OT: The Truth
Ü: Andreas Brandhorst
GB 2000
(415 Seiten, Hardcover, Manhattan by Goldmann, ISBN 3-442-54518-8, DM
38,-)
- erschienen: Juli 2001 -
Zum
Inhalt:
William de Worde verschickt eigentlich einmal monatlich seine
Nachrichtenbriefe aus Ankh-Morpork an die Herrscher diverser anderer
Länder, die auf diese Art darüber auf dem Laufenden
gehalten werden, was in der Stadt so vor sich geht. Doch dann trifft
er auf ein paar Zwerge mit einer Druckmaschine, und so langsam
erwächst in ihm der Gedanke, diese Nachrichtenbriefe in einer
etwas größeren Stückzahl zu drucken und an die
Bürger Ankh-Morporks zu verkaufen, woraus die Ankh-Morpork Times
entsteht. Doch diese ist der Graveursgilde natürlich ein Dorn im
Auge, sehen sie mit der neuen Technik doch ihre Felle und Gewinne
davonschwimmen. Und so dauert es nicht lange, bis ein
Konkurrenz-Produkt in der Stadt erscheint. Im Gegensatz zu William de
Worde, der es mit der Wahrheit sehr genau nimmt, scheint dieses
Ansinnen bei der Konkurrenz in nicht ganz so hohem Maße
gewürdigt zu werden...
Und wieder ist ein neuer Pratchett-Roman auf Deutsch erschienen, und
der Rezensent kommt nicht umhin zu bemerken, daß der Autor
endlich wieder zur Höchstform aufläuft. "Die volle
Wahrheit" ist jedenfalls einer der besten Romane, die Pratchett
bisher vorgelegt hat.
Dies mag daran liegen, daß er sich endlich wieder einmal mit
neuen Charakteren beschäftigt, anstatt die alten immer weiter
auszulutschen; vielleicht ist aber auch das wirklich witzige Thema
daran schuld. (Nun gut, Kölner sind hier klar im Vorteil, haben
sie doch gerade einen rund anderthalbjährigen Zeitungskrieg und
sein Ende miterleben können.)
Diesem oberflächlichen Thema des Zeitungskrieges steht jedoch
noch eine tiefergehendere Aussage zur Seite: Die Suche nach der
Wahrheit - und die Frage, was die Wahrheit denn eigentlich ist. Und
natürlich die Macht des gedruckten Wortes. Es ist schon sehr
bizarr, welche erfundenen Nachrichten von den Ankh-Morporkianern
für bare Münze genommen werden - selbst wenn sie dabeiwaren
und es eindeutig anders gesehen haben. Hier spielt Pratchett gekonnt
mit der Leichtgläubigkeit der Menschen und nimmt die
Regenbogen-Presse pointiert aufs Korn. (* Siehe hierzu auch den
Comic "Groo - Mächtiger als das Schwert". Hmmmm... ob Pratchett
den wohl gelesen hat? ;-))) Heike)
Zur Qualität des Romans trägt auch bei, daß sich
Pratchett in der Hauptsache auf unbekannte Charaktere der
Scheibenwelt verläßt. Sicher, dieser Roman spielt in
Ankh-Morpork, und dementsprechend gibt es auch für die Wache
eine Menge Auftritte, doch spielen diese eher eine untergeordnete
Rolle des "Running Gags" (* ...da es sich nun mal um die Wache
handelt, dürfte das wohl auch wörtlich, also im Sinne von
"herumlaufen", verstanden werden... ;-) Heike); im Vordergrund
steht William de Worde mit seinen Zwergen und die Geschichte selber.
Dies tut dem Roman merklich gut. Pratchett scheint endlich vom
Konzept des siebten Hexen- oder achten Wachenromans abzukommen. Die
neuen Charaktere beleben die Scheibenwelt in einem Maße, wie es
die alten nicht mehr können.
Fazit:
Ein hintergründiger Roman, der nicht nur dem Leser, sondern auch
der Wahrheit (* ...bzw. vielleicht eher den Verbreitern mehr oder
weniger wahrer Dinge? Heike) einen Spiegel vorhält. Zudem
auch ein zutiefst komischer Roman um neue Helden der Scheibenwelt.
Terry Pratchett läuft endlich wieder zur Höchstform
auf.
14 Punkte.