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Inhalt:
Amerika, Ende der 30er Jahre: Obwohl Lawrence Pritchard Waterhouse
eigentlich lieber Orgel spielen würde, tritt er in die Armee der
Vereinigten Staaten ein, wo er sich bald als einer der obersten
Geheimnisträger im Bereich Kryptographie wiederfindet. Seine
Aufgabe lautet nun, deutsche und japanische Codes zu
entschlüsseln, womit er für Fronteinsätze komplett
ausfällt. Dieses Glück hat Bobby Shaftoe nicht, der sich
immer wieder in vorderster Front wiederfindet und mehr als einmal
eher tot als lebendig davonkommt.
Gute 50 Jahre später will Randy Waterhouse mit ein paar Kumpels
auf den Philippinen eigentlich einen Datenhafen errichten, der eine
absolut gesicherte Kommunikationsmöglichkeit über das
Internet bieten soll. Doch schon bald findet er sich in Ereignisse
verstrickt, die ihn auf die Spur seines Großvaters führen
- hin zu einem Geheimnis, das aus dem zweiten Weltkrieg
übriggeblieben ist...
"Cryptonomicon" wurde im Vorfeld mit vielen Vorschußlorbeeren
bedacht, die sich nach Erscheinen der deutschen Übersetzung voll
und ganz auf diese übertragen lassen. Neal Stephenson ist ein
Roman gelungen, der in seiner Faszination seinesgleichen sucht.
Sicher - dieser Roman ist nicht unbedingt der Phantastik zuzuordnen,
was den Leser, der geneigt ist, sich auch über den Tellerrand
hinweg einmal umzusehen, jedoch in keiner Weise davon abhalten
sollte, zumindest einmal in ihn hineinzuschauen. Denn "Cryptonomicon"
ist sicherlich eine der faszinierendsten und vielschichtigsten
Veröffentlichungen der letzten Jahre und hat gewiß einen
führenden Platz unter den Top Ten der Romane verdient, die
dieses Jahr erschienen sind.
Doch was macht diese Faszination aus, die der Roman ausstrahlt? Was
bringt den Leser dazu, sich tagelang nichts anderem zu widmen?
An erster Stelle ist hier sicherlich Neal Stephensons hervorragendes
Sprachverständnis zu nennen, das auch in der Übersetzung
nicht verlorengeht. Seine Charakterisierungen sind hervorragend,
ebenso seine Beschreibungen und auch seine mathematischen Kenntnisse,
die in diesem Roman stark hervortreten.
Denn "Cryptonomicon", der Titel deutet es schon an, ist über
manche Strecken ein sehr mathematischer, ein sehr technischer Roman.
Manche Kapitel wimmeln nur so von Beschreibungen der
Verschlüsselungsmechanismen im zweiten Weltkrieg. Hier
durchzusteigen ist manchmal nicht einfach, doch mit ein wenig
Vorwissen grundsätzlich durchaus machbar.
Neal Stephenson scheut sich aber auch nicht, die Schrecken des
zweiten Weltkriegs hart und detailliert zu beschreiben, wobei er
jedoch angenehmerweise auf eine Wertung gänzlich verzichtet und
meist eine recht distanzierte Beschreibung liefert.
Doch bevor sich der geneigte Leser jetzt von dieser Rezension
abwendet, sei darauf hingewiesen, daß dies nur einen Aspekt des
vielschichtigen Romans darstellt, diese Härte nur dann
auftaucht, wenn sie auch Sinn macht.
Auf der anderen Seite entdeckt der Leser einen Neal Stephenson, der
mit Aphorismen nur so um sich wirft, der den Leser durch unerwartet
eingeworfene Beispiele trockenen Humors immer wieder zum Lachen
bringt, bis hin zu dem Kapitel, in dem er dem Leser näherbringt,
daß Lawrence Waterhouse zeitweilig unfähig ist, japanische
Codes zu knacken, weil er schlicht und ergreifend geil ist. Und wenn
er dann diese Geilheit in mathematische Schaubilder kleidet und diese
immer weiter verfeinert, indem er zuerst die Unterschiede zwischen
selbst- und fremdinduzierter Lösung des Problems einbaut, bis er
schließlich zum Faktor der MSN (=Mary Smith Nähe) kommt
und daraus eine komplexe Gleichung entwickelt - an dieser Stelle ist
der Rezensent vor Lachen brüllend aus dem Bett gefallen.
Man merkt: Dieser Roman ist mehr als nur vielschichtig, er reizt das
Gefühlsspektrum des Lesers konsequent bis in die letzte Ecke
aus.
Einen negativen Aspekt muß ich jedoch noch in Hinsicht der
eBook-Version des Romans loswerden: Daß diese preislich keinen
Unterschied zur Hardcover-Ausgabe aufweist, ist mehr als nur
unverschämt. Immerhin fallen hier weder Druck- noch Lagerkosten
an. Eine vernünftige Preisgestaltung sollte eigentlich bei rund
einem Drittel unter dem Buchhandelspreis liegen, schließlich
fallen für die Herstellung des eBooks gerade mal ein paar
hundert Mark an Kosten an. So kann man jedenfalls keinen Leser dazu
bringen, sich ein Lesegerät für eBooks zuzulegen, auch wenn
diese Version ein wenig früher erscheint als die Printfassung.
Das ist reine Ausbeuterei und der Idee der eBooks eher
gegenläufig. Angesichts dieser Maßnahmen kann man nur
mutmaßen, daß der Goldmann-Verlag die eBooks eher
sabotiert als fördert. Allerdings gehört Goldmann
inzwischen zur amerikanischen Random House-Gruppe - und deren Ziele
sind wohl noch recht unverständlich...
Fazit:
"Cryptonomicon" erweist sich als ein Roman, der sich nicht so einfach
klassifizieren läßt. Er ist hart, gefühlvoll,
nachdenklich, lustig, beschaulich, spannend... Mathematische
Vorkenntnisse können hier jedoch nur von Vorteil sein, da die
Lektüre ohne jegliches Gespür für die Arbeitsweise der
Kryptographie teilweise doch sehr hart werden kann. Es sei jedoch
gewarnt: Die Lektüre macht süchtig! Und als
Bettlektüre vor dem Einschlafen ist "Cryptonomicon" eher weniger
geeignet.
15 Punkte.
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Drei Hauptpersonen, drei Handlungsebenen - und eine von
ihnen spielt in der Gegenwart. Auf den ersten Blick ist das
Buch von Stephenson alles andere als einfach. Zudem handelt
es auch noch von der Wissenschaft der Verschlüsselung -
das hat ihm dann auch den Namen gegeben - und das schreckt
sicherlich die meisten Leser schon im vornherein ab. |