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Inhalt:
Im Jahr 865 wird der Norden Englands von Wikinger-Raubzügen
geplagt. Als es gelingt, einen ihrer schrecklichsten Anführer,
Ragnar Lodbrok, gefangenzunehmen und hinzurichten, sinnen seine drei
Söhne auf Rache. Es dauert nicht lange, und eine riesige
Wikinger-Armee verwüstet ganze Landstriche. Als Shefs
Stiefschwester Godive von der Großen Armee entführt wird,
macht er sich auf, um sie zu retten. Er schließt sich der
Großen Armee an und legt schon bald ein erstaunliches
technisches Talent an den Tag.
Mit dem "Hammer des Nordens" ist nun der erste Teil der
Parallelwelt-Trilogie "Hammer und Kreuz" von Harry Harrison und John
Holm auf Deutsch erschienen. Den beiden Autoren ist es dabei
gelungen, eine faszinierende Abenteuergeschichte zu entwickeln, die
sich mit der Frage beschäftigt, was wohl geschehen wäre,
wenn die Wikinger im neunten Jahrhundert England besetzt hätten.
Nun, soweit sind wir nach diesem Roman noch nicht, aber immerhin ist
dies ja auch eine Trilogie.
Protagonist des Romans ist der junge Engländer Shef, der im Lauf
des Romans ein technisches Talent entwickelt, das zwar erstaunlich
ist; doch muß man den beiden Autoren zugestehen, daß sie
ihre Protagonisten nur diejenigen technischen Errungenschaften
entwickeln lassen, die damals auch theoretisch möglich gewesen
wären. Wie auch Shef erkennt: "Im Grunde ist es Altes Wissen.
Man muß nur jemanden finden, der die Kenntnisse hat, und diese
in einem neuen Rahmen nutzen."
So ist es dann auch kein Wunder, daß es Shef und einem Teil der
Wikinger, die eine Art lockere Religionsgemeinschaft bilden, gelingt,
nicht nur den Angriff der Hauptstreitmacht der Wikinger, sondern auch
gleich noch die Kreuzritter zu besiegen, die die katholische Kirche
nach England entsendet, weil sie um ihre Pfründe bangt. Denn
Shef erdreistet sich unter anderem, die katholische Kirche in den
besetzten Landstrichen zu enteignen und ihre Ländereien unter
den ehemaligen englischen Sklaven aufzuteilen, die seiner Armee
beigetreten sind und die unter einem Banner kämpfen, das den
Hammer und das Kreuz vereint.
Spätestens hier entwickelt sich der Roman dann auch zu einer
intelligenten Auseinandersetzung mit der Römisch-Katholischen
Kirche bzw. deren Frühzeit. Auf der einen Seite haben wir hier
Rom, auf der anderen die neue Religion in England, die sich bereits
in diesem Roman andeutet und die aus einer Mischung des nordischen
Glaubens und dem Christentum beruht. Hier taucht eine Macht am
Horizont auf, die nicht nur England zu einer Weltmachtsstellung
führen wird, sondern die gesamte Geschichte umzukrempeln in der
Lage ist. Und diese Geschichte wird von den beiden Autoren in
unnachahmlicher Manier erzählt.
Fazit:
"Der Hammer des Nordens" erweist sich als ein großartiger
Parallelwelt-SF-Roman, der gekonnt von der bekannten Zeitlinie
abweicht und eine faszinierende Welt vor dem Leser ausbreitet. Das
gibt dann einen der interessantesten, intelligentesten und
lesenswertesten Parallelwelt- (und auch Abenteuer-)Romane
überhaupt und eine dringende Empfehlung an denjenigen, der
dieses Genre mag.
Für wen SF aber lediglich aus Zukunftsromanen mit wilden
Raumschlachten besteht, bleibt jedoch nur die Empfehlung: Finger
weg.
14 Punkte.