Band 10: "Die Nacht des Jägers"

Autor: Michael J. Parrish

Gordon Stark, ein sogenannter Jäger - ein Polizist auf Streife - jagt in der Megapolis Pacific City im Jahr 2055 einen Mörder. Ein anonymer Hinweis führt ihn in die Wohnung eines vormaligen Cyberspace-Junkies. Gordon ahnt nicht, daß er keinem menschlichen Mörder auf der Spur ist, sondern einem Grah'tak - Schizophror. Dieser ist ein äußerst bösartiger Grah'tak und zudem noch wahnsinnig. Wann immer er einen Sterblichen tötet, nimmt er dessen Seele in sich auf. Daher paßt der Name. Als Gordon die Wohnung betritt, wird er von dem Grah'tak ermordet.
Kurze Zeit später taucht Torn am Tatort auf und nimmt die Identität von Stark an. Während er noch bemüht ist, sich in dieser ihm fremden Zeit zurechtzufinden, hat der Grah'tak längst ein neues Opfer gefunden. Torn erfährt leider zu spät davon, und nachdem er eine gewaltige Standpauke seines Chefs über sich ergehen läßt, versucht er, die Spur Schizophrors aufzunehmen.
Im Büro trifft er auf Gordons Schwester Tamara. Sie arbeitet ebenfalls als Polizistin. Während Torn versucht, die Spur des Grah'taks zu verfolgen, schnappt sich dieser Tamara. Denn Schizophror ist von der Tatsache, daß er doch eigentlich Gordon getötet hat und dieser wieder lebt, sehr verwirrt.
Torn erfährt bald, daß Schizophror Tamara in seiner Gewalt hat. Ein Hinweis aus dem Polizeilabor bringt ihn dann auf die richtige Spur. Tamara wird in einem unterirdischen Gewölbe gefangengehalten, in das die giftigen Altlasten der Fabriken eingeleitet werden. Als Torn Schizophror gegenübertritt, erkennt Schizophror in ihm den Wanderer. Doch obwohl Torn dem Grah'tak hart zusetzt, gelingt diesem die Flucht.
Erst in luftiger Höhe kommt es schließlich zum Showdown. Schizophror will Torn in die Tiefe fallenlassen, doch der Geist des echten Gordon verschafft Torn etwas Vorsprung. So gelingt es ihm, Tamara noch rechtzeitig auf festen Boden zu bringen. Schizophror und Torn bekämpfen sich bis aufs Blut - wobei Torn für eine Sekunde abgelenkt wird. Der Grah'tak kann sich Tamara schnappen und stürzt gemeinsam mit ihr in die Tiefe.
Als Torn wenig später unten ankommt, ist Schizophror schon längst verschwunden. Und als der Wanderer sich zum zerschmetterten Körper von Tamara hinunterbeugt, sieht er, daß Gordons Schwester in Wirklichkeit ein hochentwickelter Android war.
Niedergeschlagen kehrt Torn in die Festung der Einsamkeit zurück und erfährt von Custos, daß dieser einst selbst gegen Schizophror gekämpft hat und ebenfalls verlor.

Träumen Androiden von elektrischen Schafen? Nicht zu Unrecht wird sich der belesene Kenner der SF dies fragen, wenn er den vorliegenden Torn gelesen hat. Wenn man liest, daß es in dieser Stadt immer regnet und zudem am Ende des Romans auch noch ein sehr menschlicher Androide auftaucht, kann man gar nicht anders, als an "Blade Runner" zu denken. Gut, ein wenig Cyberpunk ist auch vorhanden - mit diesem teilt "Blade Runner" ja die düstere Atmosphäre. Nicht zu vergessen: Shaft. Allerdings trifft die Beschreibung der Hauptfigur nur auf die Neuverfilmung zu - Richard Roundtree hatte keine Glatze. ;-)
Wenn man nun akzeptiert, daß dieser Roman das Rad nicht neu erfinden will, kann man sich als Leser auf eine spannende Stunde freuen. Denn es gelingt Parrish, eine durchaus eigenständige Handlung auf die Beine zu stellen, die zwar nun auch nicht dermaßen originell ist, aber zu unterhalten vermag.
Wobei der Name des Grah'tak mich persönlich an schlechte Mark-Hellmann-Zeiten erinnert. Also wirklich - wenn es denn schon ein sprechender Name sein sollte, konnte Parrish sich nicht aus der lateinischen Bezeichnung für Schizophrenie einen Namen überlegen? (Auch wenn ich jetzt nicht weiß, wie die lautet. ;-))
Auf jeden Fall sind Mathrigo und Morgo verglichen mit Schizophror kleine Lichter. Die Bösartigkeit dieses Grah'tak wird Torn wohl noch in der Zukunft - oder der Gegenwart oder der Vergangenheit, das weiß man bei Zeitreisen nicht genau - beschäftigen. Und auf der LKS deutet Parrish auch schon an, daß man Schizophror wiedersehen wird.
Darauf deutet auch das Ende hin - denn der Grah'tak wird nicht geluxt, sondern kann Torn entkommen. Damit ist dessen Mission in diesem Zeitabschnitt beendet - der Dämon wird ja wohl kaum nochmal 2055 auftauchen, wenn er weiß, daß Torn dort zu finden ist. Aber wie schon gesagt: Zeitreisen sind relativ kompliziert. Nicht umsonst gibt es ja ein ganzes Forum dazu bei Bastei. ;-)

Fazit:
Akzeptiert man, daß Parrish etliche Elemente aus "Blade Runner" verwendet, kann man einen durchaus unterhaltsamen Roman genießen.
12 Punkte

Christian Spließ

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