Schon seit
langer Zeit hat sich die Linguistin Sutty auf ihren Einsatz
vorbereitet. Nachdem die Erde sich nach einer Zeit der
religiösen Wirren allmählich wieder erholt, bricht Sutty
zum Planeten Arka auf.
Doch dort haben sich die Verhältnisse mittlerweile
geändert. Ein diktatorisches Regime ist an die Macht gekommen,
in dem die Wissenschaft verherrlicht wird. Sutty hat nach etlichen
Monaten genug von all den Parolen, die ihr täglich
entgegenschallen, und ihr Beruf erscheint ihr in dieser Welt nutzlos.
Doch da geschieht ein kleines Wunder: Sutty wird erlaubt, die
entlegeneren Provinzen der Welt Arka zu besuchen. Dort soll die
ursprüngliche, alte Kultur des "Erzählens" noch existieren.
Sutty, die zuerst von einem staatlichen Beamten aufmerksam beobachtet
wird, stürzt sich mit Feuereifer in die Erforschung der alten
Sprache und der Gebräuche. Und während sie allmählich
immer tiefer in die Überlieferungen eindringt, erkennt sie mehr
und mehr, daß sie die alten Gebräuche unbedingt vor dem
Regime retten muß. Doch das ist alles andere als einfach.
Mit dem Roman "Die Erzähler" legt LeGuin einen weiteren Roman
ihres "Hainish"-Zyklus vor. Man muß jedoch die anderen
Bände nicht kennen, um an diesem Roman sein Vergnügen zu
haben.
Mit Action oder Space-Opera hat diese groß angelegte
Erzählung über Sprache und deren Wirkung nichts gemein.
Ruhig und besonnen treibt die Autorin die Handlung voran,
läßt immer wieder Zeit zum Nachdenken. Dabei ersteht eine
faszinierende Welt vor den Augen des Lesers - eine Welt, die
erschreckend an die kommunistischen Regimes erinnert. Warum also
faszinierend? Ganz einfach, weil die Autorin innerhalb dieses Regimes
eine Kultur zeichnet, deren Zweck nur der des Erzählens ist. Der
einer lebendigen Sprache, die durch die Kulturrevolution als
Aberglauben verboten wurde und die sich dennoch eine Nische erhalten
hat.
Dabei gelingt es ihr, sowohl Sutty als auch ihren Gegenspieler als
lebendige Menschen zu zeichnen, als Menschen, die für ihr
Handeln ihre Gründe haben. Natürlich liegen die Sympathien
des Lesers eindeutig bei Sutty, aber nach und nach erfährt man
auch, warum der Beamte, der sie zuerst gezwungenermaßen und
danach freiwillig verfolgt, zu dem geworden ist, wer er ist. Dadurch
sind die Figuren weder schwarz noch weiß, sondern grau.
Das eigentliche Thema ist jedoch der Umgang mit Sprache und dem
geschriebenen Wort. Sprache, so meint die Autorin, ist etwas, das
einen nicht nur formt, sondern das einem zugleich Wurzeln gibt. Mit
der Sprache hat man eine Identität - nicht zu Unrecht taucht in
dem Roman das Symbol des Baums für die Kultur der Erzähler
auf.
Und LeGuin kann diese Faszination, die von dieser Kultur ausgeht,
perfekt vermitteln.
Fazit:
Ein ruhiger, besonnener Roman, dessen Protagonisten einfühlsam
charakterisiert sind und der gewiß nichts für jeden Leser
sein wird. Wer jedoch anspruchsvolle SF mag, wird mit diesem Roman
gut bedient sein.
13 Punkte