oberste Arzt und Priester von Pisac, sinniert über den Zustand des Inka-Reiches. Mit dem steht es nicht zum Besten, da der göttliche Herrscher im Sterben liegt und seine beiden Söhne einander nicht besonders gut leiden können. Unerwartet öffnet sich die Erde, und Morgo taucht auf - vielmehr der Schädel des Dämons. Das Malum, das Ur-Element des Bösen, hat ihn zwar zwei Jahrhunderte in sich behalten, doch Morgos Rachdurst war zu stark. Morgo bietet Cupachu einen Pakt an - als sein Diener wird Cupachu Pisac beherrschen. Morgo selbst hofft, daß sein Eingreifen in die Zeit Torn herbeirufen wird.
Tatsächlich schicken die Lu'cen Torn in die Inkastadt. Torn schlüpft in die Rolle eines Boten, und es gelingt ihm, 1528 Pisac zu betreten. Cupachu hat in der Zwischenzeit eine Schreckensherrschaft errichtet - er bringt die Kinder der Bewohner als Opfer dar, um den Sonnengott zu besänftigen. Denn die Söhne des alten Inkaherrschers führen einen erbitterten Krieg um die Macht.
Torn selbst spürt bald, daß das Böse vom Wohnsitz Cupachus ausgeht. Er nimmt Kontakt mit dem noch existierenden Ältestenrat auf, der einen Widerstand gegen Cupachu organisiert hat. Vorsorglich hat er einige der Kinder versteckt. Es dauert eine Weile, bis die Mitglieder des Rates Zutrauen zu Torn fassen. Überraschenderweise scheint der Leiter des Ältestenrates Torn als den Kämpfer zu erkennen, der er in Wirklichkeit ist.
Torn macht sich entgegen der Warnungen des Rates zur Pyramide auf. Es gelingt ihm zwar, dort einzudringen, aber als er zum Test eine Substanz trinken muß, die das Malum selbst enthält, wird Torn empfindlich geschwächt. Der anschließende Kampf gegen Cupachu und Morgo selbst - an den sich Torn nicht mehr erinnert - geht zu Ungunsten des Wanderers aus. Schwer verwundet schleppt er sich in die Festung der Ewigkeit. Dort beschließen die Lu'cen, Torn von Morgo zu erzählen - allerdings nicht viel.
In der Zwischenzeit ist das Versteck der Kinder entdeckt und von Cupachus Truppen eingenommen worden. Als Torn zurückkehrt, bekommt er gerade noch mit, wie der Ältestenrat gefangengenommen wird. Es gelingt ihm nochmals, in die Pyramide einzudringen. Doch Morgo hat ihm eine Falle gestellt: Entweder die Mitglieder des Ältestenrates werden zu Grak'ul - diese entstehen, wenn man Menschen in das Malum wirft - oder die Kinder werden von den Truppen Morgos, der den Köper Cupachus in Besitz genommen hat, niedergemetzelt. Die verzwickte Lage löst sich auf unerwartete Weise: Mathrigo selbst greift in das Geschehen ein - diesmal zugunsten des Wanderers. Er vernichtet Morgo endgültig. Allerdings nur, weil Morgo die Landung Pizarros gefährdet hätte. Diese wurde von Mathrigo an einem Wendepunkt der menschlichen Geschichte eingefädelt.
Zwar sind die Kinder und der Rest der Bewohner gerettet, aber Torn weiß nur zu gut, wie Pizarro und die Konquistadoren wüten werden.

Man mag mich pedantisch nennen, aber ich möchte jetzt doch endlich mal das Zeitreisekonzept verstehen, das hinter dieser Serie steckt. Vielleicht würde Michael J. Parrish gut daran tun, sein Konzept auf der LKS vorzustellen. Man findet zwar einen Text im Internet - und derjenige, der das Flash liest, wird in der Regel einen Internetanschluß haben - aber es gibt immer noch Leute ohne Internetanschluß. Wirklich! ;-)
Gut, widmen wir uns den Roman selber. Zugegeben, von der Idee, Morgo noch mal wiederzubeleben, war ich nicht gerade begeistert. Und ich bin es nach dem Lesen des Romans immer noch nicht. Die Erklärung, daß Morgos unbändiger Haß und sein Wunsch nach Rache ihn entkommen ließ, öffnet Tür und Tor für die Wiederbelebung alter Gegner - sofern sie denn ins Malum geworfen werden. Nun, wir werden sehen - nicht jeder Grah'tak wird sofort im Urquell alles Bösen enden. Die meisten werden eher geluxt. (Erfinder des Verbs: Nilusys. ;-))
Nun denn, bevor ich noch länger abschweife - gegenüber dem letzten Roman ist dieser annehmbare, sehr routiniert geschriebene Lektüre. Man merkt, Michael J. Parish hat recherchiert - die Atmosphäre des Inka-Dorfes kommt gut rüber. Das ist eindeutig ein Pluspunkt für diesen Roman.
Was bleibt sonst noch zu sagen? Gut ist das Ende des Romans - endlich werden die Dämonen mal nicht in Grund und Boden gestampft. Mathrigo als Deus ex machina ist auf Dauer natürlich auch nicht die Lösung - aber dieses Ende des Romans ist erfrischend.
Auf Seite 28 des Romans steht eine Stelle, die ich dem Leser dieser Rezension nicht vorenthalten möchte: "Noch immer begehrte er Macona, verzehrte sich nach ihr, wenn er Nacht für Nacht alleine auf seiner Decke lag und mit schweißtreibender Handarbeit selbst tun mußte, wozu die Frau in seinen Augen geschaffen worden war." Hmmm... Entweder habe ich einen sehr merkwürdigen Sinn für Humor, oder diese Stelle ist unfreiwillig komisch. ;-) (* Anscheinend ist die Frau - oder vielleicht ganz speziell diese Frau? - nur dazu geschaffen, um dem Mann (bzw. speziell diesem 'Pracht'exemplar...) die Handarbeit abzunehmen - büschen wenig, möchte man meinen. Oder sollte etwa auch ich einen merkwürdigen Sinn für Humor haben? ;-) Heike)

Fazit:
Ein sehr solide geschriebener Roman - nichts Besonderes, aber einer der besseren Romane von Parrish. Hervorzuheben ist das originelle Ende.
8 Punkte

Christian Spließ

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