Harry Harrison / John Holm:

"Der Hammer des Nordens"

(Hammer und Kreuz - 1. Roman)
OT: The Hammer and the Cross
Ü: Frank Borsch
USA 1993
(636 Seiten, Taschenbuch, Heyne 06/6321, ISBN 3-453-15648-X, DM 25,33 / EUR 12,95)
- erschienen: September 2001 -

Zum Inhalt:
Im Jahr 865 wird der Norden Englands von Wikinger-Raubzügen geplagt. Als es gelingt, einen ihrer schrecklichsten Anführer, Ragnar Lodbrok, gefangenzunehmen und hinzurichten, sinnen seine drei Söhne auf Rache. Es dauert nicht lange, und eine riesige Wikinger-Armee verwüstet ganze Landstriche. Als Shefs Stiefschwester Godive von der Großen Armee entführt wird, macht er sich auf, um sie zu retten. Er schließt sich der Großen Armee an und legt schon bald ein erstaunliches technisches Talent an den Tag.

Mit dem "Hammer des Nordens" ist nun der erste Teil der Parallelwelt-Trilogie "Hammer und Kreuz" von Harry Harrison und John Holm auf Deutsch erschienen. Den beiden Autoren ist es dabei gelungen, eine faszinierende Abenteuergeschichte zu entwickeln, die sich mit der Frage beschäftigt, was wohl geschehen wäre, wenn die Wikinger im neunten Jahrhundert England besetzt hätten. Nun, soweit sind wir nach diesem Roman noch nicht, aber immerhin ist dies ja auch eine Trilogie.
Protagonist des Romans ist der junge Engländer Shef, der im Lauf des Romans ein technisches Talent entwickelt, das zwar erstaunlich ist; doch muß man den beiden Autoren zugestehen, daß sie ihre Protagonisten nur diejenigen technischen Errungenschaften entwickeln lassen, die damals auch theoretisch möglich gewesen wären. Wie auch Shef erkennt: "Im Grunde ist es Altes Wissen. Man muß nur jemanden finden, der die Kenntnisse hat, und diese in einem neuen Rahmen nutzen."
So ist es dann auch kein Wunder, daß es Shef und einem Teil der Wikinger, die eine Art lockere Religionsgemeinschaft bilden, gelingt, nicht nur den Angriff der Hauptstreitmacht der Wikinger, sondern auch gleich noch die Kreuzritter zu besiegen, die die katholische Kirche nach England entsendet, weil sie um ihre Pfründe bangt. Denn Shef erdreistet sich unter anderem, die katholische Kirche in den besetzten Landstrichen zu enteignen und ihre Ländereien unter den ehemaligen englischen Sklaven aufzuteilen, die seiner Armee beigetreten sind und die unter einem Banner kämpfen, das den Hammer und das Kreuz vereint.
Spätestens hier entwickelt sich der Roman dann auch zu einer intelligenten Auseinandersetzung mit der Römisch-Katholischen Kirche bzw. deren Frühzeit. Auf der einen Seite haben wir hier Rom, auf der anderen die neue Religion in England, die sich bereits in diesem Roman andeutet und die aus einer Mischung des nordischen Glaubens und dem Christentum beruht. Hier taucht eine Macht am Horizont auf, die nicht nur England zu einer Weltmachtsstellung führen wird, sondern die gesamte Geschichte umzukrempeln in der Lage ist. Und diese Geschichte wird von den beiden Autoren in unnachahmlicher Manier erzählt.

Fazit:
"Der Hammer des Nordens" erweist sich als ein großartiger Parallelwelt-SF-Roman, der gekonnt von der bekannten Zeitlinie abweicht und eine faszinierende Welt vor dem Leser ausbreitet. Das gibt dann einen der interessantesten, intelligentesten und lesenswertesten Parallelwelt- (und auch Abenteuer-)Romane überhaupt und eine dringende Empfehlung an denjenigen, der dieses Genre mag.
Für wen SF aber lediglich aus Zukunftsromanen mit wilden Raumschlachten besteht, bleibt jedoch nur die Empfehlung: Finger weg.
14 Punkte.

Winfried Brand


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