In Draghaven
fristet der junge Dieb Jan im Grunde ein angenehmes Leben - sofern
das Leben eines Diebes angenehm sein kann. In der Diebesgilde
fühlt er sich eigentlich recht wohl, und offenbar hält das
Schicksal keine weiteren Überraschungen für ihn bereit.
Eines Tages jedoch kommt ein Fremder in die Gilde und löst Jan
aus - der Fremde namens Areth, ein Mischling aus dem fliegenden Volk
der Amesha und des Volks der Bridaner, handelt aufgrund einer
religiösen Vision. Laut dieser sollen drei Mischwesen
verhindern, daß die dunklen Mächte den Friedenstempel
zerstören. Areth weiß auch, wer die dritte im Bunde sein
wird: Die Botschafterin Chidira. Dummerweise ist die auf Veranlassung
des Magiers Mortir eingesperrt worden - Mortir, der immer mehr
Einfluß auf den König Etram zu gewinnen scheint und
offenbar finstere Pläne verfolgt.
So schmieden Jan und Areth einen Plan zur Befreiung der
Botschafterin, der auch gelingt. Damit jedoch haben sie sich Mortir
zum Feind gemacht. Zudem drängt die Zeit, denn in einer
gemeinsamen Vision erleben die drei Freunde die Plünderung des
Friedenstempels mit. Was sie noch nicht wissen: Nicht nur sie,
sondern auch noch ein Wesen weit höherer Herkunft ist
äußerst interessiert daran, den Hofmagier in seine Krallen
zu bekommen...
Es ist das erste Mal, daß mir ein Roman unterkommt, der
komplett in Arial gesetzt wurde. Serifenlose Schriften haben
natürlich ihren Vorteil, aber ob sie sich für einen
längeren Text eignen, sei dahingestellt. Das scheint
Geschmackssache zu sein. Es ist auf alle Fälle recht
ungewöhnlich.
Im Gegensatz zur Handlung des Romans. Martin Hoyer schildert das
übliche Szenario: Eine Reisegruppe - zur Botschafterin Chirida
gehört natürlich ein entsprechendes Gefolge ;-) - bricht
auf, um eine Queste zu erfüllen. Nichts Neues unter der Sonne
also. Natürlich bleibt die Reise der Gruppe nicht ohne
unerquickliche Zwischenfälle - als da wären Piraten,
Soldaten Mortirs und tiefe Wälder. Stellenweise dehnt sich die
Handlung trotz dieser Zwischensequenzen derart, daß der Leser
meint, in einer verlangsamten Zeitzone zu stecken. Vor allem in der
Mitte des Romans kommt und kommt sie nicht vom Fleck.
Wenn die Charaktere überzeugen könnten, wäre das ja
nicht allzu schlimm - doch diese bleiben sehr oberflächlich und
irgendwie uninteressant, trotz der Tatsache, daß sich Hoyer
bemüht, ihnen eine Geschichte und Tiefe zu verleihen. Bei Jan
kann man noch am ehesten so etwas wie eine Entwicklung erleben.
Vielleicht liegt es auch daran, daß dem Leser nicht so ganz
klar wird, wer denn jetzt eigentlich die Hauptfigur des Romans ist.
Zu Beginn des Romans scheint es Jan zu sein, dann jedoch konzentriert
sich der Autor auf Areth und Chidira, dann wieder auf die
Nebenfiguren - kurzum, man weiß nicht recht, wer der Held
dieses Romans ist. Und vor allem leuchten einem die Motive nicht ein.
Gut, mag sein, daß in einer Fantasy-Welt die Menschen einfach
aufgrund einer Vision losmarschieren und versuchen, einen Tempelsturz
zu verhindern. Nun gut, es ist Fantasy - da muß nicht alles
logisch erscheinen. ;-) Nachvollziehbar ist das allerdings nicht so
recht. Außerdem sind die Götter, die die Vision ja
angeblich geschickt haben, praktisch gar nicht vorhanden -
außer mal in einer Anrufung der Seeleute. Scheinbar haben sie
in dieser Welt nicht allzuviel Interesse an den Menschen. Nun ja,
dies trifft nicht auf alle zu - und das ist gegen Ende des Romans mal
eine Überraschung, die mir gefallen hat. Überhaupt gewinnt
die Geschichte erst zum Schluß so richtig an Schwung und
Dynamik, die vorher kaum oder gar nicht vorhanden war. Schade,
daß man erst zum Schluß des Romans bemerkt, wie gut
Martin Hoyer eigentlich schreiben kann.
Das merkt man zwar auch schon vorher teilweise, einige Stellen sind
ihm recht gut gelungen, aber diese verliert man angesichts der
gepflegten Langeweile, die vorher auf den Seiten herrscht, schnell
aus den Augen.
Fazit:
Martin Hoyer kann schreiben - leider zeigt er dies nur an wenigen
Stellen des Romans. Standard-Fantasy von der Stange, die erst zum
Schluß dieses ersten Bandes richtig mitreißend wird.
5 Punkte