Zum
Inhalt:
Im Jahr 2055 ortet man zwei Objekte in der Nähe des Mars, die
sich anscheinend bekämpfen. Eines der Objekte stürzt auf
dem Mars ab, das andere verschwindet. Commander John Coan wird mit
seiner Crew auf den Weg geschickt, um die Vorkommnisse zu
untersuchen. Und so findet er auf dem Mars ein schwer angeschlagenes
Raumschiff außerirdischen Ursprungs, das jedoch ein intaktes
Beiboot mit sich führt...
Eigentlich als wöchentliche Heftserie geplant, ist nun der erste
Band der Serie "John Coan - Outerspace" als monatlich erscheinendes
Paperback erschienen - und das sogar pünktlich. Wobei das
pünktliche Erscheinen dann auch so ziemlich den einzigen
positiven Aspekt des Romans darstellt.
Wie bereits anhand des kurzen Inhaltsanrisses zu ahnen ist, erfindet
Werner A. Wilbert hier das Rad nun wirklich nicht neu. Es ist
teilweise verblüffend, wie dreist sich der Autor wohlbekannter
Elemente aus den Serien Perry Rhodan und Ren Dhark bedient. Nach
einer unnötigen Rückblendenorgie zu Anfang des Romans, die
dem Leser wohl den Charakter John Coan näherbringen soll, es
aber definitiv nicht schafft, bekommt der Leser recht schnell das
Gefühl, sich in einem schlechten Abklatsch des ersten Perry
Rhodan-Romans "Unternehmen Stardust" zu befinden, der mit einigen
Elementen aus den ersten Ren Dhark-Romanen versetzt wurde.
Hier wie dort landet man, findet ein außerirdisches Raumschiff,
wird in die Technik eingewiesen (bei Perry Rhodan nannte sich das
Hypnoschulung, bei Ren Dhark waren es Mentcaps, bei John Coan ist es
die Induktivschulung) und macht sich dann mit einem Beiboot von
dannen. Immerhin, bei PR mußte das Mutterschiff noch zerbombt
werden, hier ist es einfacher: Das Schiff ist bereits durch den
Abschuß mit nachfolgendem Absturz ziemlich hinüber.
Trotzdem bleibt zu vermuten, daß auch dieses Teil noch von
Menschen in die Luft gejagt werden wird, denn John Coans Vorgesetzte
trauen ihm anscheinend nicht so und haben ihm noch ein
Kontrollkommando hinterhergeschickt.
Hier wird dann auch spätestens deutlich, wie der nächste
Teil der Handlung weitergehen wird. Denn wie seinerzeit Perry Rhodan
macht sich auch John Coan Gedanken, ob man dieses Schiff nur einem
Teil der Menschheit in die Hände geben darf. Und wie schon
erwähnt, fürchten seine Vorgesetzten schon um seine
Loyalität, bevor er überhaupt etwas gefunden hat. Die
"Dritte Macht" läßt grüßen...
Wie der Leser vielleicht ahnen mag, habe ich entgegen meiner
sonstigen Gewohnheiten hier die komplette Handlung erzählt -
soweit sie für den Fortgang des Romans wichtig ist. Zwischen
diesen Stationen der Handlung befinden sich eigentlich nur eine
unnötige Rückblende am Anfang und eine Menge Kämpfe
gegen Roboter innerhalb des Raumschiffs, die den Leser schon allein
durch ihre Häufigkeit nerven.
Von der Handlung her kann Werner A. Wilbert den Leser aufgrund des
hohen Bekanntheitsgrades und der dadurch bedingten Vorhersagbarkeit
der Geschehnisse sicherlich nicht an seinen Roman fesseln. Seinen
"Reiz" bezieht der Roman dann auch aus einer gänzlich anderen
Richtung. Der geschätzte Kollege Dirk van den Boom schrieb in
seiner Rezension zur John Coan-Leseprobe im Fandom Observer:
"Astronomische Grundkenntnisse kann man Werner A. Wilbert nun
wirklich nicht vorwerfen." Ein schöner Satz, den ich hier jedoch
leicht abwandeln möchte: Physikalische Grundkenntnisse kann man
dem Autor nämlich auch in keiner Weise vorwerfen. Denn der Leser
fliegt geradezu durch die Handlung, während er auf den
nächsten Klops wartet, den der Autor ihm mit absoluter
Sicherheit präsentieren wird.
Eine kleine Auswahl der schönsten Fehlgriffe:
In der Rückblende fahren John Coan und Co. mit Bodenpanzern auf
dem Asteroiden Juno herum, auf dem laut Werner A. Wilbert
Schwerelosigkeit herrscht. Frage: Was hält sie denn dann auf dem
Boden? Jeder Stein, über den sie holpern, müßte sie
bei Schwerelosigkeit in den Weltraum befördern...
Aber nein, statt dessen fällt einer der Panzer in eine
Bodenspalte... (Einmal ganz davon abgesehen, daß der Fahrer des
Panzers in reiner Fahrlässigkeit handelt, wenn er bemerkt,
daß der Spalten-Radar ausgefallen ist und er trotzdem vorneweg
fährt.) John Coan läßt sich an einem Seil herab, um
die Insassen zu retten, wobei er den Insassen empfiehlt, die
Sicherheitsschaltung der Schleuse zu umgehen und das Außen- und
Innenschott gleichzeitig geöffnet zu halten, damit er das Seil
hineinlassen kann, an dem sie sich nach oben ziehen
können...
Nun gut, absolute Schwerelosigkeit wird auf diesem Asteroiden nicht
herrschen, der Panzer könnte also vielleicht leicht wie eine
Feder nach unten schweben. Wofür er jedoch das Seil braucht, ist
mir vollkommen schleierhaft. 150 Meter Höhenunterschied kann man
bei einer Schwerkraft nahe Null problemlos zurücklegen, indem
man einfach in die Luft springt und sich dann ab und zu an der
Felswand abstößt...
Der Rückstoß jedoch, der entsteht, wenn die Luft innerhalb
des Panzers entweicht, weil man die Schleuse komplett geöffnet
hat, dürfte den Panzer von dem Plateau, auf dem er liegt, direkt
in die Tiefen der Schlucht geschleudert haben...
Als man dann auf dem Weg zum Mars die Umlaufbahn der Erde erreicht
hat, teil John Coan seiner Mannschaft mit: "Vergessen Sie aber nicht,
daß wir hier oben schwerelos sind." Kurz danach beschleunigt
man innerhalb von 12 Tagen auf 80.000 km/h...
Hierbei übersieht Werner A. Wilbert dann, daß sich auch
bei Beschleunigung eine Andruckskraft entwickelt, selbst wenn um
einen herum eigentlich Schwerelosigkeit herrscht. Wirklich witzig
wird das Ganze dann jedoch, wenn John Coan & Co. nach der
Beschleunigungsphase, wenn also wirklich Schwerelosigkeit herrscht,
ihren Kaffee, Mokka, Fruchtsaft und sonstiges trinken - nein, nicht
aus irgendwelchen Trinkpäckchen, sondern aus Tassen und
Gläsern, die vor ihnen auf dem Tisch stehen...
Und am Ende gibt's dann Gegenschub, so daß man innerhalb von 40
Stunden wieder auf Null-Geschwindigkeit ist... Ja, meine Güte,
dann kann man auch in dieser Zeit auf die Endgeschwindigkeit
beschleunigen, denn für das Triebwerk macht es keinen
Unterschied, ob man beschleunigt oder Gegenschub gibt. Wilbert
schreibt hier zwar etwas von Zusatzaggregaten, aber die hätte
man auch schon am Anfang einsetzen können...
Nette Nebenbemerkung: Beim Kaffeekränzchen in der
Schwerelosigkeit wird nicht nur aus Tassen und Gläsern
getrunken, sondern auch noch die eine oder andere Zigarette
geraucht...
Während des Flugs kommt es zu einem Leck in einem Lagerraum. Um
dieses abzudichten, stellt man erstmal eine Notschleuse vor dem
entsprechenden Schott auf, das in diesen Raum führt. Diese
Notschleuse besteht aus einem Aluminium-Rahmen, der einer
widerstandsfähigen Plastikfolie mit Reißverschlüssen
Halt geben soll. Dabei wird dieser Rahmen mittels Saugnäpfen
verankert. Nun wissen wir ja alle, daß Saugnäpfe mittels
Unterdruck an ihrem Platz gehalten werden. Was passiert also, wenn in
dieser Notschleuse ein Vakuum herrscht? Richtig...
Hinzu kommt, daß man zur Sicherheit, damit die Notschleuse
nicht zu sehr belastet wird, erst das Schott und dann den diesem
zugewandten Teil der Notschleuse öffnet. Die Dekompression
könnte sonst die Notschleuse zerreißen. Ähm: Wo ist
da der Unterschied? Ob wir jetzt mit offenstehendem Innenteil der
Notschleuse die darin enthaltene Luft entweichen lassen, wenn wir das
Schott zum Lagerraum öffnen, oder ob wir das Schott erst
öffnen und dann die Dekompression in Kauf nehmen, wenn wir das
Innenteil der Notschleuse öffnen, ist doch eigentlich ziemlich
genau das gleiche - außer, daß es uns im zweiten Fall den
Reißverschluß zerreißen dürfte, wenn wir
beginnen, ihn zu öffnen, und dahinter ein Vakuum herrscht...
Aber ich glaube, das reicht schon, um dem geneigten Leser dieser
Rezension einen kleinen Überblick zu bieten. Wer mehr zu diesen
Klöpsen wissen möchte, sollte sich den Roman zulegen - in
dieser Hinsicht ist er wirklich vergnüglich.
Kommen wir lieber noch zu den Äußerlichkeiten -
schließlich: Das Auge ißt mit... ;-))) Und, um im Bild zu
bleiben: Hier wird es unappetitlich.
Daß sich die Seitenzahlen grundsätzlich an den linken Rand
der Seite verabschieden, nachdem sie dreistellig sind, ist
bestenfalls ein Nebenärgernis und beweist nur, daß der
Wilbert-Verlag seine Software nicht im Griff hat.
Ein weiterer Hinweis dafür ist auch, daß die erste Zeile
jeder rechten Seite grundsätzlich ca. 2mm kürzer ist als
die nachfolgenden. Das deutet darauf hin, daß man hier auf der
Masterseite ein unsichtbares Objekt übersehen hat, was
sicherlich kein Indiz für eine wie auch immer geartete
Professionalität ist.
Wenigstens gibt es die Aussetzer beim Seitenwechsel, wie man sie beim
ersten Band von Imperium Omega finden konnte, hier nicht mehr;
dafür scheint man nach rund 50 Seiten festgestellt zu haben,
daß der Inhalt der Tintenpatrone nicht mehr für das
komplette Buch reicht. Als Konsequenz hat man allerdings keine neue
Patrone gekauft, sondern den Drucker in den Konzeptmodus geschaltet.
Das Ergebnis ist aus dem bereits erwähnten ersten Band von
Imperium Omega bekannt: Das Schriftbild erweist sich als lausig und
wenig augenfreundlich. Die Buchstaben zerfasern und sind streifig,
die Schrift ist blaß und schlecht lesbar. Hier bleibt nur ein
Rat an den Verlag Wilbert: Ein Laserdrucker kostet derzeit zwischen
500 und 1.000 DM, wenn man an die Ausstattung keine großen
Ansprüche stellt (sprich: ohne Netzwerkkarte, ohne
PostScript-Modul, dafür aber mit PCL). Dies sind Kosten, die
sich innerhalb kurzer Zeit amortisieren, wenn man sich die
Druckkosten pro Seite ansieht. Während ein Tintenspritzer je
nach Modell ab ca. 15 Pf. pro Seite aufwärts kostet, kommt man
bei einem Laser teilweise mit unter 5 Pf. hin. Nicht zu vergessen sei
dabei, daß ein Laserdrucker im reinen s/w-Druck ein wesentlich
schärferes Schriftbild abliefert als jeder
Tintenspritzer(zumindest wenn dieser im Konzeptmodus ohne
Spezialpapier arbeitet). Natürlich kann man Seiten, die farbige
Elemente enthalten, weiterhin auf einem Tintenspritzer ausgeben, doch
für die reinen s/w-Seiten ist ein Laserdrucker geradezu ein
Muß, schon allein aus finanziellen Erwägungen, aber auch
für das Schriftbild. Das hier gebotene ist jedenfalls eine
Zumutung für den Leser.
Eine weitere Zumutung für den Leser ist der Privatkrieg, den
Werner A. Wilbert offensichtlich weiterhin gegen die deutsche
Rechtschreibung führt. Weder mit der Groß-/Kleinschreibung
kann er sich anfreunden, noch mit der Interpunktion. Das
größte Übel ist jedoch, daß der Autor die
Ausrufe- und Fragezeichen grundsätzlich mit einem Leerzeichen
vom vorhergehenden Wort trennt. Dies ist zwar eine Angewohnheit, die
in letzter Zeit oft zu bemerken ist (evtl. hat sie ja etwas mit der
neuen deutschen Schlechtschreibung zu tun), die aber nichtsdestotrotz
dazu führt, daß es immer wieder einmal passiert, daß
ein solches Satzzeichen allein in einer Zeile steht, was einen recht
ärgerlichen Effekt erzeugt...
Zumindest kann man feststellen, daß dieser Roman wohl wieder
mal nicht korrekturgelesen wurde. Die typischen Fehler, die beim
computerunterstützten Schreiben vorkommen, finden sich hier
zuhauf: Man ändert im Nachhinein einen Satz und vergißt
dabei, ihn komplett anzupassen. Nun war schon die John Coan-Leseprobe
eine wahre Fundgrube für Leute, die gerne den Rotstift
herausholen, und der Verlag hat dies damit entschuldigt, daß
hier aus Versehen die unkorrigierte Fassung gedruckt wurde, doch wenn
die Endfassung des Buches korrigiert sein soll, "freß' ich
einen Besenstiel", und der Korrektor gehört in die
Legasthenikergruppe eingewiesen. Der Verdacht liegt nahe, daß
Werner A. Wilbert selbst korrekturgelesen hat - und damit einen
weiteren Beweis für die Binsenweisheit liefert: Man sollte sich
niemals selber korrekturlesen (* Stimmt. Das darf man nur, wenn
man Heike Brand heißt oder gleichermaßen dem
Größenwahn huldigt. ;-) Heike), denn unterbewußt
ist man davon überzeugt, daß man alles richtig geschrieben
hat - die Fehler im eigenen Text übersieht man
grundsätzlich. (* Abber ihc niehmalls! Äh - hups... ;-)
Heike)
Hier ist eindeutig ein Lektor gefordert - allerdings dürfte dies
für Wilbert schwierig werden. Denn meinen Ausruf: "Ein Lektor!
Ein Königreich für einen Lektor!", den ich während der
Lektüre tätigte, kommentierte Heike nur mit: "Jetzt komm'
bloß nicht auf die Idee, mich vorzuschlagen!" Nun hat sie schon
einige Romane korrigiert, bei denen die Druckfahnen nach der
Korrektur mehr rot als schwarz aufwiesen, aber ein Wilbert-Roman ist
selbst ihr zu viel Arbeit...
Vor allem, da dieser Roman auch stilistisch sicherlich nicht zum
akzeptablen Teil der Literatur gerechnet werden kann.
Charakterisierungen sucht man hier vergeblich; Wilbert spult einfach
nur seine Handlung herunter, ohne jegliche Rücksicht auf
Charakterbeschreibungen zu nehmen. Dementsprechend schwierig ist es
auch für den Leser, die einzelnen Handlungsträger
auseinanderzuhalten, wenn auch im Vergleich zu Imperium Omega hier
wenigstens halbwegs sinnvolle Namen zur Verwendung kommen. Auch
fällt auf, daß Werner A. Wilbert bei John Coan seinen
Grundsatz: "Ein Satz = ein Absatz" ab und zu aufgegeben hat. Der
Lesbarkeit ist dies trotzdem nicht besonders förderlich. Und
wenn er sich an längeren Sätzen versucht, ist deutlich
festzustellen, daß er diese nicht im Griff hat, daß er
teilweise nicht mehr richtig weiß, wie er diese Sätze
eigentlich angefangen hat. Dies führt dann wieder zu den bereits
erwähnten stilistischen Inkompetenzen.
Zum Thema "ein Satz = ein Absatz" habe ich aber noch eine Frage:
Wieso flattert der Erstzeileneinzug der Absätze eigentlich wie
eine Fahne im Sturm? Mal sind es zwei, mal vier, mal sechs
Millimeter, die der Einzug beträgt. Sowas stört das
optische Erscheinungsbild wie auch den Lesefluß und erweckt den
Eindruck, daß hierbei absolute Amateure am Werk waren.
Fazit:
Der erste Roman der Serie John Coan hinterläßt einen
äußerst unprofessionellen Eindruck, sowohl, was das
optische Erscheinungsbild betrifft, wie auch im schriftstellerischen
Bereich. Es bleibt bei der Forderung nach einem Lektor und einem
Physiker, und inzwischen schließt sich der Ruf nach einem
Setzer an. Für den großen Spaß, den die
physikalischen Klöpse dem Leser bereiten - so daß er sie
förmlich zu suchen beginnt und sich voller Spannung fragt,
welche Unkenntnisse der Autor dem Leser als nächstes
präsentiert (jaja, Schadenfreude ist die schönste Freude) -
gibt es dann doch noch die Wertung:
2 Punkte.
|
Seit einiger Zeit als Heftserie angekündigt, wurde
diese neue SF-Serie nun als Paperback veröffentlicht,
wobei der seit Anfang dieses Jahres angekündigte
Termin, der 11.8.2001, immerhin fast gehalten wurde und der
Band nur mit einer Woche Verspätung erschien. |