Band 2087: "Die Große Verheerung"

Autor: Uwe Anton

Atlan und sein Einsatzteam versuchen, mit Hilfe der acht erbeuteten Schlüssel nach "Kintradims Höhe" zu gelangen. Doch der Z-Atlas informiert sie darüber, daß ihr Ziel für Gondeln dieses Typs gesperrt ist. Auch Box-ZENTAPHER und MORHANDRA, die beiden anderen fliegenden Städte, sind nach wie vor unerreichbar.
Bei weiteren Nachforschungen in den Dateien des Z-Atlanten stößt das Team mehrfach auf die Ektapa, die Frachtagenten ZENTAPHERs, die den Gütertransport zwischen den Kabinetten durchführen. In der Hoffnung, auf diese Weise weiterzukommen, beschließt man, das Kabinett Ispargue anzufliegen, den "Bahnhof der Ektapa". Dort stößt man auf Parrim, den Pelz. Dieser ist ein Ektapa und der Oberste Frachtagent ZENTAPHERs. Von ihm erfahren Atlan und seine Freunde die Geschichte der Großen Verheerung:
Alles beginnt ohne Vorwarnung. Außerhalb von ZENTAPHER wird eine wichtige Schlacht geschlagen, von der man im Inneren des seltsamen Gebildes jedoch nicht viel mitbekommt. Plötzlich brechen alle internen Kommunikationslinien zusammen. Neunzig Prozent aller Kabinette werden durch Einwirkung einer Intervallwaffe bzw. eines nicht nachvollziehbaren Alterungsprozesses völlig verwüstet; von den restlichen Kabinetten werden zwei Drittel mehr oder weniger schwer beschädigt. Die Ektapa verlieren bis auf ihre Zentrale sämtliche Basen; von etwa 250.000 Ektapa überleben lediglich 9.500. Kintradim Crux, der Architekt ZENTAPHERs, meldet sich nicht mehr.
Die Triebwerke ZENTAPHERs sind stark beschädigt, das Gebilde ist manövrierunfähig. Acht der insgesamt vierzehn riesigen KYR-Festungen, die während der Schlacht ausgeschleust wurden, sind vernichtet, die restlichen funktionsuntüchtig. Die Zeitgeneratoren in der fliegenden Stadt MORHANDRA, die eine Manipulation der Zeitabläufe innerhalb ZENTAPHERs ermöglichen, sind ausgefallen oder vernichtet. Nach Millionen von Jahren ist ZENTAPHER scheinbar am Ende.
Schließlich trifft eine Anweisung von Kintradims Höhe ein: Die Ektapa sollen eine Schadensaufnahme durchführen. Doch der Auftraggeber identifiziert sich nicht.
Die Ektapa nehmen schließlich den Frachtverkehr in geringem Umfang wieder auf. Im Kabinett Byrmesch kommt es zu einer Explosion. Dabei wird eine Frachtgondel mit einem Kodeschlüssel gestohlen. Parrim der Pelz setzt einen Instinktkrieger auf den Dieb an, der als blauhäutiger Humanoider beschrieben wird. Der Instinktkrieger kehrt nicht zurück. Ein zweiter bleibt ebenfalls verschollen. Die Signale des Kodeschlüssels sind plötzlich nicht mehr feststellbar.
Parrim hat große Probleme, seine Position zu behaupten, die von seiner Stellvertreterin Eem'Ratma immer wieder untergraben wird. Er läßt sich einen Instinktkrieger zu seinem Schutz zuteilen. Auf einem Inspektionsflug findet er eine Supergondel, von denen angeblich keine mehr existiert. Parrim erinnert sich an den Transport eines großen Containers mit einer seltsamen Fracht. Während dieses Transportes glaubte er, in einem winzigen Moment einen Riß in der Zeit zu erleben. In diesem Moment vergingen Jahrhunderte oder Jahrmillionen; danach war alles wie vorher.
Nachdem Jahre später wieder Signale des gestohlenen Kodeschlüssel aufgefangen werden, macht sich Parrims Leibwächter an die Verfolgung des Diebes. Eem'Ratma und Hopper, ein weiterer Ektapa, unternehmen einen Mordanschlag auf den schutzlosen Parrim. Dieser wird schwer verletzt, kann jedoch durch einen Transmitter entkommen. So finden ihn Atlan und seine Begleiter.
Eem'Ratma und Hopper sind Parrim gefolgt, um sich zu vergewissern, daß er das Attenta nicht überlebt. Mondra Diamond tötet Hopper und rettet Dao-Lin-H'ay dabei das Leben. Sie bringt es jedoch nicht über sich, auch Eem'Ratma zu töten, nachdem sie diese ebenfalls ausgeschaltet hat. Atlan und sein Kommando machen sich mit Hilfe der Supergondel auf den Weg nach Kintradims Höhe. Dort angekommen, finden sie das kleine Raumfahrzeug des Unbekannten, den Mohodeh Kascha seit dreizehn Jahren verfolgt. Auch Atlan kennt dieses Fahrzeug: Sein Besitzer ist Torr Samaho, der Diener der Materie und ehemalige Kommandant der Kosmischen Fabrik MATERIA.

Um es vorwegzunehmen: Der Schluß war das Beste an diesem Roman. Er beschert dem Leser ein richtiges "Aha"-Erlebnis. Torr Samaho verschwand nach der Vernichtung MATERIAs bekanntlich einfach in der Versenkung. Nun ist er wieder da. Na ja, eine wirkliche Überraschung war sein Wiederauftauchen eigentlich nicht - in dieser Richtung war schon lange von den Lesern spekuliert worden (man vergleiche etwa die umfangreiche Diskussion im PR-Forum im Internet oder auch die Rezensionen zu älteren PR-Romanen im "Flash"). Aber immerhin: Hier zeigt sich die PR-Serie wieder einmal von ihrer von den Altlesern so geschätzten Seite. Altes, scheinbar Liegengebliebenes aus vergangenen Zyklen wird in der aktuellen Handlung wieder aufgegriffen.
Torr Samaho ist ein unsterbliches, unglaublich mächtiges Wesen, das selbst den Konflikt mit Superintelligenzen wie ES nicht gescheut hat. Man darf gespannt sein, wie Atlan und seine Crew damit zurechtkommen. Indes, wenn man die Titelvorschau sieht, dürfte das Problem (leider) in zwei, drei Romanen abgehakt werden. Die nächsten ZENTAPHER-Romane tragen die Titel "Der Ausgestoßene" (PR 2092), womit Torr Samaho gemeint sein dürfte, "Requiem für einen Ewigen" (PR 2093), und "Der Mutant und der Zwilling" (PR 2094).
Prognose: Trim Marath und sein "Schattenkrieger" haben einen neuen großen Auftritt. Eigentlich wäre das zu simpel, aber meckern wir nicht schon vorher - vielleicht kommt es anders...
Aber zurück zur Großen Verheerung. Daß ZENTAPHER ein Raumschiff der Chaotarchen ist, wird immer deutlicher. ZENTAPHER wurde bei seiner letzten Schlacht abgeschossen. Es scheint sich hier tatsächlich um die "Entscheidungsschlacht" in der Galaxis Kohagen-Pasmereix gehandelt zu haben, bei der bekanntlich acht Chaotender vernichtet wurden. Wenn das die KYR-Festungen waren, handelt es sich hier wohl um ein Trägerschiff für Chaotender oder etwas Ähnliches...
Kintradim Crux wäre dann das Äquivalent zu einem Diener der Materie auf der Seite der Chaotarchen (gewesen, da tot). Ebenso wie die Kosmokraten nehmen diese wohl massiv Einfluß auf die Kosmonukleotide.
Die Tatsache, daß ZENTAPHER nun schon so lange auf Clurmertakh liegt, wird ebenfalls ansatzweise erklärt, wenngleich noch einige "temporale" Ungereimtheiten herrschen: Nach wie vor bleibt offen, wer eigentlich für die Große Verheerung verantwortlich ist, da im Inneren ZENTAPHERs nur kurze Zeit vergangen ist. Das bleibt abzuwarten, ebenso wie Torr Samaho und seine Pläne mit ZENTAPHER, die ebenfalls im nächsten "Viererblock" aufgelöst werden dürften.
Aber auch ohne den kosmischen Überbau vermag der Roman zu überzeugen. So werden zum erstenmal Mondra Diamond und ihre psychischen Probleme einmal ausführlich beleuchtet. Eigentlich viel zu spät, bedenkt man, was die Frau hinter sich hat. Man wundert sich, daß bisher keiner der Autoren auf die Idee gekommen ist, dieses Thema in mehr als einigen Nebensätzen anzureißen. Hier hat der Roman einige starke Passagen. Was jedoch leicht nervig ist, sind Mondras ständige Wiederholungen des Satzes: "Ich funktioniere wieder!" Tut sie das wirklich???
Schön auch, daß die Rätsel um ZENTAPHER erst nach und nach aufgelöst werden. Mit diesem Doppelband wird nicht, wie zunächst angenommen, in zwei Bänden Mohodeh Kaschas Geschichte erzählt, sondern auch die Haupthandlung kommt voran. Die beiden Erzählungen (in PR 2086 Mohodeh Kascha, hier Parrim der Pelz) werden jeweils als eine von zwei Ebenen in die Romane eingebaut, und der Leser muß sich die Zusammenhänge erst nach und nach erschließen.
Auch Parrim der Pelz und seine Probleme werden recht ansprechend in Szene gesetzt. Die Charakterisierung der Figuren ist deutlich besser gelungen als im ersten Teil des Doppelbandes.
Und noch eine Anmerkung zur Rißzeichnung: Jetzt wird klar, weshalb Uwe Anton den Anzug Mohodeh Kaschas in PR 2086 so ausführlich beschrieben hat...

Fazit:
Noch etwas besser als der Vorgänger. Torr Samaho wartet (vier Wochen lang; jetzt geht es erst einmal wieder in die Milchstraße). Die Viererblöcke nerven (bleiben aber wohl). Seufz.
11 Punkte

Hans-Joachim Kleimann

Man merkt, Uwe Anton wurde bei diesem Roman ein wenig mehr Platz im Exposée eingeräumt, als dies beim Vorgänger der Fall war. "Die Große Verheerung" besticht vor allem durch hervorragende Charakterisierungen. Gerade Mondra Diamond ist selten so intensiv geschildert worden wie in diesem Roman. Man merkt ihr deutlich an, daß sie ihr seelisches Gleichgewicht noch lange nicht gefunden hat. "Ich funktioniere" - dieses fast roboterhafte Mantra, das sie sich andauernd vorbetet, deutet darauf hin, daß sie noch einen weiten Weg vor sich hat, bis sie vielleicht einmal von dem Trauma geheilt werden wird, das sie mit der Geburt ihres Sohnes und dem damit einhergehenden Verlust desselben erlitten hat. Uwe Anton gelingt es hervorragend, diesen Zwiespalt in der Persönlichkeit Mondras zu schildern. Hier spielt er seine Trumpfkarten als "Gefühlsmechaniker" voll aus. (* Moment, stammt der Begriff nicht aus irgendeinem älteren Rhodan-Roman selber? Das nenn ich mal ein Gomblimend... aber halt, das erinnert mich an was. Uwe: Mein Dank wird Dir ewig hinterherschleichen. Das war es doch, was Du lesen wolltest, oder? ;-))) Leider muß ich zugeben, daß ich diese nette Phrase von einer Bekannten geklaut habe - und nicht mal weiß, ob sie auf ihrem eigenen Mist gewachsen ist... Heike)
Von diesem Highlight wird die eigentliche Handlung des Romans eher überschattet, tritt fast schon in den Hintergrund. Immerhin ist das Endergebnis mehr oder weniger schon bekannt gewesen. Die Rückkehr Torr Samahos in die Handlung ist sicherlich nicht besonders überraschend - spätestens nach dem vorhergehenden Roman war die Identität des Eindringlings eigentlich klar. Der nächste Viererblock wird zeigen, wie man mit dem (ehemaligen?) Diener der Materie verfahren wird.
Interessant ist jedoch immer noch die Frage nach ZENTAPHER selber. Immerhin erfahren wir hier jetzt, daß dieses Gebilde beweglich war, einer Art Raumschiff gleich. Wir erfahren auch, daß dieses an einer großen Schlacht teilgenommen hat, bei der es sich eigentlich nur um die Schlacht in Kohagen-Pasmereix gehandelt haben kann. Damit liegt der Schluß nahe, daß es sich bei ZENTAPHER um einen Chaotender handelt, denn eine Kosmische Fabrik ist es sicherlich nicht. Damit stellt sich aber die Frage, wie ein Kosmokraten-Diener ein derart mächtiges Chaotarchen-Objekt in Besitz nehmen kann. Es scheint also eher so, als ob Samaho zumindest die Kosmokraten-Dienerschaft abgelegt hätte...
Wie auch immer, spätestens mit Band 2100 (bzw. dem Ende des nächsten Dommrath-Viererblocks mit Band 2095) wird wohl Samaho der Vergangenheit angehören, wenn man sich die Vorschau im PR-Magazin ansieht. Denn dann wird erwartungsgemäß die Aufgabe der SOL darin bestehen, in der Galaxis Wassermal die Pangalaktischen Statistiker zu suchen. Und da ich nicht davon ausgehe, daß man Samaho so einfach zurücklassen wird - vor allem mit dem Machtpotential ZENTAPHERs, das sich noch reichlich erhöhen wird, wenn die Station wieder komplett repariert ist - können wir wohl davon ausgehen, daß sich nicht nur das Thema Samaho, sondern auch das Thema ZENTAPHER im nächsten Viererblock lösen wird. Immerhin wissen wir inzwischen, daß man Superintelligenzen mit irgendwelchen Handstrahlern umbringen kann, also wird es wohl darauf hinauslaufen, daß irgendjemand Torr Samaho einen Schnupfen anhängt... (* Also, ich fände Yersinia pestis ja irgendwie - nun, wie soll ich sagen - stilvoller? Und dann braucht er natürlich noch dringendst eine Antibiotika-Allergie! Eine tödliche! Seufz - ich weiß, ich bin hundsgemein... Heike)
Interessant ist jedoch die Zeitspanne, die für die Wesen innerhalb ZENTAPHERS seit der Großen Verheerung vergangen ist. Denn wenn wir davon ausgehen, daß die Große Verheerung eine Folge der Schlacht zwischen den Kosmischen Fabriken und den Chaotendern in Kohagen-Pasmereix darstellt, liegt dieses Ereignis doch schon eine ziemliche Zeit zurück. Hier bleiben dann zwei Möglichkeiten. Zum einen ist denkbar, daß das Innere ZENTAPHERS nach der Großen Verheerung in eine Art "inaktiven Zustand" versetzt wurde; zum anderen wäre es auch möglich, daß der Zeitablauf extrem verlangsamt wurde. In beiden Fällen stellt sich aber die Frage, wer oder was die Station "aufgeweckt" bzw. in einen normalen Zeitablauf versetzt hat. Torr Samaho kann es eigentlich nicht gewesen sein, denn als Mohodeh Kascha die Station kurz hinter Samaho betritt, läuft bereits alles wieder seinen normalen Gang.

Fazit:
Ein gelungener Roman aus der Feder Uwe Antons, der vor allem in seinen Charakterisierungen (allen voran Mondra Diamond) besticht. Ansonsten gibt es Antworten auf einige Fragen, die jedoch direkt wieder neue Fragen aufwerfen. Der kosmische Anteil der Handlung nimmt weiter zu.
14 Punkte.

Winfried Brand

Hah - ich hatte also recht. Torr Samaho ist derjenige, der das Raumschiff ZENTAPHER, das vermutlich ein Chaotender ist, wieder instandsetzt. Das ist so ziemlich die wichtigste Information, die man in diesem Roman erhält.
Ansonsten nichts Neues von der Dommrath-Ebene: Es gibt sehr viel Handlung, die aber den eigentlichen Zyklus nicht so recht voranbringt. Mehr und mehr habe ich den Eindruck, daß die Exposé-Factory auch nicht mehr so recht weiß, was man denn mit dieser Ebene anstellen soll - wer immer noch einen Beweis dafür sucht, daß die Viererblöcke der Serie nicht guttun, der muß sich nur an die Dommrath-Ebene halten.
Nun gut, wenden wir uns mal den Charakteren zu. Einerseits ist es schön, Mondra Diamond mal wieder aktiv zu erleben. Doch was soll das heißen - sie funktioniert wieder? Das klingt, als hätte man da einen Roboter instandgesetzt, der jetzt wieder voll funktionsfähig ist. Und Mondra reagiert die ganze Zeit auch demgemäß. So gut es ist, Mondra wieder aktiv in der Handlung zu haben, so unbefriedigend ist es nun aber, sie als eine Art technische Maschine abzustempeln, die jetzt wieder - durchaus nicht ohne Zweifel - ihren Dienst aufnimmt. Das hat Mondra nun wahrlich nicht verdient.
Und schon wieder haben wir eine Lebensbeichte, einen Rückblick. Ich habe ja nichts dagegen, wenn die Autoren auf diesen Kniff zurückgreifen, aber in letzter Zeit ist es doch etwas sehr massiv. Zudem bringt diese Lebensbeichte von Parrim nun wirklich nichts neues - wir bekommen die Geschehnisse, die wir vom letzten Roman kennen, noch mal aus einer anderen Perspektive erzählt. Das mag ja sehr reizvoll sein, aber irgendwie ist es auch ziemlich überflüssig.

Fazit:
Nichts neues an der Dommrath-Front. Der Doppelband von Uwe Anton hat zwar einige Erkenntnisse gebracht, aber diese bringen die Handlung nicht besonders voran.
6 Punkte

Christian Spließ

Co-Rezensenten zu den PR-Romanen gesucht

Da Alexander Haas nur noch vereinzelte Rezensionen zu den Perry Rhodan-Romanen schreiben wird, sind wir wieder auf der Suche nach Verstärkung für das Rezensententeam. Wenn Du dich also dazu berufen fühlst, die laufende Handlung zu kommentieren, schreib einfach eine E-Mail an Winy.

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