D 197x / D 2001
(262 Seiten, Paperback, wabook-Verlag, ISBN 3-935050-01-1, 24,80
DM)
- erschienen: Juli 2001 -
Kreuzfahrt
des Grauens:
1783 treibt der blutrünstige Pirat DeVries auf den Philippinen
sein Unwesen. Vergeblich versucht DeVries, aus dem chinesischen
Magier Lao Han Minh das Geheimnis des Goldmachens herauszupressen.
Als er dessen Tochter der Mannschaft zur Verfügung stellt, ruft
der Magier den Teufel an und verflucht den Piraten und sein Schiff.
Seitdem irrt DeVries als eine Art fliegender Holländer über
die Meere. 1977 versprechen sich die Touristen des Schiffes Marcos
III eine vergnügliche Kreuzfahrt - unter ihnen auch Walter
Martin, der Sue Diaz kennenlernt. Eines Abends überrascht Walter
ihren Onkel bei einem Gespräch mit dem chinesischem Oberteufel -
natürlich erklärt der Onkel, dies sei nur ein Trick. Doch
als nach und nach Männer der Mannschaft verschwinden und eine
Mumie Sues Onkel angreift, wird Martin klar, daß böse
Mächte am Werk sind. Und damit liegt er nicht falsch - denn
DeVries persönlich taucht auf...
Der Oberst, der ein Werwolf war:
Mike Merlin, Sohn des Magiers Merlin, vermag mit seinem Runenstab
gegen die bösen Mächte zu kämpfen - und er gehört
einer Spezialeinheit der Polizei an. Eines Tages flattert auf den
Tisch seines Vorgesetzen eine Stasiakte aus dem Jahr 1953. Dort
findet sich die Meldung, daß ein Westagent gegen einen
angeblichen Werwolf vorgegangen ist. Mike, der schon etliche
Zeitreisen mittels seines Runenstabes vollbracht hat, ahnt schon, was
ihm passieren wird. Was er nicht weiß, ist, daß ein
Werwolf seine Freundin entführt hat. Mike kann die Spur
verfolgen und bringt den Werwolf auch beinahe zur Strecke -
dummerweise macht dieser im Moment seines Todes eine Zeitreise. Und
zwar ins Jahr 1953...
Kongar der Schneemensch:
Mitten im tiefsten Alaska fördert eine Bergbaugesellschaft
Radium. Eigentlich eine normale Angelegenheit - doch die Belegschaft
besteht aus lauter Zombies. Professor Moreau hat sie erschaffen.
Preisgünstige Arbeitskräfte. Das Problem ist nur, daß
Moreau Nachschub braucht. Dazu hat er Kongar, einen Yeti, den er als
Baby gefunden hat und der ihm bedingungslos gehorcht. Gehorchen
muß, da der Professor ihn mit Magie bestrafen kann. Als Hank
Williams routinemäßig das Bergwerk untersucht,
stößt er bald auf die seltsamen Vorkommnisse - und ahnt
noch nicht, wie bald er im Mittelpunkt der Ereignisse stehen
wird...
Insgesamt drei Romane sind in diesem Paperback von Walter Appel -
dessen Pseudonym Earl Warren übrigens in Klammern auf dem
Buchtitel steht - versammelt. "Kreuzfahrt des Grauens" und "Kongar
der Schneemensch" sind Nachdrucke. Sie sind in den 70ern bei Pabel im
"Vampir-Horror-Roman" erschienen. Die "Kreuzfahrt" war damals die
Nummer 96, der "Schneemensch" war die 130. (Ein großes
Dankeschön geht hierbei an die Experten im Serien-Forum bei
Bastei - also an Max und Sarkana.) Diese Romane sind daher nicht so
interessant für den Leser - zumal Walter Appel die Romane wohl
nicht bearbeitet hat. Als Leser ist man doch etwas irritiert, wenn in
der Gegenwart von einem Diktator Marcos die Rede ist. Erst, wenn man
weiß, daß die Handlung in den 70er Jahren spielt, ergibt
das Sinn.
Richtig interessant aber ist der zweite Roman, "Der Oberst, der ein
Werwolf war". Vermutlich wird das folgende durch Heikes Pfuifilter
gehen (* He, ich hab das Kind schon gekriegt, mir wird's jetzt
nicht mehr ständig schlecht! ;-))) Heike), aber ich schreibe
es mal trotzdem hin. Als ich das erstemal das Buch in der Hand hatte
und die Kapitelüberschriften des Romans las, bekam ich einen
Lachanfall erster Güte. Gut, schon "Das Massaker der mordenden
Mumien" ist großartig als Überschrift. Aber die
Überschrift des ersten Kapitels vom Werwolf lautet: Ein Werwolf
bu... meine Freundin. (* Nicht, daß jetzt irgendwer denkt,
ICH hätte da was verändert! Heike) Ich weiß ja
nicht, wie es den potentiellen Erstlesern von Appels Romanen geht -
die werden sich das Paperback vermutlich nicht zulegen - aber das
bestätigt mal wieder sämtliche Vorurteile, die man
gemeinhin gegen diese Art der Literatur hat: Schmutz und Schund.
(* Tja, auch Vorurteile können manchmal reale
Hintergründe haben... Heike) (Abgesehen mal davon, daß
das Cover auch nicht gerade eine Glanzleistung ist.)
Interessant ist der Roman aber auf jeden Fall - denn er ist eindeutig
ein umgeschriebener Hellmann. Damals erschien als Heft 9 der Serie
"Der Werwolf von Eisenach". Ja, ich habe mir den Roman nochmals
angetan, damit ich beim Vergleich auch weiß, wovon ich rede.
Geblieben sind die Motive der Zeitreise und der sehr potente Held.
Natürlich spielt auch Mephisto persönlich mit, der diesmal
- anders als beim Hellmann - den Werwolf persönlich erschafft.
Dabei darf natürlich die Wolfsschlucht nicht fehlen.
Zusätzlich kommen mir noch einige Motive bekannt vor, die aus
anderen Hellmann-Bänden zu stammen scheinen - beispielsweise das
Trugbild, das Mike bei der Selbstmördergrotte erwartet.
Dabei scheint mir der neue Roman doch etwas länger als ein
gewöhnlicher Hellmann zu sein - Raum, den Appel nutzt, um seinen
Werwolf wider Willen etwas ausführlicher zu charakterisieren.
Die obligatorischen Bemerkungen über das Leben in der DDR und
die damaligen Zeiten stören beim Lesen; sie sind recht plakativ
in den Text eingebaut. Und sie sind lang: Knapp drei Seiten braucht
der Autor, um die geschichtlichen Verhältnisse der DDR bis 1953
zu erklären. Ich habe ja nichts dagegen, wenn der Autor mir beim
Lesen noch was beibringen will - oder mir wie bei PZ seine Meinung
deutlich macht - aber diese Art ist doch etwas zu plump.
Ansonsten erhält man das, was man von Walter Appel gewohnt ist:
sehr solide, manchmal arg einfach gestrickte Gruselkost. Nichts
für Feinschmecker also - die Fans dürfte es aber
zufriedenstellen. Wobei ich den letzten Roman um den Schneemenschen
doch sehr konstruiert fand - naja, Zombies und Yetis sind halt eine
Mischung, die mir nicht so zusagt. Abgesehen mal davon, daß man
wieder mal eine tragische Liebesgeschichte vorgesetzt bekommt. Nun
ja.
Fazit:
Wer bei Walter Appel große Neuerungen erwartet, wird sie
vergeblich suchen. Wer jedoch Spaß an einfach gestrickten
Geschichten hat und nicht weiter über Sinn oder Unsinn mancher
Szenen nachdenken will, kann sich das Paperback getrost zulegen.
6 Punkte