Nach den schicksalhaften Ereignissen scheint Ruhe bei den
Dämonenjägern eingekehrt zu sein; jedenfalls will der Autor
Prospero uns dies glauben machen. Es liegt ausnahmsweise keine
Bedrohung in der Luft, abgesehen von Diskussionen über guten
Kaffee und die letzten Folgen von Mystery-Serien. Das Gespräch
mündet in den Besuch einer Esoterik-Messe durch Jane und Jack.
Überhaupt scheint es Prospero ein Anliegen gewesen zu sein, die
Alltagstauglichkeit seiner Helden auf die Probe zu stellen.
Doch natürlich liegt das Unheil nicht fern. Der Leser
erfährt in Form mehrerer Rückblenden, welche ihn ins Jahr
1970 führen, vom Seelenstein, einem rätselhaften Artefakt,
welches der nicht minder rätselhafte Thibor Brodsky benutzen
will, um zu einem echten Dämon zu werden. Den halben
Dämonenstatus verdankt er einem Fehltritt väterlicherseits
- shit happens. Das Ganze geschieht übrigens auf Anraten des
Hexenmeisters Julian Summers, Wiedersehen macht auch Freude. Doch
Thibors Schwester Angelique spielt ebenfalls eine Rolle in der Sache
und erkennt besser als ihr Bruder, welche Bedrohung von dem Klunker
ausgeht. Allerdings kann auch sie ihn nicht aufhalten, als er
beginnt, von irgendwelchen dämonischen Hütern bis hin zu
Gevatter Tod persönlich sämtliche metaphysischen Leitungen
abzulauschen, Joe Black läßt bei dieser Gelegenheit
grüßen.
In der Gegenwart nutzt Jane den Besuch der Messe, um sich von
bewußtem Thibor die Karten legen zu lassen, nachdem sie Jack
vertröstet und dezent erotisiert hat, wobei ich mich fragte, ob
ich in den Bänden vor dem mißlungenen Angriff auf McDonald
irgendeine Entwicklung verpaßt habe. Thibor erkennt sie sofort
als Hexe und bietet an, sie über einige Dinge aufzuklären.
Entgegen dem Rat ihrer Freunde folgt sie der Einladung und gerät
natürlich in Schwierigkeiten, aus denen sie nur der geballte
Einsatz von Frank, Jack, Julian und Angelique herausholen kann.
Ich bin mir fast sicher, daß sich Prospero mit diesem Band
einen Scherz machen wollte, denn dieses überzogene Stelldichein
des Übernatürlichen ist einfach nicht durchweg
ernstzunehmen. Ich habe den Autor im Verdacht, daß er sich
zuvor in Sachen Lektüre auf der Scheibenwelt herumgetrieben und
dann aus den Vollen geschöpft hat (einige Wendungen sind Terry
Pratchett in Reinkultur), abgeschmeckt mit zahlreichen Anspielungen
auf verschiedene TV-Serien und diverse Filme. Dabei empfinde ich
einige Vorlagen, oder besser ihre schiere Anzahl, für etwas
unglücklich, was mich schon wieder einigermaßen
stört.
Fazit:
Wäre der Band von maßgeblicher Bedeutung für den Plot
der gesamten Serie, müßte man solche "Entgleisungen" mit
Schreibverbot bis einschließlich Band 200 ahnden. So aber hat
Prospero die Gelegenheit genutzt, ein stilistisch interessantes
Intermezzo einzuschieben (was im Rahmen von Mystery-Serien wohl eher
eine Ausnahme bildet), um den Charakteren etwas mehr menschlichen
Schliff zu verleihen und - was wohl am Wichtigsten sein dürfte -
die Leser gut zu unterhalten.
10 Punkte