Band 2085: "Kintradims Heim"

Autor: Ernst Vlcek

Mondra Diamond und die beiden Monochrom-Mutanten, Startac Schroeder und Trim Marath, unternehmen einen Vorstoß zum Kabinett Herkoven-Lu. Dieses befindet sich so nahe an Kintradims Heim, dem Wohnsitz des Architekten Kintradim Crux, daß die Terraner hoffen, dort einen Übergang zu finden.
Dies war tatsächlich früher der Fall, wie sie nach ihrer Ankunft herausfinden. Kintradims Heim schwebt direkt über Herkoven-Lu und ist mit diesem Kabinett durch acht Energieröhren verbunden. Vor der Großen Verheerung gewährte der Architekt ZENTAPHERs ausgesuchten Pilgern Audienzen. Der Transfer erfolgte durch die Energieröhren, die als "Herkovens Weiche" bezeichnet werden. Die Weiche ist jedoch seit der Großen Verheerung nicht mehr in Betrieb. Der Architekt gibt seither auch keine Audienzen mehr. Herkoven-Lu ist mit Pilgern überfüllt, die darauf warten, daß die Weiche wieder in Betrieb genommen wird. Alle Versuche von Pilgern, in der letzten Zeit nach Kintradims Heim vorzudringen, endeten tödlich. Vor einigen Jahren gab es allerdings einen blauhäutigen Fremden, der die Energieröhren benutzte und seither nicht mehr aufgetaucht ist. Die Terraner schließen aus der Beschreibung, daß es sich bei diesem Wesen um den gesuchten Mohodeh Kascha handelte - und der Ritter von Dommrath hat offenbar das Unmögliche geschafft.
Nachdem eine Teleportation Startac Schroeders fehlgeschlagen ist, begibt sich die Gruppe im Schutz der Paratronschirme durch die Energieröhren nach Kintradims Heim.
Dort entdecken sie tatsächlich Mohodeh Kascha, der von Inkaty Chirpagnon, dem Haushofmeister des Architekten, in einem Stasisfeld gefangengesetzt wurde.
Chirpagnon war einst der Handelskanzler des Volkes der Kergorah. Dieses wurde damals das Opfer einer Invasion der Instinktkrieger, die mit ihren gewaltigen Trägerschiffen das gesamte Sternenreich der Kergorah vernichteten. Inkaty Chirpagnon versuchte, sich angesichts der drohenden Vernichtung mit seinen engsten Vertrauten in Sicherheit zu bringen. Sein Schiff wurde allerdings von den Instinktkriegern aufgebracht. Man zwang ihn, die noch geheimen Koordinaten der Heimatwelt seines Volkes zu verraten, die daraufhin von den Instinktkriegern vernichtet wurde.
Chirpagnon wurde nach ZENTAPHER verschleppt und nach Kintradims Heim gebracht, wo er Kintradim Crux vorgeführt wurde. Seither ist er der Haushofmeister des Architekten; er betreut Kintradims Schloß, das er nicht verlassen darf.
Crux führte Chirpagnon in seine Aufgaben ein. Unter anderem hat er die "Halle der Ewigen" zu beaufsichtigen. Dort werden in Behältern Opfer jener mysteriösen Seuche, von der die Galaxis Dommrath seit Jahrhunderttausenden heimgesucht wird, für alle Ewigkeit am Leben erhalten. Crux nennt die bemitleidenswerten Geschöpfe "seine Lieblinge", und es ist Chirpagnons Aufgabe, sie durch Schmerzimpulse zu stimulieren, damit sich nicht verkümmern.
Riesige Zeiträume vergehen; es können Jahrhunderttausende sein. Inkaty Chirpagnon ist innerhalb von Kintradims Heim offenbar unsterblich - wie der Architekt und Schöpfer ZENTAPHERs selbst. Mit der Zeit wird das Leben für den letzten Kergorah zur Qual, doch alle seine Fluchtversuche scheitern.
Mondra Diamond und die beiden Mutanten dringen in Kintradims Schloß ein. Sie entdecken dort Holos, auf denen das CLURMERTAKH-System und sogar die SOL zu sehen sind. Es gelingt ihnen, Mohodeh Kascha aus seinem Stasisfeld zu befreien. Inkaty Chirpagnon kommt bei einem Kampf mit Trim Marath ums Leben; die Terraner und der Ritter von Dommrath können zur Entree-Station entkommen.

Ein guter Roman mit erstaunlichen Wendungen. Es sind wider Erwarten nicht Atlan oder die anderen Zellaktivatorträger, sondern Mondra Diamond und die beiden Monochrom-Mutanten, die den Ritter von Dommrath befreien. Und auch das wird nicht übermäßig ausgewalzt, denn nebenher wird mit der Geschichte Inkaty Chirpagnons noch eine ordentliche Nebenhandlung präsentiert.
Mondra Diamond wird zunehmend in den Vordergrund gerückt - angemessen, ist sie doch neben Bré Tsinga derzeit der einzige herausragende Frauen-Charakter in der Serie. Nach sechs Heften, also in durchaus annehmbarer Zeit, wird Mohodeh Kascha gefunden - die beiden nächsten Bände dürften sich mit seinen bisherigen Erlebnissen in ZENTAPHER beschäftigen. Es geht auf dieser Handlungsebene also zügig voran. Vier Hefte für die Erkundungen in den doch insgesamt 612.000 Kabinetten, das kann sich sehen lassen.
Der Vorgängerband war, wie sich hier zeigt, allerdings doch ein reiner Lückenfüller. Die Erkenntnisse, die dort über die Instinktkrieger vermittelt wurden, waren spärlicher als das, was hier quasi in der Nebenhandlung präsentiert wird: Offenbar war ZENTAPHER früher wirklich mobil und verbreitete mit seinen Raumflotten Angst und Schrecken im Universum.
Eine Begegnung mit Kintradim Crux, dem Architekten, bleibt jedoch aus - das hebt man sich wohl für später auf. Die drei Terraner hätten mit diesem Wesen wohl auch mächtige Probleme bekommen.
Hinweise, wieso die Instinktkrieger das Sternenreich der Kergorah vernichteten, fehlen ebenfalls. Die eigentliche Natur ZENTAPHERs bleibt damit weiterhin rätselhaft. Die Halle, in der die Seuchenopfer gefangengehalten werden, deutet darauf hin, daß die Seuche in Dommrath irgend etwas mit ZENTAPHER zu tun hat. Der Leser darf weiter spekulieren.

Fazit:
Zwei Handlungsstränge, knapp und präzise abgehandelt, ordentliche Hauptpersonen - und ein wichtiges Zwischenziel wurde erreicht. Was will man mehr? Überzeugend.
11 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

 Da rechnet man eigentlich damit, ein paar Brosamen in Sachen Kintradim Crux vorgeworfen zu bekommen; statt dessen findet das Team um Mondra den letzten Kimbaner - und vom Architekten immer noch keine Spur. Das ist doch ziemlich überraschend und vermag zu gefallen. Hierbei sind es also gerade nicht die ZAC-Träger, die den Ritter von Dommrath finden - gute Idee. Und auch vom Timing her vermag das zu gefallen. Zum einen geht es inzwischen auf der Dommrath-Ebene insgesamt recht zügig voran, zum anderen deutet sich auch an, daß man sich mit ZENTAPHER nicht länger als den aktuellen Vierer-Block beschäftigen wird. Eine angenehme Geschwindigkeit - nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell. Da ist dann auch der vorangegangene "Füller" von H.G. Francis zu verkraften, zumal der ja auch gar nicht mal so schlecht war.
Aber auch auf der zweiten Handlungsebene vermag der Roman zu überzeugen. Die Geschichte des Haushofmeisters Inkaty Chirpagnon läßt zumindest einige Schlüsse auf die Bedeutung ZENTAPHERs und auch die Identität seines "Hausherrn" Kintradim Crux zu.
Allein schon die Lebenszeit, die Inkaty im Heim verbringt, ist ein deutliches Zeichen dafür, daß es sich bei dem Architekten um ein sehr hohes Wesen handelt, kosmisch gesehen. Wer mal eben seinen Haushofmeister praktisch unsterblich macht - ohne ihm einen ZA zu geben, zumindest wurde dies nicht geschildert - muß doch einiges an Macht haben. Sprich: Ab Superintelligenz aufwärts; wahrscheinlicher ist jedoch ein weiterer Diener der Kosmokraten oder Chaotarchen. Mal ganz abgesehen davon, daß es nur schwer vorstellbar ist, daß ein Gebilde wie ZENTAPHER von einem Wesen errichtet wurde, das nicht mindestens auf der Stufe einer SI steht...
Darauf deutet auch die Schilderung der Gefangennahme Chirpagnons hin. Wer mal eben so ein ganzes Volk aus einer Galaxis pustet, hat schon etwas höherstehende Interessen - wenn auch nicht zwangsläufig. Nimmt man jetzt aber das Ende des letzten Romans hinzu (Stichwort: Black Hole), sieht es so aus, als ob es sich bei ZENTAPHER um eine Art Machtmittel handelt, das höheren Zwecken dient. Diese Projektoren, die für das Schwarze Loch zuständig waren, waren wohl auch für die Versetzung dieser Riesenschiffe an ihre Einsatzorte zuständig. Fraglich ist noch, ob es sich hierbei um eine Passage durch die Schwarzen Löcher handelt, vergleichbar mit den Schwarzen Sternenstraßen des Cantaro-Zyklus, oder ob wir es eher mit einer Art Fiktivtransmitter der sehr leistungsfähigen Art zu tun haben. Persönlich tippe ich jedoch einmal auf ersteres, und 11-KYR wurde nur vernichtet, weil keine Gegenstation angegeben bzw. kein Transferimpuls gesendet wurde.
Ein weiteres interessantes Detail ist die Aufgabe, die der Haushofmeister im Heim zu erfüllen hat: Die Stimulation von Wesen, die wie Opfer der Seuche aussehen, die die Planeten Dommraths immer wieder mal heimsucht. Angesichts der Tatsache, daß der Architekt diese Wesen als "Schönheiten" und seine "Lieblinge" bezeichnet, kann man wohl darauf schließen, daß Crux wahrscheinlich nicht so ganz unschuldig an dieser Seuche ist, sie vielmehr erst über die Galaxis gebracht hat. Die Frage nach dem Sinn dieser Aktion bleibt jedoch ebenso unbeantwortet wie die nach dem Sinn der Vernichtung des Volkes der Kergorah. Was Kintradim Crux also wirklich im Schilde führt, bleibt weiter ein Rätsel.
All dieses Spekulationsmaterial verpackt Ernst Vlcek in einen angenehmen Roman, der gut zu lesen ist, ein gutes Timing besitzt und interessante Informationen bietet. Und das war nur die Einleitung zu Uwe Antons Doppelband, der sich wohl (den kommenden Titeln nach) zuerst mit Mohodeh Kaschas Geschichte beschäftigen wird

Fazit:
Ernst Vlcek gelingt mit "Kintradims Heim" ein sehr interessanter Roman, der Spekulationsansätze bietet. Gut geschildert, mit gutem Timing versehen, präsentiert sich hier ein Heft, das man sicherlich gerne gelesen hat.
12 Punkte.

Winfried Brand

Tja, da hätten wir also Mohodeh Kascha gefunden. Gleichzeitig wird die Vermutung bestätigt, daß die 11-KYR ein Schlachtschiff war.
Wir wissen jetzt, daß der Architekt schon seit einiger Zeit abwesend ist und offenbar eine Vorliebe für die Legionäre hat - die fast perfekten Wesen, die für die Ewigkeit geschaffen wurden. Ist der Architekt für die Krankheit verantwortlich, die die Legionäre heimgesucht hat? Es wäre zu vermuten. Mehr und mehr scheint sich der Architekt zu einer Schlüsselfigur der Dommrath-Handlung zu entwickeln. Wir erinnern uns, der Architekt hat selbst gesagt, er sei hinter den Materiequellen gewesen.
Der Roman an sich ist nicht so besonders spannend - wie gesagt, ich bin kein Fan des "Wir-suchen-jetzt-erstmal-endlos-alle-Kabinette-ab"-Prinzips. Und das haben wir ja hier mal wieder - kleine Truppe bricht auf, findet was und kehrt zur Entree-Station zurück. Noch nicht einmal der Weg in Kintradims Heim ist sonderlich aufregend.
Die Nebenhandlung ist nett und vermag dem Leser einige Erkenntnisse zu bereiten - aber sonderlich interessant sind diese nun auch nicht. Bis auf die Tatsache, daß der Architekt halt Brosamen fallenläßt.

Fazit:
Kein sonderlich spannender Roman, der zwar einige Erkenntnisse darbietet, aber im Großen und Ganzen nichts Neues bereithält.
5 Punkte

Christian Spließ

Co-Rezensenten zu den PR-Romanen gesucht

Da Alexander Haas nur noch vereinzelte Rezensionen zu den Perry Rhodan-Romanen schreiben wird, sind wir wieder auf der Suche nach Verstärkung für das Rezensententeam. Wenn Du dich also dazu berufen fühlst, die laufende Handlung zu kommentieren, schreib einfach eine E-Mail an Winy.

home...