Zum
Inhalt:
Eigentlich hatte sich Stephan Freisler auf seinen neuen Job als
Biologielehrer an der Schule des kleinen Dorfes Wurmeck gefreut. Kurz
nach seiner Ankunft wird ihm jedoch bereits klar, daß er es
hier mit religiösen Fanatikern zu tun hat. Dies ist aber noch
nicht einmal sein größtes Problem, denn nach und nach
deutet alles darauf hin, daß der Ortsheilige, der Heilige
Wiegrecht, mit seiner Legende eine immer größere Rolle in
den Geschehnissen einnimmt - und die Würmer kriechen aus dem
Boden...
Georg Gaßners Roman "Wurmeck" ist zur Zeit leider nur als
RocketEdition für das Rocket eBook erhältlich, was
eigentlich schade ist, denn der Roman hat sicherlich ein
größeres Publikum verdient als die rund eintausend
Besitzer eines solchen Lesegerätes, die es deutschlandweit in
etwa gibt. Hier ist vielleicht noch eine Möglichkeit für
die zahlreichen Kleinverlage geboten, die sich in den letzten Jahren
innerhalb der deutschen Phantastik-Szene etabliert haben. Ein
"Versauern" im eBook-Format hat dieser Roman jedenfalls nicht
verdient.
Georg Gaßner bietet zwar keine hochklassige Literatur, jedoch
einen soliden, bodenständigen Horror-Roman, den man am ehesten
vielleicht mit den Werken aus Stephen Kings mittlerer Schaffensphase
vergleichen kann, bevor dieser sich dem Mainstream zuwandte (z.B.
"Needful Things" oder auch "Stark - The Dark Half"). Der Autor kommt
zwar ein wenig geschwätzig daher, baut jedoch seine Geschichte
in einem soliden Spannungsbogen gekonnt auf, der erst gegen Ende ein
wenig abstrus wird.
Was erwartet den Leser also?
Vor allem eine spannende, aber auch ziemlich schwatzhafte Geschichte,
die in ihrer epischen Ausdehnung schon mal an einen Hohlbein-Roman
erinnert, denn auch hier findet der Autor immer wieder Geschehnisse,
die für die Handlung eigentlich gar nicht interessant sind, die
er aber unbedingt beschreiben will. Das ergibt einen gut zu lesenden,
aber manchmal recht langwierigen Roman, der den Leser jedoch
durchgehend bei der Stange hält und gut zu unterhalten
weiß.
Georg Gaßner baut in seinem Roman eine Spannung auf, die vor
allem auf den Beziehungen der Charaktere untereinander beruht. Wenn
das übernatürliche, phantastische Element auftaucht,
beginnt er ein wenig zu schwimmen. Doch dies ist gar nicht so negativ
zu bewerten, denn über große Teile der Handlung hinweg
kann er sich mit dem Aspekt des menschlichen Zusammenlebens
problemlos über die Seiten retten und den Leser faszinieren.
Problematisch wird das Ganze jedoch ein wenig, wenn die Bedrohung aus
dem Hintergrund wirklich real wird. Hier fällt der Roman dann
ein wenig ab, driftet in leicht abstruse Richtungen und wird (auch
wenn dies jetzt ein wenig gegensätzlich klingen mag)
"bodenständig". Hier legt der Roman die unterschwellig
vorhandene wohlige Spannung ab, begibt sich in das Kontinuum des
Faßbaren und wird hierdurch ein wenig uninteressanter, jedoch
nicht unspannend.
Positiv zu erwähnen ist jedenfalls noch die Preisgestaltung des
eBooks: Für einen knappen Zehner bekommt man hier einen
umfangreichen Roman, der dieses Geld sicherlich wert ist. Als
Taschenbuch wäre er gewiß teurer gewesen (umgerechnet
vielleicht ca. 500-600 Seiten!). Da werden ausnahmsweise die
Möglichkeiten es eBooks einmal ausgespielt. So hat man das
gerne.
Fazit:
Ein spannender Roman, der nur zum Ende hin ein wenig abfällt.
Grundsätzlich ein wenig geschwätzig wandelt der Autor auf
den Spuren eines mittleren Stephen King oder auch eines Wolfgang
Hohlbein zu interessanteren Zeiten. Kein Meisterwerk, aber ein
solider Horror-Roman aus deutschen Landen, der sein Geld wert
ist.
10 Punkte.