Martin Hoyer:

"Chatarc - Tempelsturz"

D 2000
(199 S., Paperback, MG-Verlag, ISBN 3-931164-59-4, 24,80 DM / 12,68 EUR)
- erschienen: 2000 -

In Draghaven fristet der junge Dieb Jan im Grunde ein angenehmes Leben - sofern das Leben eines Diebes angenehm sein kann. In der Diebesgilde fühlt er sich eigentlich recht wohl, und offenbar hält das Schicksal keine weiteren Überraschungen für ihn bereit. Eines Tages jedoch kommt ein Fremder in die Gilde und löst Jan aus - der Fremde namens Areth, ein Mischling aus dem fliegenden Volk der Amesha und des Volks der Bridaner, handelt aufgrund einer religiösen Vision. Laut dieser sollen drei Mischwesen verhindern, daß die dunklen Mächte den Friedenstempel zerstören. Areth weiß auch, wer die dritte im Bunde sein wird: Die Botschafterin Chidira. Dummerweise ist die auf Veranlassung des Magiers Mortir eingesperrt worden - Mortir, der immer mehr Einfluß auf den König Etram zu gewinnen scheint und offenbar finstere Pläne verfolgt.
So schmieden Jan und Areth einen Plan zur Befreiung der Botschafterin, der auch gelingt. Damit jedoch haben sie sich Mortir zum Feind gemacht. Zudem drängt die Zeit, denn in einer gemeinsamen Vision erleben die drei Freunde die Plünderung des Friedenstempels mit. Was sie noch nicht wissen: Nicht nur sie, sondern auch noch ein Wesen weit höherer Herkunft ist äußerst interessiert daran, den Hofmagier in seine Krallen zu bekommen...

Es ist das erste Mal, daß mir ein Roman unterkommt, der komplett in Arial gesetzt wurde. Serifenlose Schriften haben natürlich ihren Vorteil, aber ob sie sich für einen längeren Text eignen, sei dahingestellt. Das scheint Geschmackssache zu sein. Es ist auf alle Fälle recht ungewöhnlich.
Im Gegensatz zur Handlung des Romans. Martin Hoyer schildert das übliche Szenario: Eine Reisegruppe - zur Botschafterin Chirida gehört natürlich ein entsprechendes Gefolge ;-) - bricht auf, um eine Queste zu erfüllen. Nichts Neues unter der Sonne also. Natürlich bleibt die Reise der Gruppe nicht ohne unerquickliche Zwischenfälle - als da wären Piraten, Soldaten Mortirs und tiefe Wälder. Stellenweise dehnt sich die Handlung trotz dieser Zwischensequenzen derart, daß der Leser meint, in einer verlangsamten Zeitzone zu stecken. Vor allem in der Mitte des Romans kommt und kommt sie nicht vom Fleck.
Wenn die Charaktere überzeugen könnten, wäre das ja nicht allzu schlimm - doch diese bleiben sehr oberflächlich und irgendwie uninteressant, trotz der Tatsache, daß sich Hoyer bemüht, ihnen eine Geschichte und Tiefe zu verleihen. Bei Jan kann man noch am ehesten so etwas wie eine Entwicklung erleben. Vielleicht liegt es auch daran, daß dem Leser nicht so ganz klar wird, wer denn jetzt eigentlich die Hauptfigur des Romans ist. Zu Beginn des Romans scheint es Jan zu sein, dann jedoch konzentriert sich der Autor auf Areth und Chidira, dann wieder auf die Nebenfiguren - kurzum, man weiß nicht recht, wer der Held dieses Romans ist. Und vor allem leuchten einem die Motive nicht ein. Gut, mag sein, daß in einer Fantasy-Welt die Menschen einfach aufgrund einer Vision losmarschieren und versuchen, einen Tempelsturz zu verhindern. Nun gut, es ist Fantasy - da muß nicht alles logisch erscheinen. ;-) Nachvollziehbar ist das allerdings nicht so recht. Außerdem sind die Götter, die die Vision ja angeblich geschickt haben, praktisch gar nicht vorhanden - außer mal in einer Anrufung der Seeleute. Scheinbar haben sie in dieser Welt nicht allzuviel Interesse an den Menschen. Nun ja, dies trifft nicht auf alle zu - und das ist gegen Ende des Romans mal eine Überraschung, die mir gefallen hat. Überhaupt gewinnt die Geschichte erst zum Schluß so richtig an Schwung und Dynamik, die vorher kaum oder gar nicht vorhanden war. Schade, daß man erst zum Schluß des Romans bemerkt, wie gut Martin Hoyer eigentlich schreiben kann.
Das merkt man zwar auch schon vorher teilweise, einige Stellen sind ihm recht gut gelungen, aber diese verliert man angesichts der gepflegten Langeweile, die vorher auf den Seiten herrscht, schnell aus den Augen.

Fazit:
Martin Hoyer kann schreiben - leider zeigt er dies nur an wenigen Stellen des Romans. Standard-Fantasy von der Stange, die erst zum Schluß dieses ersten Bandes richtig mitreißend wird.
5 Punkte

Christian Spließ


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