Gordon
Stark, ein sogenannter Jäger - ein Polizist auf Streife - jagt
in der Megapolis Pacific City im Jahr 2055 einen Mörder. Ein
anonymer Hinweis führt ihn in die Wohnung eines vormaligen
Cyberspace-Junkies. Gordon ahnt nicht, daß er keinem
menschlichen Mörder auf der Spur ist, sondern einem Grah'tak -
Schizophror. Dieser ist ein äußerst bösartiger
Grah'tak und zudem noch wahnsinnig. Wann immer er einen Sterblichen
tötet, nimmt er dessen Seele in sich auf. Daher paßt der
Name. Als Gordon die Wohnung betritt, wird er von dem Grah'tak
ermordet.
Kurze Zeit später taucht Torn am Tatort auf und nimmt die
Identität von Stark an. Während er noch bemüht ist,
sich in dieser ihm fremden Zeit zurechtzufinden, hat der Grah'tak
längst ein neues Opfer gefunden. Torn erfährt leider zu
spät davon, und nachdem er eine gewaltige Standpauke seines
Chefs über sich ergehen läßt, versucht er, die Spur
Schizophrors aufzunehmen.
Im Büro trifft er auf Gordons Schwester Tamara. Sie arbeitet
ebenfalls als Polizistin. Während Torn versucht, die Spur des
Grah'taks zu verfolgen, schnappt sich dieser Tamara. Denn Schizophror
ist von der Tatsache, daß er doch eigentlich Gordon
getötet hat und dieser wieder lebt, sehr verwirrt.
Torn erfährt bald, daß Schizophror Tamara in seiner Gewalt
hat. Ein Hinweis aus dem Polizeilabor bringt ihn dann auf die
richtige Spur. Tamara wird in einem unterirdischen Gewölbe
gefangengehalten, in das die giftigen Altlasten der Fabriken
eingeleitet werden. Als Torn Schizophror gegenübertritt, erkennt
Schizophror in ihm den Wanderer. Doch obwohl Torn dem Grah'tak hart
zusetzt, gelingt diesem die Flucht.
Erst in luftiger Höhe kommt es schließlich zum Showdown.
Schizophror will Torn in die Tiefe fallenlassen, doch der Geist des
echten Gordon verschafft Torn etwas Vorsprung. So gelingt es ihm,
Tamara noch rechtzeitig auf festen Boden zu bringen. Schizophror und
Torn bekämpfen sich bis aufs Blut - wobei Torn für eine
Sekunde abgelenkt wird. Der Grah'tak kann sich Tamara schnappen und
stürzt gemeinsam mit ihr in die Tiefe.
Als Torn wenig später unten ankommt, ist Schizophror schon
längst verschwunden. Und als der Wanderer sich zum
zerschmetterten Körper von Tamara hinunterbeugt, sieht er,
daß Gordons Schwester in Wirklichkeit ein hochentwickelter
Android war.
Niedergeschlagen kehrt Torn in die Festung der Einsamkeit zurück
und erfährt von Custos, daß dieser einst selbst gegen
Schizophror gekämpft hat und ebenfalls verlor.
Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Nicht zu Unrecht
wird sich der belesene Kenner der SF dies fragen, wenn er den
vorliegenden Torn gelesen hat. Wenn man liest, daß es in dieser
Stadt immer regnet und zudem am Ende des Romans auch noch ein sehr
menschlicher Androide auftaucht, kann man gar nicht anders, als an
"Blade Runner" zu denken. Gut, ein wenig Cyberpunk ist auch vorhanden
- mit diesem teilt "Blade Runner" ja die düstere
Atmosphäre. Nicht zu vergessen: Shaft. Allerdings trifft die
Beschreibung der Hauptfigur nur auf die Neuverfilmung zu - Richard
Roundtree hatte keine Glatze. ;-)
Wenn man nun akzeptiert, daß dieser Roman das Rad nicht neu
erfinden will, kann man sich als Leser auf eine spannende Stunde
freuen. Denn es gelingt Parrish, eine durchaus eigenständige
Handlung auf die Beine zu stellen, die zwar nun auch nicht
dermaßen originell ist, aber zu unterhalten vermag.
Wobei der Name des Grah'tak mich persönlich an schlechte
Mark-Hellmann-Zeiten erinnert. Also wirklich - wenn es denn schon ein
sprechender Name sein sollte, konnte Parrish sich nicht aus der
lateinischen Bezeichnung für Schizophrenie einen Namen
überlegen? (Auch wenn ich jetzt nicht weiß, wie die
lautet. ;-))
Auf jeden Fall sind Mathrigo und Morgo verglichen mit Schizophror
kleine Lichter. Die Bösartigkeit dieses Grah'tak wird Torn wohl
noch in der Zukunft - oder der Gegenwart oder der Vergangenheit, das
weiß man bei Zeitreisen nicht genau - beschäftigen. Und
auf der LKS deutet Parrish auch schon an, daß man Schizophror
wiedersehen wird.
Darauf deutet auch das Ende hin - denn der Grah'tak wird nicht
geluxt, sondern kann Torn entkommen. Damit ist dessen Mission in
diesem Zeitabschnitt beendet - der Dämon wird ja wohl kaum
nochmal 2055 auftauchen, wenn er weiß, daß Torn dort zu
finden ist. Aber wie schon gesagt: Zeitreisen sind relativ
kompliziert. Nicht umsonst gibt es ja ein ganzes Forum dazu bei
Bastei. ;-)
Fazit:
Akzeptiert man, daß Parrish etliche Elemente aus "Blade Runner"
verwendet, kann man einen durchaus unterhaltsamen Roman
genießen.
12 Punkte