Werner A. Wilbert:

"Kolonien in Not"

(Imperium Omega - Band 2)
D 2001
(184 Seiten, Paperback, Verlag Wilbert IO-002, DM 19,80 zzgl. DM 6,- P&V (evtl. zzgl. DM 8,- Nachnahme))
Bezug: Verlag Wilbert, Wiehagen 75, 45879 Gelsenkirchen sowie evtl. einschlägig bekannte Versandhändler
- erschienen: August 2001 -

Zum Inhalt:
Doran-Kor und Co. reißen sich ein paar Kampfschiffe unter den Nagel und gewinnen einen Planeten für ihre Revolution, während der Imperator weitere Planeten zerstören läßt. Doch dann taucht ein Fremder auf, der eine geheimnisvolle Defensivwaffe zur Verfügung stellt: den Planetenschild...

Ojemine, "Imperium Omega" driftet weiter in den Sphären des Desinteresses. Werner A. Wilbert nimmt hier das Tempo des ersten Romans deutlich zurück, vernichtet "nur" ein paar hundert Millionen Lebewesen statt der Milliarden, die innerhalb des ersten Romans "vor die Hunde" gegangen sind. Zwar steht hier immer noch die Action alleinig im Vordergrund, doch wird dieser Aspekt drastisch heruntergefahren.
"Kolonien in Not" stellt sich wieder als ein typischer Wilbert-Roman dar: kein Lektor, keine Rechtschreibungskenntnisse und dummerweise leider auch kein Warten auf den nächsten physikalischen Klops, da der Autor hier erst gar nicht versucht, irgendetwas zu erklären (bei John Coan machen diese Klöpse den Lesespaß aus...).
Äußerlich besticht dieses Buch durch ähnliches drucktechnisches Unvermögen wie der erste Band von John Coan. Sobald die Seitenzahl dreistellig wird, rückt sie auf der rechten Seite von rechts außen nach links innen, und das Schriftbild ist genauso schlecht, schwach und zerfasert, so daß es in den Augen schmerzt. Immerhin hat man anscheinend eine leicht unterschiedliche Master-Datei verwendet, denn die erste Zeile der rechten Seiten schließt wenigstens bündig ab...
Stilistisch bringt Werner A. Wilbert immer noch nichts auf die Reihe. Er bemüht sich sichtlich, einen Roman zu schreiben, der auch lesbar ist, doch scheitert er in diesem Bemühen. Wenn er wenigstens Grundkenntnisse der deutschen Rechtschreibung hätte, könnte man über die meistens lesefeindlichen Satzstellungen vielleicht hinwegsehen, doch fehlt hier eindeutig der Lektor. Lieber Werner A. Wilbert, sprich mir nach: "Lektor! Lektor! Lektor!" (Bei Beetlejuice hat's gewirkt - vielleicht klappt's ja auch hier...)
Kommen wir aber jetzt zu einer Sache, die mich schon beim ersten Band der Serie störte: die dämlichen Doppelnamen, die immer auftauchen, sobald sie mit Menschen in Verbindung gebracht werden können. Doran-Kor, Kari(n - wie teilweise hinzugefügt wird...)-Din, Lebon-Hal, Notro-Tur, Berla-Hot, Brokon-Ran, Colo-Drom usw. usf. Aufgrund fehlender Charakterisierungen sind diese Namen beliebig austauschbar. Der Leser fragt sich immer wieder, wer denn nun derjenige ist, der hier handelt. Immer wieder braucht man mehrere Seiten, bis man überhaupt begriffen hat, mit welcher Person man es hier zu tun hat.
Die Verwirrung des Lesers kann man vielleicht an folgendem Beispiel deutlich machen: Ganz zu Anfang haben wir es mit einem Planetensystem zu tun, dessen Sonne den Namen OLDAN trägt. Daß der dazugehörige Planet OLDAN IV heißt, ist ja noch verständlich. Doch dann kommen die drei Kontinente: Mol-Dun, Mol-Dan und Mol-Don. Da fehlen eigentlich nur noch Mol-Din und Mol-Den, um die Reihe komplett zu machen. Es dürfte wohl kaum wundern, daß der Leser, vor allem wegen der nicht vorhandenen Charakterisierungen, im Lauf der Handlung keinerlei Ahnung hat, mit wem er es denn nun zu tun hat. Besonders, da Werner A. Wilbert bei seinen Hauptpersonen auch schon mal die Schreibweise wechselt...
So langsam beginne ich zu bereuen, diese Serie zum Rezensieren genommen zu haben. Denn dummerweise gilt beim Flash: Rezensieren bis zum bitteren Ende - wer eine Serie anfängt, muß sie auch zu Ende bringen. (* Also, ich erinnere mich da an eine von mir nur zum Teil rezensierte Heftserie, die in Schottland spielte und die ich anscheinend immer noch nicht so ganz verstanden habe... Heike) Imperium Omega ist eine vergnügliche Lektüre, wenn man Heftromane der 60er Jahre mag und über jegliche Rechtschreibungs- und Grammatikfehler hinwegsehen kann. Alles in allem: mittelmäßiger Trash!

Fazit:
Uninteressant und unnötig. Daß Werner A. Wilbert sich selbst verlegt, ist wohlbegründet. Das Zeugs nähert sich jedenfalls eher einer Karikatur, als daß es einen erstzunehmenden Heftroman darstellt. Ein netter Versuch einer SF-Serie, dem jedoch noch vieles fehlt. Unter andrem ein Lektor, ein Physiker und vor allem: Rechtschreibkenntnisse. Für die Belustigung gibt es jedoch noch
1 Punkt.

Winfried Brand

Im Jahr 11855 herrscht ein brutaler Imperator über die Galaxis.
Der Planet OLDAN IV ist eine reiche und paradiesische Welt, die regelmäßig ihre Steuern an den Imperator entrichtet. Als ein besonders gieriger Steuereintreiber des Imperators mit seiner Flotte im System auftaucht und so viel fordert, daß der Planet dieses nicht bezahlen kann, kommt es zu einer Schlacht, in welcher die Flotte des Steuereintreibers vernichtend geschlagen wird. Nun müssen die Bewohner von OLDAN IV mit einer Strafexpidition des Imperators rechnen und bitten die uns aus dem ersten Band bekannten Rebellen der PAX GALAXI um den Präsidenten Doran-Kor und den Wissenschaftler Lebon-Hal um Hilfe. Eine wichtige Rolle in den Ereignissen spielt ein Planetenschild, den die Bewohner von OLDAN IV von rätselhaften Fremden erworben haben und der den gesamten Planeten wirkungsvoll schützen - oder bei falscher Justierung vernichten kann...

Wie man aus der Inhaltszusammenfassung ersehen kann, konzentriert sich dieser Roman mehr auf die Bewohner des Planeten OLDAN IV und nicht so sehr auf die aus dem ersten Band bekannte Rebellengruppe.

Aber lassen wir den Inhalt zunächst einmal beiseite, denn viel spannender ist bei einem Wilbert-Buch eine andere Frage: Hat er es geschafft, nach den produktionstechnisch völlig mißlungenen ersten Bänden der Serien "Imperium Omega" und "John Coan" zum ersten mal ein Buch zu produzieren, daß halbwegs professionellen Ansprüchen genügt?

Die Antwort ist leider wiederum ein klares NEIN.

Auch dieses Buch ist drucktechnisch eine Katastrophe und produktionstechnisch ein Ausbund an Schlampigkeit. Dies bedeutet wiederum, daß in dieser Rezension in epischer Breite auf die Äußerlichkeiten des Buches eingegangen werden muß, etwas, daß bei anderen Kleinverlagen der phantastischen Szene in Deutschland praktisch nie notwendig ist. Wen diese Ausführungen langsam anfangen anzuöden, der möge zu den inhaltlichen Ausführungen weiterscrollen/blättern, wer sich aber für diese Äußerlichkeiten interessiert oder generell ein Anhänger von Stilblüten ist, möge weiterlesen.

Drucktechnisch bekommen wir nun zum dritten mal die Wilbert-typische Geheimschrift vorgesetzt. Sind schon die ersten gut einhundert Seiten recht dünn gedruckt, verabschiedet sich die Druckerpatrone ab Seite 116 dann fast vollständig und die Augen der gepeinigten Leserschaft werden wieder einer hohen Belastungsprobe ausgesetzt. Auch wechselt, wie bei John Coan 1, die Paginierung ab Seite 101 auf der rechten Seite wieder mal von rechts unten nach links unten, was wiederum wie die Gehversuche eines anfängerhaften Fanzine-Herausgebers aussieht. Auch von Absätzen hält Werner Wilbert nach wie vor nichts, bis auf wenige Ausnahmen sind für ihn nach wie vor die Worte "Satz" und "Absatz" synonym, was zum einen ordentlich Seiten schindet und zum anderen nicht gerade für einen angenehmen Lesefluß sorgt.

Produktionstechnisch kann ich Werner Wilbert nicht große Schlampigkeit attestieren, ohne sie ausführlich zu belegen. Deshalb sei dem Rezensenten nachgesehen, daß nun wieder eine lange Liste an Beispielen folgt, aber, wie gesagt: Stilblüten-Anhänger haben daran vielleicht sogar Freude.

Vorausgeschickt sei wiederum, daß es immer mehr nervt, daß Werner Wilbert völlig ohne Lektor oder zumindest ohne Bekannte oder Freunde arbeitet, die seine Werke noch einmal durchsehen, denn so ließen sich zumindest die gröbsten Fehler vermeiden.

Der Text läßt immerhin den Einsatz einer Rechtschreibprüfung erkennen, alles was diesem Programm aber entgeht, findet sich leider im Roman, wobei insbesondere Kommasetzungsregeln konstant mißachtet werden
So hat es der Autor immer noch nicht gelernt, daß sich das Wort Gros mit einem "s" am Ende schreibt, wie im ersten Band ist hier wieder die Rede von einem "Gro" (Seite 103; da ich nachfolgend immer wieder Seitenbelege bringe, gebe ich nachfolgend nur noch die Seitenzahl in Klammern an). Auch vertraut Werner Wilbert seiner Rechtschreibprüfung zu wenig und so finden sich Worte wie "Konsistens" (162 mitte) in dem Roman, oder, besonders putzig, hält er es für nötig, das Wort "bisher" (98 unten) zu trennen, so daß im Roman jetzt "bis her" steht.

Eine Steigerung ist immerhin bei der Formatierung zu erkennen, denn in die nächste Zeile gerutschte Fragezeichen oder Absätze, in welchen der Tabulator Amok gelaufen ist (wie bei John Coan 1), finden sich sehr selten

Sprachlich offenbart der Roman teilweise erstaunliche Schwächen; ich möchte Werner Wilbert gar nicht mal sprachliches Unvermögen bescheinigen aber zumindest ein sehr hohes Maß an Schlampigkeit. So scheint er nicht zu wissen, daß das Wort "Überraschungsmoment" (87 oben) mit einem neutralen und nicht mit einem maskulinen Artikel zu versehen ist. Da dieser Lapsus nicht zum ersten mal vorkommt, scheint es sich hierbei nicht um einen Flüchtigkeitsfehler, sondern tatsächlich um mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache zu handeln. Bei einem Charakter, der sich morgens im Bett reckt und streckt, "krachen" (AUA!) die Gelenke, statt zu knacken (76 oben). In dem Satz: "Nur die einzigsten die wirksam trafen, waren die angreifenden Kampfmaschinen." (102 mitte, Kommasetzung original übernommen) nervt das Wort "einzigsten" ganz gewaltig und offenbart ein sehr schlechtes Deutsch. Und in dem Satz: "Notro-Turs Flotte befand sich jetzt in der ungünstigen Position, daß er sozusagen vor und hinter sich den Feind hatte." (40 oben) wird es wohl auf ewig das Geheimnis des Autors bleiben, wieso er das nur im gesprochenen Deutsch gebräuchliche Füll-/Verlegenheitswort "sozusagen" einbaute.

All dieses offenbart ein erstaunliches Maß an Schlampigkeit, sorgt aber immerhin für einen echten Brüller, der mir im wahrsten Sinne des Wortes einen Lachanfall bescherte: Wie man im Impressum erkennen kann, hat der Verlag Wilbert und wohl auch der Autor seinen Sitz in Gelsenkirchen. Dagegen ist zunächst überhaupt nichts einzuwenden. Da aber unser Rebellenanführer Doran-Kor auf dem Planeten PAX GALAXI wohnt und nicht in Gelsenkirchen, ist der folgende Satz durch nichts zu entschuldigen:
"Doran-Kor trank seinen Mokka aus und rauchte sich derweil eine Zigarette." (147 o)
Rauchte SICH?!?! Lieber Herr Wilbert, das können sie doch nicht ernst meinen, oder? So einen Satz schreibt kein Autor, der nicht ein Lokalportrait von Gelsenkirchen und Umgebung im Sinn hat und/oder halbwegs ernst genommen werden möchte

Eine winzig kleine Steigerung gegenüber John Coan 1 ist immerhin festzustellen: Bei einem nervösen Charakter liegen die Nerven jetzt "blank" (16 oben) und nicht mehr "frei".

Auch im Satzbau offenbart der Autor wiederum erstaunliche Schwächen. Wenn Werner Wilbert sich doch mal traut, einen Satz zu schreiben, der länger als 1-2 Zeilen ist, entstehen dabei erstaunlich ungelenke Ungetüme. Ich möchte mich hier auf zwei Beispiele beschränken:

"Die noch nicht ganz dreißig jährige hatte aufgrund ihrer Begabung auch unter schwersten Bedingungen anfliegende Raumschiffe mit ihrem Geschütz sozusagen << in Streifen schießen zu können>>, eine Steile Karriere gemacht." (14 mitte)

Man achte insbesondere auf die Kommasetzung und den nervigen Gebrauch (schon wieder!) des Wortes "sozusagen".

Im zweiten Beispiel sei einmal besonders darauf geachtet, wie wenig es der Autor versteht, Relativsätze vernünftig zu plazieren:
"Sollte ein solches Ungetüm ungebremst mit seinem Gewicht und in voller Fahrt in eine der großen Lagerhallen, in denen die ausgebauten Raumschiffteile lagerten, die den Kolonien beim Verkauf der alten Raumer nicht zur Verfügung gestellt worden, hineinrasen, so würde er bestimmt am Ende der sechshundert Meter langen Halle wieder herauskommen." (109 unten). Der Satz ist so holprig formuliert, daß der Lesefluß erheblich ins Stocken gerät.

Nun wollen wir es mit den Äußerlichkeiten aber bewenden lassen. Jemand, der den geneigten Rezensenten für zu streng hält, sei darauf verwiesen, daß solche Fehler wie die oben genannten in einem "normalen" Buch schlicht nicht vorkommen und schon gar nicht in dieser Anzahl. Natürlich wird man als Autor auf Dauer, gerade bei längeren Texten mehr oder weniger betriebsblind und kein Mensch ist fehlerlos, aber lieber Herr Wilbert, wenn ihnen ein Lektor zu teuer ist, bitten sie doch zumindest Freunde und Bekannte, die Zeit und Lust dazu haben, ihre Texte einmal durchzusehen. Dadurch wären viele der oben genannten Ausfälle vermeidbar gewesen.

Kommen wir aber nun zum wesentlich erfreulicheren Teil dieser Rezension, nämlich dem Inhalt des Romans. Hatte mir schon der erste Band viel Spaß gemacht, kann Werner Wilbert hier sehr wohl anknüpfen und bietet wiederum einen äußerst temporeichen Roman, der mit seinen zahllosen, flott geschriebenen Actionszenen sehr gut unterhält. Eines muß man dem Autor lassen: Er mag Schwächen in den Bereichen Sprache und Stil haben, aber Action-Szenen schreibt er sehr gut und in einer Vernichtungsszene auf den Seiten 56/57 läuft er sogar richtig zur Hochform auf und beweist, daß er sprachlich durchaus etwas kann, wenn er nur will. Auch möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß es eine nicht zu gering schätzende Leistung darstellt, in einem Roman, der fast ausschließlich aus Action-Szenen besteht, diese nicht irgendwann langweilig werden zu lassen. Durch das hohe Tempo wird das Interesse des Lesers konstant hoch zu halten.

Auch stört es nicht so, daß die Rebellengruppe aus dem ersten Teil diesmal eher in den Hintergrund rückt, denn der Autor versteht es gut, für die Bewohner des Planeten OLDAN IV während der ersten fünfzig Seiten beim Leser so viele Sympathien aufzubauen, daß er ihrem Schicksal interessiert folgt. Gegen Ende des Romans baut der Autor dann noch geschickt eine neue Handlungsbene ein, die im nächsten Band fortgeführt wird und die Lust und das Interesse an einer Fortsetzung weckt.

Leider erregt der Inhalt nicht nur Wohlwollen, denn einige Stellen in dem Roman offenbaren Sorglosigkeit und Schlampigkeit.
So greifen unsere Rebellen einen Stützpunkt des Imperiums an, dessen Kommandant auf Seite 111 einen untergebenen Offizier dafür abkanzelt, daß dieser den Angriff für einen der Rebellen hält. Dieses wäre nach der Meinung des Kommandanten absoluter Unsinn, weil die Rebellen dazu gar nicht in der Lage wären. Ohne irgend eine Erklärung geht dann aber schon drei Seiten später der gesamte Stützpunkt wie selbstverständlich davon aus, daß es sich hier um einen Rebellenangriff handelt. Hier hatte Werner Wilbert wohl vergessen, welche Worte er nur wenige Seiten zuvor dem kommandierenden Offizier in den Mund gelegt hatte.
Auch ist es zumindest ungewöhnlich, daß die bei diesem Angriff eingesetzten Kampfroboter der Rebellen alle darauf programmiert sind, die Soldaten des Gegners gleich zu hunderten zu töten. Die normale Genre-Konvention geht doch so, daß brutale Gewalt immer nur von den "Bösen" ausgeht und die "Guten" brutale Gewalt nur in Notwehr anwenden. Da vorher geschildert wurde, daß diese Kampfroboter alles und allem himmelhoch überlegen sind, hätte es doch auch ausgereicht, sie mit Betäubungsstrahlern auf den Gegner schießen zu lassen. Noch mal zur Verdeutlichung: Dieses ist nicht falsch oder schlecht, sondern nur höchst ungewöhnlich und wohl dadurch zu erklären, daß Werner Wilbert mit seinem Romanen sicherlich nicht den Friedensnobelpreis anstrebt. Auch in diesem Buch läßt er wieder auf gerade mal 183 Seiten eine neunstellige(!!!) Anzahl an Lebewesen über die Klinge springen...

Ein völliger Ausfall in der Handlungslogik ist aber an anderer Stelle zu vermelden: Unsere Rebellen bekommen einen Hilferuf von dem Planeten OLDAN IV und erfahren, daß dieser sich mitten in einer Schlacht befindet. Die Rebellen beschließen, OLDAN IV zu helfen. Was tun sie dann? Rennen sie zu ihren Schiffen und starten sofort? Nein! Da werden erst mal neue Raumschiffe eingeweiht, sich über ein großes Buffet hergemacht und wenn dann endlich gestartet wird, geben sich unsere beiden Haupthandlungsträger Doran-Kor und Lebon-Hal noch "die Kante" bis zur Bewußtlosigkeit, da es zur Schlacht ja noch 12 Stunden hin wären. Sicher, man muß ja zu einer wichtigen Schlacht auch nicht ausgeruht und fit sein...

Zuletzt sei noch auf ein Stilmittel hingewiesen, daß mir persönlich noch nie gefallen hat und von einer mangelnden Phantasie des Autoren zeugt, ich zitiere:
"Einhundertzehn Kampfmaschinen, von denen es jede einzelne geschafft hätte, mehrere Divisionen von Soldaten aus dem einundzwanzigsten Jahrhundert aufzuhalten." (91 oben).
Der Roman spielt im Jahr 11855. Wen interessieren da bitte schön noch Bezugsgrößen aus dem 21. Jahrhundert, also eine Zeit, die 97 Jahrhunderte(!!!) zurückliegt? Natürlich sind SF-Romane, egal wie weit sie zeitlich und räumlich entfernt spielen, immer auch ein Spiegelbild der Zeit, in welcher sie entstanden sind, was von vielen Autoren ja auch reizvoll genutzt wird. Solche Vergleiche wie der eben zitierte stellen aber einen erheblichen Stilbruch dar und reißen die Leser zu sehr aus der Romanhandlung heraus. Auch bei Perry Rhodan findet sich so etwas immer wieder. Dies ist sicherlich Geschmackssache und mag auch einigen Leuten gefallen, in dieser Szene stört es aber enorm, weil der Autor gerade nicht unserer Zeit einen Spiegel vorhalten möchte oder sie in die Zukunft extrapoliert; ihm fiel schlicht nichts Besseres ein.

Zusammenfassend läßt sich somit feststellen, daß wir es wie bei dem ersten Band von Imperium Omega wieder mit einem höchst unterhaltsamen Roman zu tun haben, der durch das hohe Tempo viele seiner Fehler vergessen läßt. Anspruchsvolle Kost wird natürlich nicht geboten, war aber auch nie angestrebt und kann dem Roman deshalb nicht negativ ausgelegt werden.
Die geneigte Leserschaft dieser Rezension möge selbst entscheiden, ob sie mit den oben genannten Mängeln leben kann. Aufgrund des hohen Unterhaltungswertes komme ich aber wieder nicht umhin, dem Roman eine recht hohe Note zu geben, denn entscheidend ist der Gesamteindruck, nicht die Summe seiner Teile. Eine zweistellige Note ist dieses mal aber nicht möglich, denn es machen sich durch den Wegfall des "Neuheitsbonus", wie bei den meisten Serien, ganz leichte Abnutzungserscheinungen bemerkbar.
Verglichen mit den anderen, bisher erschienen Wilbert Romanen liegt "Kolonien in Not" nur knapp unter dem ersten Band der Reihe und deutlich über dem Auftaktband von "John Coan".

Fazit:
Druck- und produktionstechnisch (mal wieder!) völlig mißlungener Wilbert-Roman, der sich seine dadurch verscherzten Sympathien aber durch eine temporeiche und fesselnde, wenn auch sehr anspruchslose Handlung mehr als zurückgewinnt. Da der Roman fast "Page-Turner"-Qualitäten entwickelt, erreicht er somit trotz aller großen Mängel als gelungener Action-Roman noch
9 Punkte.

Oliver Naujoks

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