Georg Gaßner:

"Wurmeck"

D 2001
(597 kB, eBook, edition dibi, ISBN 3-89856-202-6, DM 9,95)
- erschienen: August 2001 -

Zum Inhalt:
Eigentlich hatte sich Stephan Freisler auf seinen neuen Job als Biologielehrer an der Schule des kleinen Dorfes Wurmeck gefreut. Kurz nach seiner Ankunft wird ihm jedoch bereits klar, daß er es hier mit religiösen Fanatikern zu tun hat. Dies ist aber noch nicht einmal sein größtes Problem, denn nach und nach deutet alles darauf hin, daß der Ortsheilige, der Heilige Wiegrecht, mit seiner Legende eine immer größere Rolle in den Geschehnissen einnimmt - und die Würmer kriechen aus dem Boden...

Georg Gaßners Roman "Wurmeck" ist zur Zeit leider nur als RocketEdition für das Rocket eBook erhältlich, was eigentlich schade ist, denn der Roman hat sicherlich ein größeres Publikum verdient als die rund eintausend Besitzer eines solchen Lesegerätes, die es deutschlandweit in etwa gibt. Hier ist vielleicht noch eine Möglichkeit für die zahlreichen Kleinverlage geboten, die sich in den letzten Jahren innerhalb der deutschen Phantastik-Szene etabliert haben. Ein "Versauern" im eBook-Format hat dieser Roman jedenfalls nicht verdient.
Georg Gaßner bietet zwar keine hochklassige Literatur, jedoch einen soliden, bodenständigen Horror-Roman, den man am ehesten vielleicht mit den Werken aus Stephen Kings mittlerer Schaffensphase vergleichen kann, bevor dieser sich dem Mainstream zuwandte (z.B. "Needful Things" oder auch "Stark - The Dark Half"). Der Autor kommt zwar ein wenig geschwätzig daher, baut jedoch seine Geschichte in einem soliden Spannungsbogen gekonnt auf, der erst gegen Ende ein wenig abstrus wird.
Was erwartet den Leser also?
Vor allem eine spannende, aber auch ziemlich schwatzhafte Geschichte, die in ihrer epischen Ausdehnung schon mal an einen Hohlbein-Roman erinnert, denn auch hier findet der Autor immer wieder Geschehnisse, die für die Handlung eigentlich gar nicht interessant sind, die er aber unbedingt beschreiben will. Das ergibt einen gut zu lesenden, aber manchmal recht langwierigen Roman, der den Leser jedoch durchgehend bei der Stange hält und gut zu unterhalten weiß.
Georg Gaßner baut in seinem Roman eine Spannung auf, die vor allem auf den Beziehungen der Charaktere untereinander beruht. Wenn das übernatürliche, phantastische Element auftaucht, beginnt er ein wenig zu schwimmen. Doch dies ist gar nicht so negativ zu bewerten, denn über große Teile der Handlung hinweg kann er sich mit dem Aspekt des menschlichen Zusammenlebens problemlos über die Seiten retten und den Leser faszinieren.
Problematisch wird das Ganze jedoch ein wenig, wenn die Bedrohung aus dem Hintergrund wirklich real wird. Hier fällt der Roman dann ein wenig ab, driftet in leicht abstruse Richtungen und wird (auch wenn dies jetzt ein wenig gegensätzlich klingen mag) "bodenständig". Hier legt der Roman die unterschwellig vorhandene wohlige Spannung ab, begibt sich in das Kontinuum des Faßbaren und wird hierdurch ein wenig uninteressanter, jedoch nicht unspannend.
Positiv zu erwähnen ist jedenfalls noch die Preisgestaltung des eBooks: Für einen knappen Zehner bekommt man hier einen umfangreichen Roman, der dieses Geld sicherlich wert ist. Als Taschenbuch wäre er gewiß teurer gewesen (umgerechnet vielleicht ca. 500-600 Seiten!). Da werden ausnahmsweise die Möglichkeiten es eBooks einmal ausgespielt. So hat man das gerne.

Fazit:
Ein spannender Roman, der nur zum Ende hin ein wenig abfällt. Grundsätzlich ein wenig geschwätzig wandelt der Autor auf den Spuren eines mittleren Stephen King oder auch eines Wolfgang Hohlbein zu interessanteren Zeiten. Kein Meisterwerk, aber ein solider Horror-Roman aus deutschen Landen, der sein Geld wert ist.
10 Punkte.

Winfried Brand

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