C. A. Smith:

"Necropolis"

(H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens - Band 5)
(254 Seiten, Hardcover, Festa Verlag 2605, ISBN 3-934822-03-0, 34,80 DM)
- erschienen: Juni 2001 -

Nachdem die Bibliothek des Schreckens zuerst auf die Vorbilder von Lovecraft und dann auf die einzelnen Storyzyklen um die Mythos-Geschichten eingegangen ist, widmet sich Frank Festa jetzt zum ersten Mal einem einzelnen Autor: Clark Ashton Smith.
Bisher ist dieser Autor in Deutschland recht unbekannt - es gab wohl vor Zeiten einmal mehrere Bände mit seinen Kurzgeschichten, aber im Gegensatz zu den anderen Freunden Lovecrafts, wie Howard und Bloch, ist Smith für viele noch ein Unbekannter. Und das zu Unrecht, denn Smiths Stories gehören wahrlich zu den Meisterwerken der Dark Fantasy.
Frank Festa hat für diesen Band sechs Stories aus dem "Zothique"-Zyklus ausgesucht und ferner noch etliche eigenständige Horrorwerke. Ich persönlich hätte mir noch etliche Stories aus den anderen Zyklen gewünscht. Aber man kann ja nicht alles haben. ;-)
Eingeleitet wird der Band von einem kurzen Lebenslauf Smiths, und die zwei Abteilungen des Bandes führen einmal in das Universum von Zothique ein und erläutern darüber hinaus die Hintergründe der einzelnen Storys.

Necropolis - Das Reich der Toten
OT: The Empire of the Necromancers
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales 1932
Mmatmuor und Sodosma erschaffen sich jenseits der bewohnten Welt ein Reich aus lebenden Toten. Eines Tages jedoch erinnert sich einer der Toten an seine vorherige Existenz und nimmt an den beiden Necromanten furchtbare Rache.

Eine düster-makabre Atmosphäre und zudem eine sehr - nun ja, nicht gerade blutige, aber doch gewaltreiche Rachegeschichte, von Smith kongenial erzählt.
13 Punkte

Der Leichengott
OT: The Charnel God
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales, 1934
Ein junges Pärchen kehrt in der Stadt Zhul-Ba-Sair ein. Alaith, die junge Frau, fällt in eine todesähnliche Starre, die sie schon öfters erlitten hat und aus der sie stets gesund erwachte. Doch da die Ärzte in der Stadt ihren Tod diagnostiziert haben, wird der vermeintliche Leichnam in den Tempel des Gottes Mordiggian gebracht, der die Leichname frißt. Verzweifelt versucht der junge Mann, seine Geliebte zu retten.

Untypisch für Smith endet die Geschichte mit einem Happy-End. Mit gewohnter Fabulierkunst kann der Autor das Grauen der Stadt und des furchtbaren Gottes selbst deutlichmachen. Zwar hat die Geschichte einige Längen, aber der Stil von Smith nimmt einen doch gefangen.
12 Punkte

Ilalothas Tod
OT: The Death of Ilalotha
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales, 1938
Die Hofdame Ilalotha ist verstorben, und ihr einstiger Geliebter kehrt aus diesem Anlaß an den Hof zurück. Jetzt ist er mit der Kaiserin liiert - und diese bestellt ihn prompt um Mitternacht zu einem Rendezvous. Doch die Liebe geht manchmal über das Grab hinaus.

Typisch für die Zothique-Geschichten, zu denen diese und die nächsten drei gehören, sind eine starke Prise Gewalt und Horror. In diesem Fall gibt es am Ende der Story eine sehr unappetitliche Szene.
11 Punkte

Der schwarze Abt von Puthuum
OT: The Black Abbot of Puthuum
Ü: Andreas Diesel
Weird Tales 1936
Zobal und Cushara sollen eine Jungfrau in den Harem ihres Königs überführen. Ihre Reise führt sie durch eine seltsame Gegend, und schließlich kommen sie in der Abtei von Puthuum unter. Dort regiert der schwarze Abt - und der ist an der Jungfrau sehr interessiert...

Erwähnte ich, daß Smith zuweilen etwas arg geschwätzig wird? Dies ist auch hier der Fall. Denn obwohl die Geschichte sehr interessant ist, gibt es ab und an Stellen, die man gerne überlesen möchte - und es doch wegen Smiths Stil einfach nicht kann.
12 Punkte

Xeethra
OT: Xeethra
Ü: Andreas Diesel
Weird Tales 1934
Xeethra, ein junger Hirte, führt seine Herde in ein seltsames Tal. Dort genießt er von einer Frucht und hält sich fortan für den König eines fernen Landes - dies erreicht er schließlich nach einer langen Irrfahrt. Doch sein Reich ist zerfallen. Ein Pakt mit einem Dämon verhilft ihm zu seiner alten Größe. Diese ist aber nicht von Dauer.

Dämonen spielen mit dem Leben eines Hirtenjungen ihr ruchloses und verderbtes Spiel. Ein Happy-End ist hier nicht in Sicht. Sprich: Grauen pur.
14 Punkte

Morthylla
OT:Morthylla
Ü: Frank Festa
Weird Tales 1953
Valzain trifft auf dem Friedhof eine mysteriöse junge Frau, die er für die Lamie Morthylla hält. Sofort ist er ihr verfallen, und fortan treffen sich die beiden Nacht für Nacht. Doch Morthylla ist nicht ganz das, was sie zu sein scheint.

Schein und Sein spielen in dieser Story eine große Rolle. Den Erwartungen des Lesers wird nicht entsprochen, und deswegen verrate ich hier nichts weiter.
13 Punkte

Die Seereise des Königs Euvoran
OT: The Voyage of King Euvoran
Ü: Andreas Diesel
The Double Shadow and other Fantasies, 1953
Ein Nekromant schafft das Unglaubliche: Der ausgestopfte Vogel, der die Krone des Königs Euvoran in seinen Krallen hält, wird lebendig und fliegt auf und davon - mit der Krone. Euvorian bleibt daher nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach der Krone und dem Vogel zu machen. Doch der günstige Orakelspruch war nicht so gemeint, wie der König dachte.

Eindeutig die langatmigste Geschichte innerhalb der Storysammlung. Man merkt, daß Smith sich hier an Sindbads Abenteuern orientiert hat. Die episodenhafte Handlung zieht sich öfters in die Länge. Nur das Ende vermag dafür etwas zu entschädigen.
10 Punkte

Genius Loci
OT: Genius Loci
Ü:Heiko Langhans
Weird Tales 1953
Der Künstler Amberville lernt einen ungewöhnlichen Ort kennen - und dieser schlägt ihn bald darauf in seinen Bann...

Morbide Erzählung, die aufgrund ihrer Atmosphäre den Leser in ihren Bann schlägt - wie der Ort den Künstler Amberville.
15 Punkte

Das Gorgonenhaupt
OT: The Gorgon
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales 1932
Inmitten von London trifft der Erzähler auf einen Menschen, der behauptet, das Haupt der Gorgone in seinem Besitz zu haben. Und tatsächlich kann der Erzähler, wie Jason mit einem Spiegel bewaffnet, einen Blick auf die Gorgone werfen. Doch dies ist noch nicht alles.

Eine meiner Lieblinge unter den Storys dieses Bandes. Zum einen deswegen, weil Smith zu Beginn die nebelhafte Atmosphäre Londons perfekt einfängt (* ...und in welchem Jahrhundert warst Du in London? Sagte man damals vielleicht noch Londinium? >;-))) Heike) und zum anderen, weil das Ende der Geschichte alles andere als normal ist. ;-)
15 Punkte

Die Rückkehr des Hexers
OT: The Return of the Sorcerer
Ü: Heiko Langhans
Strange Tales of Mystery and Horror, 1931
Mister Carnaby sucht einen neuen Diener - und dieser zieht prompt bei dem etwas sonderbaren Menschen ein. Während des Nachts merkwürdige Geräusche ertönen, scheint Carnaby vor irgendetwas furchtbare Angst zu haben.

Wenn das Necronomicon auftaucht, dann ist HP in der Regel nicht mehr weit - und ganz in dessen Manier zaubert Smith ein sehr eigenwilliges und eindruckstarkes Horror-Stück hervor.
13 Punkte

Die Venus von Azombeii
OT: The Venus of Azombeii
Ü: Martin Eisele
Weird Tales 1931
Marsden, ein Afrika-Forscher, entdeckt ein bisher unbekanntes Eingeborenenvolk. Er verliebt sich in dessen Königin - doch er hat einen sehr mächtigen Rivalen.

Farbenprächtige Exotik verbindet sich hier mit einem Schuß Horror. Und die Mischung mundet vorzüglich. ;-)
13 Punkte

Die Wurzel von Ampoi
OT: The Root of Ampoi
Ü: Martin Eisele
The Arkham Sampler, 1949
Einen jungen Seemann treibt die Aussicht auf Rubine und riesenhafte Amazonen tief in den dunklen Kontinent. Er begegnet den Amazonen tatsächlich und verliebt sich in deren Königin - und um mit ihr mithalten zu können, ißt er von der Ampoi-Wurzel. Diese verleiht ihm eine riesenhafte Gestalt. Leider ahnt er nicht, daß er damit sein Glück zerstört.

Nun ja - noch eine Afrika-Geschichte mit noch einem unbekanntem Volk. Nach der ersten Geschichte nicht mehr besonders aufregend, aber immer noch gut zu lesen.
12 Punkte

Die unentdeckte Insel
OT: The Uncharted Isle
Ü: Martin Eisele
Out of Space and Time, 1942
An die Gestade einer Insel gespült, die eigentlich gar nicht existieren dürfte, stellt der Seemann verblüfft fest, daß die Inselbewohner ihn überhaupt nicht wahrnehmen. Stattdessen starren diese immer wieder in den Himmel und führen irgendwelche Berechnungen durch. Der Grund für dieses Verhalten wird dem Seemann erst sehr viel später klar.

Erneut spielt Smith mit dem Topos des unbekannten Volkes - aber in dieser Geschichte ist alles etwas anders als in den vorherigen. Angenehm zu lesen und hervorragend fabuliert.
13 Punkte

Mutter Kröte
OT: Mother of Toads
Ü: Heiko Langhans
Weird Tales, 1932
Die Hexe Antoinette hat ein Auge auf den jungen Lehrling des Dorfapothekers geworfen. Antoinette ist jedoch ausnehmend häßlich - und nur mittels eines Tricks gelingt es ihr, den Lehrling in ihr Bett zu kriegen. Als dieser am Morgen darauf fliehen will, ahnt er nicht, daß er in sein Verderben laufen wird.

Schwüle Erotik gepaart mit Horror - man merkt, Smith war kein Kostverächter. ;-)
13 Punkte

Die Ankunft des weißen Wurms
OT: The Coming of the White Worm
Ü: Andreas Diesel
Stirring Stories, 1941
Der Seher Evagh wird eines Tages von der Ankunft eines riesigen weißen Wurms überrascht. Dieser wandelt ihn derart um, daß er in der eiskalten Luft des Gletschers, der das Zuhause des Wurms ist, zusammen mit anderen Umgewandelten überleben kann. Doch wie so oft steckt hinter dem Wurm mehr, als man vermutet.

Gletscher, Kälte und ewiges Eis - eine etwas unübliche Horrorgeschichte, aber dennoch sehr eindrucksvoll und beeindruckend.
12 Punkte

Fazit:
Wer Smith noch nicht kennt, sollte ihn unbedingt kennenlernen. Wer düstere und morbide Dark-Fantasy-Stories mag, kann unbesorgt zugreifen.
Auch diejenigen, die bisher nichts mit dieser Art von Geschichten anfangen konnten, sollten einen Blick in den Band werfen. Denn die Art, wie Smith seine Geschichten erzählt, ist einfach einzigartig.
14 Punkte

Christian Spließ

Necropolis ist eine Kurzgeschichtensammlung des hier in Deutschland relativ unbekannten Autors Clark Ashton Smith.
Clark Ashton Smith wurde am 13.01.1893 in Kalifornien geboren.
Ähnlich wie H. P. Lovecraft führte er ein zurückgezogenes Leben und hatte sich ein gut Teil seines Wissens im Selbststudium beigebracht.
Smith war in Briefkontakt oder befreundet mit einer großen Anzahl der Autoren seiner Zeit, wie H. P. Lovecraft, Robert E. Howard, E. Hoffman Price, Fritz Leiber und Robert Bloch - eine illustre Runde. Neben der ihm am Herzen liegenden Lyrik verdiente er sein Geld hauptsächlich mit Prosa - Kurzgeschichten, die in Pulp-Magazinen veröffentlicht wurden.
Jedoch lebte Smith oft an der Armutsgrenze und mußte sich auch mit Hilfsarbeiterjobs am Leben halten.
Im August 1961 starb Clark Ashton Smith, dessen Werk von vielen seiner Schriftstellerkollegen hoch in Ehren gehalten wirde.

Eine schöne, ausführliche Biographie wird zur Einleitung angeführt.
Die ersten sieben Erzählungen der Sammlung sind aus dem Zothique-Zyklus. Smith siedelt seine Geschichten aus diesem Schaffensbereich in der fernen Zukunft an. Zothique ist der letzte Kontinent der Erde unter einer sterbenden Sonne. Ich möchte den Herausgeber hier mit einer kurzen Beschreibung über den Zothique-Zyklus zitieren:
"Eine Welt, wie er sie aus anderen Erzählungen des Sword und Sorcery-Genres kennt, erwartet den Leser jedoch nicht, sondern eine morbide, dunkle Welt der Dekadenz, ganz typisch Smith. Die Zothique-Geschichten sind grausamer als viele seiner anderen, hier zeigt er sich als Ästhet des Zerfalls und spart auch nicht mit Folterungen, Morden, Nekromantie und ähnlichem."

Die Storys im Einzelnen:

Necropolis - Das Reich der Toten
Originaltitel: The Empire of the Necromancers
Ersterscheinung: Sept. 1932
Übersetzer: Heiko Langhans
Zwei Nekromanten bauen auf ihre Weise ein Reich in den Ruinen des Landes Cincor auf. Doch auch die Toten sind nicht ganz so willenlos.
Die Bemerkungen im obigen Zitat zu Clark Ashton Smith treffen hier voll und ganz zu - Dekadenz in einer dunklen, morbiden Welt.
Die Übersetzung von Heiko Langhans kommt mir hier etwas holprig vor. Jedenfalls verschachtelt er sich mehrmals in ziemlich langen Sätzen, was nicht unbedingt zum Verständnis beiträgt. Da ich das Original nicht kenne, kann ich allerdings nichts über den Satzbau im Vergleich zur Übersetzung sagen.
Bei den folgenden Übersetzungen von Heiko bessert sich dies aber merklich, und die Geschichten sind stilistisch einwandfrei und gut zu lesen - und was kann ich Besseres sagen?!

Der Leichengott
Originaltitel: The Charnel God
Ersterscheinung: März 1934
Übersetzer: Heiko Langhans
Der Gott der Stadt Tul-Bha-Sair interessiert sich nicht für die Belange der Lebenden. Erst wenn ein Mensch gestorben ist, wird er von Mordiggian für sich beansprucht. Der junge Phariom, der mit seiner kranken Braut in die Stadt kommt, muß hier sehr unangenehme Erfahrungen machen.
Wieder eine sehr morbide, dunkle Geschichte. Sword and Sorcery aus einer viel dunkleren Ecke als zum Beispiel bei Robert E. Howard mit "Conan".

Ilalothas Tod
Originaltitel: The Death of Ilalotha
Ersterscheinung: September 1937
Übersetzer: Heiko Langhans
Im königlichen Palast von Mirab ist es Sitte, daß adelige Gestorbene drei Tage lang prachtvoll aufgebahrt werden; im großen Feiersaal (wie hat das im Original wohl geheißen?), zum Gedenken des Aufgebahrten, kommt es dann um diesen herum zu orgiastischen Ausschweifungen, Völlerei und allen denkbaren Lustbarkeiten. In dieser Geschichte ist die Hofdame Ilalotha gestorben. Doch scheint ihr Leib noch frisch zu sein wie bei einer Lebenden, und keinerlei Spuren des Verfalls sind an ihr zu bemerken. Man könnte fast glauben, sie würde nur schlafen. So kehrt der Edelmann Thulos, der neue Geliebte der Königin, an den Hof zurück und findet seine ehemalige Geliebte Ilalotha aufgebahrt vor. Von dem Leichnam scheint eine Anziehungskraft auf Thulos auszugehen, die nicht irdischen Ursprungs sein kann. Thulos findet sich so gefangen zwischen seiner ehemaligen und seiner jetzigen Geliebten wieder, und dies kann nicht gut für ihn ausgehen.

Der schwarze Abt von Puthuum
Originaltitel: The Black Abbot of Puthuum
Ersterscheinung: März 1936
Übersetzer: Andreas Diesel
Der Bogenschütze Zobal und der Lanzenträger Cushara hatten lange und erfolgreich im Heer des Königs Hoaraph gedient. Nun sind sie mit dem Eunuchen Simban, dem Hauptausstatter des königlichen Harems, unterwegs, um in einem öden Teil des Landes eine bezaubernde Jungfrau für den König zu kaufen. Doch die gegenüber dem Übersinnlichen ungläubigen Helden werden in einem düsteren Kloster eines besseren belehrt und müssen sich, um die schöne Jungfrau zu beschützen, auf den Kampf mit einem ganz und gar nicht irdischen Wesen einlassen, dem auch mit normalen Waffen nicht beizukommen ist.
Das Fazit, das man aus dieser Geschichte ziehen kann, ist treffend wie das echte Leben: Nicht immer bekommt der wahre Held die Prinzessin. (* Hmmmm - hamham? >;-))) Heike)

Xeethra
Originaltitel: Xeethra
Ersterscheinung: Dezember 1934
Übersetzer: Andreas Diesel
Der Knabe Xeethra gelangt beim Hüten der Schafe seines Onkels in ein mystisches Tal. Dort findet Xeethra einen Eingang zur Unterwelt und geht schließlich einen Handel mit Thasaidon, dem Herrn der Unterwelt, ein. Der Knabe Xeethra wandelt sich immer mehr in den jungen König Amero, dessen Reich vor langer Zeit unterging und der nun sein verlorenes Königreich sucht - aber ob ihm dort das Glück winkt?

Morthylla
Originaltitel: Morthylla
Ersterscheinung: Mai 1953
Übersetzer: Frank Festa
Der Poet Valzain ist der Ausschweifungen und Lustbarkeiten in Umbria, der Stadt am Flußdelta, müde geworden. So fühlt er sich nur angezogen von der Geschichte über den Geist der Prinzessin Morthylla, der durch eine Totenstätte fünf Kilometer vor der Stadt streifen soll. Valzain macht sich auf den Weg zu dem Friedhof, und tatsächlich begegnet er dort einer Frau.

Die Seereise des König Euvoran
Originaltitel: The Voyage of King Euvoran
Ersterscheinung: Juni 1933
Übersetzer: Andreas Diesel
König Euvorans Krone ist ein wirklich seltenes Exemplar, aber das Bedeutendste daran ist ein ausgestopfter Gazolbavogel, der auf ihr ruht. Doch bei der Rechtsprechung trifft Euvoran auf einen Nekromanten. Da die Nekromantie ein todeswürdiges Verbrechen in Ustaim ist, will der König ihn hinrichten lassen. Der Nekromant jedoch zeigt dem König seine Macht auf, indem er den toten Vogel auf der Krone wieder zum Leben erweckt und dann entflieht. Auch der Vogel entschwindet durch die Lüfte, und Euvoran beginnt mit einer Flotte von Schiffen eine wunderliche Reise durch die Meere am Ende der Zeit, um das Glückssymbol seines Reiches wieder zurückzuerhalten.
Wie auch der Herausgeber schreibt: eine Geschichte, die sehr an Sindbads Abenteuer und an 1001 Nacht erinnert.

Mit den folgenden Geschichten verlassen wir den Zothique-Zyklus und erhalten hier einen guten Überblick über die Schaffenskraft des Autors.

Genius Loci
Originaltitel: Genius Loci
Ersterscheinung: Juni 1933
Übersetzer: Heiko Langhans
Der Maler Francis Amberville besucht den Ich-Erzähler auf dem Land. Dort findet er einen seltsamen Platz, einen Teich mit einer Wiese und einem schmalen Bach. Diese Gegend scheint eine unheimliche Anziehungskraft auf ihn auszuüben, die das offene Gemüt des Malers immer mehr ins Gegenteil kehrt und den Mann ins Unglück treibt. Auch sein Freund muß aufpassen, nicht in diesen Sog zu gelangen.
Eine wirklich düstere, unheimliche Geschichte, die mehr von der Vorstellungskraft des Lesers als von der offensichtlichen Darstellung lebt - und die Phantasie kann schrecklicher als die Realität sein.

Das Gorgonenhaupt
Originaltitel: The Gorgon
Ersterscheinung: April 1932
Übersetzer: Heiko Langhans
Im London der dreißiger Jahre (nehme ich an, da die Geschichte um diese Zeit erschienen ist) trifft der Erzähler in den Straßen Londons (die geschilderte, düstere Atmosphäre würde auch gut zu Jack the Ripper passen) einen uralten Mann, der angibt, das Haupt der Medusa zu besitzen.
Das Gorgonenhaupt ist eine schöne Gruselgeschichte im Gothic-Horrorstil, in der zwar mit bekannten Versatzstücken gearbeitet wird, wie schon der Titel zeigt, aber nichtsdestotrotz ist sie sehr unheimlich und lesenswert.

Die Rückkehr des Hexers
Originaltitel: The Return of the Sorcerer
Ersterscheinung: September 1931
Übersetzer: Heiko Langhans
Der arbeitslose Ogden kann aufgrund seiner Arabisch-Kenntnisse bei dem schrulligen Gelehrten John Carnby in Anstellung gehen. Carnby scheint unter unerklärlichen Angstzuständen zu leiden. Er bittet Ogden, ihm aus einem ganz besonderen Buch zu übersetzen: aus dem Necronomicon.
Diese Geschichte ist eindeutig eine Reminiszenz an H. P. Lovecraft. Das Grauen nähert sich mit leisen Schritten, aber unaufhaltsam.

Die Venus von Azombeii
Originaltitel: The Venus of Azombeii
Ersterscheinung Juni-Juli 1931
Übersetzer: Martin Eisele
Durch ein Manuskript aus dem Nachlaß von Julius Marsden werden wir über seine wunderbaren und schrecklichen Erfahrungen unterrichtet, die er im Herzen Afrikas gemacht hat. So über die Gewinnung der Liebe von Mybaloë, der Gottkönigin eines unbekannten afrikanischen Volkes, und die Gefahr, der man sich aussetzt, wenn der Medizinmann des Volkes aus Eifersucht zum Feind wird, denn das kann leicht tödlich enden.

Die Wurzel der Ampoi
Originaltitel: The Root of Ampoi
Ersterscheinung: Frühjahr 1949
Übersetzer: Martin Eisele
Ein Zirkus ist nach Auburn gekommen und mit ihm ein Riese, der die Neugierde des Ortsarztes erweckt, da er keinerlei Fehlproportionierung (spr.: Akromegalie) aufzeigt. Im Gespräch mit Jim Knox erfährt der Arzt die seltsame Geschichte des Mannes, der in Neuguinea einem Amazonenvolk von ungewöhnlicher Größe begegnete.
Eine mit wenig Phantastik auskommende Geschichte, die aber trotzdem mit der Schilderung der fremden Kultur sehr gut unterhält.

Die unentdeckte Insel
Originaltitel: The Uncharted Isle
Ersterscheinung: August 1942
Übersetzer: Martin Eisele
Ein Schiffbrüchiger landet auf einer unbekannten Insel. Doch des Nachts kann er kein bekanntes Sternbild mehr am Himmel erkennen; auch die Vegetation erscheint ihm bizarr und fremd - als ob er in einem anderen Universum gelandet wäre. Dann entdeckt er eine Stadt auf der Insel, doch irgendwie gelingt es ihm nicht, sich den Bewohnern bemerkbar zu machen; er scheint Luft für sie zu sein.

Mutter Kröte
Originaltitel: Mother of Toads
Ersterscheinung: Juli 1938
Übersetzer: Heiko Langhans
Der Lehrling des Apothekers muß eine sehr unangenehme Sache ausführen. Bei der Hexe, die im Volksmund La Mère des Crapauds, Mutter der Kröten, genannt wird, soll er einen Trank abholen. Und wie es der Name der Hexe schon sagt, ist die Umgebung der Hütte nur so überflutet mit Kröten.

Die Ankunft des weißen Wurms
Originaltitel: The Coming of the White Worm
Ersterscheinung: April 1941
Übersetzer: Andreas Diesel
Eine grauenhafte Gottheit in der Gestalt eines Wurms eignet sich mit einem riesigen Eisberg immer mehr Länder der Lebenden an. Die meisten Menschen sterben bei dem Eintreffen des Eisbergs, und nur die mächtigsten Zauberer der Menschheit überleben als Sklaven des Wurmgottes. Aber auch ihnen steht ein finsteres Schicksal bevor.
Diese Geschichte spielt im Hyperborea-Zyklus von Clark Ashton Smith, weit in der Vergangenheit der Menschheit, in einer dunklen Zeit.

Diese Kurzgeschichtensammlung im Rahmen der H. P. Lovecraft-Bibliothek des Schreckens ist eine wirklich gelungene Ausgabe des Festa-Verlags. Es macht Spaß, die Geschichten von Clark Ashton Smith zu lesen (eine gewisse morbide Faszination ist hierbei bestimmt nicht fehl am Platz). Wenn man auf Autoren wie Poe oder Lovecraft steht, ist man hier jedenfalls bestens aufgehoben.

Hervorheben möchte ich zum Schluß nochmals die gute Arbeit der Herausgeber, besonders auch die Anmerkungen zu den einzelnen Geschichten, die viel fundierter als meine eigenen sind.
14 Punkte

Bernd Krosta


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