Jesco von Voss:

"Der Letzte wird Inquisitor"

(Das Schwarze Auge, Band 58)
D 2001
(Taschenbuch, Heyne 06/6058, ISBN 3-453-18820-9, DM 13,57 / EUR 6,95)
- erschienen: August 2001 -

Zoltan ist spät als Geweihter zur Praios-Kirche gestoßen, was seinem Glauben aber keinen Abbruch tut. Mit großer Begeisterung und unterstützt von einer kleinen Truppe Soldaten macht er sich auf, um einen Auftrag in der Hafenstadt Perricum zu erledigen.
Angeblich ist es dem Feinde gelungen, einen Gestaltwandler an exponierter Position unterzubringen, und sogar die eigene Kirche ist von dem Verdacht nicht ausgeschlossen.
Wie gefährlich sein Auftrag ist, merkt Zoltan, als er unweit von Perricum von einer Horde unheimlicher Fischmenschen attackiert wird. Woher mag der Feind bloß von seinem Kommen wissen?

Offensichtlich hat man sich im FanPro Lager dazu entschlossen, aus dem Borbarad Komplex jede Möglichkeit einer Publikation herauszupressen, die man nur finden kann. So geht also das Spiel weiter, daß absolut jedes kleinste Element aus dem Konflikt beschrieben wird. Das paßt zur Politik und wird sicher bei vielen Aventurien-Anhängern auf Zustimmung stoßen. Allerdings dürften sich jene, denen Aventurien eh schon zu klein und zu genau beschrieben war, immer weiter in die Defensive gedrängt fühlen... aber für die gibt es ja jetzt Myranor, und wie es scheint, läßt man ihnen auch keine Alternative.

Also, was wir hier haben, ist eine Art Kriminalroman im Fantasy-Milieu, der von einem religiösen Fanatiker geleitet wird - nichts anders sind Praios-Geweihte nun mal. Dabei erhält man hin und wieder einen ganz netten Einblick in die Strukturen der Praios-Kirche und erfährt so nebenbei, daß auch diese Kirche "nur" aus Menschen besteht, die auch nicht alle heilig sind. Inquisitor Zoltan macht dabei allerdings nur den Eindruck, einer unter vielen zu sein. Sein Charisma, das er versprüht, ist nun mal das eines Inquisitors, und so kann er nie den Eindruck erreichen, etwas Besonderes zu sein. Vielmehr hat er so die üblichen Elemente, mit denen Inquisitoren immer wieder beschrieben werden (u.a. die ewige Rechthaberei). Einen guten Eindruck macht er allerdings im Umgang mit seinen Untergebenen. Hier wirkt er endlich mal wie ein Mensch.
Für einen richtig guten Roman ist das allerdings ein bißchen wenig, besonders, da die Handlung mehr oder minder auch nur vor sich hin plätschert und eigentlich wenig Aufregendes zu bieten hat. Gegen Ende dreht der Autor allerdings noch mal ein wenig auf, und so wird die Jagd auf den Bösewicht zum großen Highlight des Romans. Wobei ich mich allerdings ein wenig frage, wo so ein junger Inquisitor seine Autorität hernimmt...

Fazit:
Ganz netter Roman, der sich im Rahmen der üblichen DSA-Romane aufhält. Mir geht's ein wenig gegen den Strich, weil's schon wieder Borbarad ist, aber ansonsten kann man ihn ruhig im Mittelfeld ansiedeln.
8 Punkte

Alexander Haas


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