Manfred Weinland / Martin Kay:

"Krieg der Vampire"

(Das Volk der Nacht Band 7)
D 2001
(352 Seiten, Hardcover, Zaubermond-Verlag, ISBN 3-931407-39-X, DM 35,11)
- erschienen Juli 2001 -

Lilith Eden und Caine in London - Landru mit Nona auf dem Weg zum Berg Ararat - die Päpstin verschollen...
Das ist die Ausgangslage dieses Romans und damit auch zugleich des letzten Romans des ersten Zyklus' der DVDN-Reihe. Anders als in den vorherigen Büchern sind diesmal nicht nur die "bekannten" Charaktere Handlungsträger. Mit "Journalisten & Polizisten" könnte man die Gruppe umschreiben, die sich ihren Weg durch die Welt des Nachtfalls kämpft und es dem Autoren möglich macht, die Schrecken dieser unnatürlichen Dunkelheit auch dem Leser näherzubringen.
Doch auch die Neos tragen das ihrige zur "Stimmung" bei: Sie legen ein schon fast tollwütiges Verhalten an den Tag und nutzen dann - sofern noch möglich - 'Tore', die sich hinter ihnen schließen.
Die "Normalsterblichen" finden in London zusammen und können nur mit der Hilfe Lilith Edens und Caines überleben. Vorerst! Denn ihre Flucht vor durchgedrehten Vampiren und Menschen hat damit zwar ein Ende, doch als der Mann aus der Vergangenheit, der Bruder Jesu, in London auftaucht, beginnt eine Reise, die für keinen der Teilnehmer unter einem guten Stern zu stehen scheint.
Währenddessen bereitet Landru seine Vampire auf die Schlacht, den Krieg gegen die Neos, vor, der im Dunklen Dom, im Berg Ararat, seinen Anfang nehmen soll.

Auf jeden Fall haben wir hier ein Ende vor uns liegen: Das Ende des ersten Handlungsstrangs im Vampira-Universum in Buchform. Zeit für einen Rückblick?
Nun, an diesen dürfen sich berufenere Leser wagen; für mich als "Neueinsteiger" in die Serie beschränkt sich das Vergnügen bisher auf die Bücher aus dem Zaubermond-Verlag. Der große Gesamtüberblick fehlt mir dann doch noch.
Dieser Band hat erstmals etwas, das mir in den vorherigen Geschichten gefehlt hat: Die bedrückende Stimmung des Nachtfalls wird auch für den Leser greifbar. Das gelingt meiner Meinung nach durch die Beschreibung der Geschehnisse um die Menschen und deren Verhalten in dieser "Situation".
Ich glaube, es war "Dunkle Himmel", in dem bereits versucht wurde, die Dämmerung über Australien aus der Sicht eines "einfachen Menschen" zu erzählen. Damals erschien mir das alles aber etwas zu langatmig und wenig aussagekräftig. In "Krieg der Vampire" allerdings handeln und leben die Menschen im Nachtfall. In Amsterdam und hauptsächlich London passiert was, und während der "Flucht" der kleinen Menschengruppe durch die englische Hauptstadt bekommt der Leser das auch mit! Es sind die Menschen, die dieser Geschichte das Leben einhauchen, die den Vampiren und anderen "Untieren bzw. -menschen" die Grundlage, letztlich die Daseinsberechtigung liefern. Und es ist auch nicht so, daß die "Normalen" völlig außerhalb des "Vampira-Universums" handeln und leben; sie bilden den Kitt, der die Handlung und damit die Handlungsträger zusammenführt.
Daß so interessante Figuren wie Jadon, Metatron oder eben auch Lilith Eden selbst zu kurz kommen, ist ein Mangel, der sich schon durch alle bisherigen DVDN-Bücher zog und nicht nur diesem Buch angelastet werden kann.
Und daß viele Leser sicher ein spektakuläreres Ende erwarten und von dem hier geschilderten eher enttäuscht sein dürften, ist für mich schon fast eine ausgemachte Sache. Allerdings gebe ich dabei auch zu bedenken, daß es ja kein endgültiges Ende ist und - aus Sicht der Vampire und anderer Mächte - auch nicht DAS Ende, wie manche es sich wohl vorgestellt haben mögen oder es gewünscht hätten. Mir gefällts!
Noch offene Fragen wie die nach Jadons "Dienerin" Fee (eine kurze Anmerkung dazu wäre schon noch ganz nett) oder Esben Storm werden hoffentlich noch in späteren Romanen beantwortet werden.
Am Ende dieser Geschichte bekommt der Leser auf jeden Fall schon mal einen Vorgeschmack auf das, was ihn demnächst erwartet: Japan - Tokio.
PS.: Ein tolles Titelbild übrigens!

Fazit:
"Krieg der Vampire" ist ein spannender und actionreicher Roman, der zum Großteil aus der Sicht normalsterblicher Personen geschildert wird und die Geschehnisse des ersten DVDN-Zyklus zu einem - wenn auch so nicht unbedingt erwarteten - Ende bringt.
12 Punkte

Thomas Folgmann

 Nun ist es also geschafft, der erste Zyklus des "Volks der Nacht" ist vollendet. Dabei ist es den beiden Autoren gelungen, eine durchaus überraschende Auflösung der Ereignisse zu präsentieren, die der Leser in dieser Form sicherlich nicht unbedingt erwartet hat.
Weinland und Kay erweisen sich in diesem Roman als recht gut zueinander passende Autoren, auch wenn man durchaus leichte Unterschiede im Stilistischen erkennen kann. Dies wirkt sich dann so aus, daß die "Vampira-Atmosphäre" in einigen Kapiteln nicht so richtig aufkommen will. Vor allem, wenn es um die Action geht, wie z.B. in Kapitel zwei: "Air Force One" - da kommt beim Leser eher das Gefühl auf, einen Krimi oder Thriller zu lesen. "Jerry Cotton" war hier mein erster Gedanke - von Vampira bzw. dem "Volk der Nacht" ist hier trotz des auftretenden Neo-Vampirs wenig zu merken. Und dies zieht sich durch weite Teile des Romans. Ich meine mich zwar zu entsinnen, daß Manfred Weinland auch den einen oder anderen Krimi-Heftroman verfaßt hat, doch sagt mir mein Gefühl, daß diese Stellen wohl eher Martin Kay zuzuordnen sind. Aber vielleicht liege ich hier ja auch falsch...
Dabei stellt "Krieg der Vampire" einen durchaus würdigen Abschluß dieses Zyklus' dar, vereint einen Großteil der Handlungsstränge und bringt sie zu einem Ende (ein wenig mehr über die zwischenzeitlichen Geschehnisse in Australien hätte ich mir jedoch durchaus gewünscht, und auch Fees Geschichte zumindest kurz anzureißen, wäre nett gewesen - nebst dem einen oder anderen Handlungsteil, der nicht wieder aufgegriffen wurde, bei denen man jedoch damit leben kann). Das Ganze ist auch recht spannend geschildert, und ich habe diesen Roman an einem Abend am Stück durchgelesen, weil ich den Ausgang der Geschichte einfach wissen mußte, doch bleibt hier ein leicht schaler Nachgeschmack. Wirklich "Vampira" ist das nicht...
Eher schon dem Titel "Krieg der Vampire" entsprechend eine Art "Kriegsroman". Hier werden die diversen Pistolen, Revolver, MGs usw. gezogen, daß es den Phantastik-Leser nur so graust. Wenn zum zigsten mal erwähnt wird, daß hier irgendjemand seine Waffe zieht (nicht zu vergessen natürlich die genaue Typenkennung, die gleich mitgeliefert wird), so wirkt das dann doch irgendwann lächerlich. Realitätsbezug schön und gut, aber das ist dann doch ein wenig zu viel des Guten - und nervt schlicht und ergreifend nach einer gewissen Zeit. Das ist Jerry Cotton, Kommissar X oder sonstwas aus dieser Richtung; eine atmosphärische Schilderung, wie wir sie bisher vom "Volk der Nacht" gewohnt sind, ist es jedenfalls nicht...
Womit wir denn größten Schwachpunkt des Romans bereits abgehandelt hätten. Der Rest der Kritikpunkte liegt eher in Kleinigkeiten:
Wieso verstehen Vampire keine fremden Sprachen mehr? Lewis jedenfalls ist des Italienischen offensichtlich nicht mächtig. Ich dachte, das läge ihnen im "Blut" - oder zumindest war dies bisher so...
Wie kommt Nona ohne Hilfe in den Dunklen Dom im Berge Ararat? Der nach unten führende Spalt war bisher jedenfalls für niemanden "begehbar", der nicht fliegen konnte...
Was ist mit den letzten Aboriginal-Vampiren geschehen? Landru hatte 99 von ihnen, Rahel ursprünglich 100, von denen mehrere (drei oder vier - wenn ich mich recht entsinne) bereits tot waren/sind. Da ergibt sich der Schilderung nach ein gewisses Problem des Ungleichgewichts. Wo sind sie also? (Wem dieser Absatz zu ungenau erscheinen mag, der möge bitte beachten, daß ich hier versucht habe, die Frage an den Leser zu bringen, ohne zuviel über die Handlung zu verraten. Wer den Roman gelesen hat, wird die Frage verstehen - zumindest hoffe ich dies <grins>.

Fazit:
Ein interessanter Abschluß für den ersten DVdN-Zyklus, der jedoch innerhalb diverser Kapitel ein wenig an einer "Jerry Cotton"-Atmosphäre krankt. "Vampira"-Atmosphäre kommt hier eher seltener auf. Trotz allem ist dies jedoch ein ziemlich spannender Roman, den man gerne gelesen hat.
10 Punkte.

Winfried Brand

Das war es dann also - der dritte Zyklus, der mit Band 51 der Taschenhefte startete, hat nun im Hardcover sein Ende gefunden. Zeit für einen nostalgischen Rückblick lassen die Autoren dem Leser jedoch kaum. Vielmehr feuern sie in diesem letzten Roman ein Action-Feuerwerk sondergleichen ab.
Die Konzentration auf wenige Charaktere tut dem Roman sehr gut - auf der einen Seite haben wir Roger Covey, den Regierungsagenten, dessen gewohnte Welt aus den Fugen gerät. Andererseits haben wir das Paar Lilith-Caine und dann in Australien noch Landru und Nona. Die drei unterschiedlichen Handlungsstränge finden im Lauf des Romans zusammen - und das durchaus zielgerichtet. Man merkt, die Autoren haben das Ende des Zyklus schon von langer Hand vorbereitet und durchgeplant.
Obwohl auch ruhige Szenen in diesem Roman zu finden sind, beruht der Großteil der Handlung auf Action-Sequenzen. Diese wirken weder überhastet, noch überdecken sie den eigentlichen Plot. Manfred Weinland und Martin Kay bilden hier ein sehr gutes, ausgewogenes Team.
Mehr bleibt einem hier nicht zu sagen - die Saga um die Neovampire ist zu Ende, Landru und die Alte Rasse bleiben uns jedoch weiterhin erhalten, und Lilith kehrt zurück nach Tokio. Also alles auf Anfang. ;-)

Fazit:
Ein spannender Roman, den man mit Genuß verschlingt.
12 Punkte

Christian Spließ


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