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Im Jahr 11855 herrscht ein brutaler Imperator über
die Galaxis.
Der Planet OLDAN IV ist eine reiche und paradiesische Welt,
die regelmäßig ihre Steuern an den Imperator
entrichtet. Als ein besonders gieriger Steuereintreiber des
Imperators mit seiner Flotte im System auftaucht und so viel
fordert, daß der Planet dieses nicht bezahlen kann,
kommt es zu einer Schlacht, in welcher die Flotte des
Steuereintreibers vernichtend geschlagen wird. Nun
müssen die Bewohner von OLDAN IV mit einer
Strafexpidition des Imperators rechnen und bitten die uns
aus dem ersten Band bekannten Rebellen der PAX GALAXI um den
Präsidenten Doran-Kor und den Wissenschaftler Lebon-Hal
um Hilfe. Eine wichtige Rolle in den Ereignissen spielt ein
Planetenschild, den die Bewohner von OLDAN IV von
rätselhaften Fremden erworben haben und der den
gesamten Planeten wirkungsvoll schützen - oder bei
falscher Justierung vernichten kann...
Wie man aus der Inhaltszusammenfassung ersehen kann,
konzentriert sich dieser Roman mehr auf die Bewohner des
Planeten OLDAN IV und nicht so sehr auf die aus dem ersten
Band bekannte Rebellengruppe.
Aber lassen wir den Inhalt zunächst einmal beiseite,
denn viel spannender ist bei einem Wilbert-Buch eine andere
Frage: Hat er es geschafft, nach den produktionstechnisch
völlig mißlungenen ersten Bänden der Serien
"Imperium Omega" und "John Coan" zum ersten mal ein Buch zu
produzieren, daß halbwegs professionellen
Ansprüchen genügt?
Die Antwort ist leider wiederum ein klares NEIN.
Auch dieses Buch ist drucktechnisch eine Katastrophe und
produktionstechnisch ein Ausbund an Schlampigkeit. Dies
bedeutet wiederum, daß in dieser Rezension in epischer
Breite auf die Äußerlichkeiten des Buches
eingegangen werden muß, etwas, daß bei anderen
Kleinverlagen der phantastischen Szene in Deutschland
praktisch nie notwendig ist. Wen diese Ausführungen
langsam anfangen anzuöden, der möge zu den
inhaltlichen Ausführungen weiterscrollen/blättern,
wer sich aber für diese Äußerlichkeiten
interessiert oder generell ein Anhänger von
Stilblüten ist, möge weiterlesen.
Drucktechnisch bekommen wir nun zum dritten mal die
Wilbert-typische Geheimschrift vorgesetzt. Sind schon die
ersten gut einhundert Seiten recht dünn gedruckt,
verabschiedet sich die Druckerpatrone ab Seite 116 dann fast
vollständig und die Augen der gepeinigten Leserschaft
werden wieder einer hohen Belastungsprobe ausgesetzt. Auch
wechselt, wie bei John Coan 1, die Paginierung ab Seite 101
auf der rechten Seite wieder mal von rechts unten nach links
unten, was wiederum wie die Gehversuche eines
anfängerhaften Fanzine-Herausgebers aussieht. Auch von
Absätzen hält Werner Wilbert nach wie vor nichts,
bis auf wenige Ausnahmen sind für ihn nach wie vor die
Worte "Satz" und "Absatz" synonym, was zum einen ordentlich
Seiten schindet und zum anderen nicht gerade für einen
angenehmen Lesefluß sorgt.
Produktionstechnisch kann ich Werner Wilbert nicht
große Schlampigkeit attestieren, ohne sie
ausführlich zu belegen. Deshalb sei dem Rezensenten
nachgesehen, daß nun wieder eine lange Liste an
Beispielen folgt, aber, wie gesagt:
Stilblüten-Anhänger haben daran vielleicht sogar
Freude.
Vorausgeschickt sei wiederum, daß es immer mehr nervt,
daß Werner Wilbert völlig ohne Lektor oder
zumindest ohne Bekannte oder Freunde arbeitet, die seine
Werke noch einmal durchsehen, denn so ließen sich
zumindest die gröbsten Fehler vermeiden.
Der Text läßt immerhin den Einsatz einer
Rechtschreibprüfung erkennen, alles was diesem Programm
aber entgeht, findet sich leider im Roman, wobei
insbesondere Kommasetzungsregeln konstant mißachtet
werden
So hat es der Autor immer noch nicht gelernt, daß sich
das Wort Gros mit einem "s" am Ende schreibt, wie im ersten
Band ist hier wieder die Rede von einem "Gro" (Seite 103; da
ich nachfolgend immer wieder Seitenbelege bringe, gebe ich
nachfolgend nur noch die Seitenzahl in Klammern an). Auch
vertraut Werner Wilbert seiner Rechtschreibprüfung zu
wenig und so finden sich Worte wie "Konsistens" (162 mitte)
in dem Roman, oder, besonders putzig, hält er es
für nötig, das Wort "bisher" (98 unten) zu
trennen, so daß im Roman jetzt "bis her" steht.
Eine Steigerung ist immerhin bei der Formatierung zu
erkennen, denn in die nächste Zeile gerutschte
Fragezeichen oder Absätze, in welchen der Tabulator
Amok gelaufen ist (wie bei John Coan 1), finden sich sehr
selten
Sprachlich offenbart der Roman teilweise erstaunliche
Schwächen; ich möchte Werner Wilbert gar nicht mal
sprachliches Unvermögen bescheinigen aber zumindest ein
sehr hohes Maß an Schlampigkeit. So scheint er nicht
zu wissen, daß das Wort "Überraschungsmoment" (87
oben) mit einem neutralen und nicht mit einem maskulinen
Artikel zu versehen ist. Da dieser Lapsus nicht zum ersten
mal vorkommt, scheint es sich hierbei nicht um einen
Flüchtigkeitsfehler, sondern tatsächlich um
mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache zu handeln. Bei
einem Charakter, der sich morgens im Bett reckt und streckt,
"krachen" (AUA!) die Gelenke, statt zu knacken (76 oben). In
dem Satz: "Nur die einzigsten die wirksam trafen, waren die
angreifenden Kampfmaschinen." (102 mitte, Kommasetzung
original übernommen) nervt das Wort "einzigsten" ganz
gewaltig und offenbart ein sehr schlechtes Deutsch. Und in
dem Satz: "Notro-Turs Flotte befand sich jetzt in der
ungünstigen Position, daß er sozusagen vor und
hinter sich den Feind hatte." (40 oben) wird es wohl auf
ewig das Geheimnis des Autors bleiben, wieso er das nur im
gesprochenen Deutsch gebräuchliche
Füll-/Verlegenheitswort "sozusagen" einbaute.
All dieses offenbart ein erstaunliches Maß an
Schlampigkeit, sorgt aber immerhin für einen echten
Brüller, der mir im wahrsten Sinne des Wortes einen
Lachanfall bescherte: Wie man im Impressum erkennen kann,
hat der Verlag Wilbert und wohl auch der Autor seinen Sitz
in Gelsenkirchen. Dagegen ist zunächst überhaupt
nichts einzuwenden. Da aber unser Rebellenanführer
Doran-Kor auf dem Planeten PAX GALAXI wohnt und nicht in
Gelsenkirchen, ist der folgende Satz durch nichts zu
entschuldigen:
"Doran-Kor trank seinen Mokka aus und rauchte sich derweil
eine Zigarette." (147 o)
Rauchte SICH?!?! Lieber Herr Wilbert, das können sie
doch nicht ernst meinen, oder? So einen Satz schreibt kein
Autor, der nicht ein Lokalportrait von Gelsenkirchen und
Umgebung im Sinn hat und/oder halbwegs ernst genommen werden
möchte
Eine winzig kleine Steigerung gegenüber John Coan 1 ist
immerhin festzustellen: Bei einem nervösen Charakter
liegen die Nerven jetzt "blank" (16 oben) und nicht mehr
"frei".
Auch im Satzbau offenbart der Autor wiederum erstaunliche
Schwächen. Wenn Werner Wilbert sich doch mal traut,
einen Satz zu schreiben, der länger als 1-2 Zeilen ist,
entstehen dabei erstaunlich ungelenke Ungetüme. Ich
möchte mich hier auf zwei Beispiele
beschränken:
"Die noch nicht ganz dreißig jährige hatte
aufgrund ihrer Begabung auch unter schwersten Bedingungen
anfliegende Raumschiffe mit ihrem Geschütz sozusagen
<< in Streifen schießen zu können>>,
eine Steile Karriere gemacht." (14 mitte)
Man achte insbesondere auf die Kommasetzung und den
nervigen Gebrauch (schon wieder!) des Wortes
"sozusagen".
Im zweiten Beispiel sei einmal besonders darauf geachtet,
wie wenig es der Autor versteht, Relativsätze
vernünftig zu plazieren:
"Sollte ein solches Ungetüm ungebremst mit seinem
Gewicht und in voller Fahrt in eine der großen
Lagerhallen, in denen die ausgebauten Raumschiffteile
lagerten, die den Kolonien beim Verkauf der alten Raumer
nicht zur Verfügung gestellt worden, hineinrasen, so
würde er bestimmt am Ende der sechshundert Meter langen
Halle wieder herauskommen." (109 unten). Der Satz ist so
holprig formuliert, daß der Lesefluß erheblich
ins Stocken gerät.
Nun wollen wir es mit den Äußerlichkeiten aber
bewenden lassen. Jemand, der den geneigten Rezensenten
für zu streng hält, sei darauf verwiesen,
daß solche Fehler wie die oben genannten in einem
"normalen" Buch schlicht nicht vorkommen und schon gar nicht
in dieser Anzahl. Natürlich wird man als Autor auf
Dauer, gerade bei längeren Texten mehr oder weniger
betriebsblind und kein Mensch ist fehlerlos, aber lieber
Herr Wilbert, wenn ihnen ein Lektor zu teuer ist, bitten sie
doch zumindest Freunde und Bekannte, die Zeit und Lust dazu
haben, ihre Texte einmal durchzusehen. Dadurch wären
viele der oben genannten Ausfälle vermeidbar
gewesen.
Kommen wir aber nun zum wesentlich erfreulicheren Teil
dieser Rezension, nämlich dem Inhalt des Romans. Hatte
mir schon der erste Band viel Spaß gemacht, kann
Werner Wilbert hier sehr wohl anknüpfen und bietet
wiederum einen äußerst temporeichen Roman, der
mit seinen zahllosen, flott geschriebenen Actionszenen sehr
gut unterhält. Eines muß man dem Autor lassen: Er
mag Schwächen in den Bereichen Sprache und Stil haben,
aber Action-Szenen schreibt er sehr gut und in einer
Vernichtungsszene auf den Seiten 56/57 läuft er sogar
richtig zur Hochform auf und beweist, daß er
sprachlich durchaus etwas kann, wenn er nur will. Auch
möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß es
eine nicht zu gering schätzende Leistung darstellt, in
einem Roman, der fast ausschließlich aus Action-Szenen
besteht, diese nicht irgendwann langweilig werden zu lassen.
Durch das hohe Tempo wird das Interesse des Lesers konstant
hoch zu halten.
Auch stört es nicht so, daß die Rebellengruppe
aus dem ersten Teil diesmal eher in den Hintergrund
rückt, denn der Autor versteht es gut, für die
Bewohner des Planeten OLDAN IV während der ersten
fünfzig Seiten beim Leser so viele Sympathien
aufzubauen, daß er ihrem Schicksal interessiert folgt.
Gegen Ende des Romans baut der Autor dann noch geschickt
eine neue Handlungsbene ein, die im nächsten Band
fortgeführt wird und die Lust und das Interesse an
einer Fortsetzung weckt.
Leider erregt der Inhalt nicht nur Wohlwollen, denn einige
Stellen in dem Roman offenbaren Sorglosigkeit und
Schlampigkeit.
So greifen unsere Rebellen einen Stützpunkt des
Imperiums an, dessen Kommandant auf Seite 111 einen
untergebenen Offizier dafür abkanzelt, daß dieser
den Angriff für einen der Rebellen hält. Dieses
wäre nach der Meinung des Kommandanten absoluter
Unsinn, weil die Rebellen dazu gar nicht in der Lage
wären. Ohne irgend eine Erklärung geht dann aber
schon drei Seiten später der gesamte Stützpunkt
wie selbstverständlich davon aus, daß es sich
hier um einen Rebellenangriff handelt. Hier hatte Werner
Wilbert wohl vergessen, welche Worte er nur wenige Seiten
zuvor dem kommandierenden Offizier in den Mund gelegt
hatte.
Auch ist es zumindest ungewöhnlich, daß die bei
diesem Angriff eingesetzten Kampfroboter der Rebellen alle
darauf programmiert sind, die Soldaten des Gegners gleich zu
hunderten zu töten. Die normale Genre-Konvention geht
doch so, daß brutale Gewalt immer nur von den
"Bösen" ausgeht und die "Guten" brutale Gewalt nur in
Notwehr anwenden. Da vorher geschildert wurde, daß
diese Kampfroboter alles und allem himmelhoch überlegen
sind, hätte es doch auch ausgereicht, sie mit
Betäubungsstrahlern auf den Gegner schießen zu
lassen. Noch mal zur Verdeutlichung: Dieses ist nicht falsch
oder schlecht, sondern nur höchst ungewöhnlich und
wohl dadurch zu erklären, daß Werner Wilbert mit
seinem Romanen sicherlich nicht den Friedensnobelpreis
anstrebt. Auch in diesem Buch läßt er wieder auf
gerade mal 183 Seiten eine neunstellige(!!!) Anzahl an
Lebewesen über die Klinge springen...
Ein völliger Ausfall in der Handlungslogik ist aber an
anderer Stelle zu vermelden: Unsere Rebellen bekommen einen
Hilferuf von dem Planeten OLDAN IV und erfahren, daß
dieser sich mitten in einer Schlacht befindet. Die Rebellen
beschließen, OLDAN IV zu helfen. Was tun sie dann?
Rennen sie zu ihren Schiffen und starten sofort? Nein! Da
werden erst mal neue Raumschiffe eingeweiht, sich über
ein großes Buffet hergemacht und wenn dann endlich
gestartet wird, geben sich unsere beiden
Haupthandlungsträger Doran-Kor und Lebon-Hal noch "die
Kante" bis zur Bewußtlosigkeit, da es zur Schlacht ja
noch 12 Stunden hin wären. Sicher, man muß ja zu
einer wichtigen Schlacht auch nicht ausgeruht und fit
sein...
Zuletzt sei noch auf ein Stilmittel hingewiesen, daß
mir persönlich noch nie gefallen hat und von einer
mangelnden Phantasie des Autoren zeugt, ich zitiere:
"Einhundertzehn Kampfmaschinen, von denen es jede einzelne
geschafft hätte, mehrere Divisionen von Soldaten aus
dem einundzwanzigsten Jahrhundert aufzuhalten." (91
oben).
Der Roman spielt im Jahr 11855. Wen interessieren da bitte
schön noch Bezugsgrößen aus dem 21.
Jahrhundert, also eine Zeit, die 97 Jahrhunderte(!!!)
zurückliegt? Natürlich sind SF-Romane, egal wie
weit sie zeitlich und räumlich entfernt spielen, immer
auch ein Spiegelbild der Zeit, in welcher sie entstanden
sind, was von vielen Autoren ja auch reizvoll genutzt wird.
Solche Vergleiche wie der eben zitierte stellen aber einen
erheblichen Stilbruch dar und reißen die Leser zu sehr
aus der Romanhandlung heraus. Auch bei Perry Rhodan findet
sich so etwas immer wieder. Dies ist sicherlich
Geschmackssache und mag auch einigen Leuten gefallen, in
dieser Szene stört es aber enorm, weil der Autor gerade
nicht unserer Zeit einen Spiegel vorhalten möchte oder
sie in die Zukunft extrapoliert; ihm fiel schlicht nichts
Besseres ein.
Zusammenfassend läßt sich somit feststellen,
daß wir es wie bei dem ersten Band von Imperium Omega
wieder mit einem höchst unterhaltsamen Roman zu tun
haben, der durch das hohe Tempo viele seiner Fehler
vergessen läßt. Anspruchsvolle Kost wird
natürlich nicht geboten, war aber auch nie angestrebt
und kann dem Roman deshalb nicht negativ ausgelegt
werden.
Die geneigte Leserschaft dieser Rezension möge selbst
entscheiden, ob sie mit den oben genannten Mängeln
leben kann. Aufgrund des hohen Unterhaltungswertes komme ich
aber wieder nicht umhin, dem Roman eine recht hohe Note zu
geben, denn entscheidend ist der Gesamteindruck, nicht die
Summe seiner Teile. Eine zweistellige Note ist dieses mal
aber nicht möglich, denn es machen sich durch den
Wegfall des "Neuheitsbonus", wie bei den meisten Serien,
ganz leichte Abnutzungserscheinungen bemerkbar.
Verglichen mit den anderen, bisher erschienen Wilbert
Romanen liegt "Kolonien in Not" nur knapp unter dem ersten
Band der Reihe und deutlich über dem Auftaktband von
"John Coan".
Fazit:
Druck- und produktionstechnisch (mal wieder!) völlig
mißlungener Wilbert-Roman, der sich seine dadurch
verscherzten Sympathien aber durch eine temporeiche und
fesselnde, wenn auch sehr anspruchslose Handlung mehr als
zurückgewinnt. Da der Roman fast
"Page-Turner"-Qualitäten entwickelt, erreicht er somit
trotz aller großen Mängel als gelungener
Action-Roman noch
9 Punkte.
Oliver
Naujoks
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